Onocha 2016 (小野茶)

Mit dem Frühling steigt mein Grünteegenuss oft exponentiell an. Wenn alles um mich herum plötzlich so wunderschön knallgrün ist, muss ich einfach auch knallgrünen Tee trinken. Und am allerliebsten ist das japanischer Grüntee. Seit einigen Jahren schon, freue ich mich jedes Frühjahr wieder wie irre auf die Shinchazeit. Nur habe ich auch seit einigen Jahren schon ein immer wiederkehrendes Problem: ich schaff es gar nicht meine bestellten Shinchas innerhalb eines Jahres leer zu trinken. Deswegen habe ich mich dafür entschieden, mal zu testen, wie gut meine noch nicht angerissenen Grünteevorräte nach etwas Lagerzeit so sind. Denn generell heißt es ja, dass Grüntee möglichst schnell verbraucht werden sollte. Aber gilt das eigentlich auch, wenn sie fest verschlossen oder gar vakuumverpackt sind?

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Verpackung

Den offiziellen Start dieser hoffentlich weiterhin dokumentierten Testreihe macht heute ein Onocha, den ich von unserer letztjährigen Japanreise mitgebracht habe. Schon den gesamten April haben mein Monsieur und ich uns immer wieder wehmütig an die wundervolle Zeit in Japan erinnert. „Weißt du noch, letztes Jahr, da waren wir um die Zeit in Yamaguchi“ Aufgrund unserer tollen Erlebnisse mit den spannenden Leuten, die wir dort getroffen haben, wird Yamaguchi wohl erst einmal unsere Lieblingspräfektur Japans sein. Dabei ist das gar keine große Teeregion. Aber immerhin habe ich dort Teeberge besucht. Ich dachte auch, als ich die Verpackung des Onochas öffnete, dass es sich um ein Geschenk des Teevertreters handelte, der uns die Plantage gezeigt hatte. Aber nach Entziffern des Etiketts auf der Verpackung stellte ich fest, dass ich mir diesen Tee noch lange vor dem Besuch der Teeplantage beim Matchaeisladen Kosetuen gekauft hatte. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nämlich noch gar nicht, dass wir die Teeplantagen besuchen würden und nahm mir auf Hinweis unserer Gastgeber ein Päckchen Onocha mit.

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Trockenes Blatt

Da wir letztes Jahr ja leider etwas Pech mit der Shinchazeit hatten und aufgrund des langen Winters die Ernte erst Ende April 2017 begann, konnte ich fast nur Tees von 2016 kaufen. Dieser Onocha ist höchstwahrscheinlich auch von 2016, allerdings steht auf der Verpackung kein Erntedatum. Davon ausgehend hat dieser Tee also etwa 2 Jahre Lagerzeit hinter sich. Und tatsächlich fehlt diese grasige Frische beim Öffnen der Tüte. Bei Shinchas springt mir diese Frische regelrecht entgegen, hier musste ich meine Nase ziemlich tief in die Packung stecken, damit ich überhaupt etwas vom Geruch wahrnehmen konnte. Auch die Blätter sind nicht so grün wie ich es von Shincha gewohnt bin und sind auch nicht so schön gleichmäßig nadelig, sondern ziemlich brüchig. Also qualitätsmäßig eher in der unteren Gegend anzusiedeln. Aber das wichtigste ist ja immer der Geschmack.

Seit unserer Zeit in Japan bin ich, was das Aufgießen von Senchas angeht, echt viel abgebrühter. Denn fast alle Tees, die wir so in Restaurants angeboten bekamen waren ganz sicher heißer als 80°C. Einige Zeit nach unserer Rückkehr habe ich außerdem auf dem Teamasters Blog einen sehr inspirierenden Beitrag zum Aufgießen von Grüntee mit ziemlich heißem Wasser gelesen. Seitdem nehme ich je nach Lust, Laune und Menge an Tee, der mir gerade in die Kanne gerutscht ist, gerne auch kochendes Wasser für Sencha. Und es schmeckt tatsächlich super. Natürlich ist da ein großer geschmacklicher Unterschied je nach Wassertemperatur zu erkennen. Kühleres Wasser ergibt gemüsigeren Geschmack, heißeres Wasser eher herberen Grünteegeschmack. Wobei ich noch nie den klassisch auf Teebeuteln angepriesenen „spritzig herben Grünteegeschmack“ hatte. Zum Glück. Aber ich lass meinen Tee bei hohen Temperaturen auch nur minimal, manchmal auch gar nicht weiter ziehen, da die Ausgießgeschwindigkeit meiner gewählten Kanne auch noch zur Ziehzeit beiträgt.

