Teetour durch Berlin

Nach langer Zeit stand mal wieder Berlin auf dem Plan. Ursprünglich war ein anderes Teeevent geplant, aber da das ausfiel, plante meine liebe Teefreundin eine Teetour durch Berlin für uns. Einen ganzen Samstag. Tee bis zum Umfallen. Es war ein Traum!

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Um gut gestärkt das Teetrinken zu beginnen, starteten wir mit einem Frühstück im Spreegold. Leider war ich zu beschäftigt und hungrig, um Fotos vom Essen zu machen, auch wenn dieses wirklich sehr lecker war. Zu meinem English Breakfast trank ich einen Green Mango Ice Tea, der Monsieur wählte einen Black Lemon Ice Tea, und meine Teefreundin trank den ersten von insgesamt 4 Matcha Latte, die wir an diesem Tag noch bestellen würden. Das Essen war hervorragend, die Tees alle so naja. Die Eistees waren mit Teebeuteln und irgendwie schmeckten alle Tees nicht besonders stark nach Tee. Aber das macht nichts, schließlich war das Spreegold noch nicht offiziell teil unserer Teetour.

Paper & Tea

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Damit das Oolongchen ein bisschen schlafen konnte, liefen wir vom Spreegold gemütlich zu Paper & Tea. Wer noch ein bisschen Zeit hat, kann auf dem Weg dahin auch noch einen Abstecher ins Tee & Ton machen, oder beim Pan (philippinisches Restaurant) vorbeischauen. Wir kamen auch noch an einer Filiale der Biocompany vorbei, wo ich den Raw Kombucha von ManuTeeFaktur kaufen wollte. Leider, leider war der aber schon alle.

Bei Paper & Tea angekommen, durften wir gleich einen sehr spannenden weißen Tee verkosten: Chikondi Beads aus Malawi. Zum Einen wusste ich bis dahin nicht einmal, dass es afrikanischen weißen Tee gibt, zum Anderen fand ich die zu Kokons gerollten Teeblätter unglaublich faszinierend. Allerdings wollte dieser Tee meine Begeisterung über das Äußere nicht geschmacklich fortführen. Irgendwie kam der nicht so ganz durch. Also, er war auf jeden Fall angenehm und nicht so typisch weißteemuffig, aber so richtig wumms hat es auch nicht gemacht. Ich habe trotzdem hin und her überlegt, ob ich etwas davon mit nach Hause nehmen sollte, da ich nach wie vor die Form der trockenen Teeblätter so schön fand. Als sich das Blatt dann aber auch nach dem dritten Aufguss nicht entrollen wollte, war ich enttäuscht und entschied mich gegen einen Kauf. Überhaupt habe ich noch viel zu viel Tee zu Hause, sodass ich mir als Ziel für die Teetour gesetzt habe: ganz viel Tee trinken, aber nichts mit nach Hause nehmen. Deswegen holte ich mir beim Rausgehen noch eine Matchalimo. Und die musste natürlich gleich probiert werden. Die Zitrone schmeckte ich sofort raus, den Matcha irgendwie ganz wenig. Dabei war die Limo so richtig schön dunkelgrün. Meine Teefreundin fand die Limo super, nur der Monsieur und ich hätten gern noch mehr Matcha geschmeckt. Vielleicht sind unsere Gaumen noch an Japan gewöhnt.

Mamecha

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Vom Paper & Tea ist es nur ein Katzensprung zum Mamecha. Aber wir haben uns auf dem Weg zum Paper & Tea und auch darin so viel Zeit gelassen, dass es schon wieder Mittag war und wir tatsächlich auch Hunger verspürten, als wir das Mamecha betraten. Gut, vorher stöberten wir noch kurz durch den kleinen aber feinen Laden neben dem Restaurant, wo es wirklich allerlei Niedliches aus Japan gibt. Aber auch davon haben wir aus Japan eine Menge mitgebracht. Also, rüber zum Teetrinken und essen. Meine Teefreundin und ich teilten uns eine Kanne Fukamushi (stark gedämpft) Sencha, der sogar mit einer Anleitung für die weiteren Aufgüsse kam. Wirklich sehr schöner Tee. knallegrün und lecker. Ebenso kommt der zweite Matcha Latte des Tages daher. Und auch das Essen, wir hatten japanisches Curry und ein vegetarisches Bento, war super. Pappsatt und sehr zufrieden ging es dann erst einmal auf den Spielplatz gegenüber.

