Mungbohnenkuchen (綠豆糕)

Schon eine ganze Weile wollte ich mal Mungbohnenkuchen machen. Dabei handelt es sich nicht um einen Kuchen per se, sondern eher um eine Süßspeise, die im Chinesischen als 糕 Gao bezeichnet wird und oft einfacherweise mit „Kuchen“ übersetzt wird. Im Grunde ist so ein Gao oft eine ungefüllte Kleinigkeit. Und man kann Gao super aus Mungbohnen machen. Wie mit anderen süßen Bohnengerichten, dauerte es auch beim Mungbohnenkuchen wirklich eine ganze Weile, eh ich mich endlich mal dazu durchringen konnte, zu probieren. Und wie mit anderen süßen Bohnengerichten, war ich auf der Stelle entzückt. Was mich besonders an Mungbohnenkuchen fasziniert hatte war die weiche, doch irgendwie auf der Zunge schmelzende Konsistenz. Bei meiner ersten Mungbohnenpaste, die ich für die Füllung meiner Mooncakes gemacht hatte, fehlte mir genau dieses Schmelzgefühl. Aber als ich irgendwann einmal recherchierte, fand ich dieses Rezpept bei China Sichuan Food.

20160312_MungBohnenPaste1
Mungbohnen im Ausgangsstadium

Also besorgte ich mir Mungbohnen und legte los. Der Hinweis „it may take really long time to do that“ stellte sich im Verlauf des Projekts als ziemlich wahr heraus. Aber vielleicht hab ich mich auch einfach mal wieder etwas zu höhlenmenschartig verhalten.

20160312_MungBohnenPaste2
Eingeweichte Mungbohnen

Denn der Part, der dafür sorgte, dass ich irgendwann fluchend deklarierte, dass es Mungbohnenpaste oder Mungbohnenkuchen ab jetzt nur noch zu besonderen Anlässen gibt, war das Schälen der Bohnen nach der Einweichzeit. Da ich mir letzte Woche eine schöne Erkältung zugezogen hatte und deshalb gezwungenermaßen Zuhause war, beschloss ich das Schälen in Angriff zu nehmen. Da mein Gehirn eh nicht zu Höchstleistungen fähig war, kombinierte ich diese eher meditative Tätigkeit mit der Netflixdokumentation Cooked von Michael Pollan.

20160312_MungBohnenPaste3
Mungbohnen schälen (aka Netflix & Chill)

Auf die Frage, wie lange das Schälen denn jetzt dauert, kann ich antworten: die vier Folgen von Cooked kann man locker schaffen. Und wenn es in der zweiten Folge um Wasser geht und wir eine Köchin sehen, die Zwiebel schneiden als „mindless task“ bezeichnet, dabei aber betont, dass sie das entspannend findet, dann ist das noch ziemlich motivierend, wenn man selbst mit gefühlten 10 geschälten Bohnen dasitzt. Irgendwann, wahrscheinlich so in der Mitte der vierten Folge, hatte ich die Idee, die Bohnen mit Schale unter Wasser aneinanderzureiben. Das schien etwas schneller zu gehen als jede Bohne einzeln zu schnippen, aber dann hatte ich in einer Schüssel geschälte und ungeschälte Bohnen durcheinander und das Aschenputteldilemma à la „die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Tröpfchen“ fing an. Deshalb gab ich bei den letzten ungeschälten Bohnen einfach auf und ließ die Schale dran. Damit meine Paste wenigstens ein bisschen grün wird.

20160312_MungBohnenPaste4
Geschälte Mungbohnen

Der Rest der Bohnenpaste geht dann relativ schnell (alles ist schnell im Vergleich zum Schälen!).

Mungbohnenkuchen:

200 g Mungbohnen
2 EL Öl (in meinem Fall Rapsöl)
200 g Kokosmilch (kann auch ruhig weniger sein, wie ich später feststellte)
60 g Zucker
1 Prise Salz

  1. Bohnen ca. 24 Stunden in Wasser einweichen.
  2. Bohnen schälen.
  3. Bohnen ca. 30 Minuten weich kochen.
  4. Übriges Wasser abgießen und die Bohnen pürieren.
  5. Pürierte Bohnen zusammen mit allen anderen Zutaten in einen Topf geben und unter Rühren zu einer dicken Paste einköcheln lassen.
  6. Die Masse abkühlen lassen.
  7. Kugeln formen und in die gewünschte Form pressen.
  8. Die Masse kann auch als Füllung für süße Snacks verwendet werden.
20160312_MungBohnenPaste5
Gekochte Mungbohnen
20160312_MungBohnenPaste6
Eingekochte Mungbohnenpaste

Da ich das Einkochen von roter Bohnenpaste gewohnt war, dauerte mir auch das EInkochen der mit Kokosmilch verflüssigten Mungbohnenpaste etwas sehr lang. Irgendwie wollte und wollte die Creme nicht so richtig fest werden. Und im Nachhinein bin ich der Meinung, dass das einfach zu viel Kokosmilch war.