Dieser Onocha ist ziemlich robust. Das heißt, sein Geschmack ist gar nicht so wandlungsfähig wie ich es von anderen Senchas gewohnt war. Er schmeckt heiß ziemlich gut, wird aber bei niedrigerer Temperatur nicht unbedingt gemüsiger, oft nur weniger stark im Geschmack. Bei richtig üppig gefüllter Kanne, kann er aber auch wirklich gut umami werden. Dann allerdings eher so bei 80°C und minimaler Ziehzeit. Ein bisschen Bitterkeit ist immer im Spiel, aber sie überwiegt nicht und hält sich daher sehr gut im Rahmen.

Wenn es allerdings schon wieder etwas wärmer ist, möchte ich nicht unbedingt 90°C heißen Sencha trinken und mach mir dann gerne einen schnellen Eistee, indem ich meinen Aufguss direkt über Eiswürfel gieße. Für diese Variante fülle ich die Kanne schon etwas mehr mit Tee, damit auch nach dem Schmelzen der Einswürfel noch Teegeschmack vorhanden ist.

Eine andere Variante ist die Eiswürfel direkt in die Kanne zu geben und dann den Aufguss der geschmolzenen Eiswürfel zu trinken. Das ist immer ein Erlebnis, dauert aber so einige Zeit. Ich war bei meinem Versuch so schlau, die Blätter nach bereits mehrmaligem Aufgießen mit Eiswürfeln zu überhäufen, sodass der gewünschte Geschmack nicht stark genug war.

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Aufgegossenes Blatt

Ein bisschen schockiert war ich beim Anblick des aufgegossenen Blatts. Dass die Blätter schon ziemlich kleinstückig sind, wusste ich bereits vom trockenen Blatt. Aber erst nach dem Aufgießen sind mir die vielen Stiele im Tee aufgefallen. Das ist schon eher ungewöhnlich für einen Sencha und spricht tatsächlich nur für eine niedrige Qualität.

Alles in allem ist dieser Onocha also ein guter Alltagstee, mit dem man gut spielen kann und je nach Wetter- und Gemütslage unterschiedlich zubereiten kann.

Auf einen Blick:

Onocha 2016 (小野茶)

Typ: Sencha, stark gedämpft (fukamushi) ?
Ernte: 2016
Kultivar: Yabukita
Herkunft: Ono, Yamaguchi, Japan
Pflückung: Maschine
Höhe: 50m ?
Röstung: keine
Händler: Kosetuen
Preis: k.A. (vergessen)

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Private Matchasession in Aio (秋穂)

Nach dem Besuch der Teeplantage in Ono, fragten unsere Begleitungen was wir noch machen wollten. Da wir keine Ahnung hatten, was es noch so Schönes in der Gegend gibt, zuckten wir mit den Schultern. Dann fragten sie, ob wir schon das Onsen-Hotel auf dem Berg in Aio kannten, von wo aus es eine super Sicht auf die Bucht gibt. Ja, da waren wir mit unserem Gastgeber schon. Auch im Onsen? Nein, noch nicht. Habt ihr Interesse an Onsen? Ein vorsichtiges „Ja“ von unserer Seite. Japanisches Gemurmel vorne im Auto, deutsches Gemurmel hinten im Auto: „Meinst du, ich hätte ’nein‘ sagen sollen? Fahren wir jetzt etwa zum Onsen? Ich hab ja generell Interesse daran, aber gerade jetzt wäre schon irgendwie unpassend. Ist das der Weg, den wir letztens zum Hotel gefahren sind? Das sieht ganz so aus. Ich glaub wir fahren wirklich zum Hotel. Oh Gott. Sicher? Soll ich vielleicht noch mal sagen, dass es jetzt ungünstig ist? Aber das ist vielleicht unhöflich… Und dann bogen wir in eine Hauseinfahrt ein. Jetzt gibt es Tee bei einer der Begleitungen zu Hause, denn ihr Mann ist Teelehrer. Erleichterung und Freude.

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Higashi

Schon auf dem Weg in die Küche kamen wir an einem Regal voll mit Matchaschalen vorbei. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, dass es sich zum Großteil um Hagikeramik handelte. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs in Aio waren wir noch nicht in Hagi gewesen, hatten das aber schon als Tagesausflug für die kommenden Tage geplant.

