Möhren-Mokka-Kuchen

Es sollte mal wieder ein Kuchen zum Afternoontea her. Aber irgendwie wollte es außer Zwetschgen und Äpfel keine passenden Kuchenfrüchte mehr geben. Und Zwetschgen hatten wir erst kaum und mit Äpfeln möchte ich demnächst mal einen richtig schönen Applepie probieren, am liebsten mit dem Hefe-Mürbeteig-Boden. Ok, kein Obst also. Stattdessen gibt es Möhrchen im Kuchen. Da der Monsieur und auch ich Rüblikuche, Carrot Cake und Möhrchenkuchen super finden und es außerdem in meinem neuen Lieblingsbackbuch eine interessante Variation mit Mokka (ja, genau Kaffee auf meinem Teeblog!!!) gibt, wurde es ein Möhren-Mokka-Kuchen.

Im Ganzen
Im Ganzen

Und da das natürlich kein einfacher Möhrenkuchen ist, musste es doch einen Twist geben. Ja, natürlich! Dieses Mal durfte ich meinen fertigen Möhrenbiskuit aprikotieren (ich liebe dieses Verb!), um dann den Kuchen mit einer dünnen Marzipanschicht zu überziehen (das war ein Kampf!), um dann flüßiges Fondant darauf zu pinseln. Was Fondant angeht bin ich wirklich ein kompletter Anfänger (auch wenn wir letztes Jahr zur Weihnachtszeit unsere WG-Lebkuchen-T.A.R.D.I.S. sehr erfolgreich mit blauem Fondant verkleidet haben). Erst auf das Fondant kam dann fein gesiebtes Instantkaffeepulver. Ehrlich gesagt hatte ich ja schon ein bisschen Angst, dass ich jetzt extra für diesen Kuchen Instantkaffee kaufen muss. Aber glücklicherweise hinterließ mir eine indische Freundin neben einem Eimer für mich nicht identifizierbarer indischer Gewürze auch einen Beutel voller Teebeutel (für meine Mitbewohnerin) und ein paar Päckchen Instantkaffee (für meinen Kuchen).

Als Häppchen
Als Häppchen

So, wie schmeckt denn nun unser Möhrchenkuchen? Sehr süß. Was ein Glück, dass ich den in so kleine Häppchen geschnitten habe. Denn in so kleinen Dosen und zu einem schönen Schwarztee ist der Kuchen super. Aber in größerer Menge ist das einfach elendig süß. Aber ansonsten ist auch die Konsistenz sehr angenehm. Das Fondant ist etwas angehärtet und klebt dadurch nicht mehr allzusehr und der Möhrchenbiskuit ist sehr schön saftig.

Auswärts Tee trinken (und auch was essen): Stecker’s Rathskonditorei Bremen

Vor vielleicht einem Jahr meinte meine Kuchenfreundin, mit der ich schon so einige leckere Kaffeehäuser und Konditoreien durchprobiert habe, dass sie in einem Buch über Dinge, die man in Bremen gemacht haben muss, von einem besonderen Kuchen gelesen hatte, den es wohl nur in einem bestimmten Café geben soll. Nun wusste sie weder welches Café noch welcher Kuchen das war. Beim Buch war sie sich auch nicht mehr ganz so sicher. Aber da im Bremer Stadtzentrum eh alles nah bei einander ist, sind wir einfach in die nächste Buchhandlung und blätterten so lange durch alle Bücher, die in Frage kamen, bis wir tatsächlich bei der Schneemustorte landeten. Diese Torte soll es wohl nur in der Rathskonditorei geben. Da wir ja wirklich nur diese Info brauchten, haben wir das Buch nicht gekauft. Und heute weiß ich natürlich nicht mehr, welches Buch das gewesen ist.

