Sanxia Pi Luo Chun und Verwandte (三峽碧螺春)

Kurz vor Ende des Urlaubs ging es noch zusammen mit meinem Teelehrer nach Sanxia (). Das ist eine Gegend in der Nähe von Taipei, die vor allem für ihre Grünteeproduktion in Taiwan bekannt ist. Und generell wird oft nur von einem einzigen Grüntee aus Taiwan gesprochen, weil ansonsten eher Oolongs und Schwarztees produziert werden. Laut meines Teelehrers wurde Sanxias Grünteeanbau durch die japanische Besetzung Taiwans gefördert. Zu der Zeit wurde in Sanxia sogar auch Sencha angebaut! Mittlerweile hält sich nur noch der Sanxia Pi Luo Chun, wobei auch dieser eher als einfacher und sehr erschwinglicher Tee gehandelt wird.

Teefelder
Teefelder

In Sanxia besuchten wir einen lokalen Teebauern, dessen Teefelder und auch Produktsstätte schon um einiges größer als die der Familie meines Teelehrers sind, aber dennoch noch als ganz gut übersichtlich beschrieben werden können. Hauptsächlich baut dieser Teebauer die lokale Varietät des X () an, welcher sich besonders gut für Sanxia Pi Luo Chun eignet. Weiter hinten in den Feldern stehen aber auch ein paar Qingxin Oolongbäumchen, die aber weniger für Pi Luo Chun verwendet werden.

Bioteesträucher dürfen auch Insekten beherbergen
Bioteesträucher dürfen auch Insekten beherbergen

Zwar kauft der Teebauer auch bei anderen Bauern Tee ein, um diesen dann weiter zu verarbeiten, aber dabei legt er Wert, dass es sich um ökologisch angebauten Tee handelt. Inwieweit dieser ökologische Anbau geregelt ist, kann ich nicht sagen. Aber ein wichtiges Kriterium ist auf jeden Fall die Art des Düngens und ob Insektenschutzmittel verwendet worden sind. Letzteres kann man bei den Teesträuchern des Teebauerns schnell verneinen, da sich fröhlich allerlei Krabbeltier in den Blättern einnisten. Natürlich ist das nicht ganz zur Freude der Teebauern, da somit vor allem auch junge Triebe angefressen werden, aber lieber angeknabberte Blätter und volles Aroma als Gift in der Tasse.

Teeschaufeln und Körbe
Teeschaufeln und Körbe

Bei unserem Besuch durften wir auch die Teeproduktionsstätte besuchen. Auch die ist um einiges größer, als was ich von der Familie meines Teelehrers kannte. Die Maschinen sind sehr ähnlich, allerdings unterscheidet sich die Herstellung bei grünem Tee erheblich von Oolong. Nach der Ernte werden die Blätter zwar auch zunächst in Bambuskörben gelagert, aber nicht für lange Zeit und ohne Auflockerung, da die Fermentation bei Grüntee minimal sein sollte.

Maschinen zur Trocknung des Tees
Maschinen zur Trocknung des Tees

Um die Fermentation zu stoppen, müssen die Blätter erhitzt werden. Das geschieht in diesen Trommeln, die die Blätter bei etwa 300°C trocknen.

Pi Luo Chun im Vergleich: links fertig, rechts unfertig
Pi Luo Chun im Vergleich: links fertig, rechts unfertig

Normalerweise ist Frühjahr die richtige Zeit für Pi Luo Chun, aber es gibt auch eine Herbsternte, die gerade noch in der Verarbeitung steckt. Damit der Pi Luo Chun komplett fertig ist, muss er insgesamt zwei Mal getrocknet werden. Bisher wurde die erste Trocknung schon durchgeführt, für die zweite müssen aber vorher noch die welken, gelben, zu großen Blätter und Stiele aus dem Tee sortiert werden. Wenn man unfertigen mit fertigen Pi Luo Chun vergleicht, dann fällt schon beim Anfassen des trockenen Blattes auf, dass der unfertige Tee noch leicht feucht und noch nicht so knusprig ist. Auch aufgegossen unterscheiden sich beide Tees geschmacklich voneinander: dem unfertigen Tee fehlt eindeutig noch ein bisschen das Röstaroma, welches auch durch das Trocknen hervorgerufen wird. So sehr ich auf den Pi Luo Chun auch gespannt war, irgendwie wollte ich nicht so recht mit ihm warm werden. Entweder war ich zu sehr an stark fermentierte Tees gewöhnt oder meine Erinnerung an chinesischen Pi Luo Chun versperrte mir ein wenig den Zugang.

