Eigenwerbung: VHS-Kurse im Februar und März 2016

Wer sich gewundert hat, dass es in letzter Zeit öfter mal eher was zum Essen zum Tee als Tee selbst auf meinem Blog gab, der erfährt jetzt einen der Gründe: Erstmals biete ich an der VHS Bremen Kochkurse zum und mit Tee an! Nachdem Teilnehmer meines letztjährigen Shinchaseminars meinten, dass es total schön wäre, wenn wir zu dem vielen Tee auch etwas passendes zum Essen zaubern könnten, entschied ich mich das dieses Jahr endlich einmal auszuprobieren. Deswegen gibt es neben drei regulären Teeseminaren auch ein Seminar zu Dim Sum, in welchem ich vorrangig auf herzhafte Kleinigkeiten zum Tee nach südchinesischer Art eingehen werde, und ein Seminar zu süßen Kleinigkeiten zum Tee, welches Snacks nach japanischer, taiwanesischer und chinesischer Art vorstellt.20160210_VhsKurse1

 

20160210_VhsKurse2Hinsichtlich der gewohnten Teeseminare werde ich erneut das Sommerteethema aufgreifen. Beginnend mit Grüntee, welcher aufgrund seiner Frische und Leichtigkeit perfekt für Frühjahr und Sommer geeignet ist, starte ich mit dem darauf folgenden Kurs einen erneuten Versuch die Teetrendgetränke in ein etwas besseres Licht zu rücken. Mit meinen Eigenkreationen von Eistee und hausgemachtem Bubbletea hoffe ich dieses Mal genug Teilnehmer anlocken zu können. Den Abschluss meiner Frühjahrssemesterkurse macht der Kurs zu den kalten Sommertees, in welchen ich noch einmal eingehender die unterschiedlichsten Varianten Tee ohne jegliche Zusätze kalt zu genießen vorstellen werde. Einige dieser Varianten wurden schon von Radio Bremen einmal als Radiobeitrag und einmal als Beitrag bei buten un binnen erklärt.20160210_VhsKurse320160210_VhsKurse420160210_VhsKurse5

Die Anmeldung für den jeweiligen Kurs kann über die Webseite der VHS Bremen erfolgen, indem bei der Suche die jeweilige Veranstaltungsnummer (In den Kursdetailsbildern jeweils die rote Nummer) eingegeben wird und dann über ein eigenes Nutzerkonto die Anmeldung vollzogen wird. Alternativ kann man sich auch telefonisch für die Kurse anmelden: 0421 361-12345 (Servicezeiten: Mo-Fr 7-18 Uhr). Am idealsten ist eine Anmeldung bis spätestens eine Woche vor Kursbeginn, da dann die VHS besser einschätzen kann, ob genug Teilnehmer für das Stattfinden des Kurses vorhanden sind und somit mich besser informieren kann.

Kommt zahlreich, es wird lecker!

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Alltagstee in Taiwan: Bubbletea, Eistee, Milchtee…

Dass es in Taiwan nicht nur kunstvoll in dazu passend ausgewählter Keramik und aufwendig mit mehreren Aufgüssen zubereiteten Tee gibt, habe ich schon oft erwähnt. Vor allem im Sommer, als ich es mir auf die Fahne schrieb den Ruf des Bubbleteas in Deutschland zu retten. Also machte ich Tapiokabubbles von Hand, kreierte Saftgeleewürfel für einen Touch Lokalität, verarbeitete meinen Kombuchascoby zu Fake-Nata und experimentierte überhaupt viel mit Eistees und Milchtees.

Als ich dann jetzt endlich wieder in Taiwan war, durfte das Testtrinken an den vielen Getränkeläden natürlich auch nicht zu kurz kommen. Es hat sich in den letzten 3 Jahren allerdings einiges verändert.

  1. Entweder bin aus den Getränken, die in Taiwan angeboten werden, herausgewachsen oder die Qualität hat etwas abgenommen. So einige der Getränke, die ich bestellte, konnte ich nicht beenden, da sie einfach nicht lecker oder unerträglich süß waren. Und auch wenn man bei fast jedem Getränkeladen den Süßheitsgrad einstellen kann, so unterscheidet sich die Realsüße des Getränks echt von Laden zu Laden. Denkt man beim einen, oh, da hätte ich ja doch ein bisschen Zucker reinmachen können, empfindet man bei gleichem Wert bei einem anderen Laden das Getränk einfach nur elendig süß. Ein weiterer Punkt war die Milch oder in den meisten Fällen von Milchtee das Milchpulver. Da ich an 3,8%-ige Biofrischmilch aus dem Bremer Umland gewöhnt bin, schmeckt mir Milchpulvertee einfach überhaupt gar nicht!

