Private Matchasession in Aio (秋穂)

Nach dem Besuch der Teeplantage in Ono, fragten unsere Begleitungen was wir noch machen wollten. Da wir keine Ahnung hatten, was es noch so Schönes in der Gegend gibt, zuckten wir mit den Schultern. Dann fragten sie, ob wir schon das Onsen-Hotel auf dem Berg in Aio kannten, von wo aus es eine super Sicht auf die Bucht gibt. Ja, da waren wir mit unserem Gastgeber schon. Auch im Onsen? Nein, noch nicht. Habt ihr Interesse an Onsen? Ein vorsichtiges „Ja“ von unserer Seite. Japanisches Gemurmel vorne im Auto, deutsches Gemurmel hinten im Auto: „Meinst du, ich hätte ’nein‘ sagen sollen? Fahren wir jetzt etwa zum Onsen? Ich hab ja generell Interesse daran, aber gerade jetzt wäre schon irgendwie unpassend. Ist das der Weg, den wir letztens zum Hotel gefahren sind? Das sieht ganz so aus. Ich glaub wir fahren wirklich zum Hotel. Oh Gott. Sicher? Soll ich vielleicht noch mal sagen, dass es jetzt ungünstig ist? Aber das ist vielleicht unhöflich… Und dann bogen wir in eine Hauseinfahrt ein. Jetzt gibt es Tee bei einer der Begleitungen zu Hause, denn ihr Mann ist Teelehrer. Erleichterung und Freude.

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Higashi

Schon auf dem Weg in die Küche kamen wir an einem Regal voll mit Matchaschalen vorbei. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, dass es sich zum Großteil um Hagikeramik handelte. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs in Aio waren wir noch nicht in Hagi gewesen, hatten das aber schon als Tagesausflug für die kommenden Tage geplant.

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Konpeito

In der Küche angekommen, sahen wir schon alle benötigten Sachen für die Matchazubereitung bereit stehen. Kaum saßen wir, wurde uns etwas Süßes (erst Higashi, dann Konpeito) gegeben, das wir vor dem Matcha essen sollten, damit der Geschmack des Matchas noch etwas gehoben wird. Aber ich wollte unbedingt zuschauen, wie der Teelehrer persönlich für uns den Matcha aufschlug, um eventuell ein paar Tricks zum perfekt aufgeschlagenen Matcha zu erhaschen. Es ging allerdings so schnell, da konnte ich mir nur sehr wenig abgucken.

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Matcha

Am Tisch stellte unsere Begleitung dann ihren Mann genauer vor: Er unterrichtet schon seit vielen Jahren die japanische Teezeremonie. Heute unterrichtet er vor allem Bewohner in Altenheimen, da die rituelle Teezubereitung positive Wirkung auf altersbedingte Krankheiten, wie z.B. Demenz, hätte. Das kann ich mir durchaus vorstellen und finde das ein wirklich schönes soziales Engagement. In Deutschland wäre das allerdings wohl nicht so leicht 1:1 umsetzbar, da die kulturelle Verankerung zum Tee doch sehr gering ist. Möglicherweise würde das mit der Ostfriesischen Teekultur funktionieren.

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Winterchawan aus Rakukeramik

Aber zurück zum Matcha: Als erstes bekamen wir eine ziemlich dicke schwarze Rakuschale gereicht, die wir vor dem ersten Schluck erst einmal begutachteten und bewunderten. Dabei erklärte uns der Teelehrer, dass es sich hierbei um eine Winterchawan handelt, da die Schale besonders dick und hochwandig war, was die Wärme im Winter gut hält.

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Sommerchawan

Als nächstes wurde uns eine Sommerchawan gereicht, um zu vergleichen wie sich derselbe Matcha in unterschiedlichen Schalen verhält. Insgesamt hatten wir zwei unterschiedliche Sommerchawan im Test: zuerst die gläserne Schale aus dem Beitragsbild, dann die sehr flache Keramikschale aus dem letzten Bild. Tatsächlich schmeckte der Matcha in den Sommerchawan wesentlich leichter als in der Winterchawan, was wahrscheinlich auch damit zu tun hat, dass der Matcha in den Sommerchawan wesentlich schneller abkühlen kann. Spannend fand ich auch die gläserne Matchaschale, da ich so etwas bisher noch nicht gesehen hatte. Allerdings fand ich den Matcha darin nicht so ausdrucksstark.

