Dong Ding Oolong (凍頂烏龍)

Da ich schon eine Weile wieder zuhause bin, hatte ich endlich einmal Zeit mein Teesortiment, sowie sämtliches Teegeschirr einmal durchzugehen, zu säubern und auszusortieren. Jezt verfüge ich über ein simples System: geöffnete Tees sind sofort zugänglich, für noch geschlossene Tees muss ich ins Nebenzimmer. Das soll dafür sorgen, dass ich endlich mal einen Überblick darüber habe, was eigentlich alles angebrochen ist. Und das ist eine Menge! Teilweise wurde die Zahl meiner angebrochenen Tees auch durch den Taiwanurlaub stark erhöht. Denn mein Teelehrer steckte mir Unmengen an „Proben“ zu, wobei so eine Probe schon mal ca. 200g Tee ist. Eine dieser Proben ist auch dieser Dong Ding Oolong.

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Trockenes Blatt

Das Schöne an Dong Ding ist, dass es schon ein sehr typischer Taiwanoolong ist, aber meiner Meinung nach nicht diesen in meinen Augen doch irgendwie aufdringlichen grünen Touch eines Hochgebirgsoolongs aufweist. Dadurch, dass ich regelrecht auf Tieguanyin trainiert bin, komme ich nicht besonders gut an Hochgebirgsoolongs wie z.B. Alishan Gaoshancha (阿里山高山茶) heran. Ein weiterer Fakt, der bei mir für eine Art Boykott von Alishan Gaoshancha gesorgt hat, ist die Umweltzerstörung auf dem Alishan, die durch das Fällen großer, tiefwurzlicher Bäume und das Anpflanzen kleiner Teesträucher, stark gefördert wird. Bei jedem etwas größeren Regen hat die Alishanregion mit starken Erdrutschen zu kämpfen. Auch wenn mein Boykott dieses Tees wahrscheinlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, so versuche ich doch, Alishan Gaoshancha zu umgehen.

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Aufgüsse 1-6

Was hat jetzt aber Dong Ding Oolong mit Alishan Gaoshancha zu tun? Nun ja, Dong Ding Oolong gehört auch zu den Hochgebirgstees. Aber mein Teelehrer meinte auf meine Bedenken hin, dass Dong Ding nicht so schlimme Auswirkungen hätte. Was den Dong Ding allerdings gefährden würde, wäre, ebenso wie beim Tieguanyin, der Trend zur leichteren Fermentation. Angeblich soll es mittlerweile sehr schwer sein, traditionell hergestellten Dong Ding zu finden, was echt schade ist, da Dong Ding Oolong eine der ältesten Oolongsorten Taiwans ist.

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Aufgegossenes Blatt

Da ich diesen Tee aber eher so nebenbei von meinem Teelehrer zugesteckt bekam, fehlen mir sämtliche Informationen! Das ist echt ein bisschen ungünstig, da ich mich generell eher wenig mit Dong Ding auskenne und jetzt auch noch kaum Anhaltspunkte zu diesem ganz konkreten Tee habe.

Vom Aussehen und auch Geschmack her, fand ich den Tee sehr angenehm, wobei ich noch etwas schwanke, ob ich ihn nicht doch ein bisschen zu leicht fermentiert empfand. Oder es war die Röstung, die mir nicht stark genug war. Auf jeden Fall fehlte mir irgendetwas zum Bäm! Aber wenn man sich die aufgegossenen Blätter anschaut, dann ist sofort klar, dass es sich um einen taiwanesischen Oolong handelt, den ich direkt aus Taiwan mitgebracht habe: solche schönen großen ganzen Blätter aus soooo kleinen Kugeln! Wundervoll!

Auf einen Blick:

Dong Ding Oolong
Herkunftsort: Lugu (?), Nantou (?), Taiwan
Erntezeitpunkt: Frühjahr 2015 (?)
Kultivar: ?
Typ: ca. 30-40 % fermentierter Oolong, leicht geröstet
Bio-Zertifikat: k.A.
Preis (€/100g): k.A.

Traditionelles Rösten von Tee mit Holzkohle (專統炭培茶)

Als ich vom Wiedersehen mit meinem Teelehrer berichtet habe, konnte ich nur einen Bruchteil dessen, was wir gemeinsam unternommen haben wiedergeben, da das für einen Beitrag einfach zu viel gewesen wäre. Er hatte wirklich den ganzen Tag ausgeplant. Am Vormittag, nach der ersten Teesession bei ihm zuhause, ging es zum Röstmeister Wang, der schon seit Jahren den Tieguanyin meines Teelehrers nach traditioneller Art und Weise mit Holzkohle röstet. Vor drei Jahren hatte ich schon einmal das Vergnügen, den Meister und seinen Sohn persönlich kennenzulernen und das Ende der Röstung sehen zu dürfen. Genau an jenem Tag aber hatte ich meine Kamera vergessen, was mich wirklich sehr ärgerte. Umso mehr Fotos habe ich dieses mal geschossen. Denn selbst in Taiwan ist es wohl sehr schwer noch traditionelle Röster zu finden, da heutzutage der meiste Tee elektrisch geröstet wird.

Dong Ding Oolong
Dong Ding Oolong

Bevor es aber überhaupt ums Rösten ging, gab es für alle Tee vom jungen Meister Wang: ein selbstgerösteter Dong Ding.