    Drei Getränkeläden nebeneinander
    Drei Getränkeläden nebeneinander
  2. Es gibt noch mehr Getränkeläden. Schon vor 3 Jahren war ich überrascht, dass es praktisch an jeder Ecke einen Getränkeladen gibt. Aber dieses Mal hatte ich das Gefühl, dass jeder Laden vom letzten Mal jeweils links und rechts noch einen Konkurrenzladen dazu bekommen hätte. Und neben den relativ übersichtlichen großen Ketten gibt es jetzt unzählige neue Läden. Meist genau nebeneinander.
  3. Trotz Ladenvielfalt ist das Angebot stets gleich. Man könnte meinen, dass es bei so vielen unterschiedlichen Ketten und Läden eine Wahnsinnsvielfalt an Getränken geben müsste. Ganz im Gegenteil. Rein subjektiv kommt es mir so vor, als wenn ein stiller gemeinsamer Konsens gefunden wurde, der bestimmt, welche Getränke auf jeden Fall angeboten werden müssen. Natürlich gibt es schon noch Läden, die Getränke anbieten, die es sonst kaum gibt, aber das ist doch irgendwie seltener als erwartet der Fall.

    Aufbau eines Bubbletealadens
    Aufbau eines Bubbletealadens
  4. Es gibt vermehrt traditionell taiwanesische Teesorten. Wo es vor drei Jahren oft nur die Auswahl zwischen grün, schwarz, und Oolong gab, gibt es mittlerweile auch vermehrt Tieguanyin, Sijichun (四季春) und Jinxuan zu trinken. Das finde ich zwar generell schon gut, aber ehrlich gesagt, habe ich mich nicht getraut, diese Tees aus einem Plastikbecher in großen Mengen zu trinken.
  5. Die Portionen sind größer geworden. Vor drei Jahren wurde ich stets gefragt, ob ich einen großen (700 ml) oder einen kleinen (500 ml) Becher wolle und war mit der Wahl des großen Bechers eher eine Ausnahme, da die meisten anderen Kunden kleine Becher zu bevorzugen schienen. Jetzt gibt es in manchen Läden ausschließlich große (700 ml) oder sehr große (1000 ml) Becher. Und wenn man nicht explizit sagt, dass man einen kleinen Becher möchte, wird es automatisch ein großer.

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    Beispielkarte eines Getränkeladens
  6. Es gibt endlich ein paar Läden, die wiederauffüllbare Trinkflaschen zum mehrmaligen Gebrauch anbieten und außerdem auf deren Verwendung Rabatte gewähren. Auch wenn ich dieses Angebot, vor allem auch, weil eben nicht alle Läden bei diesem Konzept mitmachen und ich nicht an eine bestimmte Kette gebunden sein wollte, nicht in Anspruch nahm, find ich es super langsam aber sicher gegen die Einwegplastikbecker vorzugehen. Wenn ich mir jetzt im Nachhinein anschaue, wie viel Müll ich allein durch das Trinken solcher Getränke produziert habe, wird mir leicht schlecht.

Als Fazit kann ich also ziehen, dass ich von den Bubbletealäden diesmal schon irgendwie mehr enttäuscht als begeistert war. Das soll allerdings nicht heißen, dass ich Teegetränken mit Saft- oder Milchzugabe und Toppings abgeneigt bin, sondern eher, dass ich wohl noch wählerischer geworden bin. Mit höheren Ansprüchen kommt eben auch mehr Enttäuschung und sehr stark eingeschränkte Auswahl.

Nata aus Kombuchascoby

Ich bin mal wieder so richtig geflasht! Nicht nur, dass ich mit einem Projekt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte, nein!, es enstand auch noch ein Ergebnis, worauf ich schon mächtig stolz bin: Ich habe (falsches) Nata de Coco selbst gemacht! Und in mittelmäßigem kalten Gyokuro schmeckt das ganz großartig!

Jetzt aber mal der Reihe nach: Wieso bin ich stolz darauf falsches Nata produziert zu haben? Und was ist so toll an mittelmäßigem Gyokuro? Fangen wir mit der zweiten Frage zuerst an. Aus Frust, dass meine Shinchabestellung für mein Shinchaseminar an der VHS Bremen nicht angekommen war, hatte ich in einem lokalen Teeladen in Bremen Gyokuro gekauft. Leider erinnerte mich dieser Tee immer wieder daran, dass er ein purer Frustkauf war, denn er wollte mir einfach nicht gefallen. Ja, er war nicht schlecht, hmmm, jaaa, aber mal ganz ehrlich: das soll ein Gyokuro sein? Da geht mein leicht gedämpfter Shincha eher in die Richtung. Außerdem kam er in einer Papiertüte daher. Das kann ich ja auch gar nicht leiden, weil spätestens nach einem Monat der ganze Tee auch nach Papier schmeckt. Zum Glück konnte ich den Großteil diesen Gyokuros in eine Dose umfüllen, aber ein kleiner Rest verblieb in der Tüte. Und genau diesen Rest verarbeitete ich zu kalten Gyokuro (heiß aufgebrüht und dann abkühlen lassen), der ganz wunderbar zu meinem geplanten Bubbletea mit Nata passen sollte. Nur vollständigkeitshalber habe ich trotzdem mal Blätter und Aufgüsse des Gyokuro dokumentiert. Aber einen extra Beitrag hätte ich zu dem gar nicht schreiben können, weil mir auch sämtliche Angaben fehlen. Statt Erntezeitpunkt, Ort und Kultivar gibt es so schöne aussagekräftige Texte wie „nach überlieferter Tradition produzierter, von Hand gefertigter Schattentee mit viel Substanz und edler Tasse“.

