Teepulverpavlova

Meine Japanbeiträge sind zwar noch nicht alle raus in die weite Welt geschickt worden, aber es gibt mal eben eine kleine Snackpause. Natürlich mit Tee. Und diesmal nur minimal mit Matcha. Dafür mit ganz viel Eiweiß. Denn sobald es wärmer wird und es auf dem Markt endlich wieder frische Tomaten gibt, überkommt mich die Pastamanie und hinterlässt neben viel Zufriedenheit auch eine ganze Menge Eiweiß. Ich frag mich ja seit jeher, wo die ganzen Eiweiße, die in der italienischen Küche so anfallen müssen, aufgebraucht werden. Aber italienische Küche hin oder her, jetzt gibt’s erst einmal eine große Ladung Pavlova (oder auch kleine Baisers, die man ganz prima mal zwischendurch naschen kann).

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Da ich so an die 10 Eiweiße gesammelt hatte, konnte ich schön mit Teepulver experimentieren. Als erstes durfte der Matcha aus meiner Matcha-vs.-Sencha-Testreihe dran glauben. Allerdings war gar nicht mehr so viel von ihm übrig, sodass die Pavlova nicht richtig grün wurden und auch nicht stark nach Matcha schmeckten. Außerdem habe ich den Prozess der Herstellung für den allerersten Versuch nicht dokumentiert.

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Als nächstes gab es dann gemahlenen Sencha und gemahlenen Hojicha im Vergleich. Bei beiden Pavlovasorten gab ich eine ordentliche Portion Teepulver dazu, damit das ganze auch richtig teeig schmeckt. Und tatsächlich! Mit Wumms kommt der Tee ganz wunderbar zur Geltung und die Bitterkeit kaschiert ein bisschen die Wahnsinnssüße des Baisers. Wäre das hier ein weiterer Wettebewerb zwischen Matcha und gemahlenem Sencha, dann hätte hier auf jeden Fall letzterer einen Punkt geholt. Aber das ist ein bisschen unfair, da die Dosierung ja völlig unterschiedlich war. Der Hojicha konnte mit seinem leichten Röstaroma auch völlig überzeugen. Ganz anders als der Sencha, aber auch super. In unserer WG favorisierte jeder einen anderen Geschmack: meine Mitbewohnerin den leichten Matcha, mein Monsieur den Sencha, und ich den Hojicha.

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Teepulverpavlova (ergibt ca. 1-2 Backbleche):

90g Eiweiß (von ca. 3 Eiern)
90g Zucker
90g Puderzucker
10g Teepulver (ich: Matcha, Sencha, Hojicha)

  1. Eiweiße mit Zucker über dem Wasserbad warm schlagen bis die Masse 50°C erreicht und der Zucker sich gelöst hat.
  2. In der Küchenmaschine bei höchster Stufe steif schlagen bis die Masse abgekühlt ist (ca. 5-8 Min).
  3. Puderzucker mit Teepulver vermischen, über den Eischnee sieben und mit dem Teigschaber unterheben.
  4. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech spritzen.
  5. Im Ofen bei 100°C mit einem Spalt weit geöffneter Tür ca. 1,5 – 2h trocknen.
  6. Vollständig auskühlen lassen und luftdicht verpacken.

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Ja, und was macht man dann mit den Unmengen an Pavlova, die jetzt so in den Dosen lagern? Zum Einen greif ich immer mal rein, wenn es mir gerade nach einem kleinen süßen Happen steht. Dann eigenen sich die größeren Häufchen auch super als Eisschälchen. Das hatte ich beim Spritzen schon extra so geplant und für manche Eisschälchen auch ein passendes Häubchen gespritzt. Beim Hojicha hatte ich auch zwei extragroße Platten gepritzt, die ich als Tortenboden verwenden wollte. Nur leider war ich zu langsam und das Bremer Wetter zu feucht, sodass die zerfielen, bevor ich eine Chance hatte sie weiter zu verwenden.20170510_Teepavlovas9

Teeplantage Onocha (小野茶)

