Teeseminar im Nannuoshan: Tieguanyin – Die Königin der Oolong Tees

Als wir letztes Wochenende eigentlich wegen der Berlin Beer Week in der Hauptstadt landeten, war ein Treffen mit der besten Teefreundin natürlich nicht weit her. Und als wir dann in der zweiten Bar saßen und ich genüsslich an meinem zweiten IPA schlürfte und sich doch alles etwas mehr als gedacht drehte, war mit einem Schlag wieder alles klar als meine Freundin sagte: „Im Nannuoshan gibt es morgen ein Teeseminar. Ich glaub das ist zu Tieguanyin.“. Tieguanyin? Da muss ich hin!

Und so saßen wir voller Spannung am Sonntag um 11 Uhr im Nannuoshan und tranken zu neunt 5 verschiedene Tieguanyin. Allesamt aus China, aber sehr unterschiedlich in ihren Charakteren.

Um die Tees auch auf einer guten Basis vergleichen zu können, war die Zubereitungsart für alle Tees sehr ähnlich:

  • 3g Tee
  • auf einen Celadongaiwan mit ca. 100-120 ml Fassungsvermögen
  • mit einer Wassertemperatur von ca. 90-100°C
  • kurzes Waschen der Teeblätter
  • und variablen Ziehzeiten von ca. 30-180 sec (geschätzt, da ich keine Uhr zur Hand hatte und auch finde, dass das genaue Zeitnehmen, vor allem von Gastseite her, dem genüsslichen Teetrinken entgegenwirkt)
  • bei mehrfachen Aufgüssen; mind. 3 max. 6

Allerdings gab es große Schwankungen in der Ziehzeit von Aufguss zu Aufguss und von Tee zu Tee, sodass sich die Aufgussanzahl auch dahingehend veränderte.

Qing Xiang 2017

Der grünste aller verkosteten Tieguanyins machte den Anfang. Ich versuchte so offen es geht, diesem grünen Tieguanyin entgegenzukommen, aber es wollte mir nicht so recht gelingen. Als unser Gastgeber dann auch noch erzählte, nach welchen unreifen Früchten dieser Tee so schmecken sollte, war es leider mit meiner Offenheit komplett vorbei. Warum möchte ich unreifes Obst essen, geschweige denn Tee, der danach schmeckt, trinken? Da sind doch Bauchschmerzen vorprogrammiert, oder? Ich gab mein Bestes, aber dieser Qing Xiang Tieguanyin war überhaupt nicht mein Fall. Liegt aber wahrscheinlich auch an meiner Konditionierung auf stärker fermentierten Tieguanyin.

Meine Notizen zu diesem Tee verraten mir konkret, dass ich alle drei Aufgüsse dieses Tees zu leicht fand. Als ungefähre Ziehzeiten notierte ich 60/30/60. Diese Angaben sind in Sekunden und sollen vor allem aufzeigen, dass der erste Aufguss nach dem Wecken der Teeblätter etwa eine Minute dauerte, während der zweite wesentlich kürzer war. Dennoch waren die Blätter bereits nach dem zweiten Aufguss komplett entfaltet. Nach zwei Aufgüssen ist das für mich ein eher ungewohntes Bild. Beim entfalteten Blatt konnte man auch sehr gut erkennen, dass sämtliche braune (=anoxidierte) Teile des Blattrandes entfernt wurden, um somit ein besonders grünes Ergebnis zu erzielen.

