Sanxia Mixiang Hong Cha (三峽蜜香紅茶)

Wie schon im letzten Beitrag erwähnt, werde ich jetzt nach und nach die einzelnen Mixiangs etwas ausführlicher beschreiben. Den Anfang macht der Mixiang Hong Cha aus Sanxia. Diesen Mixiang hatte ich schon mit meinem Teelehrer getrunken, sozusagen als Einstimmung auf den folgenden Ausflug zum Teebauern nach Sanxia, der vor allem auch grüne Tees (und experimentierweise weißen Tee) produziert.

Gezwirbelter Mixiang Hong Cha aus Sanxia
Trockenes Blatt

Das trockene Blatt hat sehr schöne lange dunkle Blätter, die auch ziemlich regelmäßig sind (und nicht so quer durch den Garten mit Stöckchen hier und Blättchen da wie der Shenkeng Schwarztee). Ab und zu gibt es sogar leicht goldene Spitzen! Wirklich sehr hübsch.

Verwendetes Teegeschirr
Verwendetes Teegeschirr

Und so hübsch wie die Blätter selbst war auch das Wetter am Tag des Verkostens. Bei dem Sonnenschein wirkte alles noch ein bisschen fotogener als sonst. Meine kleine süße Andrzej Bero Kanne ist da perfekt in Szene gesetzt worden. Durch ihre Innenglasur ist sie perfekt für Schwarztees und hat meine bisher damit probierten chinesischen und taiwanesischen Schwarztees sehr gut zur Geltung gebracht.

Aufgüsse 1 bis 3
Aufgüsse 1 bis 3

Außerdem erlaubt so eine kleine Kanne sehr schön etwas stärker konzentrierten Tee, sodass mehrere Aufgüsse überhaupt kein Problem sind. Generell sollte chinesischer und taiwanesischer Schwarztee gut drei Aufgüsse überstehen, dieser hier hätte bei der Portionierung wahrscheinlich sogar noch zwei mehr vertragen.

Aufgegossenes Blatt
Aufgegossenes Blatt

Das einzige Problem bei der höheren Konzentration ist die Bitterkeit bei zu langer Ziehzeit. Da ich diesen Tee noch nicht allzu gut kenne, wurde er mir ein bisschen bitter. Aber das war wirklich nicht weiter schlimm. Nach wie vor überwiegte klar die leichte Süße.

Auf einen Blick:

Sanxia Mixiang Hong Cha (三峽蜜香紅茶)
Herkunftsort: Sanxia, New Taipei City, Taiwan
Erntezeitpunkt: Sommer 2015
Kultivar: 青心烏龍
Typ: Schwarztee
Bio-Zertifikat: k.A.
Preis (€/100g): k.A.

Sanxia Pi Luo Chun und Verwandte (三峽碧螺春)

Kurz vor Ende des Urlaubs ging es noch zusammen mit meinem Teelehrer nach Sanxia (). Das ist eine Gegend in der Nähe von Taipei, die vor allem für ihre Grünteeproduktion in Taiwan bekannt ist. Und generell wird oft nur von einem einzigen Grüntee aus Taiwan gesprochen, weil ansonsten eher Oolongs und Schwarztees produziert werden. Laut meines Teelehrers wurde Sanxias Grünteeanbau durch die japanische Besetzung Taiwans gefördert. Zu der Zeit wurde in Sanxia sogar auch Sencha angebaut! Mittlerweile hält sich nur noch der Sanxia Pi Luo Chun, wobei auch dieser eher als einfacher und sehr erschwinglicher Tee gehandelt wird.

Teefelder
Teefelder

In Sanxia besuchten wir einen lokalen Teebauern, dessen Teefelder und auch Produktsstätte schon um einiges größer als die der Familie meines Teelehrers sind, aber dennoch noch als ganz gut übersichtlich beschrieben werden können. Hauptsächlich baut dieser Teebauer die lokale Varietät des X () an, welcher sich besonders gut für Sanxia Pi Luo Chun eignet. Weiter hinten in den Feldern stehen aber auch ein paar Qingxin Oolongbäumchen, die aber weniger für Pi Luo Chun verwendet werden.

