Bio Matcha Kirishima Premium von Miyabi

Seit unserem Japanurlaub bin ich dem Matcha voll und ganz verfallen. Das konnte man wahrscheinlich schon etwas erahnen, da es in letzter Zeit doch sehr matchalastig auf meinem Blog zugeht. Dabei bin ich diejenige, die den Matchahype so verurteilt. In Hinblick auf die Schwämme von schlechten und mittelmäßig, aber dennoch vollkommen überteuerten, Matcha hat sich meine Meinung keineswegs geändert. Allerdings habe ich für mich verstanden Matcha viel besser zu genießen. Zum einen liegt das an den Matchaerfahrungen in Japan, vor allem die private Matchasession in Aio. Auf der anderen Seite gibt es einen ganz banal scheinenden Grund: ich habe endlich vernünftige Matchaschalen! Und da ich meinen Minivorat aus Japan (20g Hoshino Matcha, den ich zwar fast täglich getrunken, aber nicht sehr ausführlich dokumentiert habe) so schnell leerte, habe ich mir nun auf die Fahne geschrieben weitere richtig leckere Matcha zu finden.

Den Anfang meiner neuen, etwas langwierigeren Testreihe macht der Bio Matcha Kirishima Premium von Miyabi. Dass ich mich für diesen Tee entschieden habe, war etwas mehr dem Zufall geschuldet. Denn für eine meiner japanischen Mitbringselkannen fehlte mir ein passender Henkel und mir gefiel einer der Bambushenkel bei Miyabi am besten. Und dann stöberte ich noch ein bisschen herum und fand den Matcha. Hmm. Also von der Beschreibung her hätte das echt jeder beliebige Tee aus Kirishima sein können. Aber Premium klingt gut. Und mein Hoshino Matcha ist alle. Ich brauch Nachschub. Hört sich so an als ob die Teesucht entschieden hat.

20170615_KirishimaMatcha1

Kaum war mein Stoff da, wurde probiert. Ich bereitete meinen Matcha wie gewohnt zu: 1 Bambuslöffelchen Matcha, ein Abkühlschälchen voll Wasser (ca. 65ml, 80°C) und schlug fleißig Schaum. Ein Schluck und ich war enttäuscht. Der Kirishima Matcha war nicht so schön gemüsig, süßlich, rund wie der Hoshino Matcha, sondern hauptsächlich bitter. Na toll, seit langem mal bei einem deutschen Händler Matcha gekauft und schon enttäuscht! Aber ich hatte ja nun 40g von dem Matcha bestellt. Also gab ich dem Kirishima Matcha eine weitere Chance. Streng genommen, ganz viele.

Da ich schon bei anderen Tees gelernt habe, dass der erste Eindruck auch täuschen kann, beschloss ich mein tägliches Matcharitual wie gewohnt fortzusetzen, aber hier und da die Parameter zu ändern. Den Anfang machten die unterschiedlichen Schalen. Mittlerweile bin ich stolze Besitzerin von 4 Matchaschalen (v.o.l.n.u.r.): eine Schale aus Karatsu (唐津), eine Sommerchawan aus Hagi (), eine Winterchawan aus Hagi, und meine westliche Rakuschale. Und tatsächlich schmeckt der Matcha in den unterschiedlichen Schalen anders. Meinen ersten Wow-Moment mit dem Kirishima Matcha hatte ich in der Winterhagischale. Einen weiteren erstaunlicherweise in der Rakuschale.

Aber die richtige Schale allein schien nicht genug. Also konsultierte ich meine japanischen Teebücher hinsichtlich der Dosierung. Und siehe da, es gibt tatsächlich Unterschiede in der eher bei deutschen Händlern verbreiteten Dosierungsanweisung und der japanischen. Laut japanischer Bücher sollten es 2g (ca. 2-3 Matchalöffel) Matcha auf 60ml 80°C Wasser sein. Ich war zunächst skeptisch, da der Matcha ja schon mit ca. 1g so bitter geworden ist. Aber kaum nahm ich einen Schluck vom japanisch zubereiteten Matcha und schon war ich begeistert! Seitdem beträgt meine tägliche Dosis zwei üppige Bambuslöffel Matcha.

Nun weiß ich nicht mehr genau ab wann ich die Dosierung erhöht habe, aber immer mal, wenn mir der Matcha nicht so 100% zusagen wollte, wandelte ich ihn kurzerhand zum Matcha Latte um. Mal mit warmer Milch, mal mit kalter Milch, aber groß waren die Unterschiede dabei nicht. Denn lecker war der Matcha Latte immer!

