Teetour durch Berlin

Nach langer Zeit stand mal wieder Berlin auf dem Plan. Ursprünglich war ein anderes Teeevent geplant, aber da das ausfiel, plante meine liebe Teefreundin eine Teetour durch Berlin für uns. Einen ganzen Samstag. Tee bis zum Umfallen. Es war ein Traum!

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Um gut gestärkt das Teetrinken zu beginnen, starteten wir mit einem Frühstück im Spreegold. Leider war ich zu beschäftigt und hungrig, um Fotos vom Essen zu machen, auch wenn dieses wirklich sehr lecker war. Zu meinem English Breakfast trank ich einen Green Mango Ice Tea, der Monsieur wählte einen Black Lemon Ice Tea, und meine Teefreundin trank den ersten von insgesamt 4 Matcha Latte, die wir an diesem Tag noch bestellen würden. Das Essen war hervorragend, die Tees alle so naja. Die Eistees waren mit Teebeuteln und irgendwie schmeckten alle Tees nicht besonders stark nach Tee. Aber das macht nichts, schließlich war das Spreegold noch nicht offiziell teil unserer Teetour.

Paper & Tea

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Damit das Oolongchen ein bisschen schlafen konnte, liefen wir vom Spreegold gemütlich zu Paper & Tea. Wer noch ein bisschen Zeit hat, kann auf dem Weg dahin auch noch einen Abstecher ins Tee & Ton machen, oder beim Pan (philippinisches Restaurant) vorbeischauen. Wir kamen auch noch an einer Filiale der Biocompany vorbei, wo ich den Raw Kombucha von ManuTeeFaktur kaufen wollte. Leider, leider war der aber schon alle.

Bei Paper & Tea angekommen, durften wir gleich einen sehr spannenden weißen Tee verkosten: Chikondi Beads aus Malawi. Zum Einen wusste ich bis dahin nicht einmal, dass es afrikanischen weißen Tee gibt, zum Anderen fand ich die zu Kokons gerollten Teeblätter unglaublich faszinierend. Allerdings wollte dieser Tee meine Begeisterung über das Äußere nicht geschmacklich fortführen. Irgendwie kam der nicht so ganz durch. Also, er war auf jeden Fall angenehm und nicht so typisch weißteemuffig, aber so richtig wumms hat es auch nicht gemacht. Ich habe trotzdem hin und her überlegt, ob ich etwas davon mit nach Hause nehmen sollte, da ich nach wie vor die Form der trockenen Teeblätter so schön fand. Als sich das Blatt dann aber auch nach dem dritten Aufguss nicht entrollen wollte, war ich enttäuscht und entschied mich gegen einen Kauf. Überhaupt habe ich noch viel zu viel Tee zu Hause, sodass ich mir als Ziel für die Teetour gesetzt habe: ganz viel Tee trinken, aber nichts mit nach Hause nehmen. Deswegen holte ich mir beim Rausgehen noch eine Matchalimo. Und die musste natürlich gleich probiert werden. Die Zitrone schmeckte ich sofort raus, den Matcha irgendwie ganz wenig. Dabei war die Limo so richtig schön dunkelgrün. Meine Teefreundin fand die Limo super, nur der Monsieur und ich hätten gern noch mehr Matcha geschmeckt. Vielleicht sind unsere Gaumen noch an Japan gewöhnt.

Mamecha

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Vom Paper & Tea ist es nur ein Katzensprung zum Mamecha. Aber wir haben uns auf dem Weg zum Paper & Tea und auch darin so viel Zeit gelassen, dass es schon wieder Mittag war und wir tatsächlich auch Hunger verspürten, als wir das Mamecha betraten. Gut, vorher stöberten wir noch kurz durch den kleinen aber feinen Laden neben dem Restaurant, wo es wirklich allerlei Niedliches aus Japan gibt. Aber auch davon haben wir aus Japan eine Menge mitgebracht. Also, rüber zum Teetrinken und essen. Meine Teefreundin und ich teilten uns eine Kanne Fukamushi (stark gedämpft) Sencha, der sogar mit einer Anleitung für die weiteren Aufgüsse kam. Wirklich sehr schöner Tee. knallegrün und lecker. Ebenso kommt der zweite Matcha Latte des Tages daher. Und auch das Essen, wir hatten japanisches Curry und ein vegetarisches Bento, war super. Pappsatt und sehr zufrieden ging es dann erst einmal auf den Spielplatz gegenüber.

