Erzgebirgischer Stollen nach plötzblog

Eigentlich gibt es hier öfters mal Kuchen zum Sonntagsnachmittagstee. Aber in der Adventszeit dachte ich mir, dass ich statt Kuchen einfach mal meinen selbst gebackenen Stollen (oder, da wo ich herkomme auch gängig „meine Stolle“) vorstelle. In meiner Familie gibt es jedes Jahr zu Weihnachten so eine Art unabgesprochenen internen Wettbewerb, wer den besten Stollen bäckt. Teilnehmerinnen sind meist meine Oma, meine Mama, manchmal auch meine Tante und ich. Letztes Jahr konnte ich den inoffiziellen Preis für den besten Familienstollen einfahren. Das mag vor allem an dem von mir verwendeten Rezept liegen. Da ich nun schon seit einiger Zeit Brot backe, ist meine ewige Quelle guter Brotrezepte der Brotblog von Lutz Geißler. Und dort habe ich auch mein diesjähriges Stollenrezept gefunden. Das ist zwar vom letzten Jahr (weil das diesjährige Vollkornstollenrezept erst nach meiner Backaktion gepostet wurde), aber nichtsdestotrotz sehr vielversprechend. Um den vollen Erfolg beim Nachbacken zu erzielen, kaufte ich mir tatsächlich Ciabattemehl (Tipo 0) und erstklassiges Orangeat und Zitronat. Noch nie habe ich in meinem Leben so viel für Orangeat oder Zitronat ausgegeben, aber ebenso war ich noch nie so geflasht von dem Geschmack. Also gelohnt hat sich der Kauf auf jeden Fall.

Tipo 0 Weizenmehl und Orangeat und Zitronat im Weckglas
Tipo 0 Weizenmehl und Orangeat und Zitronat im Weckglas

Wie auch die meisten Brote, muss Stollenbacken gut geplant und vorbereitet werden. Am Vortag des Backtages weichte ich schon die Früchte ein und bereitete die Butter-Gewürz-Mischung vor, für welche ich tatsächlich jede Mandeln einzeln von Hand gerieben habe (inklusive Bittermandeln waren das ganze 205g!!!), da mir erst nach dem Blanchieren der Mandeln einfiel, dass ich ja gar keine elektrische Reibevorrichtung für die Biester besitze. Ja, mein Stollen ist noch ganze Handarbeit! Weil meine Hände dementsprechend wehtaten, gibts vom Mandelreiben natürlich kein Foto.

Trockenfrüchte in Rum und Weißwein
Trockenfrüchte in Rum und Weißwein

Am eigentlich Backtag geht die Vorbereitung dann weiter mit Vorteig und endet nach etwa 3 Stunden mit hübschen Stollchen. Das Rezept ist zwar für 2 je 1000g Stollen ausgelegt, aber ich entschied mich für 4 je 500g Stollen, da die für unseren kleinen Haushalt nicht nur besser portionierbar sind, sondern auch besser als Lagerexperiment funktionieren.

Stollen vorm Backen
Stollen vorm Backen
Frisch aus dem Ofen
Frisch aus dem Ofen

Nach dem Backen sind die Stollen aber noch nicht fertig. Jetzt folgt im 12-Stunden-Rhythmus Buttern, Buttern und Buttern und Zuckern, um sie auch schön haltbar zu machen. Das Eintauchen in Butter, wie es im Rezept vorgeschlagen wird, konnte ich, vor allem aufgrund mangelnder Massen an Butter, nicht umsetzen. Dafür bepinselte ich meine Meisterwerke sehr großzügig.

