Unverbloggte Tees 2017

Ach, wie die Zeit fliegt! Kaum Mondkuchen gemacht und schon haben wir ein neues Jahr. Ja gut, dazwischen ist schon eine Menge passiert, ich habe es nur einfach nicht geschafft, meinen kleinen süßen Blog hier weiterzuschreiben. Dabei ist Tee nach wie vor ein wichtiger Bestandteil meines Alltags. Eine meiner größeren Schwierigkeiten (neben dem offensichtlichen Zeitmangel) war allerdings auch die ständige Unentschlossenheit, was und in welcher Form ich meine weiteren Beiträge veröffentlichen möchte.

Auf der einen Seite mag ich die steckbriefartigen Momentaufnahmen meiner verkosteten Teesorten, auf der anderen Seite würde ich gern detaillierter auf einzelne Teesorten eingehen und deren unterschiedliche Facetten hervorheben (wie z.B. beim Matcha Kirishima). Da ich oft meine Tees in loser Reihenfolge immer mal hier und da trinke, habe ich angefangen ein Teetagebuchprotokoll zu führen, um so erstens zu wissen, wann ich welchen Tee wie zubereitet habe, aber auch um darüber hinaus Informationen für detaillierte Teevorstellungen sammeln zu können. Nun liegt das Problem hier allerdings bei der Aufarbeitung der Daten.

Deshalb gibt es jetzt statt vieler unfertiger Steckbriefe einfach eine Übersicht der Tees, die ich dieses Jahr über getrunken habe, ohne sie hier vorzustellen. Denn schade fände ich es auch, diesen Tees nicht gerecht zu werden.

Muzha Tieguanyin 2010 (木柵鐵觀音)

Typ: Taiwan Oolong, mittelstark oxidiert, stark geröstet

Herkunft: Muzha, Taipei, Taiwan

Ernte: 2010

Händler: privat

Preis: k.A.

Bewertung: sehr ähnlich zu den anderen Muzha Tieguanyins meines Teelehrers, wobei deutlich zu schmecken ist, dass hier nicht traditionell mit Holzkohle, sondern elektrisch geröstet wurde.

Yunnan Qiao Mu Bing Cha (云南乔木饼茶)

Typ: Sheng Pu Erh

Herkunft: Yunnan, China

Ernte: ? (2009)

Händler: privat

Preis: k.A.

Bewertung: einer meiner lange vergessenen Tees und der erste Pu Erh in Bingform, den ich mir noch vor meiner intensiven Beschäftigung mit Tee während eines Urlaubs in China gekauft habe. Selbst nach 7 Jahren Lagerung ist er noch nicht so die Wucht. Vielleicht wird er das auch nie so richtig. Oder ich habe noch nicht die richtige Zubereitungsart gefunden.

Yiwu 1960

Typ: Shou Pu Erh

Herkunft: Yiwu, Yunnan, China

Ernte: 1960

Händler: tea-exclusive

Preis: 32,50€ für 20g

Bewertung: Ich kann mich ehrlich nicht mehr an den Geschmack dieses Tees erinnern

China Pai Mu Tan

Typ: Weißer Tee

Herkunft: Qingshan, Hunan, China

Ernte: ? (2016)

Händler: Pure Tea

Preis: 9,90€ für 100g

Bewertung: Netter Tee für Zwischendurch.

Menghai 7652

Typ: Shou Pu Erh

Herkunft: Menghai, Yunnan, China

Ernte: 2008

Händler: Die Kunst des Tees

Preis: 19,90€ für 357g

Bewertung: Einer meiner Lieblingstees für die kühleren Tage: wunderschön mild und wohlig warm. Der Bing ist auch schon ziemlich geschrumpft. Ich glaube, ich habe jetzt nur noch etwa 1/6 übrig.

Four Seasons of Spring (四季春)

Typ: Taiwan Oolong, mittel oxidiert, ungeröstet

Herkunft: Nantou, Taiwan

Ernte: ? (2016)

Händler: Paper and Tea

Preis: 17,00€ für 100g

Bewertung: Diesen Tee habe ich für einen meiner Teekurse gekauft, um einen einfachen leichten taiwanesischen Oolong vorzustellen. Das Ziel wurde erreicht, aber so richtig beeindruckend ist dieser Oolong nicht.

Hoshino Matcha (星野抹茶)

Typ: Matcha

Herkunft: Hoshino, Yame, Fukuoka, Japan

Ernte: 2016

Händler: privat

Preis: k.A.