Nannuoshan

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Und dann schlenderten wir gemütlich zum Nannuoshan, ein Teehaus, das wirklich schon lange auf meiner To-Do-Liste stand. Auf dem Weg dahin kamen wir an noch zwei weiteren Teeorten vorbei: 1. dem Chen Che Teehaus, in welches wir nur reinlugten, da wir ja einen straffen Plan hatten, welches aber wirklich ein schönes Ambiente versprach, und 2. der inoffiziellen Botschaft Taiwans, der Bubbletealaden Come Buy. Nur verspürte ich keinerlei Verlangen nach Bubbletea, da ich seit meinem letzten Besuch feststellen musste, dass mein selbstgemachter Bubbletea wirklich um einiges besser schmeckt.

Nachdem wir erst in ein paar andere Höfe lugten und kein Teehaus entdeckten, landetetn wir dann doch in den Heckmann-Höfen, wo ich tatsächlich schon einmal vor fast 10 Jahren während eines Schulausflugs zur Neuen Synagoge, war. Allerdings gab es da das Nannuoshan noch nicht. Und meine Teeliebe steckte noch in Babyschühchen. Auf jeden Fall war das Nannuoshan für mich Liebe auf den ersten Blick: sehr simplistisch eingerichtet mit weißen Teebehältern, die chinesisch beschriftet waren. Und wie ich mich freute, was ich da lesen konnte! Klassiker der chinesischen Teekultur, ergänzt um ein paar Taiwanoolongs und japanische Grüntees. Die Begeisterung ging dann weiter, als die Teekarte zum Vorortgenießen auch die Möglichkeit der Gong-Fu-Zubereitung enthielt. Also bestellten wir einen gelben Tee, den Meng Ding Huang Cha, da ich bisher so selten die Gelegenheit hatte überhaupt gelbe Tees zu trinken, und gongfuten fröhlich auf dem kleinen Bambustischchen vor uns hin. Leider konnte der Tee mich nicht so ganz begeistern und ich ärgerte mich ein bisschen, dass ich nicht einen anderen Tee gewählt hatte. Aber als Ausgleich kaufte ich einige Teeproben (jaja, viel trinken, nichts mitnehmen, ich weiß). Da es als Tagesangebot unter anderem auch einen Matcha Latte gab (der dritte für uns), konnte mein Monsieur nicht wiederstehen. Allerdings war dieser mit Sojamilch und der Sojageschmack doch etwas sehr präsent. All das konnte allerdings nicht meine Freude, ein Stückchen chinesisches Teehaus in Deutschland gefunden zu haben, nehmen. Ich komme auf jeden Fall wieder!

Macha Macha

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Obwohl wir schon nach dem Nannuoshan ordentlich einen im Tee hatten, entschieden wir uns noch einen letzten Abstecher ins Macha Macha zu machen. Das ist zwar etwas abseits der anderen Teeorte gelegen, aber einfach mit der U8 vom Rosenthaler Platz aus zu erreichen, da es ziemlich nah an der U-Bahnhaltestelle Hermannplatz gelegen ist.