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Unterschiedliche Chawan aus Hagikeramik

Nach dem Matcha begann der Teelehrer uns die unterschiedlichsten Matchaschalen vorzustellen. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, welche der Schalen von welchem Künstler geschaffen wurde. Aber es war sehr interessant nicht nur mehr über Hagikeramik generell zu lernen, sondern diese gleichzeitig auch mit anderer japanischer Keramik zu kontrastieren. Noch vor der Reise hatte ich in dem Wikipediartikel über Hagikeramik gelesen, dass die Top 3 der wichtigsten Teekeramikorte Japans in dem Satz 一楽二萩三唐津 „Raku first, Hagi second, Karatsu third“ zusammengefasst werden können. Doch bis zum Treffen mit dem Teelehrer hatte ich nicht die Möglichkeit praktische Erfahrung mit diesem Satz zu verbinden. Was mich seitdem auch umso mehr beschäftigt ist die Frage nach der Authentizität von Rakukeramik, wie sie z.B. auf Dawanda schon sehr zahlreich angeboten wird. Handelt es sich um Rakukeramik, wenn diese gar nicht an dem Ort der Bezeichnung hergestellt wird? Immerhin scheint Hagikeramik ziemlich an den Ort gebunden zu sein.

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Chabako für die Teezeremonie unterwegs

Es schien als hätte der Teelehrer viel Freude daran uns seine wirklich schönen Teeutensilien zu zeigen. Denn immer wieder verschwand er kurz, um noch einen Schatz hervorzubringen. Meist waren diese Schätze in Kisten verpackt. Als er dann eine schwarze Kiste brachte, ahnte ich noch nicht, dass es sich um ein Chabako (Reiseteeset) handeln würde. Stolz packte er es Stück für Stück aus und erklärte die Funktion eines jeden Utensils. Dabei war ich überrascht, wie viele der Utensilien ich schon auf Japanisch benennen konnte!

Was sich im Chabako befindet:

  • Chashaku (茶杓): Bambuslöffel
  • Chawan (茶碗): Matchaschale
  • Natsume (棗): Matchabehälter
  • Chasen (茶筅): Bambusbesen
  • Chakin (茶巾): Tuch zum Reinigen
  • Furidashi (振出): Behälter für Konpeito
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Inhalt der Chabako

Auch wenn das Treffen mit dem Teelehrer zeitlich sehr knapp bemessen war, lernte ich doch so einige neue Sachen kennen. Nicht nur über japanische Keramik, saisonal unterschiedliche Teeschalen, sondern auch etwas japanische Teephilosophie. Während ich in Taiwan von meinem Teelehrer lernte „Das Wichtigste ist der Tee“, meinte dieser Teelehrer „Das Wichtigste sind die Menschen, die den Tee trinken“. Als Begründung für das taiwanesische Credo meinte er, dass taiwanesischer Tee so aufwendig und teuer sei, dass man ihn so wichtig nehmen müsse. So ganz sicher bin ich mir noch nicht, ob das eine schlüssige Begründung ist. Aber was ich für mich gelernt habe ist, dass ich wohl nicht ein Teedenken auf alle Tees anwenden kann: japanische Teegedanken sind für japanischen Tee passender, während chinesische Teegedanken für chinesische Tees passender sind, und taiwanesische Teegedanken für taiwanesischen Tee passender sind. Ein weiterer, auf der einen Seite banaler auf der anderen Seite bahnbrechender, Punkt, den ich gelernt habe, ist die Multifunktionalität von Teegeschirr. Matchaschalen sind nicht auf Matcha begrenzt. Man kann sie auch für Suppen verwenden. Oder Salate. Oder was auch immer man gerne in einer Schale essen oder servieren möchte. Zwar habe ich meine Matchaschale schon vor der Japanreise für Tieguanyin „missbraucht“, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen je etwas anderes als Tee hineinzufüllen. Bisher habe ich mich auch noch nicht getraut. Aber immerhin wurden meine Augen jetzt dafür geöffnet.

 

 

Auswärts Tee trinken (und auch was essen): Kousetuen (鴻雪園) Yamaguchi

Wir sind zwar schon seit einigen Tagen nicht mehr in Yamaguchi, aber dort haben wir dank unserer großartigen Gastgeber so viel erlebt, dass noch einige Beiträge zu Yamaguchi folgen werden. Uns hat es dort sogar so gut gefallen, dass wir nach einem kurzen Ausflug nach Hiroshima sofort wieder zurückgekommen sind, um noch ein paar ausstehende Unternehmungen nachzuholen. Aber in diesem Beitrag soll es um unser erstes richtig gutes Teeeis gehen. Nachdem wir unseren Gastgebern von unserem Projekt „Matcha Me“ erzählt hatten, schlugen sie vor uns zu einer Eisdiele zu fahren, wo es nur Teeeis gibt. Gesagt, getan.

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Auch wenn das Foto von der Karte eher suboptimal ist, so ist doch hoffentlich zu erkennen, wie viel Tee es in Eisform gibt. Dabei variiert allerdings eher die Größe des Eisbechers. Denn die Grundeissorten sind nur 3: Matcha, Genmaicha und Houjicha. Gut, Vanille gibt es auch, aber fast ausschließlich in Kombination mit einer der Teeeissorten.