Japan Gyokuro trockenes Blatt
Japan Gyokuro trockenes Blatt
Aufgüsse 1 bis 3
Aufgüsse 1 bis 3
Aufgegossenes Blatt
Aufgegossenes Blatt

Als ich also meinen mittelmäßigen Gyokuro vorbereitete, schwebte mir schon ein Bild für dessen Verwendung vor: Bubbletea mit Nata. Natürlich hat das wieder mit meiner Zeit in Taiwan zu tun. Denn, wie schon vor einiger Zeit mal erwähnt, können im Bubbletea nicht nur Bubbles, sondern auch allerlei anderer Glibberkram rumschwimmen. Und neben den ganz traditionellen Tapiokastärkebubbles liebte ich Nata de Coco. Auf Chinesisch heißt das 椰果 (Yē guǒ, wortwörtlich „Kokosfrucht“). Ich hab mich zwar auch schon in Taiwan gefragt, was das jetzt genau ist, aber da ja „Kokos“ im Wort vor kam, begnügte ich mich mit dem Wissen, dass es Kokosnussgelee ist. Erst vor kurzem, als ich durch meine Fermentationsbibel stöberte, stieß ich erneut auf Nata de Coco, unter der Überschrift „Kombucha Candy: Nata“. Dort wird erklärt, dass Nata de Coco aus den Philippinen stammt und eigentlich durch die Fermentation von Kokosnusswasser gewonnen wird. Allerdings sei es überhaupt kein Problem die Herstellung von Nata auf einen Kombuchascoby zu übertragen. Wie praktisch, dass sich da in meinem „Scobyhotel“ ein ganz wundervoller, gleichmäßig dicker, Scoby gebildet hatte!

Geerneteter Scoby
Geerneteter Scoby

Wie schon Katz‘ Anleitung für den Gingerbug, ist die Anleitung für Kombuchanata auch sehr „detailliert“. Aber das macht gar nichts. Denn wie ich beim Herstellen meines Natas feststellte, brauchte ich gar keine genauen Angaben. Um eine bissere Übersicht zu haben, werde ich den Ablauf hier mal in Stichpunkten wiedergeben:

  1. Einen mind. 1 cm dicken Scoby gut abspülen und in Stückchen schneiden. Aufgrund der gummiartigen Textur ist das gar nicht so einfach.
  2. Die Kombuchastückchen für 10 Minuten in kaltes Wasser legen, Wasser abgießen und je nach Bedarf nochmals in Wasser geben. Katz schlägt ein doppeltes Wasserliegen vor, damit der Kombucha nicht zu sauer schmeckt, aber ich hab das Ganze nur ein Mal im Wasser ziehen  lassen, da ich keine Angst vor Kombuchasäure habe.
  3. Die abgetropften Stückchen in einen Topf geben, mit Wasser bedecken und für 10 min köcheln. Auch hier empfiehlt Katz das Ganze zu wiederholen, ich hab das nicht gemacht.
  4. Die gekochten Stückchen abtropfen lassen und zusammen mit ungefähr der gleichen Menge Zucker im Topf kandieren.
  5. Abkühlen lassen und schon mal naschen.
  6. Für den Bubbletea jetzt einfach das fertige Nata in den kalten Tee geben und genießen.
In Stückchen geschnittener Scoby
In Stückchen geschnittener Scoby
Stückchen in Wasser kochen
Stückchen in Wasser kochen
Fertiges Nata
Fertiges Nata

Und wie ist es denn jetzt so, mein falsches Nata in mittelmäßigem Gyokuro? EINFACH RICHTIG GUT! Ich bin hellauf begeistert. Mein Kombuchanata kommt von der Konsistenz wirklich sehr sehr sehr nah an Nata de Coco ran. Und geschmacklich ist es auch ganz toll. Noch ein bisschen sauer, aber wirklich nicht zu viel. Im kalten, etwas bitteren Tee, kommt gerade dieses süßsäuerliche des Natas ganz hervorragend zur Geltung. Wenn ich also keine Lust auf Kombuchatrinken habe, dann kann ich mir jetzt Kombuchanata machen!

Japan Gyokuro mit Nata
Japan Gyokuro mit Nata