Das Wetter war zwar richtig schön, und somit die Außenterrasse bei unserem Eintreffen gut besucht, wir wählten allerdings den geräumigen Tatamiraum weil das die einfachste Lösung mit Kind war. Dachten wir. Denn das Oolongchen entdeckte ganz schnell die Kieselsteine am Fenster und dass die prima in die Schlitze der Lüftungsrinne davor passen. Wir waren also den Rest der Zeit damit beschäftigt, das kleine Sturköpfchen von den Steinen fernzuhalten. Trotzdem schafften wir es so einiges von der Karte zu probieren: Matcha Cheesecake, Matcha Bier, Matcha Latte (der vierte!), Schokoladentrio, Sencha mit Yuzu, und eine Schale Matcha pur. Ich selbst hatte das Schokoladentrio und die Schale Matcha pur. Ich wählte bewusst den teuersten Matcha (8,50 € für eine Schale) und fand den richtig lecker aber nicht megahammerobergeil. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch. Aber die Schokolade (von nazuna) war super! Die Geschmacksrichtungen waren dunkle Schokolade mit Yuzu, Vollmilch mit Sesam und weiße Schokolade mit Matcha. Die Sesamschokolade war etwas langweilig vom Geschmack her, aber die Yuzuschokolade haute mich komplett um, wobei die Matchaschokolade dicht gefolgt einen guten zweiten Platz belegte. Am Matchabier vom Monsieur konnte ich auch nippen, da es sich um alkoholfreies Bier handelte. Das war zwar richtig schön matchagrün, aber geschmacklich siegte eher das alkoholfreie Weizen. Schade. Auch der Cheesecake hatte ein ähnliches Los: supercheesecakig und schön grün, aber geschmacklich war der Matcha irgendwie im Hintergrund. Matcha Latte konnte ich am Ende des Tages eigentlich nicht mehr sehen, wobei ich ja keinen einzigen bestellt hatte, und nahm auch nur des Tests wegen ein Schlückchen. Joah, wieder Sojamilch. Da knabberte ich lieber genüsslich an meiner Schokolade. Minibiss für Minibiss. Und dann mussten wir das Macha Macha leider fluchtartig verlassen weil das Oolongchen einfach müde war und raus wollte. Nach der Teetour auch kein Wunder. Eigentlich waren wir alle ziemlich platt. Und so glücklich! Ich konnte am Abend sogar ohne Probleme einschlafen!

Damit die Tour noch etwas besser nachzuverfolgen ist, habe ich alle Orte, die wir besucht und gestreift haben mal markiert.

Falls jemand noch andere tolle Teeorte in Berlin kennt, immer her damit. Ein nächstes Mal gibt’s bestimmt.

Private Matchasession in Aio (秋穂)

Nach dem Besuch der Teeplantage in Ono, fragten unsere Begleitungen was wir noch machen wollten. Da wir keine Ahnung hatten, was es noch so Schönes in der Gegend gibt, zuckten wir mit den Schultern. Dann fragten sie, ob wir schon das Onsen-Hotel auf dem Berg in Aio kannten, von wo aus es eine super Sicht auf die Bucht gibt. Ja, da waren wir mit unserem Gastgeber schon. Auch im Onsen? Nein, noch nicht. Habt ihr Interesse an Onsen? Ein vorsichtiges „Ja“ von unserer Seite. Japanisches Gemurmel vorne im Auto, deutsches Gemurmel hinten im Auto: „Meinst du, ich hätte ’nein‘ sagen sollen? Fahren wir jetzt etwa zum Onsen? Ich hab ja generell Interesse daran, aber gerade jetzt wäre schon irgendwie unpassend. Ist das der Weg, den wir letztens zum Hotel gefahren sind? Das sieht ganz so aus. Ich glaub wir fahren wirklich zum Hotel. Oh Gott. Sicher? Soll ich vielleicht noch mal sagen, dass es jetzt ungünstig ist? Aber das ist vielleicht unhöflich… Und dann bogen wir in eine Hauseinfahrt ein. Jetzt gibt es Tee bei einer der Begleitungen zu Hause, denn ihr Mann ist Teelehrer. Erleichterung und Freude.

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Higashi

Schon auf dem Weg in die Küche kamen wir an einem Regal voll mit Matchaschalen vorbei. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, dass es sich zum Großteil um Hagikeramik handelte. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs in Aio waren wir noch nicht in Hagi gewesen, hatten das aber schon als Tagesausflug für die kommenden Tage geplant.

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Konpeito

In der Küche angekommen, sahen wir schon alle benötigten Sachen für die Matchazubereitung bereit stehen. Kaum saßen wir, wurde uns etwas Süßes (erst Higashi, dann Konpeito) gegeben, das wir vor dem Matcha essen sollten, damit der Geschmack des Matchas noch etwas gehoben wird. Aber ich wollte unbedingt zuschauen, wie der Teelehrer persönlich für uns den Matcha aufschlug, um eventuell ein paar Tricks zum perfekt aufgeschlagenen Matcha zu erhaschen. Es ging allerdings so schnell, da konnte ich mir nur sehr wenig abgucken.