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Konpeito

In der Küche angekommen, sahen wir schon alle benötigten Sachen für die Matchazubereitung bereit stehen. Kaum saßen wir, wurde uns etwas Süßes (erst Higashi, dann Konpeito) gegeben, das wir vor dem Matcha essen sollten, damit der Geschmack des Matchas noch etwas gehoben wird. Aber ich wollte unbedingt zuschauen, wie der Teelehrer persönlich für uns den Matcha aufschlug, um eventuell ein paar Tricks zum perfekt aufgeschlagenen Matcha zu erhaschen. Es ging allerdings so schnell, da konnte ich mir nur sehr wenig abgucken.

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Matcha

Am Tisch stellte unsere Begleitung dann ihren Mann genauer vor: Er unterrichtet schon seit vielen Jahren die japanische Teezeremonie. Heute unterrichtet er vor allem Bewohner in Altenheimen, da die rituelle Teezubereitung positive Wirkung auf altersbedingte Krankheiten, wie z.B. Demenz, hätte. Das kann ich mir durchaus vorstellen und finde das ein wirklich schönes soziales Engagement. In Deutschland wäre das allerdings wohl nicht so leicht 1:1 umsetzbar, da die kulturelle Verankerung zum Tee doch sehr gering ist. Möglicherweise würde das mit der Ostfriesischen Teekultur funktionieren.

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Winterchawan aus Rakukeramik

Aber zurück zum Matcha: Als erstes bekamen wir eine ziemlich dicke schwarze Rakuschale gereicht, die wir vor dem ersten Schluck erst einmal begutachteten und bewunderten. Dabei erklärte uns der Teelehrer, dass es sich hierbei um eine Winterchawan handelt, da die Schale besonders dick und hochwandig war, was die Wärme im Winter gut hält.

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Sommerchawan

Als nächstes wurde uns eine Sommerchawan gereicht, um zu vergleichen wie sich derselbe Matcha in unterschiedlichen Schalen verhält. Insgesamt hatten wir zwei unterschiedliche Sommerchawan im Test: zuerst die gläserne Schale aus dem Beitragsbild, dann die sehr flache Keramikschale aus dem letzten Bild. Tatsächlich schmeckte der Matcha in den Sommerchawan wesentlich leichter als in der Winterchawan, was wahrscheinlich auch damit zu tun hat, dass der Matcha in den Sommerchawan wesentlich schneller abkühlen kann. Spannend fand ich auch die gläserne Matchaschale, da ich so etwas bisher noch nicht gesehen hatte. Allerdings fand ich den Matcha darin nicht so ausdrucksstark.

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Unterschiedliche Chawan aus Hagikeramik

Nach dem Matcha begann der Teelehrer uns die unterschiedlichsten Matchaschalen vorzustellen. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, welche der Schalen von welchem Künstler geschaffen wurde. Aber es war sehr interessant nicht nur mehr über Hagikeramik generell zu lernen, sondern diese gleichzeitig auch mit anderer japanischer Keramik zu kontrastieren. Noch vor der Reise hatte ich in dem Wikipediartikel über Hagikeramik gelesen, dass die Top 3 der wichtigsten Teekeramikorte Japans in dem Satz 一楽二萩三唐津 „Raku first, Hagi second, Karatsu third“ zusammengefasst werden können. Doch bis zum Treffen mit dem Teelehrer hatte ich nicht die Möglichkeit praktische Erfahrung mit diesem Satz zu verbinden. Was mich seitdem auch umso mehr beschäftigt ist die Frage nach der Authentizität von Rakukeramik, wie sie z.B. auf Dawanda schon sehr zahlreich angeboten wird. Handelt es sich um Rakukeramik, wenn diese gar nicht an dem Ort der Bezeichnung hergestellt wird? Immerhin scheint Hagikeramik ziemlich an den Ort gebunden zu sein.

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Chabako für die Teezeremonie unterwegs

Es schien als hätte der Teelehrer viel Freude daran uns seine wirklich schönen Teeutensilien zu zeigen. Denn immer wieder verschwand er kurz, um noch einen Schatz hervorzubringen. Meist waren diese Schätze in Kisten verpackt. Als er dann eine schwarze Kiste brachte, ahnte ich noch nicht, dass es sich um ein Chabako (Reiseteeset) handeln würde. Stolz packte er es Stück für Stück aus und erklärte die Funktion eines jeden Utensils. Dabei war ich überrascht, wie viele der Utensilien ich schon auf Japanisch benennen konnte!