Bewertung: Ein Mitbringsel von unserem Japanurlaub, dem ich nicht lange widerstehen konnte. Und kaum angefangen war die kleine 20g Packung leer, weil dieser Matcha einfach unglaublich lecker war. Ich habe mich bewusst für einen Yame Matcha entschieden (und nicht für einen Uji-Matcha), da wir eigentlich einen Ausflug in dei Teeregion um Yame machen wollten, es aber zeitlich nicht mehr geschafft hatten. Aber so hatte ich wenigstens aus jeder Region, die wir bereist haben, einen passenden Tee mitgebracht.

Ureshino Matcha Iri Shiraore (嬉野抹茶入白折)

Typ: Sencha mit Stielen und Matcha

Herkunft: Ureshino, Yame, Japan

Ernte: 2016

Händler: privat

Preis: k.A.

Bewertung: Auch das ist ein Urlaubssouvenir. Leider stellte ich erst im Zug nach Arita fest, dass wir am Teegebiet Ureshino direkt vorbei kommen würden. Also kaufte ich bei der nächsten Gelegenheit einen Ureshinotee und hatte den gesamten Sommer sehr viel Freude an diesem sehr einfachen, durch den Matcha aber doch besonderen Tee.

Tanyang Gongfu

Typ: China Schwarztee

Herkunft: Gukoucun, Xiaoyangzhen, Fujian, China

Ernte: 2015

Händler: Nannuoshan

Preis: 2,00€ für 20g

Bewertung: Als wir während der Teetour durch Berlin auch im Nannuoshan einkehrten, nahm ich mir noch einige Proben mit, wovon dies hier eine war. Leider reicht mein Teetagebuchprotokoll nicht bis zu dieser Probe zurück, sodass ich nicht mehr weiß, wie ich diesen Tee eigentlich fand. Aber er ist mir jedenfalls nicht negativ im Gedächtnis geblieben.

Superior Taiping Houkui

Typ: China Grüntee

Herkunft: Houkencun, Huangshan, Anhui, China

Ernte: 2016

Händler: Nannuoshan

Preis: k.A.

Bewertung: Diese Probe habe ich von meiner lieben Teefreundin geschenkt bekommen und mich sehr darüber gefreut, da ich schon sehr lange einmal einen Taiping Houkui probieren wollte. Schon allein wegen der legendär großen Blätter. Und ich wurde nicht enttäuscht. Wirklich ein schöner Tee, allerdings eher für sommerliche Tage, da ich sonst weniger Grüntee trinke.

Jin Jun Mei

Typ: China Schwarztee

Herkunft: China

Ernte: ?

Händler: Nannuoshan (nicht mehr im Sortiment)

Preis: k.A.

Bewertung: Auch diesen Tee nahm ich als Probe von der Teetour durch Berlin mit und glücklicherweise hat mein Teetagebuchprotokoll diesen Tee schon erfasst. Bei Bemerkungen habe ich mir aufgeschrieben: „interessant: weder süß, noch bitter. Höre gerade den Soundtrack von ‚In the Mood for Love‘ dazu“.

Aiya Matcha Ten

Typ: Matcha

Herkunft: Kagoshima, Japan

Ernte: ?

Händler: aiya

Preis: 46,00€ für 30g

Bewertung: Nachdem mein Kirishima Matcha zu Ende gegangen war und ich nach einem ehrenwerten Nachfolger bei deutschen Händlern suchte, beschloss ich meinem ersten Matchadealer meines Lebens, aiya, eine Chance zu geben. Ich bestellte den Ten und war anfangs wirklich begeistert. Nur verhielt es sich mit ihm ganz seltsam: je öfter ich ihn trank, desto weniger spektakulär fand ich ihn. Bisher hatte ich mit Tees eher umgekehrte Erfahrungen, dass das Kennenlernen für mehr Genuss sorgt. Hier irgendwie nicht.

Da Hong Pao #105

Typ: China Oolong, mittelstark fermentiert, leicht geröstet

Herkunft: Wuyi Gebirge, Fujian, China

Ernte: 2012

Händler: die Kunst des Tees

Preis: 3,45€ für 10g

Bewertung: Diese Probenpackung schlummerte schon einige Zeit in meinem Teekistchen und nach dem beeindruckendem traditionell gerösteten Da Hong Pao, freute ich mich sehr auf ihn. Laut Protokoll fand ich diesen Tee auch nicht schlecht, nur generell zu schwach für meinen Geschmack. Bei einer Verkostung hab ich notiert, dass ich einen Aufguss vergessen hatte und diesen am besten fand, weil der ordentlich Bumms hatte.

