Teeblattreinkarnation: Sencha Gomasio

Schon oft wurde ich bei einer schönen Tasse Tee gefragt, ob man nicht den einen oder anderen Tee nach dem Aufgießen noch irgendwie weiter verwenden könnte. Besonders japanische Grüntees verleiten dazu, noch irgendetwas mit ihnen machen zu wollen. So ganz pauschal habe ich schon oft geantwortet, dass ich mir Shinchablätter auch gut als Salat vorstellen könnte. Ein bisschen Sesamöl und Sojasauce ran, fertig. Aber probiert habe ich das noch nie. Also wird es Zeit, eine neue Serie zu starten, die das Ziel hat, Verwendungsmöglichkeiten von Teeblättern nach dem Aufgießen zu erkunden: Teeblattreinkarnation. Den Anfang macht nicht der Shinchasalat (ich ess so selten Salat und habe zur Zeit keinen neuen Shincha), sondern etwas universell einsetzbares für die japanische Küche: Sencha Gomasio.

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In der Pfanne: Sencha und Sesam

Gomasio ist an sich nur Sesam und Salz. Diese Mischung peppt jede eintönige Schüssel Reis auf und lässt sich prima für Onigiri verwenden. Für mein Sencha Gomasio habe ich die aufgegossenen Blätter des Onochas verwendet und sie zusammen mit dem Sesam (weiß und schwarz) bei mittlerer Temperatur in der Pfanne geröstet bis die Blätter wieder vollständig getrocknet waren. Das dauert eine Weile, aber bei regelmäßigem Umrühren brennt da auch bei längerer Röstzeit nichts an. Wenn dann alles trocken, geröstet und im Grunde fertig ist, kommt noch etwas grobes Meersalz dazu und fertig ist das Sencha Gomasio.

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Fertiges Sencha Gomasio

Zur gleichen Zeit führte ich noch einen zweiten Versuch für Teeblattverwertung durch: Baozhongblätter als Ohitachi. Ohitachi ist im Grunde blanchiertes Blattgemüse (oft Spinat), dass kalt in einer Marinade aus Sojasauce, Mirin (ich nehme stattdessen oft Apfelsaft) und Dashi eingelegt wird. Da ich schon mit großem Erfolg Ohitachi aus Radieschengrün gemacht habe, war ich voller Motivation als ich die Baozhongblätter ohitachierte. Leider aber hat das nicht so richtig funktioniert. Die Baozhongblätter waren doch härter als ich erwartete und nahmen gar nicht so viel von der Marinade auf.

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Onigiri mit Senchagomasio und Ohitachi aus Baozhong (vorn) und Radieschengrün (hinten)

Aber noch einmal zurück zum Sencha Gomasio: das war ein voller Erfolg. Andere Senchas haben vielleicht insgesamt weniger Stängel als der Onocha, sodass das Gomasio noch etwas feiner wird.

Noch ein kleiner Tipp am Ende: Auch Tee, der in der Verpackung schon ziemlich zerkrümelt ist, eignet sich prima als Onigiriwälze. Dafür einfach den Tee sieben, die großen Blätter zum Aufgießen nehmen und das Pulvergedöns zum Wälzen nehmen.

 

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Unverbloggte Tees 2017

Ach, wie die Zeit fliegt! Kaum Mondkuchen gemacht und schon haben wir ein neues Jahr. Ja gut, dazwischen ist schon eine Menge passiert, ich habe es nur einfach nicht geschafft, meinen kleinen süßen Blog hier weiterzuschreiben. Dabei ist Tee nach wie vor ein wichtiger Bestandteil meines Alltags. Eine meiner größeren Schwierigkeiten (neben dem offensichtlichen Zeitmangel) war allerdings auch die ständige Unentschlossenheit, was und in welcher Form ich meine weiteren Beiträge veröffentlichen möchte.

Auf der einen Seite mag ich die steckbriefartigen Momentaufnahmen meiner verkosteten Teesorten, auf der anderen Seite würde ich gern detaillierter auf einzelne Teesorten eingehen und deren unterschiedliche Facetten hervorheben (wie z.B. beim Matcha Kirishima). Da ich oft meine Tees in loser Reihenfolge immer mal hier und da trinke, habe ich angefangen ein Teetagebuchprotokoll zu führen, um so erstens zu wissen, wann ich welchen Tee wie zubereitet habe, aber auch um darüber hinaus Informationen für detaillierte Teevorstellungen sammeln zu können. Nun liegt das Problem hier allerdings bei der Aufarbeitung der Daten.

Deshalb gibt es jetzt statt vieler unfertiger Steckbriefe einfach eine Übersicht der Tees, die ich dieses Jahr über getrunken habe, ohne sie hier vorzustellen. Denn schade fände ich es auch, diesen Tees nicht gerecht zu werden.