Afternoontea mit Assam und Schneemustorte
Afternoontea mit Assam und Schneemustorte

Während unsere Recherche ziemlich schnell ging, dauerte es bis zum eigentlichen Testessen eine gefühlte Ewigkeit. Mal war die Rathskonditorei zu, mal war da der kleine Freimarkt, mal vergaßen wir unser Vorhaben und landeten in anderen Cafés, mal sahen wir uns viel zu lange nicht und mal war es zu kalt für Eis. Aber dieses Mal klappte es tatsächlich! Das Wetter war warm genug und wir bekamen sogar gerade so noch einen Tisch! Kaum saßen wir, wurden wir beide ganz hibbelig, da wir bis auf den Namen der Torte nichts über sie wussten. Da das ja jetzt auch schon wieder ein Jahr her war, dass wir davon erfahren hatten, waren wir uns sogar nicht mal mehr sicher, ob es diese Torte nun wirklich in der Rathskonditorei gab. (Die laut des gleichen Buches angeblich teuerste öffentliche Toilette Bremens konnten wir nämlich auch nicht am beschriebenen Ort finden!). Aber als dann die Bedienung kam, bestellten wir ganz souverän zwei Schneemustorten. Und dann mussten wir uns zwischen Ananas und Erdbeere entscheiden. Wie praktisch, zwei unterschiedliche Schneemustorten zum Testen!

Schneemustorte: vorn Ananas, hinten Erdbeer
Schneemustorte: vorn Ananas, hinten Erdbeer

Zu meiner Schneemustorte bestellte ich einen Assam auf dem Stövchen, aber leider durfte die Bedienung das Stövchen nicht mit nach Draußen bringen. Mit meinem Assam war ich zufrieden (und das heißt wirklich was!). Klar, das war jetzt nicht der beste Assams meines Lebens, aber es gab jetzt auch nicht so viel zum Meckern. Sehr positiv, und das gefällt mir an der Nähe zu Ostfriesland so gut, fand ich, dass es automatisch Milch zum Tee gab. In anderen Gegenden bekomme ich bei meiner Frage nach Milch zum Tee neben komischen Blicken auch immer abgepackte Kondensmilch zugeworfen. KONDENSMILCH IST KEINE MILCH FÜR MEINEN TEE! Sorry, das musste ich einfach mal loswerden. Auch wenn ich geschmacklich zufrieden war, gibt es doch einen weiteren Kritikpunkt: der Preis. Wie kann es denn sein, dass ich für ein Kännchen, mit dem ich meine doch ziemlich kleine Tasse, gerade zwei Mal füllen kann 4,50 € kosten? Man mag jetzt meinen, dass das aufgrund der Zentrumsnähe und des Touristenfallenpotentials sein könnte. Aber in fast allen Kaffeehäusern und Konditoreien, die ich bisher mit meiner Kuchenfreundin durchprobiert hatte, gibt es Wahnsinnspreise für mäßig bis schlechten Tee. Ich werd das nie verstehen.

Assam mit Milch
Assam mit Milch

Was mich dann aber wieder sehr milde stimmte, war der Keks zum Tee. Da war doch tatsächlich der Dom draufgestempelt! Zuckersüß! Den hob ich mir sogar bis ganz zum Schluss auf.

Der Domkeks
Der Domkeks

Aber wie war denn jetzt eigentlich unsere Schneemustorte? Ich wählte Ananas, weil meine Kuchenfreundin Erdbeere wählte. Eines meiner ungeschriebenen Gesetze ist, dass ich nicht das Gleiche wähle wie meine Mitessenden. Das kann dann natürlich manchmal zu Wahlneid führen. Ein bisschen war das heute so. Erdbeere gewinnt bei mir in Deutschland immer gegen Ananas. In Taiwan würde das wahrscheinlich anders aussehen. Die Torte bestand aus einem Schokobaiserboden und einer Ananaseisschicht, die noch mit Sahnetupfen verziert war. Im Grunde also eine interessante Kombo, also vor allem der Schokobaiserboden, aber geschmacklich jetzt nicht so ganz der Brüller. Also die war nicht schlecht, nur eben nicht eine Torte, die ich aufgrund ihrer Raffinesse weiter empfehlen würde. Da wir aber auch nicht im Café drin waren, um die anderen Kuchen und Torten zu begutachten, kann ich nichts über die generelle Qualität der Backwaren sagen. Da es sich bei der Rathskonditorei aber um eine Zweigstelle von der Konditorei Stecker handelt, gehe ich davon aus, dass es richtig tolle Kuchen geben muss.

Blick von der Rathskonditorei aus
Blick von der Rathskonditorei aus

Insgesamt ist die Rathskonditorei aber wirklich ein hübsches Café mit einem sehr schönen Blick auf das Bremer Rathaus, den Roland, den Dom und die Bürgerschaft. Ich bin immer wieder begeistert, wie schön meine neue Wahlheimat ist. Ach, Bremen, du bist schon toll.