Teeplantage Onocha (小野茶)

Der eigentliche Plan für den Japanurlaub war auf einer Farm zu helfen, die wohl auch Teesträucher hätte. Gut, dass wir genau zur Shinchasaison nach Japan fahren würden. Dann könnte ich endlich einmal von Anfang an dabei sein und auch mal selbst Tee pflücken und alle Schritte bis zum fertigen Tee erleben. Ihr merkt schon: hätte, würde, könnte. Es sollte nicht sein. Unsere „Farm“ war noch keine und Teesträucher waren noch ziemlich weit entfernte Zukunftsmusik. Natürlich war auch längst noch keine Shinchasaison da der Winter dieses Jahr etwas länger als sonst dauerte. Ich war schon leicht verzweifelt. Aber dann änderten wir alle unsere Reisepläne, landeten bei tollen Gastgebern und lernten durch diese die richtigen Leute kennen, sodass ich letztendlich doch noch eine Teeplantage besuchen konnte!

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Die beiden Damen, die uns nach Ono brachten, lernten wir bei einer Testpilgerfahrt für internationale Teilnehmer kennen. Was auf den ersten Blick ziemlich seltsam klingt, war eigentlich sehr spannend und lehrreich: Es gibt in Japan mehrere buddhistische Pilgerwege, wovon der berühmteste der 88-Tempel-Weg auf Shikoku ist. Von diesem Pilgerweg gibt es wiederum so einige Kopien, wovon der 33-Tempel-Weg in Chûgoku eine ist. Manche der Tempel vom Chûgoku-Pilgerweg sind auch in Yamaguchi gelegen, was unsere Gastgeberin ins Spiel bringt. Denn sie ist für die Bekanntmachung dieser Pilgerreise in der Region zuständig und hat deswegen zusammen mit ihren Kollegen eine Testpilgerfahrt für internationale Teilnehmer organisiert. Grundgedanke dabei ist, in einem kleineren Rahmen den Ablauf dieser traditionellen Pilgerreise kennen zu lernen. Geführt von einem ziemlich jungen buddhistischen Mönch, besuchten wir 4 Tempel, klingelten dort mit Glöckchen, tranken etwas Tee und bekamen etwas zu essen.

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Außerdem kann man sich während so einer kleinen Wanderung ganz wunderbar unterhalten. Da die Veranstaltung ja für internationale Leute war, ging das auch mit sehr beschränkten Japanischkenntnissen ohne größere Probleme. Mit einer unserer beiden Teeführerinnen unterhielt ich mich sehr nett und erzählte ihr von meinem Interesse an Tee. Da wurde sie ganz aufgeregt, holte eine andere ältere Dame herbei und erzählte, dass diese die japanische Teezeremonie unterrichte. Und ob wir denn schon Tee aus Ono probiert hätten? Und ob wir nächste Woche Zeit hätten mit ihr gemeinsam nach Ono zu fahren, um uns die Teegärten anzuschauen. Da wir unsere Reisepläne eh gerade neu schmieden mussten, sagten wir kurzerhand zu und hatten ein Teegartendate. Übrigens führte diese Abmachung erst zur Kawarasobaparty, da unsere Gastgeber die beiden älteren Damen gar nicht kannten, sich aber mit ihnen absprechen mussten, da wir uns nur sehr notdürftig verständigen konnten.

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Aber die Verabredung stand und ich freute mich wie irre! Den Tag vor unserem Teeausflug erklärte uns unsere Gastgeberin auch noch, dass wir einen Promoter der Teeregion Ono kennenlernen würden, der uns den Garten zeigt und sämtliche Fragen beantworten kann. Also quetschten wir uns zu fünft (vier Erwachsene und das Oolongchen) in einen ziemlich kleinen Wagen und fuhren eine gute Stunde durch die weiten Yamaguchis.

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Beim Teegarten angekommen, fuhren wir auf eine kleine Anhöhe wo der Teepromoter schon auf uns wartete. Kaum waren wir aus dem Auto ausgestiegen und hatten uns alle gegenseitig begrüßt und mehrmals verbeugt, bekamen wir eine Tüte voll Geschenke in die Hand gedrückt. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet! Es gab kalten Onocha in Flaschen für alle zum Trinken, eine Teekanne mit passenden Tässchen, eine Packung Onocha und ein Teebuch! Erst als wir das alles bestaunt hatten, wandten wir uns den Teebüschen zu.