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Vorbereitete Kohlelöcher

Nach etwas Smalltalk ging es dann aber endlich in den Röstraum. Dieser ist an sich ziemlich klein und hat an den Seiten jeweils mehrere Löcher im Boden, in welchen die Kohle vor sich hinglüht, um den Korb mit dem Tee darüber langsam zu rösten. Als wir ankamen, waren einige der Löcher schon mit grober Holzkohle gefüllt.

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Lockern der Kohle

Diese grobe Holzkohle wurde dann mittels eines Spatels von außen nach innen hin gelockert und leicht gehäuft. Beim jungen Meister sah das wirklich sehr locker flockig aus, als ich den Spatel dann aber mal selbst heben durfte, war ich überrascht wie schwer der doch war!

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Röstkörbe, in denen später der Tee geröstet wird

Neben dem Röstraum standen neben einigen anderen Dingen auch die Röstkörbe. Leider konnten wir diese aber diesmal nicht in Aktion sehen, da es zunächst nur um die Vorbereitungen zum Rösten ging.

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Feine Kohle, die noch auf die grobe Kohle gehäuft wird

Auf die gelockerte grobe Kohle gab der Meister dann noch einige feine Kohle.

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Der Beweis, dass es sich um Holzkohle vom Longanbaum (龍眼樹) handelt

Irgendwann fragte ich mal, was das eigentlich für Kohle ist und ob es wichtig ist von welchem Baum sie kommt. Daraufhin händigte der Meister ein Riesenstück Kohle aus und erklärte, dass die Kohle vom Longanbaum ist. Mein Teelehrer war so begeistert von dem Megastück, dass er versuchte mich zu überreden, das mit nach Deutschland zu nehmen. Klar, ich fand das auch schon sehr beeindruckend. Aber Holzkohle im Rucksack nach Deutschland zu importieren hielt ich nicht für die großartigste Idee.

Tieguanyin Schwarztee trockenes Blatt
Tieguanyin Schwarztee trockenes Blatt

Und dann mussten wir wieder ein bisschen warten, sodass es mehr Tee gab. Diesmal einen Tieguanyin Schwarztee. Bis zu diesem Zeitpunkt wäre ich nicht mal auf die Idee gekommen, dass man aus dem Tieguanyinbaum tatsächlich auch Schwarztee machen kann. Aber mein Teelehrer schien davon überhaupt nicht überrascht, weil er im Rahmen einer Weiterbildung zu Tee wohl auch seinen eigenen Tieguanyin Schwarztee gemacht hat. Obwohl ich Tieguanyin liebe und sowieso total auf taiwanesischen Schwarztee stehe, bin ich da irgendwie ein bisschen skeptisch.

Tieguanyin Schwarztee Aufguss
Tieguanyin Schwarztee Aufguss

Aber diese Skepsis ist wirklich nicht begründet. Zwar kommt das charakteristische Tieguanyinaroma beim Schwarztee nicht ganz so stark zu Geltung wie als stärker fermentierter Oolong, aber lecker ist dieser Schwarztee auf jeden Fall.

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Rinde als Anzündhilfe

Und dann kam der ältere Meister Wang, auf den wir die ganze Zeit gewartet zu haben scheinen. Denn kaum war er da, ging es im Entenmarsch wieder zum Röstraum, wo er gemeinsam mit seinem Sohn in stiller Übereinstimmung weiter das Feuer vorbereitete.

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Räucherstäbchen als weitere Anzündhilfe
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Das Feuer wird entfacht

Die beiden wechselten sich ab, dünnes Holz und Räucherstäbchen zu verteilen und dann anzuzünden. Und jeder zündete ein paar der vorbereiteten Löcher an. Das Ganze ging relativ schnell, hatte dennoch aber eine gewisse Ruhe in sich. Künstler bei der Arbeit.

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Luftzufuhr fürs Feuer

Kaum waren die Feuer entfacht, war es kaum noch möglich im Räucherraum zu bleiben, weil es wirklich sehr stark rauchte. Der Meister nahm sich dennoch für jedes Loch die Zeit es mit Luft zu befächeln.

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Links gerösteter Tieguanyin vs. rechts ungerösteter Tieguanyin (毛茶)

Und dann mussten wir wieder etwas warten, da das Feuer erst einmal sich selbst überlassen werden musste. In der Zeit verglichen wir gerösteten und ungerösteten Tieguanyin. Ich durfte also den Tieguanyin, der bald geröstet werden sollte, noch einmal in seiner ursprünglichen Form probieren. Da ich aber nur gerösteten Muzha Tieguanyin gewohnt bin, fehlt mir da natürlich das Raucharoma.

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Unterheben der Glut

Als wir dann wieder in den Räucherraum durften, war das Feuer schon erloschen und die Kohle glühte langsam vor sich hin. Nun verteilte der Meister die Glut so, dass sich alles langsam durchglüht. Der Tee kann allerdings erst nach gut vier Tagen auf die Glut gestellt werden, da er sonst verbrennen würde. Das heißt, die Röstmeister müssen zunächst sichergehen, dass die Glut gleichmäßig verteilt und gleichmäßig heiß ist, um dann in einer 24h-Schicht den Tee gleichmäßig zu rösten. Da versteht man, wie Tee als Kunstobjekt bezeichnet werden kann.