Was sich im Chabako befindet:

  • Chashaku (茶杓): Bambuslöffel
  • Chawan (茶碗): Matchaschale
  • Natsume (棗): Matchabehälter
  • Chasen (茶筅): Bambusbesen
  • Chakin (茶巾): Tuch zum Reinigen
  • Furidashi (振出): Behälter für Konpeito
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Inhalt der Chabako

Auch wenn das Treffen mit dem Teelehrer zeitlich sehr knapp bemessen war, lernte ich doch so einige neue Sachen kennen. Nicht nur über japanische Keramik, saisonal unterschiedliche Teeschalen, sondern auch etwas japanische Teephilosophie. Während ich in Taiwan von meinem Teelehrer lernte „Das Wichtigste ist der Tee“, meinte dieser Teelehrer „Das Wichtigste sind die Menschen, die den Tee trinken“. Als Begründung für das taiwanesische Credo meinte er, dass taiwanesischer Tee so aufwendig und teuer sei, dass man ihn so wichtig nehmen müsse. So ganz sicher bin ich mir noch nicht, ob das eine schlüssige Begründung ist. Aber was ich für mich gelernt habe ist, dass ich wohl nicht ein Teedenken auf alle Tees anwenden kann: japanische Teegedanken sind für japanischen Tee passender, während chinesische Teegedanken für chinesische Tees passender sind, und taiwanesische Teegedanken für taiwanesischen Tee passender sind. Ein weiterer, auf der einen Seite banaler auf der anderen Seite bahnbrechender, Punkt, den ich gelernt habe, ist die Multifunktionalität von Teegeschirr. Matchaschalen sind nicht auf Matcha begrenzt. Man kann sie auch für Suppen verwenden. Oder Salate. Oder was auch immer man gerne in einer Schale essen oder servieren möchte. Zwar habe ich meine Matchaschale schon vor der Japanreise für Tieguanyin „missbraucht“, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen je etwas anderes als Tee hineinzufüllen. Bisher habe ich mich auch noch nicht getraut. Aber immerhin wurden meine Augen jetzt dafür geöffnet.

 

 

Teeplantage Onocha (小野茶)

Der eigentliche Plan für den Japanurlaub war auf einer Farm zu helfen, die wohl auch Teesträucher hätte. Gut, dass wir genau zur Shinchasaison nach Japan fahren würden. Dann könnte ich endlich einmal von Anfang an dabei sein und auch mal selbst Tee pflücken und alle Schritte bis zum fertigen Tee erleben. Ihr merkt schon: hätte, würde, könnte. Es sollte nicht sein. Unsere „Farm“ war noch keine und Teesträucher waren noch ziemlich weit entfernte Zukunftsmusik. Natürlich war auch längst noch keine Shinchasaison da der Winter dieses Jahr etwas länger als sonst dauerte. Ich war schon leicht verzweifelt. Aber dann änderten wir alle unsere Reisepläne, landeten bei tollen Gastgebern und lernten durch diese die richtigen Leute kennen, sodass ich letztendlich doch noch eine Teeplantage besuchen konnte!

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Die beiden Damen, die uns nach Ono brachten, lernten wir bei einer Testpilgerfahrt für internationale Teilnehmer kennen. Was auf den ersten Blick ziemlich seltsam klingt, war eigentlich sehr spannend und lehrreich: Es gibt in Japan mehrere buddhistische Pilgerwege, wovon der berühmteste der 88-Tempel-Weg auf Shikoku ist. Von diesem Pilgerweg gibt es wiederum so einige Kopien, wovon der 33-Tempel-Weg in Chûgoku eine ist. Manche der Tempel vom Chûgoku-Pilgerweg sind auch in Yamaguchi gelegen, was unsere Gastgeberin ins Spiel bringt. Denn sie ist für die Bekanntmachung dieser Pilgerreise in der Region zuständig und hat deswegen zusammen mit ihren Kollegen eine Testpilgerfahrt für internationale Teilnehmer organisiert. Grundgedanke dabei ist, in einem kleineren Rahmen den Ablauf dieser traditionellen Pilgerreise kennen zu lernen. Geführt von einem ziemlich jungen buddhistischen Mönch, besuchten wir 4 Tempel, klingelten dort mit Glöckchen, tranken etwas Tee und bekamen etwas zu essen.