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Matcha

Am Tisch stellte unsere Begleitung dann ihren Mann genauer vor: Er unterrichtet schon seit vielen Jahren die japanische Teezeremonie. Heute unterrichtet er vor allem Bewohner in Altenheimen, da die rituelle Teezubereitung positive Wirkung auf altersbedingte Krankheiten, wie z.B. Demenz, hätte. Das kann ich mir durchaus vorstellen und finde das ein wirklich schönes soziales Engagement. In Deutschland wäre das allerdings wohl nicht so leicht 1:1 umsetzbar, da die kulturelle Verankerung zum Tee doch sehr gering ist. Möglicherweise würde das mit der Ostfriesischen Teekultur funktionieren.

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Winterchawan aus Rakukeramik

Aber zurück zum Matcha: Als erstes bekamen wir eine ziemlich dicke schwarze Rakuschale gereicht, die wir vor dem ersten Schluck erst einmal begutachteten und bewunderten. Dabei erklärte uns der Teelehrer, dass es sich hierbei um eine Winterchawan handelt, da die Schale besonders dick und hochwandig war, was die Wärme im Winter gut hält.

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Sommerchawan

Als nächstes wurde uns eine Sommerchawan gereicht, um zu vergleichen wie sich derselbe Matcha in unterschiedlichen Schalen verhält. Insgesamt hatten wir zwei unterschiedliche Sommerchawan im Test: zuerst die gläserne Schale aus dem Beitragsbild, dann die sehr flache Keramikschale aus dem letzten Bild. Tatsächlich schmeckte der Matcha in den Sommerchawan wesentlich leichter als in der Winterchawan, was wahrscheinlich auch damit zu tun hat, dass der Matcha in den Sommerchawan wesentlich schneller abkühlen kann. Spannend fand ich auch die gläserne Matchaschale, da ich so etwas bisher noch nicht gesehen hatte. Allerdings fand ich den Matcha darin nicht so ausdrucksstark.

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Unterschiedliche Chawan aus Hagikeramik

Nach dem Matcha begann der Teelehrer uns die unterschiedlichsten Matchaschalen vorzustellen. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, welche der Schalen von welchem Künstler geschaffen wurde. Aber es war sehr interessant nicht nur mehr über Hagikeramik generell zu lernen, sondern diese gleichzeitig auch mit anderer japanischer Keramik zu kontrastieren. Noch vor der Reise hatte ich in dem Wikipediartikel über Hagikeramik gelesen, dass die Top 3 der wichtigsten Teekeramikorte Japans in dem Satz 一楽二萩三唐津 „Raku first, Hagi second, Karatsu third“ zusammengefasst werden können. Doch bis zum Treffen mit dem Teelehrer hatte ich nicht die Möglichkeit praktische Erfahrung mit diesem Satz zu verbinden. Was mich seitdem auch umso mehr beschäftigt ist die Frage nach der Authentizität von Rakukeramik, wie sie z.B. auf Dawanda schon sehr zahlreich angeboten wird. Handelt es sich um Rakukeramik, wenn diese gar nicht an dem Ort der Bezeichnung hergestellt wird? Immerhin scheint Hagikeramik ziemlich an den Ort gebunden zu sein.

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Chabako für die Teezeremonie unterwegs

Es schien als hätte der Teelehrer viel Freude daran uns seine wirklich schönen Teeutensilien zu zeigen. Denn immer wieder verschwand er kurz, um noch einen Schatz hervorzubringen. Meist waren diese Schätze in Kisten verpackt. Als er dann eine schwarze Kiste brachte, ahnte ich noch nicht, dass es sich um ein Chabako (Reiseteeset) handeln würde. Stolz packte er es Stück für Stück aus und erklärte die Funktion eines jeden Utensils. Dabei war ich überrascht, wie viele der Utensilien ich schon auf Japanisch benennen konnte!