Nannuoshan

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Und dann schlenderten wir gemütlich zum Nannuoshan, ein Teehaus, das wirklich schon lange auf meiner To-Do-Liste stand. Auf dem Weg dahin kamen wir an noch zwei weiteren Teeorten vorbei: 1. dem Chen Che Teehaus, in welches wir nur reinlugten, da wir ja einen straffen Plan hatten, welches aber wirklich ein schönes Ambiente versprach, und 2. der inoffiziellen Botschaft Taiwans, der Bubbletealaden Come Buy. Nur verspürte ich keinerlei Verlangen nach Bubbletea, da ich seit meinem letzten Besuch feststellen musste, dass mein selbstgemachter Bubbletea wirklich um einiges besser schmeckt.

Nachdem wir erst in ein paar andere Höfe lugten und kein Teehaus entdeckten, landetetn wir dann doch in den Heckmann-Höfen, wo ich tatsächlich schon einmal vor fast 10 Jahren während eines Schulausflugs zur Neuen Synagoge, war. Allerdings gab es da das Nannuoshan noch nicht. Und meine Teeliebe steckte noch in Babyschühchen. Auf jeden Fall war das Nannuoshan für mich Liebe auf den ersten Blick: sehr simplistisch eingerichtet mit weißen Teebehältern, die chinesisch beschriftet waren. Und wie ich mich freute, was ich da lesen konnte! Klassiker der chinesischen Teekultur, ergänzt um ein paar Taiwanoolongs und japanische Grüntees. Die Begeisterung ging dann weiter, als die Teekarte zum Vorortgenießen auch die Möglichkeit der Gong-Fu-Zubereitung enthielt. Also bestellten wir einen gelben Tee, den Meng Ding Huang Cha, da ich bisher so selten die Gelegenheit hatte überhaupt gelbe Tees zu trinken, und gongfuten fröhlich auf dem kleinen Bambustischchen vor uns hin. Leider konnte der Tee mich nicht so ganz begeistern und ich ärgerte mich ein bisschen, dass ich nicht einen anderen Tee gewählt hatte. Aber als Ausgleich kaufte ich einige Teeproben (jaja, viel trinken, nichts mitnehmen, ich weiß). Da es als Tagesangebot unter anderem auch einen Matcha Latte gab (der dritte für uns), konnte mein Monsieur nicht wiederstehen. Allerdings war dieser mit Sojamilch und der Sojageschmack doch etwas sehr präsent. All das konnte allerdings nicht meine Freude, ein Stückchen chinesisches Teehaus in Deutschland gefunden zu haben, nehmen. Ich komme auf jeden Fall wieder!

Macha Macha

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Obwohl wir schon nach dem Nannuoshan ordentlich einen im Tee hatten, entschieden wir uns noch einen letzten Abstecher ins Macha Macha zu machen. Das ist zwar etwas abseits der anderen Teeorte gelegen, aber einfach mit der U8 vom Rosenthaler Platz aus zu erreichen, da es ziemlich nah an der U-Bahnhaltestelle Hermannplatz gelegen ist.