Shanlinxi Hongshui

Typ: Taiwan Oolong

Herkunft: Shanlinxi, Nantou, Taiwan

Ernte: 2014

Händler: die Kunst des Tees

Preis: 2,55€ für 10g

Bewertung: Das ist ebenfalls eine in Vergesseheit geratene Probe, die ich mir eines Tages, als es mich nach einem dunkleren Tee gelüstete, schnappte und feststellen musste, dass dieser Oolong gar nicht so dunkel, wie sein Name vermuten lässt, war. Aber lecker war er allemal.

Orchideen (Lan Hua Xiang) Dancong

Typ: China Oolong

Herkunft: Chaozhou, Guangdong, China

Ernte: 2012

Händler: die Kunst des Tees

Preis: k.A.

Bewertung: Zu diesem Tee schrieb ich neben die Note 1: „ein bisschen wie richtig gute Zartbitterschokolade: leicht bitter, aber sehr angenehm.“

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Hong Kong Hochzeit – satt in 14 Gängen

Der Hauptgrund warum es vor dem eigentlichen Taiwanurlaub noch nach Hong Kong ging war die Einladung zur Hochzeit meiner ehemaligen Mitbewohnerin. Und diese einmalige Chance eine traditionelle Hochzeit in Hong Kong besuchen zu dürfen wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Nach etwas mehr als zwei Jahren konnten wir uns endlich wieder sehen, auch wenn das Brautpaar wirklich allerhand zu tun hatte. Zum Glück waren wir aber schon etwas früher da, sodass wir noch Zeit fanden gemeinsame Fotos zu schießen und auch noch ein bisschen plaudern konnten. Nach uns trudelten dann aber auch viele weitere Gäste ein, sodass wir uns einfach schon einmal an unseren Tisch setzten und auf das Essen warteten. Zum Warten gab es Pu Erh, der sofort wieder nachgefüllt wurde, wenn die Tasse ungefähr halb leer war.

Pu Erh Tee
Pu Erh Tee

In der Einladung stand, dass der Empfang der Gäste 17 Uhr beginnen würde und das Essen um 20 Uhr serviert werden würde. Zum Glück begleitete uns meine Taiwanmitbewohnerin, die wusste, wie die Zeiten zu interpretieren sind. Sie meinte um 17 Uhr brauchen wir da auf keinen Fall auftauchen, weil da einfach noch nichts los sein werde. Also trafen wir uns um 19 Uhr und gingen dann gemütlich zum Raum, wo die Hochzeitsfeier stattfand. Bevor wir uns aber hochzeitsfertig machten googelten wir auch noch ein bisschen danach, wie so eine Hong Kong Hochzeit eigentlich abläuft. Laut eines sehr sarkastischen Blogeintrags (den ich jetzt leider nicht mehr finden kann) gibts das Essen eh erst um 21 Uhr, egal, was auf der Einladung steht. Und wer früher kommt, spielt Mahjong. Und dann wurden alle Gerichte aufgezählt, die angeblich immer in der gleichen Reihenfolge serviert werden. So sarkastisch der Blogeintrag war, so wahr war er auch: Während wir schon sabbernd auf die Menükarte schauten und mit jedem neuen Schluck Pu Erh etwas hungriger wurden, klackerten im Hintergrund ziemlich laut die Mahjongsteinchen. Und dann war es endlich 21 Uhr: das Brautpaar zog ein, ein guter Freund der Braut erzählte ein paar Anekdoten und dann wurde ziemlich pompös choreografisch der erste Gang serviert. Der kam auch ziemlich episch daher, da das Spanferkel nicht nur hübsch mit Kopf serviert wurde, sondern auch mit blinkenden roten Leuchtaugen ausgestattet war.

Gegrilltes Spanferkel
Gegrilltes Spanferkel
Haut und Fleisch vom Spanferkel
Haut und Fleisch vom Spanferkel

Unsere tischeigene Bedienung portionierte jeden Gang für jeden Gast, was ich äußerst praktisch fand, da so jeder von allem etwas abbekommt ohne Angst zu haben, dass etwas weggefuttert wird. Zwar wirkte das Ensemble von Schweinehaut, Fleisch und Pancake ein bisschen wenig, aber in Anbetracht der noch darauf folgenden 13 Gänge war das genau richtig.

