Tarte Tatin mit Ananas

Ich liebe es neue Dinge zu lernen. Und durch mein neues Backbuch habe ich das Gefühl fast jede Woche ein neues „erstes Mal“ zu erleben. Diesmal: das erste Mal Blätterteig machen. Gut, jetzt stand Blätterteig bestimmt schon über ein Jahr auf meiner mentalen To-Do-Liste, aber ich hab mich irgendwie nie getraut, weil ich so eine innere Stimme hatte, die immer meinte „das ist einfach viel zu kompliziert“. Nun habe ich aber schon so einige komplizierte Backwerke zustande gebracht, sodass ich doch schon etwas selbstbewusster geworden bin und nun endlich den Blätterteig in Angriff genommen hab. Ein anderer Grund, das Blätterteigprojekt so lange hinauszuzögern war auch, dass ich ehrlich gesagt gar nicht so der Blätterteigfan bin. Irgendwie steh ich nicht so auf Gebäck, wo mir die Hälfte auseinanderblättert, sobald ich da reinbeiße. Aber was tut man nicht alles für die Neugier (und natürlich auch für meinen blätterteigliebenden Monsieur)?

Einzelne Bestandteile
Einzelne Bestandteile

Damit ich nicht nur Blätterteig fabriziere und der danach sinnlos in meinem Kühlschrank rumliegt, musste der natürlich gleich weiterverarbeitet werden. Gut, dass es da ein Tarte Tatin Rezept in meinem neuen Backbuch gibt! Auch wenn diese Tarte Tatin ganz unsaisonal und unregional mit Ananas gemacht wird, wollte ich das unbedingt probieren, weil mein erster Versuch eine Tarte Tatin zu backen schon ein bisschen in die Hose ging.

Im Ofen
Im Ofen

Was die Komposition dieser Tarte Tatin angeht, ist da wirklich nicht viel drin: Karamell, Ananas und ein Boden aus Blätterteig und Mürbeteig. Aber es ist wirklich erstaunlich, wie viel Zeit ich für diese Tarte aufgewendet habe! Gegen 9 Uhr früh habe ich mit dem Blätterteig angefangen, da der gefühlt nach jeder einzelnen Bewegung erstmal wieder eine halbe Stunde Ruhe brauchte. Das heißt kneten, Pause, tourieren, Pause, tourieren, Pause, tourieren, Pause, tourieren, Pause, mit Mürbeteig tourieren, Pause. Joah, das läppert sich zusammen. Ist aber auch irgendwie entspannend, gerade an einem Sonntag.

Damit ich diesmal auch so richtig schön sehen kann, wie meine Tarte Tatin blubbert, wurde sie in einer gläsernen Tarteform gebacken. Ganz klar eine tolle Investition!

Fertige Tarte Tatin
Fertige Tarte Tatin

Geschmacklich war diese Tarte Tatin schon ziemlich lecker. Ich hatte extra noch eine taiwanesische Freundin benachrichtigt und als sie dann noch ihr Stück abbekam war sie hin und weg. Noch nie habe ich jemanden aus Taiwan in Deutschland von Ananas schwärmen hören (was auch total verständlich ist, wenn man einmal taiwanesische Ananas gegessen hat!). Einziger Makel war der viele Saft. Mein schöner Blätterteig war binnen weniger Stunden komplett durchweicht! Aber der Rand war ein Traum: getränkt von Ananaskaramell und noch leicht knusprig blätterig. Mjammjam.

Auswärts Tee trinken (und auch was essen): Stecker’s Rathskonditorei Bremen

Vor vielleicht einem Jahr meinte meine Kuchenfreundin, mit der ich schon so einige leckere Kaffeehäuser und Konditoreien durchprobiert habe, dass sie in einem Buch über Dinge, die man in Bremen gemacht haben muss, von einem besonderen Kuchen gelesen hatte, den es wohl nur in einem bestimmten Café geben soll. Nun wusste sie weder welches Café noch welcher Kuchen das war. Beim Buch war sie sich auch nicht mehr ganz so sicher. Aber da im Bremer Stadtzentrum eh alles nah bei einander ist, sind wir einfach in die nächste Buchhandlung und blätterten so lange durch alle Bücher, die in Frage kamen, bis wir tatsächlich bei der Schneemustorte landeten. Diese Torte soll es wohl nur in der Rathskonditorei geben. Da wir ja wirklich nur diese Info brauchten, haben wir das Buch nicht gekauft. Und heute weiß ich natürlich nicht mehr, welches Buch das gewesen ist.