Was sich im Chabako befindet:

  • Chashaku (茶杓): Bambuslöffel
  • Chawan (茶碗): Matchaschale
  • Natsume (棗): Matchabehälter
  • Chasen (茶筅): Bambusbesen
  • Chakin (茶巾): Tuch zum Reinigen
  • Furidashi (振出): Behälter für Konpeito
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Inhalt der Chabako

Auch wenn das Treffen mit dem Teelehrer zeitlich sehr knapp bemessen war, lernte ich doch so einige neue Sachen kennen. Nicht nur über japanische Keramik, saisonal unterschiedliche Teeschalen, sondern auch etwas japanische Teephilosophie. Während ich in Taiwan von meinem Teelehrer lernte „Das Wichtigste ist der Tee“, meinte dieser Teelehrer „Das Wichtigste sind die Menschen, die den Tee trinken“. Als Begründung für das taiwanesische Credo meinte er, dass taiwanesischer Tee so aufwendig und teuer sei, dass man ihn so wichtig nehmen müsse. So ganz sicher bin ich mir noch nicht, ob das eine schlüssige Begründung ist. Aber was ich für mich gelernt habe ist, dass ich wohl nicht ein Teedenken auf alle Tees anwenden kann: japanische Teegedanken sind für japanischen Tee passender, während chinesische Teegedanken für chinesische Tees passender sind, und taiwanesische Teegedanken für taiwanesischen Tee passender sind. Ein weiterer, auf der einen Seite banaler auf der anderen Seite bahnbrechender, Punkt, den ich gelernt habe, ist die Multifunktionalität von Teegeschirr. Matchaschalen sind nicht auf Matcha begrenzt. Man kann sie auch für Suppen verwenden. Oder Salate. Oder was auch immer man gerne in einer Schale essen oder servieren möchte. Zwar habe ich meine Matchaschale schon vor der Japanreise für Tieguanyin „missbraucht“, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen je etwas anderes als Tee hineinzufüllen. Bisher habe ich mich auch noch nicht getraut. Aber immerhin wurden meine Augen jetzt dafür geöffnet.

 

 

Teeplantage Onocha (小野茶)

Der eigentliche Plan für den Japanurlaub war auf einer Farm zu helfen, die wohl auch Teesträucher hätte. Gut, dass wir genau zur Shinchasaison nach Japan fahren würden. Dann könnte ich endlich einmal von Anfang an dabei sein und auch mal selbst Tee pflücken und alle Schritte bis zum fertigen Tee erleben. Ihr merkt schon: hätte, würde, könnte. Es sollte nicht sein. Unsere „Farm“ war noch keine und Teesträucher waren noch ziemlich weit entfernte Zukunftsmusik. Natürlich war auch längst noch keine Shinchasaison da der Winter dieses Jahr etwas länger als sonst dauerte. Ich war schon leicht verzweifelt. Aber dann änderten wir alle unsere Reisepläne, landeten bei tollen Gastgebern und lernten durch diese die richtigen Leute kennen, sodass ich letztendlich doch noch eine Teeplantage besuchen konnte!

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Die beiden Damen, die uns nach Ono brachten, lernten wir bei einer Testpilgerfahrt für internationale Teilnehmer kennen. Was auf den ersten Blick ziemlich seltsam klingt, war eigentlich sehr spannend und lehrreich: Es gibt in Japan mehrere buddhistische Pilgerwege, wovon der berühmteste der 88-Tempel-Weg auf Shikoku ist. Von diesem Pilgerweg gibt es wiederum so einige Kopien, wovon der 33-Tempel-Weg in Chûgoku eine ist. Manche der Tempel vom Chûgoku-Pilgerweg sind auch in Yamaguchi gelegen, was unsere Gastgeberin ins Spiel bringt. Denn sie ist für die Bekanntmachung dieser Pilgerreise in der Region zuständig und hat deswegen zusammen mit ihren Kollegen eine Testpilgerfahrt für internationale Teilnehmer organisiert. Grundgedanke dabei ist, in einem kleineren Rahmen den Ablauf dieser traditionellen Pilgerreise kennen zu lernen. Geführt von einem ziemlich jungen buddhistischen Mönch, besuchten wir 4 Tempel, klingelten dort mit Glöckchen, tranken etwas Tee und bekamen etwas zu essen.

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Außerdem kann man sich während so einer kleinen Wanderung ganz wunderbar unterhalten. Da die Veranstaltung ja für internationale Leute war, ging das auch mit sehr beschränkten Japanischkenntnissen ohne größere Probleme. Mit einer unserer beiden Teeführerinnen unterhielt ich mich sehr nett und erzählte ihr von meinem Interesse an Tee. Da wurde sie ganz aufgeregt, holte eine andere ältere Dame herbei und erzählte, dass diese die japanische Teezeremonie unterrichte. Und ob wir denn schon Tee aus Ono probiert hätten? Und ob wir nächste Woche Zeit hätten mit ihr gemeinsam nach Ono zu fahren, um uns die Teegärten anzuschauen. Da wir unsere Reisepläne eh gerade neu schmieden mussten, sagten wir kurzerhand zu und hatten ein Teegartendate. Übrigens führte diese Abmachung erst zur Kawarasobaparty, da unsere Gastgeber die beiden älteren Damen gar nicht kannten, sich aber mit ihnen absprechen mussten, da wir uns nur sehr notdürftig verständigen konnten.