Muzha Tieguanyin 2010 (木柵鐵觀音)

Typ: Taiwan Oolong, mittelstark oxidiert, stark geröstet

Herkunft: Muzha, Taipei, Taiwan

Ernte: 2010

Händler: privat

Preis: k.A.

Bewertung: sehr ähnlich zu den anderen Muzha Tieguanyins meines Teelehrers, wobei deutlich zu schmecken ist, dass hier nicht traditionell mit Holzkohle, sondern elektrisch geröstet wurde.

Yunnan Qiao Mu Bing Cha (云南乔木饼茶)

Typ: Sheng Pu Erh

Herkunft: Yunnan, China

Ernte: ? (2009)

Händler: privat

Preis: k.A.

Bewertung: einer meiner lange vergessenen Tees und der erste Pu Erh in Bingform, den ich mir noch vor meiner intensiven Beschäftigung mit Tee während eines Urlaubs in China gekauft habe. Selbst nach 7 Jahren Lagerung ist er noch nicht so die Wucht. Vielleicht wird er das auch nie so richtig. Oder ich habe noch nicht die richtige Zubereitungsart gefunden.

Yiwu 1960

Typ: Shou Pu Erh

Herkunft: Yiwu, Yunnan, China

Ernte: 1960

Händler: tea-exclusive

Preis: 32,50€ für 20g

Bewertung: Ich kann mich ehrlich nicht mehr an den Geschmack dieses Tees erinnern

China Pai Mu Tan

Typ: Weißer Tee

Herkunft: Qingshan, Hunan, China

Ernte: ? (2016)

Händler: Pure Tea

Preis: 9,90€ für 100g

Bewertung: Netter Tee für Zwischendurch.

Menghai 7652

Typ: Shou Pu Erh

Herkunft: Menghai, Yunnan, China

Ernte: 2008

Händler: Die Kunst des Tees

Preis: 19,90€ für 357g

Bewertung: Einer meiner Lieblingstees für die kühleren Tage: wunderschön mild und wohlig warm. Der Bing ist auch schon ziemlich geschrumpft. Ich glaube, ich habe jetzt nur noch etwa 1/6 übrig.

Four Seasons of Spring (四季春)

Typ: Taiwan Oolong, mittel oxidiert, ungeröstet

Herkunft: Nantou, Taiwan

Ernte: ? (2016)

Händler: Paper and Tea

Preis: 17,00€ für 100g

Bewertung: Diesen Tee habe ich für einen meiner Teekurse gekauft, um einen einfachen leichten taiwanesischen Oolong vorzustellen. Das Ziel wurde erreicht, aber so richtig beeindruckend ist dieser Oolong nicht.

Hoshino Matcha (星野抹茶)

Typ: Matcha

Herkunft: Hoshino, Yame, Fukuoka, Japan

Ernte: 2016

Händler: privat

Preis: k.A.

Bewertung: Ein Mitbringsel von unserem Japanurlaub, dem ich nicht lange widerstehen konnte. Und kaum angefangen war die kleine 20g Packung leer, weil dieser Matcha einfach unglaublich lecker war. Ich habe mich bewusst für einen Yame Matcha entschieden (und nicht für einen Uji-Matcha), da wir eigentlich einen Ausflug in dei Teeregion um Yame machen wollten, es aber zeitlich nicht mehr geschafft hatten. Aber so hatte ich wenigstens aus jeder Region, die wir bereist haben, einen passenden Tee mitgebracht.

Ureshino Matcha Iri Shiraore (嬉野抹茶入白折)

Typ: Sencha mit Stielen und Matcha

Herkunft: Ureshino, Yame, Japan

Ernte: 2016

Händler: privat

Preis: k.A.

Bewertung: Auch das ist ein Urlaubssouvenir. Leider stellte ich erst im Zug nach Arita fest, dass wir am Teegebiet Ureshino direkt vorbei kommen würden. Also kaufte ich bei der nächsten Gelegenheit einen Ureshinotee und hatte den gesamten Sommer sehr viel Freude an diesem sehr einfachen, durch den Matcha aber doch besonderen Tee.

Tanyang Gongfu

Typ: China Schwarztee

Herkunft: Gukoucun, Xiaoyangzhen, Fujian, China

Ernte: 2015

Händler: Nannuoshan

Preis: 2,00€ für 20g

Bewertung: Als wir während der Teetour durch Berlin auch im Nannuoshan einkehrten, nahm ich mir noch einige Proben mit, wovon dies hier eine war. Leider reicht mein Teetagebuchprotokoll nicht bis zu dieser Probe zurück, sodass ich nicht mehr weiß, wie ich diesen Tee eigentlich fand. Aber er ist mir jedenfalls nicht negativ im Gedächtnis geblieben.