Auf einen Blick:

Tieguanyin T214 Qing Xiang 2017 (清香鐵觀音)

Typ: leicht oxidierter Oolong, moderner TGY
Ernte: Frühjahr 2017
Kultivar: Tieguanyin
Herkunft: Anxi, Fujian, China
Pflückung: von Hand?
Höhe: ?
Röstung: keine
Preis: 7,50 € für 20 g

Chuantong Not Baked 2018

Weiter ging es mit einem traditionellen, also etwas stärker oxidierten, Tieguanyin, der allerdings nicht geröstet wurde. Vom Oxidationsgrad sagte dieser Tee mir auf jeden Fall schon eher zu als der erste, so richtig warm wurde ich mit diesem allerdings auch nicht. Denn geschmacklich war mir der Tee etwas zu unausgewogen. Das kann aber auch an der inkonstanten Aufbrühweise liegen. Als Ziehzeiten notierte ich mir für diesen Tee 60/90/60/90/60. Während der erste Aufguss also gefühlt ähnlich lange war wie beim ersten Tee, zog der zweite Aufguss sehr lange. Dementsprechend bitter war er. Was mich aber beeindruckte war der Tassengeruch des Tees. Selbst nachdem er ausgetrunken war, roch es in der Tasse nach braunem Zucker. Mjam. Den Geschmack im Mund beschrieb ich mit umami ölig. Ich weiß allerdings nicht mehr, wann ich dieses Urteil fällte, wahrscheinlich vor dem alles vernichtenden zweiten Aufguss.

Wie schon beim Qing Xiang, waren auch bei diesem Tee die Blätter bereits nach dem zweiten Aufguss komplett entfaltet. Diesmal aber waren die Blätter mit all ihren braunen Stellen so belassen worden. Es gab einige Stängel komplett ohne Blätter. Was mir auch auffiel, war die Blattform. Unser Gastgeber versicherte mir, dass es sich um das Tieguanyinkultivar handelte. Möglicherweise gibt es aufgrund der nun schon über hundertjährigen Trennung der Bäume in China und Taiwan Unterschiede. Denn mein Teelehrer erklärte mir, dass man an der rostroten Blattader, den relativ stark gezackten Seiten und dem eher spitzen Zulauf des Blattes schnell erkennen kann, ob es sich um das Tieguanyinkultivar handelt oder nicht. Nun vermisste ich beim ersten, aber auch bei diesem Tee nicht nur die rostrote Blattader, sondern auch die anderen beiden Merkmale.

Auf einen Blick:

Tieguanyin T212 Chuantong 2018 (傳統鐵觀音)

Typ: mittelstark oxidierter Oolong, traditioneller TGY
Ernte: März 2018
Kultivar: Tieguanyin
Herkunft: Anxi, Fujian, China
Pflückung: von Hand?
Höhe: ?
Röstung: keine
Preis: 9,00 € für 20 g

Chuantong Baked 2018

Nun kam es endlich zu einem gerösteten Tieguanyin. Ebenfalls traditionell verarbeitet, wie der Vorgängertee, aber zusätzlich noch über Holzkohle geröstet. Von den drei Tees, die wir bis zu diesem Punkt getrunken haben, eindeutig mein Favorit. Meine Notizen verraten mir noch, dass ich den Tassengeruch super fand. Allerdings steht da auch überröstet? sauer? Denn gerade bei den ersten Aufgüssen war ich mir noch nicht so ganz sicher, ob das was mit uns werden würde. Aber insgesamt lockerte die Teerunde auch bei diesem Tee etwas auf, sodass ich doch etwas mehr genießen konnte. Als Aufgusszeiten notierte ich 60/30/60/?/60. Den vierten Aufguss verpasste ich irgenwie, aber die anderen waren ziemlich konstant.

Auf einen Blick:

Tieguanyin T213 Chuantong Nong Xiang 2018 (傳統濃香鐵觀音)

Typ: mittelstark oxidierter Oolong, traditioneller TGY
Ernte: März 2018
Kultivar: Tieguanyin
Herkunft: Anxi, Fujian, China
Pflückung: von Hand?
Höhe: ?
Röstung: starke (?) Holzkohleröstung
Preis: 9,00 € für 20 g

High Fire Chuantong 1995

Und dann begann das wahre Spektakel. Die gelagerten Tees wurden vorgestellt. Meine Augen funkleten wahrscheinlich nur vor Neugierde. Wir hatten die Wahl zwischen einem High Fire Nong Tieganyin von 1995, einem Low Fire Tieguanyin + Benshan Mix von 1997 und einem Very High Fire Nong Tieguanyin von 2000. Ursprünglich war nur die Rede von einem der gelagerten Tees, aber wir schafften es, unseren Gastgeber zu zwei der drei Tees zu überreden und fingen mit dem 1995 High Fire an.