Sautierte Zuckerschoten mit Jakobsmuschel
Sautierte Zuckerschoten mit Jakobsmuschel

Danach gab es Jakobsmuschel und Zuckerschoten. Ein Hochgenuss nicht nur, weil ich nach den vielen amerikanischen Kochsendungen endlich einmal selber Jakobsmuschel probieren wollte, sondern auch, weil es Gemüse gab! Gemüse! Zum Essen in Hongkong außerhalb von Teehaus und Hochzeit werde ich noch einen extra Beitrag schreiben, aber ich kann schon verraten: viel Gemüse gibt’s da nicht zu sehen. Im Rückblick war dieser Gang einer meiner Favoriten.

Spargel im Teigmantel mit Krabbenrogen und Krabbenfleisch
Spargel im Teigmantel mit Krabbenrogen und Krabbenfleisch

Dann kam Spargel, oder waren es doch Bambussprossen? Das Spargel-Bambussprossen-Dilemma habe ich jetzt schon einige Male erlebt. Irgendwie scheint es da nicht so ganz mit der Übersetzung aus dem Chinesischen zu klappen. Wenn ich chinesischsprachigen Freunden Spargel vorsetze, fragen die mich dann ganz häufig, ob das Bambussprossen sind. Mittlerweile weiß ich, dass das gar keine so abwägige Frage ist, wie es am Anfang schien: beides sind Sprossen, Spargel ist in Asien oft grün und Bambussprossen sind weiß. Weißer Spargel wird also eher mit Bambussprossen assoziiert, einfach weil es ungewöhnlich ist weißen Spargel zu sehen. Im Fall des Hochzeitsessens stand in der englischen Übersetzung des Menüs zwar Bambussprossen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich um grünen Spargel handelte. Die Soße dazu mochte ich allerdings nicht ganz so, vor allem auch, weil ich die ganze Zeit überlegte, ob das jetzt rohes Eigelb war.

Sautierte Garnelen mit Brokkoli und Hunanschinken
Sautierte Garnelen mit Brokkoli und Hunanschinken

Dann ging es weiter mit ziemlich großen leckeren Garnelen. Ich liebe Garnelen! Und es gab wieder Gemüse dazu! Mehr kann ich zu diesem Gang nicht mehr sagen.

Bird's Nest Suppe mit Hühnchenpüree
Bird’s Nest Suppe mit Hühnchenpüree

Und dann kam mein persönlicher Favorit: Bird’s Nest Soup. Es kann sein, dass ich das schon mal irgendwann irgendwo gegessen habe, aber erinnern kann ich mich daran nicht. Deswegen behaupte ich jetzt einfach mal, dass dies mein erstes Mal war! Ein bisschen skeptisch war ich ja schon. Erstens, weil ich nach wie vor nicht weiß, ob da jetzt wirklich Vogelnestteilchen drin sind oder ob das nur ein gut klingender Name ist. Und zweites, weil das auch einfach farblich jetzt nicht so prall daher kam. Aber geschmacklich! Großartig!

Südafrikanische Abalone mit Pilzen und Gemüse in Austernsauce
Südafrikanische Abalone mit Pilzen und Gemüse in Austernsauce

Noch mehr Seafood! Noch mehr Dinge, die ich nicht kenne! Yeay! Ich hab mich ehrlich auf Abalone gefreut, aber als ich das dann anschnitt und voller Vorfreude in meinen Mund schob, musste ich mich doch zusammenreißen, mein Gesicht nicht zu sehr zu verziehen. Der Geschmack erinnerte mich irgendwie an Leber. Und auch wenn ich fast alles esse, Leber mag ich nicht. In keiner Form. Meine Mama hat alles probiert. Aber zum Glück gab es ja noch Shiitakepilze dazu. Große gutriechende Pilze! Mjam!

Im Ganzen gedämpfter Pfauen-Zackenbarsch (mittels Wikipedia übersetzt)
Im Ganzen gedämpfter Pfauen-Zackenbarsch (mittels Wikipedia übersetzt)

Und dann kam nachdem das komplette Schwein schon fast in Vergessenheit geraten ist, ein ganzer Fisch. Ein ziemlich großes Exempler sogar! Da an unserem Tisch nur sehr wenige einheimische Hongkonger saßen, war die Frage, wer sich den Fischkopf unter den Nagel reißen darf, auch schnell geklärt. Angeblich sollen die Fischbäckchen das beste am ganzen Fisch sein. Ich bleib vorerst noch beim „normalen“ Fleisch. Aber irgendwann mal…

Knusprig frittiertes Huhn
Knusprig frittiertes Huhn

Während Fischkopf mitgegessen wird, dient der Hühnerkopf beim nächsten Gang nur zur Deko. Und bei diesem Gang ging dann plötzlich alles Schlag auf Schlag. Es schien als ob unsere Bedienung drei Gänge auf einmal servierte. So ganz sah ich da nicht mehr durch. Zu diesem Zeitpunkt war ich übrigens auch schon ganz gut gefüllt.