Als ich dann doch so langsam meinen Kirishima Matcha liebgewonnen hatte, beschloss ich ihn auf die Härteprobe zu stellen: Koicha. Das ist extra dick angerührter Matcha (4g auf 40ml). Allerdings fehlt mir zur richtigen Herstellung ein eigens für Koicha gebräuchlicher Bambusbesen mit dickeren und weniger Borsten, sodass ich ganz vorsichtig mit meinem 100er Besen hin- und herstrich. Voller Spannung nahm ich dann den ersten Schluck und musste feststellen, dass dieser Matcha leider nicht für Koicha geeignet ist. Nun kann es daran liegen, dass der Tee schon zu lange auf war (immerhin aber noch nicht mal einen Monat) oder ich bei der Zubereitung von Koicha einfach noch nicht genug Erfahrungen habe. Aber eines war schnell klar, das war der beste Matcha Latte aus der ganzen Kirishima Matcha Testreihe!

Auf einen Blick:

Bio Matcha Kirishima Premium
Herkunftsort: Kirishima, Kagoshima, Japan
Erntezeitpunkt: ?
Kultivar: ?
Typ: Matcha
Bio-Zertifikat: Ja
Preis (€/40g): 36,95 €

Vergessene Tees: Fushou Lishan Hochgebirgsoolong (福壽梨山茶)

Als ich für eine Teeveranstaltung für Slow Food Bremen meine Tees zusammen suchte, ging ich sämtliche meiner Teelager durch. Insgesamt habe ich nur zwei davon, eins mit geöffneten Tees, eins mit ungeöffneten Tees. Aber jedes dieser Teelager kann noch weiter unterteilt werden in Tees, von denen ich genau weiß, dass sie existieren und solche, die ich längst vergessen habe. Letztere sollen jetzt in meiner neuen losen Serie „Vergessene Tees“ ihre Chance auf die Rückkehr in mein Gedächtnis bekommen. Es handelt sich also nicht um seltene Teesorten oder besondere Raritäten, sondern ganz einfach Tees, die mir seit einiger Zeit wieder mal in die Hand und dann in die Teekanne gefallen sind.

Den Anfang dieser Reihe macht ein Hochgebirgsoolong. Als ich die Packung in der Hand hielt, dachte ich zunächst das wären noch die Überreste eines mit Ginseng aromatisierten Oolongs von 2009. Aber die Beschriftung sagte klar 梨山茶 (Lishan Tee). Und prompt fiel mir wieder ein, wie ich in den Besitz diesen Tees gekommen bin. Bei meiner Reise nach Taiwan 2015, überredete mich mein Teelehrer dazu, doch mal diesen Hochgebirgsoolong zu probieren. Kaum hatte er Hochgebirgsoolong gesagt, klingelten bei mir schon die Alarmglocken (so wie beim Dong Ding auch). Denn seit ich die Umweltschäden durch den Teeanbau auf Alishan mit eigenen Augen gesehen habe, weigere ich mich Tee von dort zu trinken. Mein Teelehrer merkte das und versicherte mir, dass das im Gebiet des Lishan nicht so sei. Zwar klingen Alishan und Lishan sehr ähnlich, doch während Alishan in der Region Chiayi (Süden) liegt, liegt der Lishan in Taichung (Mitte). Und überhaupt ist der nicht mit einem Alishanhochgebirgstee zu vergleichen.

20170117_lishan1Das trockene Blatt besteht aus ziemlich großen Kügelchen, die schon von der Farbe einen eher grünen Oolong erwarten lassen. An diesem Punkt der Wiederentdeckung meines vergessenen Tees wurde ich etwas skeptisch. Ob das was wird mit mir und dem Lishanoolong? Hinzu kam auch die Frage nach dem passenden Teegeschirr. Da ich so gut wie keine Hochgebirgsoolongs trinke, habe ich dafür auch nicht sofort ein Aufgussgefäß parat. Aber hey, probieren wir es doch mal mit dem Tongaiwan. Der hat in letzter Zeit wenig Tee gesehen.20170117_lishan220170117_lishan4Insgesamt war die Entscheidung für den Tongaiwan auch echt gut. Der Tee wurde ganz wunderbar! Ich war regelrecht begeistert. Nix da mit federleichtem Hochgebirgstee, der hatte richtig Wumms! Allerdings kann das auch an der Menge der Teeblätter gelegen haben. Denn aufgrund der Kügelchen habe ich mich dermaßen verschätzt, dass schon nach zwei Aufgüssen mein Gaiwan fast nur noch mit Teeblättern gefüllt war. Nichtsdestotrotz war eine gewisse Frische und Blumigkeit vorhanden.