20160312_MungBohnenPaste8
Fertige Mungbohnenkuchen

Aber vom Schmelzgefühl kommen diese Gao mit geschälten Mungbohnen schon eher an das, was ich in Taiwan und China kennengelernt habe, heran. Einziger Kritikpunkt: sie sind mir etwas zu kokoslastig. Nur wollte ich jetzt nicht gleich einen zweiten Versuch starten. Irgendwann vielleicht mal. Mal sehen.

Eigenwerbung: VHS-Kurse im Februar und März 2016

Wer sich gewundert hat, dass es in letzter Zeit öfter mal eher was zum Essen zum Tee als Tee selbst auf meinem Blog gab, der erfährt jetzt einen der Gründe: Erstmals biete ich an der VHS Bremen Kochkurse zum und mit Tee an! Nachdem Teilnehmer meines letztjährigen Shinchaseminars meinten, dass es total schön wäre, wenn wir zu dem vielen Tee auch etwas passendes zum Essen zaubern könnten, entschied ich mich das dieses Jahr endlich einmal auszuprobieren. Deswegen gibt es neben drei regulären Teeseminaren auch ein Seminar zu Dim Sum, in welchem ich vorrangig auf herzhafte Kleinigkeiten zum Tee nach südchinesischer Art eingehen werde, und ein Seminar zu süßen Kleinigkeiten zum Tee, welches Snacks nach japanischer, taiwanesischer und chinesischer Art vorstellt.20160210_VhsKurse1

 

20160210_VhsKurse2Hinsichtlich der gewohnten Teeseminare werde ich erneut das Sommerteethema aufgreifen. Beginnend mit Grüntee, welcher aufgrund seiner Frische und Leichtigkeit perfekt für Frühjahr und Sommer geeignet ist, starte ich mit dem darauf folgenden Kurs einen erneuten Versuch die Teetrendgetränke in ein etwas besseres Licht zu rücken. Mit meinen Eigenkreationen von Eistee und hausgemachtem Bubbletea hoffe ich dieses Mal genug Teilnehmer anlocken zu können. Den Abschluss meiner Frühjahrssemesterkurse macht der Kurs zu den kalten Sommertees, in welchen ich noch einmal eingehender die unterschiedlichsten Varianten Tee ohne jegliche Zusätze kalt zu genießen vorstellen werde. Einige dieser Varianten wurden schon von Radio Bremen einmal als Radiobeitrag und einmal als Beitrag bei buten un binnen erklärt.20160210_VhsKurse320160210_VhsKurse420160210_VhsKurse5

Die Anmeldung für den jeweiligen Kurs kann über die Webseite der VHS Bremen erfolgen, indem bei der Suche die jeweilige Veranstaltungsnummer (In den Kursdetailsbildern jeweils die rote Nummer) eingegeben wird und dann über ein eigenes Nutzerkonto die Anmeldung vollzogen wird. Alternativ kann man sich auch telefonisch für die Kurse anmelden: 0421 361-12345 (Servicezeiten: Mo-Fr 7-18 Uhr). Am idealsten ist eine Anmeldung bis spätestens eine Woche vor Kursbeginn, da dann die VHS besser einschätzen kann, ob genug Teilnehmer für das Stattfinden des Kurses vorhanden sind und somit mich besser informieren kann.

Kommt zahlreich, es wird lecker!

Shao Mai (燒賣)

Happy Chinese New Year! Das Jahr des Feuer-Affen hat heute begonnen und dieses angeblich sehr bewegende und erlebnisreiche Jahr musste natürlich auch von mir gebührend begrüßt werden. Ganz traditionell werden zum chinesischen Neujahr Jiaozi gegessen. Aber da ich die erstens schon einmal hier vorgestellt habe, zweitens ehrlich gesagt keine Muße hatte, Jiaozi zu füllen, und drittens einfach so viel Lust auf Shao Mai hatte, gab es bei unserer kleinen Mini-Chinesisch-Neujahrs-Feier ein typisch kantonesisches Dim Sum.

Die Namen für Shao Mai sind vielfältig: Shu Mai, Siu Mai oder eben Shao Mai. Alle bezeichnen mit Shrimp-Hackfleisch-Füllung gedämpfte Dumplings. Und ich liebe diese Dinger seit dem ersten Biss. So genau weiß ich gar nicht mehr, wann genau ich sie das erste Mal probiert habe, wahrscheinlich aber so 2007 in Foshan. Wiederentdeckt habe ich meine Shao Mai Liebe in Hong Kong letztes Jahr. Und seitdem habe ich auch schon erste Gehversuche mit eigenen Shao Mai absolviert.