Superior Taiping Houkui

Typ: China Grüntee

Herkunft: Houkencun, Huangshan, Anhui, China

Ernte: 2016

Händler: Nannuoshan

Preis: k.A.

Bewertung: Diese Probe habe ich von meiner lieben Teefreundin geschenkt bekommen und mich sehr darüber gefreut, da ich schon sehr lange einmal einen Taiping Houkui probieren wollte. Schon allein wegen der legendär großen Blätter. Und ich wurde nicht enttäuscht. Wirklich ein schöner Tee, allerdings eher für sommerliche Tage, da ich sonst weniger Grüntee trinke.

Jin Jun Mei

Typ: China Schwarztee

Herkunft: China

Ernte: ?

Händler: Nannuoshan (nicht mehr im Sortiment)

Preis: k.A.

Bewertung: Auch diesen Tee nahm ich als Probe von der Teetour durch Berlin mit und glücklicherweise hat mein Teetagebuchprotokoll diesen Tee schon erfasst. Bei Bemerkungen habe ich mir aufgeschrieben: „interessant: weder süß, noch bitter. Höre gerade den Soundtrack von ‚In the Mood for Love‘ dazu“.

Aiya Matcha Ten

Typ: Matcha

Herkunft: Kagoshima, Japan

Ernte: ?

Händler: aiya

Preis: 46,00€ für 30g

Bewertung: Nachdem mein Kirishima Matcha zu Ende gegangen war und ich nach einem ehrenwerten Nachfolger bei deutschen Händlern suchte, beschloss ich meinem ersten Matchadealer meines Lebens, aiya, eine Chance zu geben. Ich bestellte den Ten und war anfangs wirklich begeistert. Nur verhielt es sich mit ihm ganz seltsam: je öfter ich ihn trank, desto weniger spektakulär fand ich ihn. Bisher hatte ich mit Tees eher umgekehrte Erfahrungen, dass das Kennenlernen für mehr Genuss sorgt. Hier irgendwie nicht.

Da Hong Pao #105

Typ: China Oolong, mittelstark fermentiert, leicht geröstet

Herkunft: Wuyi Gebirge, Fujian, China

Ernte: 2012

Händler: die Kunst des Tees

Preis: 3,45€ für 10g

Bewertung: Diese Probenpackung schlummerte schon einige Zeit in meinem Teekistchen und nach dem beeindruckendem traditionell gerösteten Da Hong Pao, freute ich mich sehr auf ihn. Laut Protokoll fand ich diesen Tee auch nicht schlecht, nur generell zu schwach für meinen Geschmack. Bei einer Verkostung hab ich notiert, dass ich einen Aufguss vergessen hatte und diesen am besten fand, weil der ordentlich Bumms hatte.

Shanlinxi Hongshui

Typ: Taiwan Oolong

Herkunft: Shanlinxi, Nantou, Taiwan

Ernte: 2014

Händler: die Kunst des Tees

Preis: 2,55€ für 10g

Bewertung: Das ist ebenfalls eine in Vergesseheit geratene Probe, die ich mir eines Tages, als es mich nach einem dunkleren Tee gelüstete, schnappte und feststellen musste, dass dieser Oolong gar nicht so dunkel, wie sein Name vermuten lässt, war. Aber lecker war er allemal.

Orchideen (Lan Hua Xiang) Dancong

Typ: China Oolong

Herkunft: Chaozhou, Guangdong, China

Ernte: 2012

Händler: die Kunst des Tees

Preis: k.A.

Bewertung: Zu diesem Tee schrieb ich neben die Note 1: „ein bisschen wie richtig gute Zartbitterschokolade: leicht bitter, aber sehr angenehm.“

Bio Matcha Kirishima Premium von Miyabi

Seit unserem Japanurlaub bin ich dem Matcha voll und ganz verfallen. Das konnte man wahrscheinlich schon etwas erahnen, da es in letzter Zeit doch sehr matchalastig auf meinem Blog zugeht. Dabei bin ich diejenige, die den Matchahype so verurteilt. In Hinblick auf die Schwämme von schlechten und mittelmäßig, aber dennoch vollkommen überteuerten, Matcha hat sich meine Meinung keineswegs geändert. Allerdings habe ich für mich verstanden Matcha viel besser zu genießen. Zum einen liegt das an den Matchaerfahrungen in Japan, vor allem die private Matchasession in Aio. Auf der anderen Seite gibt es einen ganz banal scheinenden Grund: ich habe endlich vernünftige Matchaschalen! Und da ich meinen Minivorat aus Japan (20g Hoshino Matcha, den ich zwar fast täglich getrunken, aber nicht sehr ausführlich dokumentiert habe) so schnell leerte, habe ich mir nun auf die Fahne geschrieben weitere richtig leckere Matcha zu finden.