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Außerdem kann man sich während so einer kleinen Wanderung ganz wunderbar unterhalten. Da die Veranstaltung ja für internationale Leute war, ging das auch mit sehr beschränkten Japanischkenntnissen ohne größere Probleme. Mit einer unserer beiden Teeführerinnen unterhielt ich mich sehr nett und erzählte ihr von meinem Interesse an Tee. Da wurde sie ganz aufgeregt, holte eine andere ältere Dame herbei und erzählte, dass diese die japanische Teezeremonie unterrichte. Und ob wir denn schon Tee aus Ono probiert hätten? Und ob wir nächste Woche Zeit hätten mit ihr gemeinsam nach Ono zu fahren, um uns die Teegärten anzuschauen. Da wir unsere Reisepläne eh gerade neu schmieden mussten, sagten wir kurzerhand zu und hatten ein Teegartendate. Übrigens führte diese Abmachung erst zur Kawarasobaparty, da unsere Gastgeber die beiden älteren Damen gar nicht kannten, sich aber mit ihnen absprechen mussten, da wir uns nur sehr notdürftig verständigen konnten.

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Aber die Verabredung stand und ich freute mich wie irre! Den Tag vor unserem Teeausflug erklärte uns unsere Gastgeberin auch noch, dass wir einen Promoter der Teeregion Ono kennenlernen würden, der uns den Garten zeigt und sämtliche Fragen beantworten kann. Also quetschten wir uns zu fünft (vier Erwachsene und das Oolongchen) in einen ziemlich kleinen Wagen und fuhren eine gute Stunde durch die weiten Yamaguchis.

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Beim Teegarten angekommen, fuhren wir auf eine kleine Anhöhe wo der Teepromoter schon auf uns wartete. Kaum waren wir aus dem Auto ausgestiegen und hatten uns alle gegenseitig begrüßt und mehrmals verbeugt, bekamen wir eine Tüte voll Geschenke in die Hand gedrückt. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet! Es gab kalten Onocha in Flaschen für alle zum Trinken, eine Teekanne mit passenden Tässchen, eine Packung Onocha und ein Teebuch! Erst als wir das alles bestaunt hatten, wandten wir uns den Teebüschen zu.

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Was mir als erstes auffiel, im Vergleich zu den von mir gewohnten taiwanesischen Teegärten, ist die Abwesenheit von jeglicher anderer Vegetation. Es gibt weit und breit nur Teebüsche, die in langen Reihen heckenähnlich verlaufen. In Taiwan waren die einzelnen Büsche oft noch gut zu erkennen, oft wurden die Büsche nicht getrimmt und außerdem waren die einzelnen Gärten wesentlich kleiner, sodass es zumindest andere Bäume als Abgrenzung zum Nachbarfeld gab. Während ich so darüber nachdachte, erzählte unser Teepromoter, dass die Büsche alle 7 Jahre ausgetauscht werden müssen, da sie sonst nicht genug Ertrag bringen. Außerdem müssen sie ordentlich mit Nitrat gedüngt werden, weil der Boden durch diese Monokulturen so ausgelaugt ist. Deswegen sei da auch kein Biotee möglich. Hmm. Außerdem wird ausschließlich ein Kultivar verwendet: Yabukita. Laut eines meiner japanischen Teebücher (die ich auch noch irgendwann vorstellen muss) macht Yabukita einen Anteil von 75% der Teesträucher in Japan aus. Was ich in Taiwan auch noch nie in Teegärten gesehen hab sind solche Ventilatoren. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass die die Teebüsche vor Frost schützen sollen.

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Weil ich aufgrund der Auswahl bei meinem Lieblingsonlineshop für japanische Biotees (ich werde für die Werbung nicht bezahlt und schwärme aus komplett freien Stücken) so eine große Vielfalt hinsichtlich der Herkunft, aber auch der Kultivare und Herstellungsverfahren, kennengelernt habe, hatte ich wahrscheinlich viel zu hohe Erwartungen an die doch eher unbekannte Teeanbauregion Ono. Diese Ernüchterung, dass es sich hierbei wahrscheinlich um ganz simplen konventionellen Massentee handelt, hat auch dazu geführt, dass ich mich noch nicht getraut habe den geschenkten Onocha zu probieren. Aber das kommt noch. Versprochen.

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Eine kleine Wiedergutmachung war jedoch die Erlaubnis, selbst Tee zu pflücken. Wir durften die zarten hellgrünen Triebe noch vor der Shinchaernte pflücken! Es hat richtig Spaß gemacht, aber irgendwie hatte ich gedacht, dass wir schon viel mehr Tee zusammen gehabt hätten als dann wirklich im Beutel war. Den Beutel nahm eine unserer Begleiterinnen mit und ich fragte mich schon was sie mit dem Tee vorhatte. Aber später am Tag sollten wir noch ihren Mann kennenlernen, der ein Teelehrer ist.