Teepulverwirbelmantou mit Vorteig (茶粉饅頭)

Auch diesen Winter habe ich wieder Teekurse an der VHS Bremen gegeben. Leider sind die schon vorbei. Aber wie immer hatte ich eine Menge Spaß. Ganz besonders viel Freude hat mir mein erster Teekochkurs „Süße Kleinigkeiten zum und mit Tee“ gemacht, in dem ich meinen Teilnehmern so allerlei typisch ostasiatische Naschereien kreieren ließ. Das waren konkret: Baozi mit Rote-Bohnen-Füllung (meine erste Version davon gibt’s hier), Mantou mit Gemüsepüree eingefärbt, Mantou mit Teepulver eingefärbt, Gefüllte Pancakes (煎餅, Jian Bing), Taro- und andere Gemüsebällchen (芋園, Yu Yuan), und ungefüllte Tangyuan (mit Sesam gefüllte hatte ich hier schon einmal vorgestellt). Ihr merkt schon, das sind eine Menge Sachen, die hier noch nicht in der Art dokumentiert wurden. Deshalb werde ich (in hoffentlich nicht allzu langen Zeitabständen) meine verwendeten Rezepte nach und nach veröffentlichen.

Den Anfang machen meine wohl bisher besten Mantou überhaupt: mit Teepulver eingefärbte Mantou mit einem Vorteig. Durch meine Brotbackerfahrung und meine Vorliebe für Teige mit möglichst wenig Hefe und langen Gehzeiten, war ich total angetan als ich bei meiner Rezeptrecherche auf ein Mantourezept mit Vorteig stieß. Leider kann ich jetzt nicht mehr den Blog finden, von dem ich mein Rezept adaptiert habe, aber ich kann mich noch sicher daran erinnern, dass auf Carols Blogpost verwiesen wurde. Allerdings weicht mein Rezept etwas von ihrem ab, da ich Frischhefe verwende und meine Teige mit Teepulver (und einmal Kakao) eingefärbt habe.

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Mantouteig mit Matcha und Kakao

Für meinen ersten Versuch probierte ich zunächste Matcha- und Kakaowirbel aus. Aber nachdem die so super geworden sind, musste ich mir endlich auch mal anderes Teepulver außer Matcha und Sencha zulegen und es damit versuchen. Leute, Leute, Leute! Es ist gar nicht so einfach anderes Teepulver zu finden! Vielleicht war meine Recherche nicht ausführlich genug, aber ich konnte nur noch Schwarzteepulver und Rooibospulver (ist ja eigentlich kein Tee) bei KissaTea finden. Zugegeben, mit genau diesen Teepulvern habe ich schon lange geliebäugelt, aber etwa genauso lange habe ich mich geweigert sie zu kaufen, weil ich die Namen und Aufmachung ein bisschen übertrieben finde (und weil nirgends steht was das nun für ein Schwarztee ist, der da vermahlen wurde).

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Angerührtes Teepulver: links Rooibos, rechts Schwarztee
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Mantouteig mit Rooibos und Schwarztee

Jetzt aber mal zum eigentlichen Rezept:

Teepulverwirbelmantou (ergibt ca. 40 kleine Mantou)

Vorteig:

125g Weizenmehl Type 550
1g Frischhefe
75ml Wasser
1 Prise Salz

  1. Alle Zutaten vermengen und zu einem glatten nicht klebenden Teig kneten (ca. 10 Min mit Hand).
  2. Bei Raumtemperatur 6-8 Stunden gehen lassen ODER über Nacht im Kühlschrank gehen lassen (12 Stunden bei 5°C).
  3. Vor der Verwendung die Luft ausstoßen.
  4. Der Vorteig hält sich bis zu 4 Tagen im Kühlschrank.

Hauptteig:

200g Vorteig
600g Weizenmehl Type 550
4g Frischhefe
340ml lauwarme Milch (+ 30ml zusätzlich falls der Teig zu trocken ist)
60g Zucker
1 Prise Salz
pro Teepulver je 1 TL (5g) Teepulver + 1 EL (10g) Milch

  1. Alle trockenen Zutaten vermischen und langsam die Milch hinzufügen und zu einem groben Teig kneten.
  2. Den Teig halbieren. Eine Hälfte dritteln und jedes Drittel mit einer Teepulvermilch vermischen.
  3. Alle Teige einzeln zu glatten Teigen kneten und gehen lassen bis die Größe sich verdoppelt hat (ca. 2h bei Raumtemperatur, 6h im Kühlschrank).
  4. Alle Teige ausstoßen, die weiße Hälfte dritteln und flach ausrollen.
  5. Je einen weißen und einen gefärbten Teig übereinander legen, aufrollen, zu einer Rolle von etwa 3cm Durchmesser rollen und mit je 2cm Abstand Stückchen abstechen.
  6. Die Stücke ca. 1 Stunde ruhen lassen.
  7. Bei mittlerer Hitze 15 min im Dämpfkörbchen dämpfen.
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Kakaomantou vorm Dämpfen
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Matchamantou vorm Dämpfen
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Vor dem Dämpfen
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Fertige Mantou: links Schwarztee, rechts Rooibos
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Fertige Mantou: hinten Kakao, vorne Matcha

