Wenshan Baozhong Frühjahr 2015 Shenkeng

Wieder viel zu lange war dieser Beitrag nackig und ohne Text auf dem Blog. Dabei gibt es doch noch einiges zu erklären. Bisher fehlte mir nur einfach die Zeit. Urlaub eben. Aber jetzt ist der Urlaub vorbei, also kann ich fleißig meine Erlebnisse auswerten. So langsam. Nacheinander. Aber fangen wir doch erst einmal mit dem Baozhong an, der eigentlich mit Tofukuchen beginnt. Denn nach traditionellem Teerösten ging es nach Shenkeng. Vor einiger Zeit hatte ich schon einmal Schwarztee aus Shenkeng vorgestellt, diesmal ging es aber wegen des Baozhongs dahin. Denn mein Teelehrer kennt einen Teeverkäufer dort, der Wettbewerbstees der diesjährigen Frühjahrsernte verkauft. Da wir aber ein bisschen zu früh vor Ort waren, gab es erstmal eine Kleinigkeit zu naschen.

Kuchen aus Tofu
Kuchen aus Tofu

Shenkeng ist in der näheren Umgebung von Taipei sehr für sein Tofu berühmt. Das heißt, es gibt dort allerlei Spezialitäten aus Tofu und Sojamilch. Schon vor drei Jahren waren der Monsieur und ich mal in der Nähe von Shenkeng wandern und landeten eher durch Zufall in einem Restaurant, wo es fast ausschließlich Tofugerichte gab, das Tofu aber hausgemacht war. Es war großartig! In Deutschland spielt Tofu oft die Fleischersatzrolle, aber eigentlich ist es ein ziemlich vielseitiges und auch sehr selbstständiges Lebensmittel. Ich bin auch jedes Mal fasziniert, wie viele unterschiedliche Sorten Tofu es in Taiwan gibt!

Tofucheesecakevarianten
Tofucheesecakevarianten

Mein Teelehrer führte uns zu einem Süßspeisenladen, der sich auf Tofukuchen spezialisiert hatte. Da es Montag war und montags etwa 90% der Läden in Shenkeng zu haben, da sie sich noch vom touristischen Wochenende erholen, waren wir die einzigen Gäste in dem Laden. Aus der zwar großen, aber doch auch schön übersichtlichen Vitrine vorm Eingang suchten wir uns jeder ein Stück Kuchen aus, dass dann wiederum viergeteilt wurde, sodass jeder jeden Kuchen mal probieren konnte. Der Tofucheesecake, sowohl aus normalen als auch aus schwarzen Sojabohnen, war ein Traum!

Mochi gefüllt mit Eis, Biskuit und Sahne
Mochi gefüllt mit Eis, Biskuit und Sahne

Mochi gab es auch, wobei ich die Sahnefüllung ein bisschen zu viel des guten fand. Ich war einfach so vom Cheesecake geflasht, das konnte so schnell nichts überbieten. Aber trotzdem war das Mochi auch lecker.

Preise und Wettbewerbstees
Preise und Wettbewerbstees

Und dann ging es zum Teeverkosten. Mein Teelehrer erklärte mir noch, dass diese Teewettbewerbe, an denen die lokalen Teebauern teilnehmen, von der Regierung ausgeschrieben sind und ausschließlich Biotees zulassen. Das heißt, wenn man einfach nur auf Nummer sicher gehen möchte, dass es sich um Biotee handelt, kann man einfach irgendeinen Wettbewerbstee kaufen. Ansonsten sind die preisgekrönten Tees natürlich teurer als einfache Teilnahmetees. Aber bei Baozhong sind selbst die Preise der besten Auszeichnung noch durchaus erschwinglich.