Der Geruch der trockenen Blätter erinnerte sehr stark an Shou Pu Erh und ich notierte mir dazu torfig, süß und fruchtig. Ein bisschen auch wie Trockenpflaume. Geschmacklich voll auf meiner Wellenlänge und entgegen meiner Erwartung auch super bei heißem Wetter zu genießen. Endlich war ich im Tieguanyinhimmel! Die Ziehzeiten schätzte ich wieder, was mit zunehmenden Gesprächen aber immer schwieriger wurde, auf: 60/90/120/300. Dieser Tee kann auch locker einfach vergessen werden und schmeckt trotzdem nicht bitter. Selbst nach 4 Aufgüssen, mit teilweise sehr langen Ziehzeiten, waren die Blätter noch nicht vollends entfaltet. Insgesamt tranken wir 6 Aufgüsse, aber wahrscheinlich hätten es locker noch mehr sein können.

Auf einen Blick:

Tieguanyin Chuantong Nong Xiang 1995 (傳統濃香鐵觀音陳年老茶)

Typ: mittelstark oxidierter gelagerter Oolong, traditioneller TGY, Chen Nian Lao Cha
Ernte: Frühjahr (?) 1995
Kultivar: Tieguanyin
Herkunft: Anxi, Fujian, China
Pflückung: von Hand (?)
Höhe: ?
Röstung: stark über Holzkohle (?)
Preis: 15,00 € für 20 g

Extra High Fire Chuantong 2000

Zum Abschluss gab es mein persönliches Highlight der Verkostung. Einen richtig stark gerösteten Tieguanyin, der nicht nur trocken, sondern auch nass mit fast schwarzen Blättern daherkommt und einfach nur unglaublich süß nach Dattel riecht. Dazu das leicht Herbrauchige. Genau mein Ding. Man merkt auch, wie begeistert ich von diesen Tee war an meinen Notizen. Es gibt keine. Ich war bei diesem Tee nicht mehr in der Lage Teezeiten oder Kritik aufzuschreiben. Alles egal.

Auch mein Monsieur fand diesen Tee besonders lecker, sodass wir davon etwas mitnehmen mussten.

Auf einen Blick:

Tieguanyin Chuantong Nong Xiang 2000 (傳統濃香鐵觀音陳年老茶)

Typ: mittelstark oxidierter gelagerter Oolong, traditioneller TGY, Chen Nian Lao Cha
Ernte: Frühjahr (?) 2000
Kultivar: Tieguanyin
Herkunft: Anxi, Fujian, China
Pflückung: von Hand (?)
Höhe: ?
Röstung: sehr stark über Holzkohle (?)
Preis: 15,00 € für 20 g

20180722_Nannuoshan_TGY17

Alles in allem also eine sehr schöne Verkostung, die für meinen Geschmack ein bisschen brauchte, aber dann bei den gelagerten Tees einen sehr leckeren Abschluss fand. Ich bin mir sicher, dass es für mich ein nächstes Mal im Nannuoshan geben wird.

Advertisements

Unverbloggte Tees 2017

Ach, wie die Zeit fliegt! Kaum Mondkuchen gemacht und schon haben wir ein neues Jahr. Ja gut, dazwischen ist schon eine Menge passiert, ich habe es nur einfach nicht geschafft, meinen kleinen süßen Blog hier weiterzuschreiben. Dabei ist Tee nach wie vor ein wichtiger Bestandteil meines Alltags. Eine meiner größeren Schwierigkeiten (neben dem offensichtlichen Zeitmangel) war allerdings auch die ständige Unentschlossenheit, was und in welcher Form ich meine weiteren Beiträge veröffentlichen möchte.