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Aber die Verabredung stand und ich freute mich wie irre! Den Tag vor unserem Teeausflug erklärte uns unsere Gastgeberin auch noch, dass wir einen Promoter der Teeregion Ono kennenlernen würden, der uns den Garten zeigt und sämtliche Fragen beantworten kann. Also quetschten wir uns zu fünft (vier Erwachsene und das Oolongchen) in einen ziemlich kleinen Wagen und fuhren eine gute Stunde durch die weiten Yamaguchis.

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Beim Teegarten angekommen, fuhren wir auf eine kleine Anhöhe wo der Teepromoter schon auf uns wartete. Kaum waren wir aus dem Auto ausgestiegen und hatten uns alle gegenseitig begrüßt und mehrmals verbeugt, bekamen wir eine Tüte voll Geschenke in die Hand gedrückt. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet! Es gab kalten Onocha in Flaschen für alle zum Trinken, eine Teekanne mit passenden Tässchen, eine Packung Onocha und ein Teebuch! Erst als wir das alles bestaunt hatten, wandten wir uns den Teebüschen zu.

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Was mir als erstes auffiel, im Vergleich zu den von mir gewohnten taiwanesischen Teegärten, ist die Abwesenheit von jeglicher anderer Vegetation. Es gibt weit und breit nur Teebüsche, die in langen Reihen heckenähnlich verlaufen. In Taiwan waren die einzelnen Büsche oft noch gut zu erkennen, oft wurden die Büsche nicht getrimmt und außerdem waren die einzelnen Gärten wesentlich kleiner, sodass es zumindest andere Bäume als Abgrenzung zum Nachbarfeld gab. Während ich so darüber nachdachte, erzählte unser Teepromoter, dass die Büsche alle 7 Jahre ausgetauscht werden müssen, da sie sonst nicht genug Ertrag bringen. Außerdem müssen sie ordentlich mit Nitrat gedüngt werden, weil der Boden durch diese Monokulturen so ausgelaugt ist. Deswegen sei da auch kein Biotee möglich. Hmm. Außerdem wird ausschließlich ein Kultivar verwendet: Yabukita. Laut eines meiner japanischen Teebücher (die ich auch noch irgendwann vorstellen muss) macht Yabukita einen Anteil von 75% der Teesträucher in Japan aus. Was ich in Taiwan auch noch nie in Teegärten gesehen hab sind solche Ventilatoren. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass die die Teebüsche vor Frost schützen sollen.

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Weil ich aufgrund der Auswahl bei meinem Lieblingsonlineshop für japanische Biotees (ich werde für die Werbung nicht bezahlt und schwärme aus komplett freien Stücken) so eine große Vielfalt hinsichtlich der Herkunft, aber auch der Kultivare und Herstellungsverfahren, kennengelernt habe, hatte ich wahrscheinlich viel zu hohe Erwartungen an die doch eher unbekannte Teeanbauregion Ono. Diese Ernüchterung, dass es sich hierbei wahrscheinlich um ganz simplen konventionellen Massentee handelt, hat auch dazu geführt, dass ich mich noch nicht getraut habe den geschenkten Onocha zu probieren. Aber das kommt noch. Versprochen.

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Eine kleine Wiedergutmachung war jedoch die Erlaubnis, selbst Tee zu pflücken. Wir durften die zarten hellgrünen Triebe noch vor der Shinchaernte pflücken! Es hat richtig Spaß gemacht, aber irgendwie hatte ich gedacht, dass wir schon viel mehr Tee zusammen gehabt hätten als dann wirklich im Beutel war. Den Beutel nahm eine unserer Begleiterinnen mit und ich fragte mich schon was sie mit dem Tee vorhatte. Aber später am Tag sollten wir noch ihren Mann kennenlernen, der ein Teelehrer ist.