Der eigentliche Plan für den Japanurlaub war auf einer Farm zu helfen, die wohl auch Teesträucher hätte. Gut, dass wir genau zur Shinchasaison nach Japan fahren würden. Dann könnte ich endlich einmal von Anfang an dabei sein und auch mal selbst Tee pflücken und alle Schritte bis zum fertigen Tee erleben. Ihr merkt schon: hätte, würde, könnte. Es sollte nicht sein. Unsere „Farm“ war noch keine und Teesträucher waren noch ziemlich weit entfernte Zukunftsmusik. Natürlich war auch längst noch keine Shinchasaison da der Winter dieses Jahr etwas länger als sonst dauerte. Ich war schon leicht verzweifelt. Aber dann änderten wir alle unsere Reisepläne, landeten bei tollen Gastgebern und lernten durch diese die richtigen Leute kennen, sodass ich letztendlich doch noch eine Teeplantage besuchen konnte!

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Die beiden Damen, die uns nach Ono brachten, lernten wir bei einer Testpilgerfahrt für internationale Teilnehmer kennen. Was auf den ersten Blick ziemlich seltsam klingt, war eigentlich sehr spannend und lehrreich: Es gibt in Japan mehrere buddhistische Pilgerwege, wovon der berühmteste der 88-Tempel-Weg auf Shikoku ist. Von diesem Pilgerweg gibt es wiederum so einige Kopien, wovon der 33-Tempel-Weg in Chûgoku eine ist. Manche der Tempel vom Chûgoku-Pilgerweg sind auch in Yamaguchi gelegen, was unsere Gastgeberin ins Spiel bringt. Denn sie ist für die Bekanntmachung dieser Pilgerreise in der Region zuständig und hat deswegen zusammen mit ihren Kollegen eine Testpilgerfahrt für internationale Teilnehmer organisiert. Grundgedanke dabei ist, in einem kleineren Rahmen den Ablauf dieser traditionellen Pilgerreise kennen zu lernen. Geführt von einem ziemlich jungen buddhistischen Mönch, besuchten wir 4 Tempel, klingelten dort mit Glöckchen, tranken etwas Tee und bekamen etwas zu essen.

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Außerdem kann man sich während so einer kleinen Wanderung ganz wunderbar unterhalten. Da die Veranstaltung ja für internationale Leute war, ging das auch mit sehr beschränkten Japanischkenntnissen ohne größere Probleme. Mit einer unserer beiden Teeführerinnen unterhielt ich mich sehr nett und erzählte ihr von meinem Interesse an Tee. Da wurde sie ganz aufgeregt, holte eine andere ältere Dame herbei und erzählte, dass diese die japanische Teezeremonie unterrichte. Und ob wir denn schon Tee aus Ono probiert hätten? Und ob wir nächste Woche Zeit hätten mit ihr gemeinsam nach Ono zu fahren, um uns die Teegärten anzuschauen. Da wir unsere Reisepläne eh gerade neu schmieden mussten, sagten wir kurzerhand zu und hatten ein Teegartendate. Übrigens führte diese Abmachung erst zur Kawarasobaparty, da unsere Gastgeber die beiden älteren Damen gar nicht kannten, sich aber mit ihnen absprechen mussten, da wir uns nur sehr notdürftig verständigen konnten.

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Aber die Verabredung stand und ich freute mich wie irre! Den Tag vor unserem Teeausflug erklärte uns unsere Gastgeberin auch noch, dass wir einen Promoter der Teeregion Ono kennenlernen würden, der uns den Garten zeigt und sämtliche Fragen beantworten kann. Also quetschten wir uns zu fünft (vier Erwachsene und das Oolongchen) in einen ziemlich kleinen Wagen und fuhren eine gute Stunde durch die weiten Yamaguchis.

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Beim Teegarten angekommen, fuhren wir auf eine kleine Anhöhe wo der Teepromoter schon auf uns wartete. Kaum waren wir aus dem Auto ausgestiegen und hatten uns alle gegenseitig begrüßt und mehrmals verbeugt, bekamen wir eine Tüte voll Geschenke in die Hand gedrückt. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet! Es gab kalten Onocha in Flaschen für alle zum Trinken, eine Teekanne mit passenden Tässchen, eine Packung Onocha und ein Teebuch! Erst als wir das alles bestaunt hatten, wandten wir uns den Teebüschen zu.