Bioteesträucher dürfen auch Insekten beherbergen
Bioteesträucher dürfen auch Insekten beherbergen

Zwar kauft der Teebauer auch bei anderen Bauern Tee ein, um diesen dann weiter zu verarbeiten, aber dabei legt er Wert, dass es sich um ökologisch angebauten Tee handelt. Inwieweit dieser ökologische Anbau geregelt ist, kann ich nicht sagen. Aber ein wichtiges Kriterium ist auf jeden Fall die Art des Düngens und ob Insektenschutzmittel verwendet worden sind. Letzteres kann man bei den Teesträuchern des Teebauerns schnell verneinen, da sich fröhlich allerlei Krabbeltier in den Blättern einnisten. Natürlich ist das nicht ganz zur Freude der Teebauern, da somit vor allem auch junge Triebe angefressen werden, aber lieber angeknabberte Blätter und volles Aroma als Gift in der Tasse.

Teeschaufeln und Körbe
Teeschaufeln und Körbe

Bei unserem Besuch durften wir auch die Teeproduktionsstätte besuchen. Auch die ist um einiges größer, als was ich von der Familie meines Teelehrers kannte. Die Maschinen sind sehr ähnlich, allerdings unterscheidet sich die Herstellung bei grünem Tee erheblich von Oolong. Nach der Ernte werden die Blätter zwar auch zunächst in Bambuskörben gelagert, aber nicht für lange Zeit und ohne Auflockerung, da die Fermentation bei Grüntee minimal sein sollte.

Maschinen zur Trocknung des Tees
Maschinen zur Trocknung des Tees

Um die Fermentation zu stoppen, müssen die Blätter erhitzt werden. Das geschieht in diesen Trommeln, die die Blätter bei etwa 300°C trocknen.

Pi Luo Chun im Vergleich: links fertig, rechts unfertig
Pi Luo Chun im Vergleich: links fertig, rechts unfertig

Normalerweise ist Frühjahr die richtige Zeit für Pi Luo Chun, aber es gibt auch eine Herbsternte, die gerade noch in der Verarbeitung steckt. Damit der Pi Luo Chun komplett fertig ist, muss er insgesamt zwei Mal getrocknet werden. Bisher wurde die erste Trocknung schon durchgeführt, für die zweite müssen aber vorher noch die welken, gelben, zu großen Blätter und Stiele aus dem Tee sortiert werden. Wenn man unfertigen mit fertigen Pi Luo Chun vergleicht, dann fällt schon beim Anfassen des trockenen Blattes auf, dass der unfertige Tee noch leicht feucht und noch nicht so knusprig ist. Auch aufgegossen unterscheiden sich beide Tees geschmacklich voneinander: dem unfertigen Tee fehlt eindeutig noch ein bisschen das Röstaroma, welches auch durch das Trocknen hervorgerufen wird. So sehr ich auf den Pi Luo Chun auch gespannt war, irgendwie wollte ich nicht so recht mit ihm warm werden. Entweder war ich zu sehr an stark fermentierte Tees gewöhnt oder meine Erinnerung an chinesischen Pi Luo Chun versperrte mir ein wenig den Zugang.

Sanxia Longjing
Sanxia Longjing

Neben Pi Luo Chun verarbeitet der Teebauer seinen Tee aber auch noch zu anderen Teesorten. Zum Beispiel Sanxia Longjing. Schon von der Erscheinung her ist dieser Longjing ganz anders als der weltweit bekannte Xihu Longjing aus China. Ganz ehrlich, ein bisschen war ich schon enttäuscht, dass es sich beim Sanxia Longjing um einen kaum platten Tee handelt. Und auch geschmacklich konnte er mich leider nicht ganz überzeugen. Statt der leichten Würze, die ich bisher von Longjing gewohnt war, kam dieser Tee ziemlich ruppig, sogar leicht bitter daher.

Weißer Tee aus Sanxia
Weißer Tee aus Sanxia

Nach den beiden, für meine Bedürfnisse, nicht zufriedenstellenden Tees, stellte der Teebauer noch ein kleines Experiment vor: weißen Tee aus Sanxia. Und den fand ich lecker. Denn von Bitterkeit war da keine Spur und schon beim ersten Schluck konnte ich diesen Tee auch locker als weißen Tee erkennen.

Auch wenn mich jetzt die Grüntees nicht vom Hocker gehauen haben, fand ich es toll endlich auch mal Sanxia kennen gelernt zu haben. Und was mich an diesem Teebauern am meisten fasziniert hat, ist seine Experimentierfreude so ganz nach dem Motto: wie viele unterschiedliche Teesorten bekomme ich aus einem Baum?