Afternoontea mit Assam und Schneemustorte
Afternoontea mit Assam und Schneemustorte

Während unsere Recherche ziemlich schnell ging, dauerte es bis zum eigentlichen Testessen eine gefühlte Ewigkeit. Mal war die Rathskonditorei zu, mal war da der kleine Freimarkt, mal vergaßen wir unser Vorhaben und landeten in anderen Cafés, mal sahen wir uns viel zu lange nicht und mal war es zu kalt für Eis. Aber dieses Mal klappte es tatsächlich! Das Wetter war warm genug und wir bekamen sogar gerade so noch einen Tisch! Kaum saßen wir, wurden wir beide ganz hibbelig, da wir bis auf den Namen der Torte nichts über sie wussten. Da das ja jetzt auch schon wieder ein Jahr her war, dass wir davon erfahren hatten, waren wir uns sogar nicht mal mehr sicher, ob es diese Torte nun wirklich in der Rathskonditorei gab. (Die laut des gleichen Buches angeblich teuerste öffentliche Toilette Bremens konnten wir nämlich auch nicht am beschriebenen Ort finden!). Aber als dann die Bedienung kam, bestellten wir ganz souverän zwei Schneemustorten. Und dann mussten wir uns zwischen Ananas und Erdbeere entscheiden. Wie praktisch, zwei unterschiedliche Schneemustorten zum Testen!

Schneemustorte: vorn Ananas, hinten Erdbeer
Schneemustorte: vorn Ananas, hinten Erdbeer

Zu meiner Schneemustorte bestellte ich einen Assam auf dem Stövchen, aber leider durfte die Bedienung das Stövchen nicht mit nach Draußen bringen. Mit meinem Assam war ich zufrieden (und das heißt wirklich was!). Klar, das war jetzt nicht der beste Assams meines Lebens, aber es gab jetzt auch nicht so viel zum Meckern. Sehr positiv, und das gefällt mir an der Nähe zu Ostfriesland so gut, fand ich, dass es automatisch Milch zum Tee gab. In anderen Gegenden bekomme ich bei meiner Frage nach Milch zum Tee neben komischen Blicken auch immer abgepackte Kondensmilch zugeworfen. KONDENSMILCH IST KEINE MILCH FÜR MEINEN TEE! Sorry, das musste ich einfach mal loswerden. Auch wenn ich geschmacklich zufrieden war, gibt es doch einen weiteren Kritikpunkt: der Preis. Wie kann es denn sein, dass ich für ein Kännchen, mit dem ich meine doch ziemlich kleine Tasse, gerade zwei Mal füllen kann 4,50 € kosten? Man mag jetzt meinen, dass das aufgrund der Zentrumsnähe und des Touristenfallenpotentials sein könnte. Aber in fast allen Kaffeehäusern und Konditoreien, die ich bisher mit meiner Kuchenfreundin durchprobiert hatte, gibt es Wahnsinnspreise für mäßig bis schlechten Tee. Ich werd das nie verstehen.

Assam mit Milch
Assam mit Milch

Was mich dann aber wieder sehr milde stimmte, war der Keks zum Tee. Da war doch tatsächlich der Dom draufgestempelt! Zuckersüß! Den hob ich mir sogar bis ganz zum Schluss auf.

Der Domkeks
Der Domkeks

Aber wie war denn jetzt eigentlich unsere Schneemustorte? Ich wählte Ananas, weil meine Kuchenfreundin Erdbeere wählte. Eines meiner ungeschriebenen Gesetze ist, dass ich nicht das Gleiche wähle wie meine Mitessenden. Das kann dann natürlich manchmal zu Wahlneid führen. Ein bisschen war das heute so. Erdbeere gewinnt bei mir in Deutschland immer gegen Ananas. In Taiwan würde das wahrscheinlich anders aussehen. Die Torte bestand aus einem Schokobaiserboden und einer Ananaseisschicht, die noch mit Sahnetupfen verziert war. Im Grunde also eine interessante Kombo, also vor allem der Schokobaiserboden, aber geschmacklich jetzt nicht so ganz der Brüller. Also die war nicht schlecht, nur eben nicht eine Torte, die ich aufgrund ihrer Raffinesse weiter empfehlen würde. Da wir aber auch nicht im Café drin waren, um die anderen Kuchen und Torten zu begutachten, kann ich nichts über die generelle Qualität der Backwaren sagen. Da es sich bei der Rathskonditorei aber um eine Zweigstelle von der Konditorei Stecker handelt, gehe ich davon aus, dass es richtig tolle Kuchen geben muss.

Blick von der Rathskonditorei aus
Blick von der Rathskonditorei aus

Insgesamt ist die Rathskonditorei aber wirklich ein hübsches Café mit einem sehr schönen Blick auf das Bremer Rathaus, den Roland, den Dom und die Bürgerschaft. Ich bin immer wieder begeistert, wie schön meine neue Wahlheimat ist. Ach, Bremen, du bist schon toll.