Vom Geschmack her fand ich die Matchamantou (und auch die Kakaomantou) noch einen Ticken besser als die Schwarztee-  und Rooibosmantou da die letzten beiden irgendwie nicht ganz so aromatisch waren. Aber das kann natürlich auch daran liegen, dass zwischen den beiden Mantouaktionen einige Tage lagen. Insgesamt aber war ich wirklich sehr zufrieden und bin auch schon motiviert statt des Vorteiges mal Mantou mit einem milden Weizensauerteig zu probieren.

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Tees, die ich nicht trinke: King’s Crown Genießer Kollektion

Zu Ostern habe ich Tee geschenkt bekommen. Leute schenken mir gerne Tee und ich finde das natürlich total nett. Nur bin ich leider ein ziemlicher Teesnob und es ist somit ziemlich schwer mir Tee zu schenken, den ich auch wirklich trinken werde. Dieser Beitrag soll hier auf gar keinen Fall meine Undankbarkeit zeigen, sondern eher erklären, warum genau ich manche Tees einfach nicht trinken möchte. Wenn ich neue Leute kennen lerne und sage, dass Tee mein größtes Hobby ist, dann wird mir oft erzählt, dass dieser Grüntee mit Zitrone aus dem einen Teeladen da voll lecker sei oder dass sie auch gerne Kräutertees trinken, gerade im Winter und am Abend. Dann zu erklären, dass es nicht solche Tees sind, für die ich mich interessiere, ist für mich jedes Mal eine Gradwanderung zwischen Aufklären und Klugscheißen.

Eigentlich hatte ich mich sogar geweigert überhaupt irgendetwas zu Tees, die ich nicht trinke, zu schreiben. Aber meine Mitbewohnerin, die solche Tees dann immer vernichten muss, hat mich dazu überredet, doch zu erklären, was meine Beweggründe sind, manche Tees einfach zu umgehen.

Also gut. Generell gibt es von Anfang an für mich 3 knallharte Ausschlusskriterien für Tee, die dafür sorgen, dass ich sie nicht „mal probieren“ werde:

  • es handelt sich nicht um Tee im engeren Sinne, d.h. es ist kein Produkt der Camelia sinensis
  • es handelt sich um aromatisierten Tee, d.h. es gibt irgendwelche weiteren Zusätze/Zutaten
  • es handelt sich um Teebeutel
Verpackung
Verpackung

Dann passt ja unser erster Kandidat hier perfekt: King’s Crown Genießer Kollektion von Rossmann ist eine „Limitierte Edition“ „ausgewählter Sorten zum Entdecken“ (“ “ stehen für wortwörtlich von der Verpackung übernommene Beschreibungen). Das sind insgesamt 6×6 Teebeutel mit den folgenden Sorten:

Teebeutelverpackung
Teebeutelverpackung

Damit die Zusammensetzung der jeweiligen Sorten besser zu erkennen ist, habe ich die Teebeutel mal entfernt und den blanken Inhalt
untersucht. Das ist alles laut Packungsbeschreibung in den Teebeuteln:

  • Grüner Rooibos Sonne Afrikas: Grüner Rooibos (52%), Rooibos, Äpfel, Aroma, süße Brombeerblätter, Ananasfruchtstücke (Ananas, Maltodextrin), Mangofruchtstücke (Mango, Maltodextrin, Sonnenblumenlecithin), Bananenfruchtpulver (Glukosesirup, Bananenpüree)
  • Grüner Tee Orange-Ingwer: Grüner Tee, Aroma (Orange), Ingwer, Orangenschalen
  • Rooibostee Mango-Lassi-Chai: Rooibos (80%), Aroma (Joghurt, Mango), Süßholzwurzeln, Zimt, Ingwer, schwarzer Pfeffer, Kardamom
  • Grüner Tee Vanille: Grüner Tee, Aroma (Vanille), Vanille
  • Früchtetee Apfel-Dattel-Feige: Apfelstücke, Hibiskusblüten, Hagebutten, Johannisbrot, süße Brombeerblätter, Aroma, Dattel-Crispies (Dattelsaftkonzentrat, Apfelpüree), Feigen-Crispies (Feigenpüreekonzentrat, Apfelpüree), Säurungsmittel: Citronensäure
  • Weißer & Grüner Tee Granatapfel: Weißer Tee, Grüner Tee, natürliches Granatapfelaroma

Mmmmmmm. Lecker…. \end{Ironie}

Bei manchen Sorten waren kleine weiße Perlen zu erkennen, die ich nach Probieren als das jeweilige Aroma identifizieren konnte. Beim Grüntee Orange-Ingwer ist das besonders gut zu erkennen. Da schmeckten die Perlen nach Orangenbonbon. Auch Ingwer und Orangenschale ließen sich ohne Probleme finden. Schwieriger war es bei der Sonne Afrikas die Fruchtstückchen klar zu identifizieren.