Auf der einen Seite mag ich die steckbriefartigen Momentaufnahmen meiner verkosteten Teesorten, auf der anderen Seite würde ich gern detaillierter auf einzelne Teesorten eingehen und deren unterschiedliche Facetten hervorheben (wie z.B. beim Matcha Kirishima). Da ich oft meine Tees in loser Reihenfolge immer mal hier und da trinke, habe ich angefangen ein Teetagebuchprotokoll zu führen, um so erstens zu wissen, wann ich welchen Tee wie zubereitet habe, aber auch um darüber hinaus Informationen für detaillierte Teevorstellungen sammeln zu können. Nun liegt das Problem hier allerdings bei der Aufarbeitung der Daten.

Deshalb gibt es jetzt statt vieler unfertiger Steckbriefe einfach eine Übersicht der Tees, die ich dieses Jahr über getrunken habe, ohne sie hier vorzustellen. Denn schade fände ich es auch, diesen Tees nicht gerecht zu werden.

Muzha Tieguanyin 2010 (木柵鐵觀音)

Typ: Taiwan Oolong, mittelstark oxidiert, stark geröstet

Herkunft: Muzha, Taipei, Taiwan

Ernte: 2010

Händler: privat

Preis: k.A.

Bewertung: sehr ähnlich zu den anderen Muzha Tieguanyins meines Teelehrers, wobei deutlich zu schmecken ist, dass hier nicht traditionell mit Holzkohle, sondern elektrisch geröstet wurde.

Yunnan Qiao Mu Bing Cha (云南乔木饼茶)

Typ: Sheng Pu Erh

Herkunft: Yunnan, China

Ernte: ? (2009)

Händler: privat

Preis: k.A.

Bewertung: einer meiner lange vergessenen Tees und der erste Pu Erh in Bingform, den ich mir noch vor meiner intensiven Beschäftigung mit Tee während eines Urlaubs in China gekauft habe. Selbst nach 7 Jahren Lagerung ist er noch nicht so die Wucht. Vielleicht wird er das auch nie so richtig. Oder ich habe noch nicht die richtige Zubereitungsart gefunden.

Yiwu 1960

Typ: Shou Pu Erh

Herkunft: Yiwu, Yunnan, China

Ernte: 1960

Händler: tea-exclusive

Preis: 32,50€ für 20g

Bewertung: Ich kann mich ehrlich nicht mehr an den Geschmack dieses Tees erinnern

China Pai Mu Tan

Typ: Weißer Tee

Herkunft: Qingshan, Hunan, China

Ernte: ? (2016)

Händler: Pure Tea

Preis: 9,90€ für 100g

Bewertung: Netter Tee für Zwischendurch.

Menghai 7652

Typ: Shou Pu Erh

Herkunft: Menghai, Yunnan, China

Ernte: 2008

Händler: Die Kunst des Tees

Preis: 19,90€ für 357g

Bewertung: Einer meiner Lieblingstees für die kühleren Tage: wunderschön mild und wohlig warm. Der Bing ist auch schon ziemlich geschrumpft. Ich glaube, ich habe jetzt nur noch etwa 1/6 übrig.

Four Seasons of Spring (四季春)

Typ: Taiwan Oolong, mittel oxidiert, ungeröstet

Herkunft: Nantou, Taiwan

Ernte: ? (2016)

Händler: Paper and Tea

Preis: 17,00€ für 100g

Bewertung: Diesen Tee habe ich für einen meiner Teekurse gekauft, um einen einfachen leichten taiwanesischen Oolong vorzustellen. Das Ziel wurde erreicht, aber so richtig beeindruckend ist dieser Oolong nicht.

Hoshino Matcha (星野抹茶)

Typ: Matcha

Herkunft: Hoshino, Yame, Fukuoka, Japan

Ernte: 2016

Händler: privat

Preis: k.A.

Bewertung: Ein Mitbringsel von unserem Japanurlaub, dem ich nicht lange widerstehen konnte. Und kaum angefangen war die kleine 20g Packung leer, weil dieser Matcha einfach unglaublich lecker war. Ich habe mich bewusst für einen Yame Matcha entschieden (und nicht für einen Uji-Matcha), da wir eigentlich einen Ausflug in dei Teeregion um Yame machen wollten, es aber zeitlich nicht mehr geschafft hatten. Aber so hatte ich wenigstens aus jeder Region, die wir bereist haben, einen passenden Tee mitgebracht.