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Was mir als erstes auffiel, im Vergleich zu den von mir gewohnten taiwanesischen Teegärten, ist die Abwesenheit von jeglicher anderer Vegetation. Es gibt weit und breit nur Teebüsche, die in langen Reihen heckenähnlich verlaufen. In Taiwan waren die einzelnen Büsche oft noch gut zu erkennen, oft wurden die Büsche nicht getrimmt und außerdem waren die einzelnen Gärten wesentlich kleiner, sodass es zumindest andere Bäume als Abgrenzung zum Nachbarfeld gab. Während ich so darüber nachdachte, erzählte unser Teepromoter, dass die Büsche alle 7 Jahre ausgetauscht werden müssen, da sie sonst nicht genug Ertrag bringen. Außerdem müssen sie ordentlich mit Nitrat gedüngt werden, weil der Boden durch diese Monokulturen so ausgelaugt ist. Deswegen sei da auch kein Biotee möglich. Hmm. Außerdem wird ausschließlich ein Kultivar verwendet: Yabukita. Laut eines meiner japanischen Teebücher (die ich auch noch irgendwann vorstellen muss) macht Yabukita einen Anteil von 75% der Teesträucher in Japan aus. Was ich in Taiwan auch noch nie in Teegärten gesehen hab sind solche Ventilatoren. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass die die Teebüsche vor Frost schützen sollen.

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Weil ich aufgrund der Auswahl bei meinem Lieblingsonlineshop für japanische Biotees (ich werde für die Werbung nicht bezahlt und schwärme aus komplett freien Stücken) so eine große Vielfalt hinsichtlich der Herkunft, aber auch der Kultivare und Herstellungsverfahren, kennengelernt habe, hatte ich wahrscheinlich viel zu hohe Erwartungen an die doch eher unbekannte Teeanbauregion Ono. Diese Ernüchterung, dass es sich hierbei wahrscheinlich um ganz simplen konventionellen Massentee handelt, hat auch dazu geführt, dass ich mich noch nicht getraut habe den geschenkten Onocha zu probieren. Aber das kommt noch. Versprochen.

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Eine kleine Wiedergutmachung war jedoch die Erlaubnis, selbst Tee zu pflücken. Wir durften die zarten hellgrünen Triebe noch vor der Shinchaernte pflücken! Es hat richtig Spaß gemacht, aber irgendwie hatte ich gedacht, dass wir schon viel mehr Tee zusammen gehabt hätten als dann wirklich im Beutel war. Den Beutel nahm eine unserer Begleiterinnen mit und ich fragte mich schon was sie mit dem Tee vorhatte. Aber später am Tag sollten wir noch ihren Mann kennenlernen, der ein Teelehrer ist.

Ungefüllte Tangyuan zweifarbig (雙色湯圓)

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag zur Wintersonnenwende veröffentlichen. Daraus wurde nichts. Aber besser spät als nie. Und die nächste Wintersonnenwende kommt bestimmt.

Auch dieses Rezept gehört zu meinem VHS Kurs zu Süßigkeiten zum und mit Tee. Damit ist die Reihe dann aber abgeschlossen. Und ich kann auch mal wieder über Tee schreiben.

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Trockene Zutaten: Klebreismehl mit Schwarzteepulver links und mit gemahlenem Sencha rechts

Tang Yuan:

100g Klebreismehl
1 EL Teepulver
40g heißes Wasser
40g kaltes Wasser
Rohrohrzucker und Ingwer nach Belieben für den Sirup

  1. Das Klebreismehl mit dem Teepulver vermengen, das heiße Wasser dazu geben und umrühren.
  2. Das kalte Wasser dazugeben und zu einem Teig kneten.
  3. Den Teig zu einem Strang von etwa 1cm Durchmesser rollen, Stückchen von 1cm abtrennen und zu Bällchen rollen.
  4. In einem Topf ausreichend Wasser zum Kochen bringen und die Bällchen kochen bis sie an der Wasseroberfläche schwimmen.
  5. Rohrohrzucker und Ingwer in Wasser aufkochen und etwa 10 min ziehen lassen.
  6. In Sirup servieren.
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Teigwürstchen
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Rohe Tangyuan
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Fertige Tangyuan