Den Anfang meiner neuen, etwas langwierigeren Testreihe macht der Bio Matcha Kirishima Premium von Miyabi. Dass ich mich für diesen Tee entschieden habe, war etwas mehr dem Zufall geschuldet. Denn für eine meiner japanischen Mitbringselkannen fehlte mir ein passender Henkel und mir gefiel einer der Bambushenkel bei Miyabi am besten. Und dann stöberte ich noch ein bisschen herum und fand den Matcha. Hmm. Also von der Beschreibung her hätte das echt jeder beliebige Tee aus Kirishima sein können. Aber Premium klingt gut. Und mein Hoshino Matcha ist alle. Ich brauch Nachschub. Hört sich so an als ob die Teesucht entschieden hat.

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Kaum war mein Stoff da, wurde probiert. Ich bereitete meinen Matcha wie gewohnt zu: 1 Bambuslöffelchen Matcha, ein Abkühlschälchen voll Wasser (ca. 65ml, 80°C) und schlug fleißig Schaum. Ein Schluck und ich war enttäuscht. Der Kirishima Matcha war nicht so schön gemüsig, süßlich, rund wie der Hoshino Matcha, sondern hauptsächlich bitter. Na toll, seit langem mal bei einem deutschen Händler Matcha gekauft und schon enttäuscht! Aber ich hatte ja nun 40g von dem Matcha bestellt. Also gab ich dem Kirishima Matcha eine weitere Chance. Streng genommen, ganz viele.

Da ich schon bei anderen Tees gelernt habe, dass der erste Eindruck auch täuschen kann, beschloss ich mein tägliches Matcharitual wie gewohnt fortzusetzen, aber hier und da die Parameter zu ändern. Den Anfang machten die unterschiedlichen Schalen. Mittlerweile bin ich stolze Besitzerin von 4 Matchaschalen (v.o.l.n.u.r.): eine Schale aus Karatsu (唐津), eine Sommerchawan aus Hagi (), eine Winterchawan aus Hagi, und meine westliche Rakuschale. Und tatsächlich schmeckt der Matcha in den unterschiedlichen Schalen anders. Meinen ersten Wow-Moment mit dem Kirishima Matcha hatte ich in der Winterhagischale. Einen weiteren erstaunlicherweise in der Rakuschale.

Aber die richtige Schale allein schien nicht genug. Also konsultierte ich meine japanischen Teebücher hinsichtlich der Dosierung. Und siehe da, es gibt tatsächlich Unterschiede in der eher bei deutschen Händlern verbreiteten Dosierungsanweisung und der japanischen. Laut japanischer Bücher sollten es 2g (ca. 2-3 Matchalöffel) Matcha auf 60ml 80°C Wasser sein. Ich war zunächst skeptisch, da der Matcha ja schon mit ca. 1g so bitter geworden ist. Aber kaum nahm ich einen Schluck vom japanisch zubereiteten Matcha und schon war ich begeistert! Seitdem beträgt meine tägliche Dosis zwei üppige Bambuslöffel Matcha.

Nun weiß ich nicht mehr genau ab wann ich die Dosierung erhöht habe, aber immer mal, wenn mir der Matcha nicht so 100% zusagen wollte, wandelte ich ihn kurzerhand zum Matcha Latte um. Mal mit warmer Milch, mal mit kalter Milch, aber groß waren die Unterschiede dabei nicht. Denn lecker war der Matcha Latte immer!

Als ich dann doch so langsam meinen Kirishima Matcha liebgewonnen hatte, beschloss ich ihn auf die Härteprobe zu stellen: Koicha. Das ist extra dick angerührter Matcha (4g auf 40ml). Allerdings fehlt mir zur richtigen Herstellung ein eigens für Koicha gebräuchlicher Bambusbesen mit dickeren und weniger Borsten, sodass ich ganz vorsichtig mit meinem 100er Besen hin- und herstrich. Voller Spannung nahm ich dann den ersten Schluck und musste feststellen, dass dieser Matcha leider nicht für Koicha geeignet ist. Nun kann es daran liegen, dass der Tee schon zu lange auf war (immerhin aber noch nicht mal einen Monat) oder ich bei der Zubereitung von Koicha einfach noch nicht genug Erfahrungen habe. Aber eines war schnell klar, das war der beste Matcha Latte aus der ganzen Kirishima Matcha Testreihe!

Auf einen Blick:

Bio Matcha Kirishima Premium
Herkunftsort: Kirishima, Kagoshima, Japan
Erntezeitpunkt: ?
Kultivar: ?
Typ: Matcha
Bio-Zertifikat: Ja
Preis (€/40g): 36,95 €