Ureshino Matcha Iri Shiraore (嬉野抹茶入白折)

Typ: Sencha mit Stielen und Matcha

Herkunft: Ureshino, Yame, Japan

Ernte: 2016

Händler: privat

Preis: k.A.

Bewertung: Auch das ist ein Urlaubssouvenir. Leider stellte ich erst im Zug nach Arita fest, dass wir am Teegebiet Ureshino direkt vorbei kommen würden. Also kaufte ich bei der nächsten Gelegenheit einen Ureshinotee und hatte den gesamten Sommer sehr viel Freude an diesem sehr einfachen, durch den Matcha aber doch besonderen Tee.

Tanyang Gongfu

Typ: China Schwarztee

Herkunft: Gukoucun, Xiaoyangzhen, Fujian, China

Ernte: 2015

Händler: Nannuoshan

Preis: 2,00€ für 20g

Bewertung: Als wir während der Teetour durch Berlin auch im Nannuoshan einkehrten, nahm ich mir noch einige Proben mit, wovon dies hier eine war. Leider reicht mein Teetagebuchprotokoll nicht bis zu dieser Probe zurück, sodass ich nicht mehr weiß, wie ich diesen Tee eigentlich fand. Aber er ist mir jedenfalls nicht negativ im Gedächtnis geblieben.

Superior Taiping Houkui

Typ: China Grüntee

Herkunft: Houkencun, Huangshan, Anhui, China

Ernte: 2016

Händler: Nannuoshan

Preis: k.A.

Bewertung: Diese Probe habe ich von meiner lieben Teefreundin geschenkt bekommen und mich sehr darüber gefreut, da ich schon sehr lange einmal einen Taiping Houkui probieren wollte. Schon allein wegen der legendär großen Blätter. Und ich wurde nicht enttäuscht. Wirklich ein schöner Tee, allerdings eher für sommerliche Tage, da ich sonst weniger Grüntee trinke.

Jin Jun Mei

Typ: China Schwarztee

Herkunft: China

Ernte: ?

Händler: Nannuoshan (nicht mehr im Sortiment)

Preis: k.A.

Bewertung: Auch diesen Tee nahm ich als Probe von der Teetour durch Berlin mit und glücklicherweise hat mein Teetagebuchprotokoll diesen Tee schon erfasst. Bei Bemerkungen habe ich mir aufgeschrieben: „interessant: weder süß, noch bitter. Höre gerade den Soundtrack von ‚In the Mood for Love‘ dazu“.

Aiya Matcha Ten

Typ: Matcha

Herkunft: Kagoshima, Japan

Ernte: ?

Händler: aiya

Preis: 46,00€ für 30g

Bewertung: Nachdem mein Kirishima Matcha zu Ende gegangen war und ich nach einem ehrenwerten Nachfolger bei deutschen Händlern suchte, beschloss ich meinem ersten Matchadealer meines Lebens, aiya, eine Chance zu geben. Ich bestellte den Ten und war anfangs wirklich begeistert. Nur verhielt es sich mit ihm ganz seltsam: je öfter ich ihn trank, desto weniger spektakulär fand ich ihn. Bisher hatte ich mit Tees eher umgekehrte Erfahrungen, dass das Kennenlernen für mehr Genuss sorgt. Hier irgendwie nicht.

Da Hong Pao #105

Typ: China Oolong, mittelstark fermentiert, leicht geröstet

Herkunft: Wuyi Gebirge, Fujian, China

Ernte: 2012

Händler: die Kunst des Tees

Preis: 3,45€ für 10g

Bewertung: Diese Probenpackung schlummerte schon einige Zeit in meinem Teekistchen und nach dem beeindruckendem traditionell gerösteten Da Hong Pao, freute ich mich sehr auf ihn. Laut Protokoll fand ich diesen Tee auch nicht schlecht, nur generell zu schwach für meinen Geschmack. Bei einer Verkostung hab ich notiert, dass ich einen Aufguss vergessen hatte und diesen am besten fand, weil der ordentlich Bumms hatte.