Nach Buttern, Buttern und Zuckern
Nach Buttern, Buttern und Zuckern

Meine vier Stollchen durften dann alle unterschiedlich lang reifen. Das erste Stollchen wurde schon nach einer Woche getestet und für sehr gut befunden. Es scheint nur, dass ich wohl eine feinere Waage benötige, da ich schwer 0,5g oder 1g abwiegen konnte und somit meine Gewürzmischung doch sehr intensiv wurde. Den zweiten Stollen nahm ich letztes Wochenende mit zu meinen Eltern, wo er auch gleich gegen den Stollen meiner Mutter antreten konnte und aufgrund der starken Würzung diesen schnell übertrumpfte. Der dritte Stollen wurde parallel dazu vom Monsieur und meiner Mitbewohnerin angeschnitten und in der darauf folgenden Woche nach und nach vertilgt. Nach dem Anschneiden bequemte sich keiner von uns, den Stollen wieder einzupacken und trotzdem trocknete dieser kaum aus und war selbst bis zum Ende ziemlich saftig.

Aufgeschnittener Stollen
Aufgeschnittener Stollen

Den vierten Stollen gab es schließlich heute zum 2. Advent und im Vergleich zu seinen Vorgängern erschien mir dieser tatsächlich etwas trockener. Während meine Mama darauf schwört ihren Stollen schon Ende Oktober zu backen und mich anschließend per Telefon unter Druck zu setzen, meinte das Rezept, dass 3-6 Tage Lagerung auch total genügen. Und nach diesem kleinen Experiment bin ich beruhigt zu wissen, dass ich auch noch am 4. Advent saftigen Stollen für Weihnachten backen kann, ohne mich unnötig stressen zu müssen.

Zwetschgentorte mit Zimtcreme

Meine Schwester hatte Geburtstag und kam zum Tortenessen nach Bremen. Und damit sich ihre Reise auch wirklich lohnt, habe ich beschlossen einen zweiten Versuch aus meinem neuen Lieblingsbackbuch für sie zu starten. Ursprünglich war eine Erdbeer-Basilikum-Joghurt-Torte geplant, doch auf dem Markt war ganz eindeutig die Erdbeersaison vorbei. Blaubeeren lachten mich von allen Seiten an, aber in dem ganzen Backbuch gibt es tatsächlich nur den Heidelbeer-Marzipan-Kuchen mit Blaubeeren. Also entschied ich mich für Zwetschgen. Das Spannende an Zwetschgen ist ja, dass ich ehrlich gesagt noch nie einer Zwetschgentorte begegnet bin. Wenn Zwetschgengebäck, dann eher Kuchen. Das gibt meiner Meinung nach der Zwetschge so etwas Einfaches, Bodenständiges. Aber mit einer Zwetschgen-Zimtcreme-Torte habe ich der Zwetschge einfach mal die Möglichkeit gegeben in etwas edeler Umgebung zu scheinen.

Frische Zwetschgen
Frische Zwetschgen

Wie schon mein Heidelbeerkuchen, bestand auch diese Torte aus mehreren Komponenten. Diesmal bestand der interessante Twist dieser Komponenten aus niedlichen Biskuitröllchen, die als Rand der Torte fungierten. Im Grunde war das der gleiche Biskuit wie für den Boden, nur eben noch mit Pflaumenmus bestrichen und aufgerollt.

Biskuit-Zwetschgenmus-Röllchen
Biskuit-Zwetschgenmus-Röllchen

Auf den Biskuitboden und ‚hinter‘ die Biskuitröllchen kam die Zwetschgenfüllung, welche einfach aus gekochten frischen Zwetschgen, angedickt mit Stärke und Gelatine, bestand. Darauf kam dann eine Zimt-Vanille-Grieß-Sahne-Schicht.

Fertige Torte
Fertige Torte

Da die Torte für einige Zeit kühlen musste (ich hab sie über Nacht kühl gestellt), musste ich mich tatsächlich bis zum Anschneiden gedulden und wusste daher bis zum Moment der Wahrheit nicht, wie meine Torte nun eigentlich aussehen würde. Aber als ich dann den Tortenring abpellte und die Röllchen fast so schön wie im Buch sah, war es um mich geschehen.