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Was mir als erstes auffiel, im Vergleich zu den von mir gewohnten taiwanesischen Teegärten, ist die Abwesenheit von jeglicher anderer Vegetation. Es gibt weit und breit nur Teebüsche, die in langen Reihen heckenähnlich verlaufen. In Taiwan waren die einzelnen Büsche oft noch gut zu erkennen, oft wurden die Büsche nicht getrimmt und außerdem waren die einzelnen Gärten wesentlich kleiner, sodass es zumindest andere Bäume als Abgrenzung zum Nachbarfeld gab. Während ich so darüber nachdachte, erzählte unser Teepromoter, dass die Büsche alle 7 Jahre ausgetauscht werden müssen, da sie sonst nicht genug Ertrag bringen. Außerdem müssen sie ordentlich mit Nitrat gedüngt werden, weil der Boden durch diese Monokulturen so ausgelaugt ist. Deswegen sei da auch kein Biotee möglich. Hmm. Außerdem wird ausschließlich ein Kultivar verwendet: Yabukita. Laut eines meiner japanischen Teebücher (die ich auch noch irgendwann vorstellen muss) macht Yabukita einen Anteil von 75% der Teesträucher in Japan aus. Was ich in Taiwan auch noch nie in Teegärten gesehen hab sind solche Ventilatoren. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass die die Teebüsche vor Frost schützen sollen.

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Weil ich aufgrund der Auswahl bei meinem Lieblingsonlineshop für japanische Biotees (ich werde für die Werbung nicht bezahlt und schwärme aus komplett freien Stücken) so eine große Vielfalt hinsichtlich der Herkunft, aber auch der Kultivare und Herstellungsverfahren, kennengelernt habe, hatte ich wahrscheinlich viel zu hohe Erwartungen an die doch eher unbekannte Teeanbauregion Ono. Diese Ernüchterung, dass es sich hierbei wahrscheinlich um ganz simplen konventionellen Massentee handelt, hat auch dazu geführt, dass ich mich noch nicht getraut habe den geschenkten Onocha zu probieren. Aber das kommt noch. Versprochen.

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Eine kleine Wiedergutmachung war jedoch die Erlaubnis, selbst Tee zu pflücken. Wir durften die zarten hellgrünen Triebe noch vor der Shinchaernte pflücken! Es hat richtig Spaß gemacht, aber irgendwie hatte ich gedacht, dass wir schon viel mehr Tee zusammen gehabt hätten als dann wirklich im Beutel war. Den Beutel nahm eine unserer Begleiterinnen mit und ich fragte mich schon was sie mit dem Tee vorhatte. Aber später am Tag sollten wir noch ihren Mann kennenlernen, der ein Teelehrer ist.

Meine Teebestellung bei yuuki-cha

Ich habe mir doch tatsächlich mal wieder Tee bestellt. Die letzte Bestellung liegt nämlich schon so einige Zeit zurück und wurde, glaube ich, hier auch gar nicht in aller Länge dokumentiert, da es sich um eine Bestellung für meine VHS-Kurse handelte. Aber diesmal hab ich Tee nur für mich bestellt! Naja, fast. Eigentlich hat mir mein Monsieur den entscheidenen Anstoß gegeben als er fragte, wann es denn den ersten Shincha geben würde und ob ich wieder welchen bestellt habe. Anscheinend war er von der letztjährigen Shinchabestellung so begeistert, dass er es kaum abwarten konnte, die diesjährigen Shinchas in der Tasse zu haben.

Nun war ich etwas zögerlich, da Shincha ja schon zügig ausgetrunken werden sollte und ich derzeit noch nicht wieder so große Mengen an Tee konsumieren kann. Vor allem Grüntee kann ich wegen der Gefahr am Abend nicht schlafen zu können eigentlich eher am Morgen als am Nachmittag trinken. Aber gleichzeitig war mit den ersten warmen Sonnenstrahlen auch mein Grünteedurst wieder da, sodass ich mich für zwei Shinchas, einen Matcha und endlich einen gemahlenen Sencha entschied.

Bei den Shinchas gab es zum Zeitpunkt meiner Bestellung (so Mitte Mai glaube ich) noch nicht so viel Auswahl wie jetzt, aber die Tees, die ich letztes Jahr schon bestellt hatte waren schon mit der neuen Ernte verteten. Ich überlegte also kurz, ob ich noch mal diese Tees bestellen sollte, um sie mit den noch übrig gebliebenen Resten (so viel zum zügigen Austrinken von Shinchas) zu vergleichen. Aber bei so viel Auswahl wäre es irgendwie auch langweilig Jahr für Jahr die gleichen Tees zu trinken. Als ich mir die Beschreibungen der Shinchas durchlas, gefiel mir vor allem die vom Sencha Shimofuri Masashige, weil dieser das Massenproduktionskultivar Yutakamidori verwendet, aber sämtliche Schritte der Teeproduktion allein vom Teebauern ausgehen. Außerdem ist die Dämpfmethode eine Zwischending zwischen mittel und stark gedämpft. Da mir letztes Jahr sowohl der mittel gedämpfte als auch der stark gedämpfte Shincha besser geschmeckt haben als der leicht gedämpfte, find ich das ganz spannend. Der Asatsuyu hat es in meinen Warenkorb geschafft, weil ich dieses Kultivar auch schon letztes Jahr dabei hatte (und bei der Bestellung aber dachte, Asatsuyu wäre der leicht gedämpfte Shincha gewesen) und einfach sehen möchte, wie sich dieses Kultivar in einer anderen Dämpfung so verhält.