Shanlinxi Hongshui

Typ: Taiwan Oolong

Herkunft: Shanlinxi, Nantou, Taiwan

Ernte: 2014

Händler: die Kunst des Tees

Preis: 2,55€ für 10g

Bewertung: Das ist ebenfalls eine in Vergesseheit geratene Probe, die ich mir eines Tages, als es mich nach einem dunkleren Tee gelüstete, schnappte und feststellen musste, dass dieser Oolong gar nicht so dunkel, wie sein Name vermuten lässt, war. Aber lecker war er allemal.

Orchideen (Lan Hua Xiang) Dancong

Typ: China Oolong

Herkunft: Chaozhou, Guangdong, China

Ernte: 2012

Händler: die Kunst des Tees

Preis: k.A.

Bewertung: Zu diesem Tee schrieb ich neben die Note 1: „ein bisschen wie richtig gute Zartbitterschokolade: leicht bitter, aber sehr angenehm.“

Traditionelles Rösten von Tee mit Holzkohle (專統炭培茶)

Als ich vom Wiedersehen mit meinem Teelehrer berichtet habe, konnte ich nur einen Bruchteil dessen, was wir gemeinsam unternommen haben wiedergeben, da das für einen Beitrag einfach zu viel gewesen wäre. Er hatte wirklich den ganzen Tag ausgeplant. Am Vormittag, nach der ersten Teesession bei ihm zuhause, ging es zum Röstmeister Wang, der schon seit Jahren den Tieguanyin meines Teelehrers nach traditioneller Art und Weise mit Holzkohle röstet. Vor drei Jahren hatte ich schon einmal das Vergnügen, den Meister und seinen Sohn persönlich kennenzulernen und das Ende der Röstung sehen zu dürfen. Genau an jenem Tag aber hatte ich meine Kamera vergessen, was mich wirklich sehr ärgerte. Umso mehr Fotos habe ich dieses mal geschossen. Denn selbst in Taiwan ist es wohl sehr schwer noch traditionelle Röster zu finden, da heutzutage der meiste Tee elektrisch geröstet wird.

Dong Ding Oolong
Dong Ding Oolong

Bevor es aber überhaupt ums Rösten ging, gab es für alle Tee vom jungen Meister Wang: ein selbstgerösteter Dong Ding.

IMG_5169
Vorbereitete Kohlelöcher

Nach etwas Smalltalk ging es dann aber endlich in den Röstraum. Dieser ist an sich ziemlich klein und hat an den Seiten jeweils mehrere Löcher im Boden, in welchen die Kohle vor sich hinglüht, um den Korb mit dem Tee darüber langsam zu rösten. Als wir ankamen, waren einige der Löcher schon mit grober Holzkohle gefüllt.

IMG_5172
Lockern der Kohle

Diese grobe Holzkohle wurde dann mittels eines Spatels von außen nach innen hin gelockert und leicht gehäuft. Beim jungen Meister sah das wirklich sehr locker flockig aus, als ich den Spatel dann aber mal selbst heben durfte, war ich überrascht wie schwer der doch war!

IMG_5182
Röstkörbe, in denen später der Tee geröstet wird

Neben dem Röstraum standen neben einigen anderen Dingen auch die Röstkörbe. Leider konnten wir diese aber diesmal nicht in Aktion sehen, da es zunächst nur um die Vorbereitungen zum Rösten ging.

IMG_5183
Feine Kohle, die noch auf die grobe Kohle gehäuft wird

Auf die gelockerte grobe Kohle gab der Meister dann noch einige feine Kohle.