Gebratener Reis mit getrocketen Shrimps und Seafood
Gebratener Reis mit getrocketen Shrimps und Seafood

Aufgrund des leichten Durcheinanders auf dem Tisch probierte ich den gebratenen Reis gar nicht.

Wan Tan Suppe
Wan Tan Suppe

Aber die Wan Tan Suppe landete in meiner Schüssel. Wan Tans sind super. Mit Shrimps gefüllt sind sie die besten!

Süße Suppe mit Lotuskernen, chinesischer Dattel, Lilien und Tangyuan
Süße Suppe mit Lotuskernen, chinesischer Dattel, Lilien und Tangyuan

Und dann näherte sich das Ende des Menüs: die süßen Sachen kamen. Zuerst eine süße Suppe mit Tangyuan, die mit Sesam gefüllt waren. Laut meiner Taiwanmitbewohnerin muss es unbedingt Tangyuan geben, da die so etwas wie Unendlichkeit symbolisieren. Jedes andere Gericht hat wohl auch seine jeweilige Bedeuting für die Hochzeit und die Ehe, aber leider war ich zu sehr mit Essen beschäftigt, um das genauer erörtern zu können.

Chinesische Petit Fours und frisches Obst
Chinesische Petit Fours und frisches Obst

Als dann das Obst und Kekse serviert wurden, war alles plötzlich schlagartig vorbei. Da unser Tisch sehr international besetzt war, beobachteten wir erst einmal, wie sich auf einmal alle anderen Tische leerten und viele Gäste sich die Kekse und Orangen einpacken ließen. Ein bisschen verdutzt saßen wir da und auch unsere Bedienung, die uns die ganze Zeit über endlos Getränke nachgeschenkt hatte, würdigte uns nun keines Blickes mehr. Als dann wirklich nur noch unser Tisch und die engste Familie des Brautpaars anwesend war, entschlossen wir uns auch vom Brautpaar zu verabschieden. Da jetzt nicht mehr so viel los war, konnten wir uns auch noch ein bisschen unterhalten. Während sich die Gäste ziemlich den Bauch zugeschlagen haben, hat das Brautpaar nicht einen Happen abbekommen. Denn die Braut präsentierte vier (!!!) unterschiedliche Brautkleider und das Paar stieß mehrmals mit allen Tischen an und kam auch zum Fotomachen vorbei. Im Vergleich zu einer deutschen Hochzeit also vollkommen anders, aber auf jeden Fall ein Erlebnis wert!

Vielen Dank an das Brautpaar und für die gemeinsame Zukunft nur das Best!

Auswärts Tee trinken (und auch was essen): Lin Heung Teahouse Hong Kong

Ich weiß, ich weiß, ich weiß, es war eine lange Schreibpause hier auf meinem Blog. Aber bis jetzt hatten wir in unserem Urlaub einfach so viel zu sehen und zu tun, dass ich gar nicht dazu kommen konnte überhaupt die Bilder auszuwerten. Aber jetzt wird alles anders. Vielleicht. Eigentlich wollte ich auch schon vor zwei Tagen meinen ersten Blogeintrag aus dem Urlaub veröffentlichen (gerade auch weil mich so ein netter Kommentar erreichte), aber dann plötzlich, nachdem ich alle Bilder fertig skaliert und gestempelt hatte, hatte der Laptop keinen Strom mehr. Das wäre ja kein Problem gewesen, hätten wir einen Adapter gehabt. Ja, ja.

