Scheerkohlsauerteigknabberstangen

Ich weiß, die Scheerkohlzeit ist schon wieder vorbei. Aber irgendwie muss meine kleine Scheerkohltradition eines Scheerkohlbeitrags pro Jahr (2015, 2016) fortgesetzt werden, auch wenn sie schon 2017 urlaubsbedingt unterbrochen wurde. Leider war die diesjährige Scheerkohlsaison superkurz. Sie fing erst im späteren April an und war schon knapp in den Mai wieder beendet. Aufgrund dieser Kürze und auch dem Fakt verschuldet, dass ich oft vor einer leergekauften Kiste (um 9 Uhr schon!) stand, konnte ich gar nicht so viel experimentieren. Also gab es erstmal Pesto.

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Scheerkohlpesto

Und da ich derzeit meine Sauerteige fast täglich füttere, um sie besonders triebstark für komplett hefefreie Brote zu haben, bleibt einiges an Anstellgut übrig. Das verwerte ich, sehr zur Freude meiner Familie, fast wöchentlich zu Sauerteigknabberstangen (oder Grissini). In Kombination mit dem Scheerkohlpesto tritt diesmal mein Lievito Madre (LM) gegen meinen Roggensauer (RoSa) an.

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Grissiniteige: links mit Lievito Madre, rechts mit Roggensauerteig

Das Grundrezept für meine Knabberstangen stammt von Mehlstaub & Ofenduft, wo es wirklich tolle Sauerteiggebäckideen gibt.

Scheerkohlsauerteigknabberstangen (für ca. 2 Bleche):

200g Mehl (ich: Weizen 550er)
115g Sauerteig
20-40g Wasser (20g bei Roggensauerteig mit 100% Hydration, 40g bei Lievito Madre mit 50% Hydration)
100g Scheerkohlpesto (frei Schnauze: Scheerkohl, Olivenöl oder anderes Öl, Parmesan oder Pecorino, Mandeln oder Walnüsse oder Haselnüsse, Salz, Pfeffer)

  1. Alle Zutaten vermengen und zu einem glatten Teig kneten. In der Küchenmaschine lasse ich meinen Teig ca. 5 min auf niedrigster Stufe und ca. 5 min auf der zweiten Stufe kneten.
  2. mind. 3h bei Zimmertemperatur ruhen lassen. Ich setze meinen Tag irgendwann am Vortag an und stelle ihn, wenn ich nicht mehr am gleichen Tag zum Backen komme, einfach in den Kühlschrank. Dann kann ich ihn direkt weiterverarbeiten, wenn ich Zeit habe.
  3. Den Teig portionieren und zu Stangen rollen.
  4. Bei 200°C ca 15 min backen bis die Stangen schön knusprig sind.
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Grissini vor dem Backen

Während die Knabberstangen vor dem Backen noch so richtig schön grün sind, verlieren sie ihre Farbe leider sehr stark während des Backens. Da ich sowohl für den Roggensauerteig als auch für den Lievitoteig nur helles Weizenmehl verwendet habe, sind die Knabberstangen nach dem Backen rein optisch kaum noch zu unterscheiden. Aber man merkt den Unterschied im Geschmack sehr deutlich! Vielleicht liegt es daran, dass ich Roggengeschmack generell sehr gerne mag oder, dass mein Roggensauerteigrest schon etwas länger im Kühlschrank ruhte als mein Lievitomadrerest, sodass er insgesamt mehr Geschmack mitbrachte – auf jeden Fall gingen die Roggensauerteigknabberstangen als klarer Gewinner aus diesem Vergleich hervor.

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Fertige Grissini: links Roggensauerteig, rechts Lievito Madre

Insgesamt schmeckte man das Scheerkohlpesto leider gar nicht mehr heraus, bis auf den Fakt, dass diese Knabberstangen im Vergleich zu meinen herkömmlichen Knabberstangen mit längerer Lagerzeit bitter wurden. Das hatte ich bis dahin nicht und auch danach nie wieder, weswegen ich glaube, dass es schon mit dem Pesto zu tun haben muss. Aber selbst das Oolongchen störte sich kein bisschen an der leichten Bitterkeit und knabberte genüsslich.