Was ich allerdings schon sehr sehr sehr lange im Blick hatte war der gemahlene Sencha. Mal konnte ich mich nicht durchringen, weil ich mir nicht genau darüber im Klaren war, was ich dann damit machen will. Mal war er ausverkauft. Mal fand ich dass Sencha allein im Warenkorb einfach zu wenig Tee ist. Tja, endlose Ausreden. Das hat jetzt ein Ende, denn endlich kann ich meine Testreihe zum Thema „Matcha vs. Sencha“ starten. In meinem Kopf schwirrte diese Idee schon einige Zeit herum, aber als mich meine Tante fragte, welchen Matcha ich ihr für ihren morgendlichen Smoothie empfehlen würde, da antwortete ich, dass ich gemahlenen Sencha für so eine alltägliche Verwendung angebrachter finde. Denn Matcha ist, allein schon durch seinen Anbau und die Verarbeitung, ein sehr hochwertiger Tee und sollte meiner Meinung nach sehr reflektiert genossen werden. Aufgrund des Matchabooms in den letzten Jahren, wo ein Start-up nach dem nächsten den besten Superfood Matcha anbietet und es wirklich unüberschaubar wird, wer jetzt noch guten Matcha verkauftt, ist es allerdings normal geworden so etwas exklusives wie Matcha aufgrund von gesundheitlichen Vorzügen maßlos in sich hineinzuschütten. Meine Leitfrage für die kommenden Experimente daher: Kann ich Matcha ohne geschmacklichen Verlust durch gemahlenen Sencha ersetzen? So ganz einfach wird die Beantwortung dieser Frage nicht werden, denn schließlich ist Matcha ein komplett anderer Tee als Sencha. Ein halbwegs kräftiges „JA“ zu dieser Frage würde mich allerdings dazu veranlassen, vermehrt den nicht so hochwertigen gemahlenen Sencha dort zu verwenden, wo andere Zutaten den Geschmack eh verzerren, sprich Teemischgetränke, Gebäck, etc.

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Yakushima Yutaka Kabusecha 2015 (屋久島のゆたかかぶせ茶)

Schon vor einer ganzen Weile erhielt ich Post von meiner liebsten Teefreundin, die mir von ihrem Japanurlaub eine Packung frischen Kabusecha geschickt hat. Nur hatte ich zur gleichen Zeit auch meine Shinchabestellungen bekommen, sodass ich die Qual der Wahl hatte. Natürlich wartete ich nicht bis jetzt darauf, den Kabusecha zu trinken, aber die Dokumentation dieses Tees erfolgt eben erst jetzt, weil so einige Kuchen und Sommertees dazwischen gekommen sind.

Die Verpackung des Tees war natürlich fast ausschließlich auf Japanisch (bis auf den Namen des Shirakawa Teahouse), aber aufgrund meiner (sehr begrenzten) Grundkenntnisse von Hiragana und Katakana, sowie meiner erweiterten Kenntnisse der Kanji, konnte ich die wichtigsten Informationen doch irgendwie heraus bekommen. Als ich die Packung das erste Mal in den Händen hielt, wollte ich natürlich wissen, was das denn nun für ein Tee ist. Lustigerweise steht das auf der Vorderseite der Verpackung überhaupt nicht drauf. Erst beim Umdrehen, konnte ich dann かぶせ茶 (Kabusecha) lesen.

Trockenes Blatt
Trockenes Blatt

Da das mein erster Kabusecha überhaupt war, kann ich ihn nicht mit anderen Kabusechas vergleichen. Vom trockenen Blatt her ist er schön typisch japanisch, dunkelgrün nadelig. Da Kabusecha sozusagen ein Zwischending zwischen Sencha und Gyokuro ist, hat der Tee Eigenschaften beider Teesorten in sich vereint: die Blätter sind nicht ganz so grob wie bei einem Sencha, aber noch nicht ganz so fein wie bei einem Gyokuro.

Verwendetes Teegeschirr
Verwendetes Teegeschirr
Aufgüsse 1-3
Aufgüsse 1-3

Geschmacklich ist dieser Kabusecha ein leichter Traum: Sehr zart und doch geschmacklich präsent. Wirklich sehr angenehm zu trinken. Auch hier bewegt er sich wieder zwischen Sencha und Gyokuro, wobei ich eher dazu tendiere ihn mit einem leicht gedämpften Sencha als mit einem Gyokuro zu vergleichen.

In dem Sinne ein großes Dankeschön für diesen tollen Tee 🙂

Aufgegossenes Blatt
Aufgegossenes Blatt

Auf einen Blick:

Yakushima Yutaka Kabusecha 2015 (屋久島のゆたかかぶせ茶)
Herkunftsort: Yakushima, Kagoshima, Japan
Erntezeitpunkt: Frühjahr 2015
Kultivar: ? (vielleicht Yutaka Midori?)
Typ: Kabusecha
Bio-Zertifikat: ja, JAS
Preis (€/100g): k.A.