IMG_5188
Der Beweis, dass es sich um Holzkohle vom Longanbaum (龍眼樹) handelt

Irgendwann fragte ich mal, was das eigentlich für Kohle ist und ob es wichtig ist von welchem Baum sie kommt. Daraufhin händigte der Meister ein Riesenstück Kohle aus und erklärte, dass die Kohle vom Longanbaum ist. Mein Teelehrer war so begeistert von dem Megastück, dass er versuchte mich zu überreden, das mit nach Deutschland zu nehmen. Klar, ich fand das auch schon sehr beeindruckend. Aber Holzkohle im Rucksack nach Deutschland zu importieren hielt ich nicht für die großartigste Idee.

Tieguanyin Schwarztee trockenes Blatt
Tieguanyin Schwarztee trockenes Blatt

Und dann mussten wir wieder ein bisschen warten, sodass es mehr Tee gab. Diesmal einen Tieguanyin Schwarztee. Bis zu diesem Zeitpunkt wäre ich nicht mal auf die Idee gekommen, dass man aus dem Tieguanyinbaum tatsächlich auch Schwarztee machen kann. Aber mein Teelehrer schien davon überhaupt nicht überrascht, weil er im Rahmen einer Weiterbildung zu Tee wohl auch seinen eigenen Tieguanyin Schwarztee gemacht hat. Obwohl ich Tieguanyin liebe und sowieso total auf taiwanesischen Schwarztee stehe, bin ich da irgendwie ein bisschen skeptisch.

Tieguanyin Schwarztee Aufguss
Tieguanyin Schwarztee Aufguss

Aber diese Skepsis ist wirklich nicht begründet. Zwar kommt das charakteristische Tieguanyinaroma beim Schwarztee nicht ganz so stark zu Geltung wie als stärker fermentierter Oolong, aber lecker ist dieser Schwarztee auf jeden Fall.

IMG_5216
Rinde als Anzündhilfe

Und dann kam der ältere Meister Wang, auf den wir die ganze Zeit gewartet zu haben scheinen. Denn kaum war er da, ging es im Entenmarsch wieder zum Röstraum, wo er gemeinsam mit seinem Sohn in stiller Übereinstimmung weiter das Feuer vorbereitete.

IMG_5219
Räucherstäbchen als weitere Anzündhilfe
IMG_5229
Das Feuer wird entfacht

Die beiden wechselten sich ab, dünnes Holz und Räucherstäbchen zu verteilen und dann anzuzünden. Und jeder zündete ein paar der vorbereiteten Löcher an. Das Ganze ging relativ schnell, hatte dennoch aber eine gewisse Ruhe in sich. Künstler bei der Arbeit.

IMG_5231
Luftzufuhr fürs Feuer

Kaum waren die Feuer entfacht, war es kaum noch möglich im Räucherraum zu bleiben, weil es wirklich sehr stark rauchte. Der Meister nahm sich dennoch für jedes Loch die Zeit es mit Luft zu befächeln.

IMG_5263
Links gerösteter Tieguanyin vs. rechts ungerösteter Tieguanyin (毛茶)

Und dann mussten wir wieder etwas warten, da das Feuer erst einmal sich selbst überlassen werden musste. In der Zeit verglichen wir gerösteten und ungerösteten Tieguanyin. Ich durfte also den Tieguanyin, der bald geröstet werden sollte, noch einmal in seiner ursprünglichen Form probieren. Da ich aber nur gerösteten Muzha Tieguanyin gewohnt bin, fehlt mir da natürlich das Raucharoma.

IMG_5272
Unterheben der Glut

Als wir dann wieder in den Räucherraum durften, war das Feuer schon erloschen und die Kohle glühte langsam vor sich hin. Nun verteilte der Meister die Glut so, dass sich alles langsam durchglüht. Der Tee kann allerdings erst nach gut vier Tagen auf die Glut gestellt werden, da er sonst verbrennen würde. Das heißt, die Röstmeister müssen zunächst sichergehen, dass die Glut gleichmäßig verteilt und gleichmäßig heiß ist, um dann in einer 24h-Schicht den Tee gleichmäßig zu rösten. Da versteht man, wie Tee als Kunstobjekt bezeichnet werden kann.