Verwendetes Teegeschirr
Verwendetes Teegeschirr

Auch wenn ich jetzt hier einen konkreten Tee vorstelle, so kann ich doch nicht mein typisches Muster mit getrockneten Blättern auf weißem Hintergrund, mehrere Aufgüsse im Vergleich und so weiter fortführen, weil die Verkostung viel interaktiver als meine Heimdokumentationen war. Zuerst brühte der Ladeninhaber auf, dann eine Freundin meines Teelehrers, die besonders bewandert in Baozhong ist, und dann war ich an der Reihe. Immer wenn mein Teelehrer mich zu anderen Leuten mitnimmt, finde ich spannend zu sehen, mit welchem Geschirr sie ihren Tee zubereiten. Die meisten Teebauern oder Teeladenbesitzer haben nur wenige Teesets da und verwenden oft sehr viel einfacheres Geschirr als ich es von meinem Teelehrer gewohnt bin.

Erster Aufguss
Erster Aufguss

Als es um die Blattmenge ging, stellte ich fest, dass ich in Deutschland wahrscheinlich langsam meine Dosierung zurück geschraubt haben muss. Denn teilweise war ich wirklich überrascht, wie viele Teeblätter in das Aufgussgefäß sollten. Aber der Tee schmeckte trotzdem super. Blumig leicht und frisch. Ein hübscher Baozhong eben.

Trockenes Blatt
Trockenes Blatt
Aufgegossenes Blatt
Aufgegossenes Blatt

Auch die Blätter waren sehr schön: lang und gezwirbelt. Aufgrund der hohen Dosierung öffneten sich die Blätter erst ab dem dritten Aufguss so richtig. Je nachdem, wie viel Platz sie aber haben, kann das natürlich auch schneller gehen.

Zubereitung
Zubereitung

Auf einen Blick:

Wenshan Baozhong
Herkunftsort: Shenkeng, Taipei, Taiwan
Erntezeitpunkt: Frühjahr 2015
Kultivar: Qingxin Oolong (青心烏龍)
Typ: ca. 20 % fermentierter Oolong, ungeröstet
Bio-Zertifikat: ja
Preis (€/100g): ca. 7,00 €

Tarte Tatin mit Ananas

Ich liebe es neue Dinge zu lernen. Und durch mein neues Backbuch habe ich das Gefühl fast jede Woche ein neues „erstes Mal“ zu erleben. Diesmal: das erste Mal Blätterteig machen. Gut, jetzt stand Blätterteig bestimmt schon über ein Jahr auf meiner mentalen To-Do-Liste, aber ich hab mich irgendwie nie getraut, weil ich so eine innere Stimme hatte, die immer meinte „das ist einfach viel zu kompliziert“. Nun habe ich aber schon so einige komplizierte Backwerke zustande gebracht, sodass ich doch schon etwas selbstbewusster geworden bin und nun endlich den Blätterteig in Angriff genommen hab. Ein anderer Grund, das Blätterteigprojekt so lange hinauszuzögern war auch, dass ich ehrlich gesagt gar nicht so der Blätterteigfan bin. Irgendwie steh ich nicht so auf Gebäck, wo mir die Hälfte auseinanderblättert, sobald ich da reinbeiße. Aber was tut man nicht alles für die Neugier (und natürlich auch für meinen blätterteigliebenden Monsieur)?

Einzelne Bestandteile
Einzelne Bestandteile

Damit ich nicht nur Blätterteig fabriziere und der danach sinnlos in meinem Kühlschrank rumliegt, musste der natürlich gleich weiterverarbeitet werden. Gut, dass es da ein Tarte Tatin Rezept in meinem neuen Backbuch gibt! Auch wenn diese Tarte Tatin ganz unsaisonal und unregional mit Ananas gemacht wird, wollte ich das unbedingt probieren, weil mein erster Versuch eine Tarte Tatin zu backen schon ein bisschen in die Hose ging.