Das Wetter war zwar richtig schön, und somit die Außenterrasse bei unserem Eintreffen gut besucht, wir wählten allerdings den geräumigen Tatamiraum weil das die einfachste Lösung mit Kind war. Dachten wir. Denn das Oolongchen entdeckte ganz schnell die Kieselsteine am Fenster und dass die prima in die Schlitze der Lüftungsrinne davor passen. Wir waren also den Rest der Zeit damit beschäftigt, das kleine Sturköpfchen von den Steinen fernzuhalten. Trotzdem schafften wir es so einiges von der Karte zu probieren: Matcha Cheesecake, Matcha Bier, Matcha Latte (der vierte!), Schokoladentrio, Sencha mit Yuzu, und eine Schale Matcha pur. Ich selbst hatte das Schokoladentrio und die Schale Matcha pur. Ich wählte bewusst den teuersten Matcha (8,50 € für eine Schale) und fand den richtig lecker aber nicht megahammerobergeil. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch. Aber die Schokolade (von nazuna) war super! Die Geschmacksrichtungen waren dunkle Schokolade mit Yuzu, Vollmilch mit Sesam und weiße Schokolade mit Matcha. Die Sesamschokolade war etwas langweilig vom Geschmack her, aber die Yuzuschokolade haute mich komplett um, wobei die Matchaschokolade dicht gefolgt einen guten zweiten Platz belegte. Am Matchabier vom Monsieur konnte ich auch nippen, da es sich um alkoholfreies Bier handelte. Das war zwar richtig schön matchagrün, aber geschmacklich siegte eher das alkoholfreie Weizen. Schade. Auch der Cheesecake hatte ein ähnliches Los: supercheesecakig und schön grün, aber geschmacklich war der Matcha irgendwie im Hintergrund. Matcha Latte konnte ich am Ende des Tages eigentlich nicht mehr sehen, wobei ich ja keinen einzigen bestellt hatte, und nahm auch nur des Tests wegen ein Schlückchen. Joah, wieder Sojamilch. Da knabberte ich lieber genüsslich an meiner Schokolade. Minibiss für Minibiss. Und dann mussten wir das Macha Macha leider fluchtartig verlassen weil das Oolongchen einfach müde war und raus wollte. Nach der Teetour auch kein Wunder. Eigentlich waren wir alle ziemlich platt. Und so glücklich! Ich konnte am Abend sogar ohne Probleme einschlafen!

Damit die Tour noch etwas besser nachzuverfolgen ist, habe ich alle Orte, die wir besucht und gestreift haben mal markiert.

Falls jemand noch andere tolle Teeorte in Berlin kennt, immer her damit. Ein nächstes Mal gibt’s bestimmt.

Sanxia Pi Luo Chun und Verwandte (三峽碧螺春)

Kurz vor Ende des Urlaubs ging es noch zusammen mit meinem Teelehrer nach Sanxia (). Das ist eine Gegend in der Nähe von Taipei, die vor allem für ihre Grünteeproduktion in Taiwan bekannt ist. Und generell wird oft nur von einem einzigen Grüntee aus Taiwan gesprochen, weil ansonsten eher Oolongs und Schwarztees produziert werden. Laut meines Teelehrers wurde Sanxias Grünteeanbau durch die japanische Besetzung Taiwans gefördert. Zu der Zeit wurde in Sanxia sogar auch Sencha angebaut! Mittlerweile hält sich nur noch der Sanxia Pi Luo Chun, wobei auch dieser eher als einfacher und sehr erschwinglicher Tee gehandelt wird.

Teefelder
Teefelder

In Sanxia besuchten wir einen lokalen Teebauern, dessen Teefelder und auch Produktsstätte schon um einiges größer als die der Familie meines Teelehrers sind, aber dennoch noch als ganz gut übersichtlich beschrieben werden können. Hauptsächlich baut dieser Teebauer die lokale Varietät des X () an, welcher sich besonders gut für Sanxia Pi Luo Chun eignet. Weiter hinten in den Feldern stehen aber auch ein paar Qingxin Oolongbäumchen, die aber weniger für Pi Luo Chun verwendet werden.

Bioteesträucher dürfen auch Insekten beherbergen
Bioteesträucher dürfen auch Insekten beherbergen

Zwar kauft der Teebauer auch bei anderen Bauern Tee ein, um diesen dann weiter zu verarbeiten, aber dabei legt er Wert, dass es sich um ökologisch angebauten Tee handelt. Inwieweit dieser ökologische Anbau geregelt ist, kann ich nicht sagen. Aber ein wichtiges Kriterium ist auf jeden Fall die Art des Düngens und ob Insektenschutzmittel verwendet worden sind. Letzteres kann man bei den Teesträuchern des Teebauerns schnell verneinen, da sich fröhlich allerlei Krabbeltier in den Blättern einnisten. Natürlich ist das nicht ganz zur Freude der Teebauern, da somit vor allem auch junge Triebe angefressen werden, aber lieber angeknabberte Blätter und volles Aroma als Gift in der Tasse.