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Gelaugte Sauerteigknabberstangen mit Roggensauerteig und Roggenvollkornmehl

Von meinen Sauerteigknabberstangenexperimenten ist aber bisher das erfolgreichste meine selbstgemachten Salzstangen. So simpel wie genial. Denn eines Abends fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Salzstangen sind nichts anderes als gelaugte Knabberstangen! Wie wäre es also, wenn ich meine Sauerteigknabberstangen einfach mal lauge? Gesagt, getan – total angetan! Wahrscheinlich sind das die aufwendigsten Salzstangen überhaupt, aber jeder Biss ein Genuss. Nicht nur super für stärker oxidierte Tees, z.B. traditionell gerösteter Da Hong Pao oder Muzha Tieguanyin, sondern auch genial zu Bier.

 

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Auswärts Tee trinken (und auch was essen): Teestübchen im Schnoor

Dass ich vom Teestübchen bisher noch nicht auf meinem Blog berichtet habe ist wirklich eine Schande. Doch die letzten Besuche dort hatte ich entweder meine Kamera vergessen, ein Stillkind zu beglücken oder eine Hochzeitsgesellschaft im Schlepptau. Jetzt aber ist es Zeit eins meiner absoluten Lieblingsrestaurants in Bremen zu würdigen. Denn 1. es ist ein Teestübchen, 2. gibt es da richtig gute regionale Küche und 3. ist es im Schnoor, dem niedlichsten Stadtteil Bremens (der mich immer an die Krämerbrücke in Erfurt erinnert) gelegen.

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Anlass des Besuchs war ein Mittagsdate mit meinem Monsieur. Und kaum hatten wir uns für das Teestübchen entschieden, wusste ich, was ich essen wollte: Kükenragout. Das grenzte dann auch relativ schnell meine Teewahl ein. Die Teekarte ist zwar ziemlich umfangreich, aber da für mich weder aromatisierte, noch Kräuter- bzw. Früchteaufgüsse in Frage kommen, dann doch überschaubar. Oft wähle ich einen Tee der Kategorie „Unsere Edelsten“. Diesmal, passend zum Geflügel/Garnelen-Geschmack, etwas ganz leichtes: der Spring Darjeeling.

Was bei dieser Kategorie besonders auffällt, ist die Anzahl der indischen Tees (10) im Vergleich zu den anderen Herkunftsländern (Sri Lanka 3, Nepal 1, China 1).  Außerdem sind es ausschließlich Schwarztees (allerdings weiß ich jetzt nicht mehr, ob es davor noch eine Seite gab und/oder ob es pro Teekategorie „Unsere Edelsten“ gab).  Das spiegelt eine sehr traditionelle und klassische Teeorientierung wieder, was noch besser zu verstehen ist, wenn man weiß, dass alle Tees von Ronnefeldt sind.

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Ausschnitt aus der Teekarte

Seit ich das erste Mal nach meiner Rückkehr aus Taiwan mir voller Enthusiasmus mehrere Großpackungen Darjeeling bei der Teekampagne bestellt hatte und dermaßen vom Geschmack enttäuscht wurde, habe ich diesem Klassiker oft die kalte Schulter gezeigt. Aber in letzter Zeit schafft es die ein oder andere Darjeelingprobe mich doch eines Besseren zu belehren, sodass ich mich an diesem First Flush Darjeeling versuchte. Mein Monsieur dagegen probiert immer mal wieder in den unterschiedlichsten Cafés die Chais. Allerdings konnte ihn noch keiner so richtig beeindrucken. Oft sind sie ihm zu lasch. Vielleicht hat er sich zu sehr an meinen Chai gewöhnt.