Jetzt aber geht es los. Dass man in Hong Kong kaum verhungern kann, dass war mir schon vorher ganz gut klar. Aber, dass ich mich innerhalb von drei Tagen so voll essen kann, hätte ich nicht gedacht. Am ersten Tag trafen wir neben meiner Mitbewohnerin aus Taiwan auch noch eine Foshanfreundin und deren Freundin. Und da ich unbedingt in ein möglichst traditionalles Teehaus in Hong Kong wollte, um möglichst traditionelle Dim Sums essen zu können, war es meine Aufgabe, genau das zu suchen. Google war mein Freund und so fand ich das Lin Heung Teahouse. Laut Wikipedia werden die Dim Sums da auf Wagen durchs Teehause geschoben und Wong Kar-Weis „In the Mood for Love“ soll auch da gedreht worden sein. Also der perfekte Kandidat. Da ich aber so einfach mein Teehaus finden konnte, hatte ich schon ein bisschen Sorge, dass an jedem zweiten Tisch jemand mit einem Lonely Planet in der Hand sitzen würde. Aber Pustekuchen! Mir wurde nicht zu viel vesprochen! Selbst meine Freundinnen aus Foshan meinten, dass es kaum hongkongischer ginge! Als wir gegen 13 Uhr ankamen, war der große Raum komplett voll und wir konnten gerade so noch Plätze an einem Tisch mit noch zwei anderen Gästen ergattern. Und es war laut! Aber genau das, was ich wollte. Wir konnten uns zwar kaum unterhalten, aber allein die Atmosphäre hatte es mir sofort angetan: Kalligrafie an den Wänden, Geschäftsmänner in Anzügen neben älteren Herren, die Zeitung lesen und mindestens vier Dim Sum Wagen, deren Inhalte stets lautstark von den älteren Damen und Herren, die diese schoben, angepriesen wurden.

Hochbetrieb zur Mittagszeit
Hochbetrieb zur Mittagszeit

Damit man überhaupt Essen bekommt, muss man entweder hoffen, dass einer dieser Dim Sum Wagen direkt vorm Tisch hält oder eben hinterher laufen. Dann sucht man sich aus den vielen kleinen Dämpfkörbchen aus, was man möchte und die Tischkarte wird gestempelt. Bei unserem ersten Durchgang wählten wir zum einen die Klassiker (wie ich einige auch schon in Bremen gegessen hatte) gedämpfte Reisnudeln (腸粉), Fleischklöße (肉丸) und Hühnerfüße (鳳爪), zum anderen aber auch etwas Süßes (dessen chinesischen Namen ich nicht weiß) und etwas, was keiner von uns rein optisch identifizieren konnte, sich nach Kosten aber als Rettichkuchen mit Shrimps herausstellte (蝦仁蘿蔔糕).

Gedämpfte Reisnudeln, Fleischklöße, Rettichkuchen mit Shrimps, Hühnerfüße und süße Karamellstreifen
Gedämpfte Reisnudeln, Fleischklöße, Rettichkuchen mit Shrimps, Hühnerfüße und süße Karamellstreifen
Gedämpfte Reisnudeln
Gedämpfte Reisnudeln
Hühnerfüße
Hühnerfüße

Später gesellten sich dann noch Shaomai (燒賣) und Klebreis mit Huhn dazu. Den Klebreis fand ich so naja, aber die Shaomai waren der Hammer. Wenn ich eines der Dim Sums nonstop hätte essen können, dann diese Shaomai.

Klebreis mit Huhn und Shaomai (im Hintergrund)
Klebreis mit Huhn und Shaomai (im Hintergrund)

So viel zum Essen. Das Lin Heung Teahouse hat ja immerhin noch Tee im Namen. Und Tee hat durchaus auch einen hohen Stellenwert da. Allerdings hatte ich kaum eine Chance zu erfahren, welche Tees überhaupt zur Auswahl standen, da wir uns schnell alle auf Pu Erh einigten. Das mussten wir auch, denn kaum hatten wir unsere Plätze zugewiesen bekommen, kam schon ein älterer Mann auf uns zu, stellte jedem Schüssel, Löffel, Stäbchen und eine Teetasse hin und wartete schon ganz ungeduldig auf unsere Bestellung.

Pu Erh
Pu Erh

Da wir zu fünft waren, bekamen wir eine Teekanne mit Pu Erh, die jedes Mal, wenn sie leer war, sofort wieder mit heißem Wasser aufgefüllt wurde. Die anderen Gäste an unserem Tisch hatten allerdings Gaiwane prall gefüllt mir Teeblättern. Da war ich schon ein bisschen neidisch.

Die Teegeschirrstation
Die Teegeschirrstation

Alles in allem also ein tolles Erlebnis, was preislich (pro Person ca. 10 €) auch noch ok ist. Hong Kong ist generell schon ziemlich teuer, wenn man ähnliches Essen zu chinesischen Preisen oder Taiwanessenspreise gewöhnt ist. Und so ein Ambiente ist sowieso unbezahlbar!