20160206_ShaoMai1
Shao Mai Zutaten: Teig, Füllung, Topping

Was die Außenhülle von Shao Mai von anderen gefüllten Dim Sum unterscheidet, ist die gelbe Farbe. Denn im Gegensatz zu Jiaozi und Konsorten, enthält der Teig von Shao Mai Ei und ist somit schon relativ nahe an herkömmlichen Pastateigen dran.

Shao Mai Hüllen:

240 g Weizenmehl Type 550
1 Ei
1 TL Salz
60 – 120 ml Wasser
Speisestärke zum Ausrollen

  1. Mehl, Ei, Salz und etwa 60 ml Wasser miteinander verrühren. Je nach Teigkonsistenz das restliche Wasser dazu geben.
  2. Zu einem glatten Teig verkneten.
  3. Etwa 30-60 Minuten ruhen lassen.
  4. Mit Speisestärke bestreuen und auf die gewünschte Dicke ausrollen. Ich nutze zum Ausrollen meine Pastamaschine und rolle den Teig auf die zweitdünnste Dicke aus.
  5. In Form schneiden oder ausstechen. Ich bevorzuge für Shao Mai das Ausstechen, damit die Hüllen besonders schön gleichmäßig werden. Zum Stapeln der Hüllen zwischen jede Schicht etwas Stärke geben.

Mein Teig war für die Menge meiner Füllung viel zu viel. Die halbe Menge würde auch locker reichen. Aber da sich die Hüllen auch prima einfrieren lassen und sie außerdem auch super für Wantans oder andere Dumplings verwendet werden können, hab ich trotzdem mehr als nötig produziert.

20160206_ShaoMai2
Shao Mai Hüllen ausstechen

Und nun kommen wir zum Herzstück dieser kleinen Leckerbissen: die Füllung.

Füllung für Shao Mai:

150 g Hackfleisch (eigentlich Schweinehack, ich habe aber gemischtes genommen)
150 g Shrimps zum Hacken
ca. 30 Shrimps im Ganzen zum Belegen (als Ersatz gehen auch Erbsen, geraspelte Möhren, Kaviar, etc.)
2 Champignons (original 15 g getrocknete Shiitakepilze, aber ich hatte eben nur frische braune Champignon da)
1/2 TL Salz
1 EL Eiswasser
1/2 EL Tapiokastärke
1/2 EL Zucker
1 EL Sesamöl
Pfeffer

  1. Shrimps und Pilze so klein wie möglich schneiden und hacken.
  2. Hackfleisch mit Salz, Tapiokastärke und Eiswasser vermischen.
  3. Shrimps, Pilze, Pfeffer, Zucker, und Sesamöl zur Hackfleischmischung hinzufügen.
  4. Pro Shao Mai Hülle etwa 1-2 TL Füllung in die Mitte geben und zusammenknautschen. Am Ende auf die geöffnete Seite einen Shrimp als Topping legen.
  5. Im Bambusdämpfkörbchen bei hoher Hitze ca. 10 Minuten dämpfen.
20160206_ShaoMai6
Shao Mai vorm Dämpfen

Dieses Mal verwendete ich zum Dämpfen auch das erste Mal Baumwolltücher. Dass ich da nicht früher drauf gekommen bin! Lustigerweise wurde ich dazu inspiriert, als ich mir ein neues Bambusdämpfkörbchen bestellte und zu dem Körbchen gleich zwei Baumwolltücher dazu waren. Nun kam meine Bestellung leider noch nicht an, aber ich dachte mir, dass ich die Stoffdampfmethode doch schon mal mit meinem einstöckigen Dämpfkörbchen probieren könnte. Dass ich überhaupt Stoff zum Dämpfen zu Hause habe ist auch irgendwie eher Zufall als geplant gewesen. Vor Ewigkeiten hatte ich mir in Taiwan so niedliche Stofftaschentücher gekauft aber nie benutzt. Meine Mitbewohnerin brauchte dann irgendwann für ihre Sprossen im Glas ein Tuch und da fielen mir die Stofftaschentücher ein. Seitdem nutzt sie eines der Tücher für ihre Sprossen. Nun passen diese Stofftaschentücher auch perfekt in mein Dämpfkörbchen, sodass ich einfach mit diesen dämpfte. Und siehe da! Ich bin begeistert! Vielleicht bilde ich mir das ein, aber ich bin der Meinung, dass ich selten so gute Dämpfergebnisse hatte!

20160206_ShaoMai5
Fertige Shao Mai

Alles in allem bin ich wirklich stolz auf meine Shao Mai. Sehr lecker! Und das tollste am Selbermachen ist hier wirklich, dass ich so viele Shao Mai essen kann, wie ich will. Bei meiner Shao Mai Liebe sind das so einige. Mjam.