Befreiter Tee
Befreiter Tee

Die Packung gibt als Zubereitungsanweisung für die beiden Rooibostees (Sonne Afrikas und Mango-Lassi-Chai) 100°C „sprudelnd kochendes Wasser“ für 5-6 Minuten an. Den Früchtetee (Apfel-Dattel-Feige) soll man auch mit „sprudelnd kochendem Wasser“ übergießen, aber für 5-8 Minuten ziehen lassen („Nur so erhalten Sie ein sicheres Lebensmittel“). Für die anderen drei Sorten (Orange-Ingwer, Vanille und Granatapfel) soll man „frisches Wasser zum Kochen bringen und kurz abkühlen lassen“ und dann den Tee für 3-4 Minuten ziehen lassen. Für meinen Vergleich hier, habe ich die Zubereitung leicht abgewandelt. Da ich den Tee ja schon aus seinem Gefängnis befreit hatte, entschloss ich mich das Zeug im Gaiwan unter Vergleichskonditionen zu testen. Das heißt, die drei 100°C-Sorten bekamen 100°C heißes Wasser für 3 Minuten und die „kurz abkühlen lassen“-Sorten bekamen 80°C heißes Wasser ebenfalls für 3 Minuten. Für die Zeit stellte ich mir sogar extra einen Timer!

Verwendetes Teegeschirr
Verwendetes Teegeschirr

Schon die trockenen Blätter rochen bei allen Tees viel zu stark und viel zu künstlich, dass ich sie eigentlich nicht weiter probieren wollte, aber was tut man nicht alles für seinen Blog. Beim Trinken ging es mir nicht besser. Da sie mir das Ganze eingebrockt hatte, musste meine Mitbewohnerin auch fleißig mittrinken. Die Sonne Afrikas schmeckte nach Kaugummi, ebenso wie Orange-Ingwer und Granatapfel. Der Mango-Lassi Chai schmeckte einfach nach wässrigem Chai, keine Spur von Mango-Lassi (zum Glück?). Vanille schmeckte krass bitter und ein bisschen nach Vanille. Der Früchtetee war erträglich aber echt süß.

Farblich bieten die Tees zwar in Kombination ein hübsches Bild, aber einzeln betrachtet sehen die wirklich nicht lecker aus. Der Orange-Ingwer war so trüb und graugrüngelb, dass ich ihn am liebsten weggeschüttet hätte. Aber vielleicht kam das ja auch nur, weil ich kein Sieb verwendet habe. Da der Teebeutel ja generell als Sieb fungiert, kann es ja sein, dass der Tee in der Tasse nicht so trüb wird.

Aufgüsse
Aufgüsse

Ok. So weit so gut, was stört mich jetzt an diesen Tees?

  1. Die wirklich sehr „außergewöhnlichen“ (absurden trifft es eher) Aromatisierungen: Warum soll ein Aufgussgetränk nach Mango-Lassi und Chai gleichzeitig schmecken?
  2. Grüner Tee/Weißer Tee wird als generische Teesorte behandelt. Welcher Grüntee/Weiße Tee ist das denn genau? Ein Sencha? Ein Gunpowder? Allesdurcheinander? Irgendwas Aufgekehrtes?
  3. Zu viele (künstliche?) Zutaten, die einen Geschmackseinheitsbrei ergeben. Das faszinierende an Tee ist, dass die Verarbeitung und Zubereitung von Blättern der Camelia sinensis allein so eine Vielfalt aufweist. Es sind einfach nur Blätter eines Busches und die können so unterschiedlich schmecken! Ein guter Tee braucht daher einfach keine weiteren Zusätze.
  4. 20150506_Teebeutel_Müll  Dieser viele Müll!

Mir gings nach dieser Verkostung nicht besonders gut. Vielleicht hatte ich einfach Hunger, vielleicht war es die Kombination zu vieler unterschiedlicher Geschmacksrichtungen, vielleicht war es mein Stolz, der mir auf den Magen schlug. Ich kann diesen Tee nicht trinken. Jetzt erstmal einen Tieguanyin.