Im Ofen
Im Ofen

Was die Komposition dieser Tarte Tatin angeht, ist da wirklich nicht viel drin: Karamell, Ananas und ein Boden aus Blätterteig und Mürbeteig. Aber es ist wirklich erstaunlich, wie viel Zeit ich für diese Tarte aufgewendet habe! Gegen 9 Uhr früh habe ich mit dem Blätterteig angefangen, da der gefühlt nach jeder einzelnen Bewegung erstmal wieder eine halbe Stunde Ruhe brauchte. Das heißt kneten, Pause, tourieren, Pause, tourieren, Pause, tourieren, Pause, tourieren, Pause, mit Mürbeteig tourieren, Pause. Joah, das läppert sich zusammen. Ist aber auch irgendwie entspannend, gerade an einem Sonntag.

Damit ich diesmal auch so richtig schön sehen kann, wie meine Tarte Tatin blubbert, wurde sie in einer gläsernen Tarteform gebacken. Ganz klar eine tolle Investition!

Fertige Tarte Tatin
Fertige Tarte Tatin

Geschmacklich war diese Tarte Tatin schon ziemlich lecker. Ich hatte extra noch eine taiwanesische Freundin benachrichtigt und als sie dann noch ihr Stück abbekam war sie hin und weg. Noch nie habe ich jemanden aus Taiwan in Deutschland von Ananas schwärmen hören (was auch total verständlich ist, wenn man einmal taiwanesische Ananas gegessen hat!). Einziger Makel war der viele Saft. Mein schöner Blätterteig war binnen weniger Stunden komplett durchweicht! Aber der Rand war ein Traum: getränkt von Ananaskaramell und noch leicht knusprig blätterig. Mjammjam.

Möhren-Mokka-Kuchen

Es sollte mal wieder ein Kuchen zum Afternoontea her. Aber irgendwie wollte es außer Zwetschgen und Äpfel keine passenden Kuchenfrüchte mehr geben. Und Zwetschgen hatten wir erst kaum und mit Äpfeln möchte ich demnächst mal einen richtig schönen Applepie probieren, am liebsten mit dem Hefe-Mürbeteig-Boden. Ok, kein Obst also. Stattdessen gibt es Möhrchen im Kuchen. Da der Monsieur und auch ich Rüblikuche, Carrot Cake und Möhrchenkuchen super finden und es außerdem in meinem neuen Lieblingsbackbuch eine interessante Variation mit Mokka (ja, genau Kaffee auf meinem Teeblog!!!) gibt, wurde es ein Möhren-Mokka-Kuchen.

Im Ganzen
Im Ganzen

Und da das natürlich kein einfacher Möhrenkuchen ist, musste es doch einen Twist geben. Ja, natürlich! Dieses Mal durfte ich meinen fertigen Möhrenbiskuit aprikotieren (ich liebe dieses Verb!), um dann den Kuchen mit einer dünnen Marzipanschicht zu überziehen (das war ein Kampf!), um dann flüßiges Fondant darauf zu pinseln. Was Fondant angeht bin ich wirklich ein kompletter Anfänger (auch wenn wir letztes Jahr zur Weihnachtszeit unsere WG-Lebkuchen-T.A.R.D.I.S. sehr erfolgreich mit blauem Fondant verkleidet haben). Erst auf das Fondant kam dann fein gesiebtes Instantkaffeepulver. Ehrlich gesagt hatte ich ja schon ein bisschen Angst, dass ich jetzt extra für diesen Kuchen Instantkaffee kaufen muss. Aber glücklicherweise hinterließ mir eine indische Freundin neben einem Eimer für mich nicht identifizierbarer indischer Gewürze auch einen Beutel voller Teebeutel (für meine Mitbewohnerin) und ein paar Päckchen Instantkaffee (für meinen Kuchen).

Als Häppchen
Als Häppchen

So, wie schmeckt denn nun unser Möhrchenkuchen? Sehr süß. Was ein Glück, dass ich den in so kleine Häppchen geschnitten habe. Denn in so kleinen Dosen und zu einem schönen Schwarztee ist der Kuchen super. Aber in größerer Menge ist das einfach elendig süß. Aber ansonsten ist auch die Konsistenz sehr angenehm. Das Fondant ist etwas angehärtet und klebt dadurch nicht mehr allzusehr und der Möhrchenbiskuit ist sehr schön saftig.