20170117_lishan6

Dann war da aber auch noch diese angenehme Herbe, die mich schon beim Trinken dazu inspirierte Teegelee machen zu wollen. Bisher hatte ich schon einmal Jinxuanteegelee gemacht. Aber Lishanteegelee war noch besser. Wenn sich meine Erinnerung an den Jinxuan überhaupt damit vergleichen lässt.20170117_lishan7

Auf einen Blick:

Fushou Lishan Hochgebirgstee
Herkunftsort: Fushou Shan, Taichung, Taiwan
Erntezeitpunkt: 2015
Kultivar: Qingxin Oolong (?)
Typ: leicht fermentierter, nicht gerösteter Oolong
Bio-Zertifikat: nein
Preis (€/1oog): k.A.

Bi Tan Piao Xue von die Kunst des Tees

Jetzt im Sommer trinke ich vermehrt gerne Grüntee. Oft sind das japanische Grüntees, da die meiner Meinung immer noch ein bisschen frischer als chinesische Grüntees schmecken. Aber da ich noch eine Teeprobe eines Grüntees von die Kunst des Tees in meiner Teekiste fand (und ich auch mal eine Abwechslung von all den Matcha- und Senchaexperimenten brauchte), dachte ich mir, dass es doch auch ruhig mal ein chinesischer Grüntee sein kann. Voller Vorfreude öffnete ich das kleine goldene Tütchen, denn Bi Tan Piao Xue kannte ich als Tee bisher nicht. Hätte ich mich mal vorher etwas schlau gemacht. Dann hätte ich gewusst, dass es sich um einen Jasmintee handelt. Hm.

20160704_BiTanPiaoXue1
Trockenes Blatt

Ich bin ganz ehrlich: Jasmintee gehört für mich in die Kategorie „Tees, die ich nicht trinke„. Aus einem ganz einfachen Grund: es handelt sich um aromatisierten Tee. Allerdings sind an Jasmintee auch Erinnerungen geknüpft. Denn schon allein beim Duft von Jasmintee muss ich an mein erstes Mal in Beijing denken. Irgendwie gab es da überall Jasmintee. Und ich kaufte auch für meine Mama als Souvenir Jasmintee. Wahrscheinlich kauft jeder, der das erste Mal in China ist Jasmintee, weil der vor Ort einfach so viel besser schmeckt als jeder Tee, den man zuvor in Deutschland getrunken hatte. Ja, das hat vor 9 Jahren wahrscheinlich gepasst. Aber mittlerweile bin ich dem Jasmintee entwachsen und kein großer Fan mehr. Erstens schmeckt man oft den eigentlichen Tee kaum, da alles nach Jasminblüte schmeckt und zweitens sorgt genau dieser Jasminblütengeschmack für einen seifigen Geschmack.

20160704_BiTanPiaoXue3
Verwendetes Teegeschirr

Aber hey, jetzt ist die Packung aufgerissen und außerdem hatte ich bisher auch nur positive Erfahrungen mit den Tees von die Kunst des Tees. Also gab ich dem Bi Tan Piao Xue eine Chance. Aber in welche Kanne sollte er? Tonkannen und unglasierte Keramikkannen fielen sofort raus, da ich darin nur unaromatisierte Tees aufbrühe. Also blieben im Grunde nur noch Porzellan und Glas übrig. Es wurde dann die Reiskörnerporzellankanne, da die mich vom Stil her auch an meine Beijingjasminteetage erinnert.

20160704_BiTanPiaoXue4
Aufgüsse 1 bis 3

Joah. So schön der Tee auch vom Blatt her, trocken wie auch aufgegossen, ist, ich bin einfach kein Jasminteefan. Ich hab meine Tässchen zwar brav ausgetrunken, aber so richtig zufrieden war ich nicht. Und auch mein Monsieur meinte schon nach dem zweiten Schluck, dass es ihm zu seifig sei.

20160704_BiTanPiaoXue5
Aufgegossenes Blatt

Auf einen Blick:

Bi Tan Piao Xue:
Herkunftsort: Fujian, China
Erntezeitpunkt: ?
Kultivar: ?
Typ: aromatisierter Grüntee
Bio-Zertifikat: nein
Preis (€/1oog): 13,50 €