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links Chai, rechts Darjeeling Spring

Mit meinem Tee war ich zufrieden. Es war kein unglaubliches Teeerlebnis, aber gut zubereitet und angenehm zu trinken. Generell finde ich es beim Teestübchen super, dass alle Tees komplett fertig zubereitet serviert werden. Zum Einen heißt das, das man als Gast keinen Einfluss darauf hat, wie stark man seinen Tee gerne hätte, auf der anderen Seite wissen die Teestübchenleute am besten, wie sie ihre Tees zubereiten müssen, damit sie angenehm zu trinken sind. Ich persönlich finde diese Art des Servierens für Tee in der Gastronomie die passendste, wenn man davon ausgehen kann, dass das Personal den Tee gut kennt.

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Bremer Kükenragout

Zum Kükenragout gibt es auch noch eine kleine Geschichte: Vor einigen Jahren haben der Monsieur und ich einen Kochkurs zur Bremer Küche gemacht und neben Pluckte Finken (einen Bohneneintopf mit Apfel und Speck) auch Kükenragout (ein bisschen wie Frikassee auf Surf&Turf-Art: Geflügel mit Krabben/Shrimps/Garnelen, Pilzen und Gemüse in Krebssoße) kennengelernt. Bei genau diesem Kochkurs war zufällig auch die Inhaberin des Teestübchens Teilnehmerin (die ich später auch bei Slow Food wiedertraf), die ganz stolz von dem Kükenragout in ihrem Laden schwärmte. Also mussten wir das natürlich probieren gehen. Und schon beim ersten Mal war ich total begeistert! Generell liebe ich das Essen im Teestübchen! Wer regionale und saisonale Küche schätzt, wird hier auf jeden Fall fündig.

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Skreifilet

Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Gemütlichkeit. Das Teestübchen ist schon relativ eng, aber es bietet Platz auf drei Etagen, die über eine sehr steile Treppe zu erreichen ist. Am liebsten sitze ich im 2. oder 3. Stock, da es dort noch ein bisschen uriger als im Erdgeschoss ist und die Küche nicht so weit entfernt ist.

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Inneneinrichtung 1. OG
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Blick ins Schnoor
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Von außen

Und nach dem zufriedenstellenden Besuch im Teestübchen kann man gemütlich durch die kleinen Gassen des Schnoors schlendern. Sollte ich auch mal wieder machen.

Auf einen Blick:

Teestübchen im Schnoor
Wüstestätte 1
28195 Bremen

So-Do: 10 – 18 Uhr
Fr+Sa: 10 – 22 Uhr

Bewertung: sehr empfehlenswert

Chinesisch Neujahr an der Uni Bremen

新年快樂!萬事如意!恭喜發財!

Seit gestern ist das Jahr des Hundes angebrochen und morgenwird das ausgiebig gefeiert. Zum 15. Mal veranstaltet die Huawei Chinesischschule die chinesische Neujahrsfeier und nun darf ich schon das 5. Jahr in Folge dort Tee ausschenken.

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Offizielles Poster

Heute war schon der allgemeine Aufbau der Stände und das Ausschmücken Gebäudes dran. Und da ich mit 4 zusammengestellten Tischen und ein paar Stühlen damit recht schnell fertig war und es nichts weiter vorzubereiten gab, fing ich schon mal an für die ersten Interessierten den ersten Tee zuzubereiten: den Menghai 7652. Aber morgen gibt’s natürlich noch viel mehr. Die ganze Palette der chinesischen Tees. Außer grün. Irgendwie habe ich tatsächlich keinen chinesischen Grüntee im Haus. Aber ansonsten habe ich zwei weiße Tees, so einige Oolongs, schwarze Tees und zwei unterschiedliche Pu Erhs, die nur darauf warten verkostet zu werden.

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Wer also morgen Lust verspürt mal für einen Sonntagnachmittag in die chinesische Neujahrswelt einzutauchen und mit mir die ein oder andere Tasse Tee trinken möchte, ist herzlich eingeladen zum GW1 der Uni Bremen zu pilgern. Ich warte in der 2. Etage auf euch und teile mir den Raum mit sehr talentierten Kalligraphiekünstlern.