Verzehrbereit
Verzehrbereit

Und auch geschmacklich ist das wirklich eine sehr schöne Torte: fluffig weich, nicht zu süß und sehr stimmig: Zwetschgen, Zimt, Grieß und Vanille passen einfach super zusammen!

Innenansicht
Innenansicht

Mein Monsieur, der eigentlich keine Zwetschgen mag, aß diese Torte nicht nur freiwillig, sondern lobte mich in höchsten Tönen. Und ja, auch meine Schwester war mit ihrem Geburtstagskuchen sehr zufrieden.

Sojapudding mit Topping (豆花布丁3Q)

Noch ein Teepausebeitrag, der nicht direkt mit Tee zu tun hat, aber mich sehr an meine Zeit in Taiwan erinnert: Dou Hua 豆花. Wortwörtlich übersetzt heißt das so viel wie Bohnenblume ist aber einfach eine Art Pudding aus Sojamilch. So eine Art Pudding bezieht sich darauf, dass ich nach wie vor noch nicht ganz sicher bin, wie die mir bekannte Konsistenz von Dou Hua nun eigentlich erzeugt wird. Aller Anfang mach aber auf jeden Fall die Sojamilch. Und chinesischer oder auch taiwanesische Sojamilch schmeckt anders als deutsche Sojamilch. Da ich nicht vegan lebe und in Deutschland total gerne frische Vollmilch trinke, kaufe ich mir eigentlich nie Sojamilch. Aber in Taiwan habe ich unheimlich gern warme Sojamilch zum Frühstück getrunken. Zum einen lag das daran, dass Kuhmilch nicht so lecker und viel zu teuer war und zum anderen fand ich taiwanesische Sojamilch ganz großartig. Und da ich so auf taiwanesische Sojamilch stehe, habe ich mir ein Kochbuch zu Sojamilch, Dou Hua und Tofu in Taiwan gekauft. Bisher habe ich aus diesem Buch auch nur das Sojamilchrezept nachgekocht, weil mir für die meisten (vor allem alle Tofurezepte) die Zutaten fehlen. Aber Sojamilch hat nur 3 Zutaten: Sojabohnen, Wasser und etwas weißen Sesam. Als ich eine Freundin zu Besuch hatte, die zur Zeit vegan lebt, habe ich ihr mal so richtig leckere Sojamilch nach taiwanesischer Art gemacht und sie fand das super. Gleichzeitig war sie begeistert, wie schnell und einfach das auch ging. Deshalb dachte ich mir, dass ich, bevor wir zum Dou Hua kommen, erstmal erkläre, wie ich Sojamilch mache.

Zuerst Sojabohnen über Nacht einweichen
Zuerst Sojabohnen über Nacht einweichen
Eingeweichte Bohnen portionsweise im Mixer pürieren
Eingeweichte Bohnen portionsweise im Mixer pürieren
Durch ein Tuch abseihen
Durch ein Tuch abseihen
Rohe Sojamilch zum Kochen bringen
Rohe Sojamilch zum Kochen bringen

Sojamilch:

125 g getrocknete Sojabohnen
1,7 l Wasser
1 EL weißer Sesam

  1. Bohnen kurz abwaschen und dann im Wasser über Nacht einweichen lassen.
  2. Die eingeweichten Bohnen in einen Mixer geben und so viel Wasser hinzugeben, dass die Bohnen gut bedeckt sind.
  3. Unterdessen die Sesamsamen in einer Pfanne ohne Fett erhitzen und danach zu den Bohnen geben.
  4. Gut pürieren und bei Bedarf Wasser nachschütten. Am besten immer genug Wasser zurück behalten, damit der Mixer gut ausgespült werden kann und nichts von den Bohnenresten verschütt geht.
  5. Die pürierten Bohnen in ein mit einem Tuch ausgelegtes Sieb geben. Wieder nach und nach Wasser dazu geben und ordentlich auspressen.
  6. Von der ausgepressten Flüssigkeit den weißen Schaum abschöpfen und in einem großen Topf zum Kochen bringen. Unbedingt beim Topf bleiben, da Sojamilch ein sehr unbarmherziger Überkocher ist!
  7. Sobald die kochende Sojamilch an den Rand des Topfes gestiegen ist, die Sojamilch vom Herd nehmen und erneut den weißen Schaum abschöpfen.
  8. Dann die Sojamilch noch gute 5 Minuten köcheln lassen (die kocht jetzt nicht mehr so schnell über).
  9. Die fertige Sojamilch in Flaschen füllen. Heiß oder kalt trinken. Wer mag, kann die Sojamilch noch etwas süßen. Ich trinke meine immer pur.
Fertige Sojamilch
Fertige Sojamilch