Teeschaufeln und Körbe
Teeschaufeln und Körbe

Bei unserem Besuch durften wir auch die Teeproduktionsstätte besuchen. Auch die ist um einiges größer, als was ich von der Familie meines Teelehrers kannte. Die Maschinen sind sehr ähnlich, allerdings unterscheidet sich die Herstellung bei grünem Tee erheblich von Oolong. Nach der Ernte werden die Blätter zwar auch zunächst in Bambuskörben gelagert, aber nicht für lange Zeit und ohne Auflockerung, da die Fermentation bei Grüntee minimal sein sollte.

Maschinen zur Trocknung des Tees
Maschinen zur Trocknung des Tees

Um die Fermentation zu stoppen, müssen die Blätter erhitzt werden. Das geschieht in diesen Trommeln, die die Blätter bei etwa 300°C trocknen.

Pi Luo Chun im Vergleich: links fertig, rechts unfertig
Pi Luo Chun im Vergleich: links fertig, rechts unfertig

Normalerweise ist Frühjahr die richtige Zeit für Pi Luo Chun, aber es gibt auch eine Herbsternte, die gerade noch in der Verarbeitung steckt. Damit der Pi Luo Chun komplett fertig ist, muss er insgesamt zwei Mal getrocknet werden. Bisher wurde die erste Trocknung schon durchgeführt, für die zweite müssen aber vorher noch die welken, gelben, zu großen Blätter und Stiele aus dem Tee sortiert werden. Wenn man unfertigen mit fertigen Pi Luo Chun vergleicht, dann fällt schon beim Anfassen des trockenen Blattes auf, dass der unfertige Tee noch leicht feucht und noch nicht so knusprig ist. Auch aufgegossen unterscheiden sich beide Tees geschmacklich voneinander: dem unfertigen Tee fehlt eindeutig noch ein bisschen das Röstaroma, welches auch durch das Trocknen hervorgerufen wird. So sehr ich auf den Pi Luo Chun auch gespannt war, irgendwie wollte ich nicht so recht mit ihm warm werden. Entweder war ich zu sehr an stark fermentierte Tees gewöhnt oder meine Erinnerung an chinesischen Pi Luo Chun versperrte mir ein wenig den Zugang.

Sanxia Longjing
Sanxia Longjing

Neben Pi Luo Chun verarbeitet der Teebauer seinen Tee aber auch noch zu anderen Teesorten. Zum Beispiel Sanxia Longjing. Schon von der Erscheinung her ist dieser Longjing ganz anders als der weltweit bekannte Xihu Longjing aus China. Ganz ehrlich, ein bisschen war ich schon enttäuscht, dass es sich beim Sanxia Longjing um einen kaum platten Tee handelt. Und auch geschmacklich konnte er mich leider nicht ganz überzeugen. Statt der leichten Würze, die ich bisher von Longjing gewohnt war, kam dieser Tee ziemlich ruppig, sogar leicht bitter daher.

Weißer Tee aus Sanxia
Weißer Tee aus Sanxia

Nach den beiden, für meine Bedürfnisse, nicht zufriedenstellenden Tees, stellte der Teebauer noch ein kleines Experiment vor: weißen Tee aus Sanxia. Und den fand ich lecker. Denn von Bitterkeit war da keine Spur und schon beim ersten Schluck konnte ich diesen Tee auch locker als weißen Tee erkennen.

Auch wenn mich jetzt die Grüntees nicht vom Hocker gehauen haben, fand ich es toll endlich auch mal Sanxia kennen gelernt zu haben. Und was mich an diesem Teebauern am meisten fasziniert hat, ist seine Experimentierfreude so ganz nach dem Motto: wie viele unterschiedliche Teesorten bekomme ich aus einem Baum?