Sanxia Longjing
Sanxia Longjing

Neben Pi Luo Chun verarbeitet der Teebauer seinen Tee aber auch noch zu anderen Teesorten. Zum Beispiel Sanxia Longjing. Schon von der Erscheinung her ist dieser Longjing ganz anders als der weltweit bekannte Xihu Longjing aus China. Ganz ehrlich, ein bisschen war ich schon enttäuscht, dass es sich beim Sanxia Longjing um einen kaum platten Tee handelt. Und auch geschmacklich konnte er mich leider nicht ganz überzeugen. Statt der leichten Würze, die ich bisher von Longjing gewohnt war, kam dieser Tee ziemlich ruppig, sogar leicht bitter daher.

Weißer Tee aus Sanxia
Weißer Tee aus Sanxia

Nach den beiden, für meine Bedürfnisse, nicht zufriedenstellenden Tees, stellte der Teebauer noch ein kleines Experiment vor: weißen Tee aus Sanxia. Und den fand ich lecker. Denn von Bitterkeit war da keine Spur und schon beim ersten Schluck konnte ich diesen Tee auch locker als weißen Tee erkennen.

Auch wenn mich jetzt die Grüntees nicht vom Hocker gehauen haben, fand ich es toll endlich auch mal Sanxia kennen gelernt zu haben. Und was mich an diesem Teebauern am meisten fasziniert hat, ist seine Experimentierfreude so ganz nach dem Motto: wie viele unterschiedliche Teesorten bekomme ich aus einem Baum?

Kombucha Runde 7: Pu Er Bai Ya vs. Da Hong Pao

Schon beim letzten Kombuchapost hatte ich berichtet, dass einer meiner Kombuchaansätze ganz fies von Fruchtfliegen heimgesucht wurde. Genau das passierte mir auch in Runde 6, die ich genau deswegen nicht weiter dokumentiert hatte. Echt schade, aber das hält mich nicht davon ab, weiter mit Kombucha zu experimentieren. Diese Runde stellte ich meinen Kombuchaansätzen mal naturbelassenen Rohrohrzucker (im Grunde genau die Ursüße, die ich für meine Bubbles genommen hatte) vor. Denn irgendwo (leider weiß ich nicht mehr wo genau) hatte ich mal gelesen, dass das die Scobys wohl richtig gerne mögen. Farblich war das jetzt nicht so ganz beeindruckend. Beide meine Ansätze, der Pu Er Bai Ya ebenso wie der Da Hong Pao waren nach Zuckerzusatz einfach nur noch schwarz. Damit die eigentlichen Teeausgangsfarben besser zu sehen sind, habe ich das mal kontrastiert:

Tee ohne und mit dunklem Rohrohrzucker (Mitte): links Pu Er Bai Ya, rechts: Da Hong Pao
Tee ohne und mit dunklem Rohrohrzucker (Mitte): links Pu Er Bai Ya, rechts: Da Hong Pao

Dieses Mal achtete ich auch penibelst auf jede Fruchtfliege, die sich meinen Babys nähern wollte. Glücklicherweise waren aber kaum welche auf Angriff eingestellt. Und so entwickelte sich mein Kombucha ganz wunderbar. Der Pu Er Bai Ya produzierte sogar meinen bisher größten neuen Scoby. Fingerdick! Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Liegt das echt am Zucker? Immerhin hat die dunkle Farbe ziemlich nachgelassen.

Fertiger Ansatz
Fertiger Ansatz
Kombucha vor der Ernte
Kombucha vor der Ernte
Mein größter Scoby bisher (mind. 1cm Dicke!)
Mein größter Scoby bisher (mind. 1cm Dicke!)

Geschmacklich nahmen sich beide Kombuchas nicht allzu viel, denn beide waren ganz schön sauer. Vielleicht sollte ich, gerade im Sommer, nicht volle zwei Wochen bis zur Ernte warten. Seltsamerweise macht es mir mittlerweile viel mehr Spaß den Scobys beim Wachsen zuzusehen, als den fertigen Kombucha eigentlich zu trinken. Aber ich hab da schon eine Idee. Was das genau ist, verrate ich hier aber noch nicht. Ich muss erstmal ein bisschen experimentieren.

Fertiger Kombucha: links Pu Er Bai Ya, rechts Da Hong Pao
Fertiger Kombucha: links Pu Er Bai Ya, rechts Da Hong Pao