Dou Hua kann kalt oder heiß gegessen werden, wobei ich persönlich die kalte Variante einen Ticken besser finde. Meistens wird Dou Hua in Kombination mit diversen Toppings serviert. Das können Bohnen, Sesam oder irgendwelches Glibberzeug sein. Da ich ja ein ziemlicher Toppingfanatiker bin, musste für mein Dou Hua auch ein gutes Sortiment an Toppings dazu. Aber eins nach dem anderen. Was das Dou Hua an sich angeht, bin ich irgendwie noch nicht so ganz fündig geworden. In meinem taiwanesischen Kochbuch wird das Dou Hua mit Stärke und 豆腐通 (Tofustarter) hergestellt. Nun habe ich keinen Tofustarter. Also im chinesischsprachigen Internet gesucht und da war bei Dou Hua Pudding immer die Rede von Gelatine (ich hab sonst immer Gelantine geschrieben und finde das auch jetzt noch total normal, aber meine Mitbewohnerin hat mich mal darauf hingewiesen, dass das eigentlich Gelatine heißt :D). Ich bin der Meinung, dass Gelatine nicht die richtige Konsistenz erzeugt. Deshalb habe ich in meinem allerersten, hier undokumentierten, Douhuaversuch Agar-Agar genommen. Das war wirklich keine gute Idee. Das 口感 (Mundgefühl) war einfach nicht richtig. Deshalb führte ich die Assoziation mit Pudding (nach deutscher Art) weiter und bereitete mein Dou Hua mit Maisstärke zu. Denn Puddingpulver ist auch nichts anderes als Maisstärke mit Geschmack!

Sojapudding mit Topping und Ingwerzuckersirup
Sojapudding mit Topping und Ingwerzuckersirup

Dou Hua Pudding:

1 l Sojamilch
1 Päckchen Puddingpulver Vanille
37 g Maisstärke
4 EL Zucker

  1. Die Zubereitung ist im Grund so wie für Pudding nach Packungsanleitung des Puddingpulvers. Ich habe hier für 1 l Sojamilch ein Päckchen Puddingpulver genommen und die gleiche Menge an Maisstärke dazu genommen, damit der Vanillegeschmack nicht den Sojageschmack übertüncht.
  2. In eine Schüssel füllen und kalt werden lassen.
  3. Mit Topping bestücken und bei Bedarf mit Ingwerzuckersirup übergießen. Ich habe hier als Topping kandierte Rote Bohnen (im Grunde wie Rote-Bohnen-Paste, nur eben nicht püriert), Bubbles und Matchatangyuan (抹茶湯圓).
Serviervorschlag
Serviervorschlag

Als ich dieses Dessert Freundin auftischte, die vorher noch nie Dou Hua gegessen haben, geschweigedenn mit chinesischen oder taiwanesischen Desserts vertraut waren, hatte ich ehrlich gesagt ein bisschen Bammel. Aber einer meiner Freund meinte, dass das eines der interessantesten Desserts, die er in letzter Zeit gegessen hatte sei. Im positiven Sinne. Dann ist ja gut. Denn innerlich war ich schon sehr zufrieden mit meinem Dou Hua. Sogar das Mundgefühl kam dem Original sehr ähnlich. Aber ich sollte das wahrscheinlich noch mal mit taiwanesischen Freundin testen.