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Während wir also auf unsere Bestellungen warteten, schauten wir uns etwas in dem kleinen Laden um. Denn neben der eigentlichen Theke und einem kleinen Sitzbereich (inkl. Minikrabbellandschaft für die Kleinsten) gab es noch einigen Tee und Zubehör zu kaufen und die Teepulver, die für das Eis verwendet werden, zu kosten. Ich entschied mich dafür das Houjichapulver zu probieren, wohingegen mein Monsieur noch voll auf dem Matchatrip ist.20170408_Teeeis4

Joah, so prall war das Pulver pur jetzt nicht. Houjicha mag ich doch lieber als Blatt oder eben im Essen. Aber dann kamen ja auch schon unsere Eisbecher. Klein, aber voll gepackt. Und was auch immer wieder faszinierend ist: das Bestellte sieht tatsächlich genauso aus wie auf dem Bild!

Der Matchabecher meines Monsieurs enthält: Cornflakes (die er eigentlich nicht mag, aber auf dem Bild war das nicht klar zu erkennen, dass im Eisbecher welche sind), Matchasofteis, Mochi (Klebreisbällchen), Matchakuchen, Matchaganache (Namachoco), und rote Bohnen (Anko).

Mein Houjichabecher ist grundsätzlich genauso wie der Matchabecher aufgebaut, enthält statt des Kuchens aber ein Stück kandierte Süßkartoffel und statt der Matchaganache ein Stück Houjichaganache.20170408_Teeeis5

20170408_Teeeis6Fazit: Superlecker! Ich liebe meinen Houjichabecher! Das Matchaeis ist auch sehr lecker, aber da ich wirklich schon so viel Matcha und kaum andere Teesortensnacks probiert habe, ist es toll mal einen anderen Tee zu schmecken. Außerdem erinnert das Röstaroma des Houjicha ein bisschen an Schoko-Kaffee-Eis. Ich finde es immer wieder spannend, wenn Essen äußerlich an etwas anderes erinnert und geschmacklich ebenfalls einen Tick in die jeweilige Richtung geht. Da ich so begeistert vom Houjichaeis war, beschloss ich etwas Houjichapulver mitzunehmen, um zu Hause ordentlich zu experimentieren.

Auswärts Tee trinken (und auch was essen): ZeN Bremen

Erst vor kurzem habe ich durch einen Beitrag bei LoveBremen erfahren, dass es in dem Gebäude der Stadtbibliothek Bremen ja auch eine Schar neuer Restaurants gibt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ja bis vor kurzem noch nie in der Stadtbibliothek war, da die Unibib bisher mein zweites Zuhause war, aber ich bin beeindruckt. Von der Stadtbibliothek ebenso wie vom leckeren Essen, was es in der Wache 6 so gibt. Immerhin habe ich aber schon 3 von 6 probiert, wobei nur ein Restaurant etwas mit Tee zu tun hat: das ZeN. Ein japanisches Restaurant ohne Sushi! Allein das begeistert mich schon, weil die japanische Küche doch so viel mehr als Sushi zu bieten hat (auch wenn Sushi natürlich super ist). Das ZeN hat sich auf vegane und vegetarische Speisen spezialisiert, wobei das Angebot oft wechselnd und sehr schön überschaubar ist. Aber ich war natürlich wegen des Tees da.

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Teekarte

So übersichtlich wie das Speisenangebot ist auch die Teekarte. Es gibt nur japanische Tees (Kabusecha, Sencha, Bancha, Houjicha, Matcha) und einen japanischen Kräuteraufguss (Shiso). Trotz meiner vielen Matchaexperimente, entschied ich mich für den Sencha. Mein Monsieur trinkt gerne Houjiacha, also wurde es der geröstete Tee für ihn. Was neben der Übersichtlichkeit auch im Vergleich zu anderen Bremer Teekarten auffällt, ist der Preis: 2,80 €  für ein Kännchen mit 3 Aufgüssen ist unschlagbar! (ZurErinnerung: Café Tölke 4,80€, Café Knigge 4,90€ für 2 Tässchen pro Kännchen)

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Aufgegossener Tee: links Houjicha, rechts Sencha
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Aufgegossenes Blatt: links Houjicha, rechts Sencha

Ein weiterer Pluspunkt sind die total niedlichen Kyūsu, in denen der Tee aufgegossen wird! Passend dazu gibt es hübsche Keramikschälchen, in die genau jeweils eine Portion passt. Ich würde den Inhalt einer Kanne vielleicht auf 70ml schätzen, also wirklich nicht zu wenig.
Jetzt aber mal zum Geschmack des Tees: der Houjicha war super. Den fanden mein Monsieur und ich beide sehr lecker, bei allen drei Aufgüssen. Der Sencha dagegen schmeckte nicht so frisch, wie ich es von meinen japanischen Tees gewohnt bin. Aber in der Karte steht ja auch, dass der Sencha nicht aus der ersten, sondern der dritten Pflückung stammt (was ich natürlich erst jetzt beim Schreiben auf dem Foto gesehen habe…). Joah, „ganz nett“ würde ich dem Sencha geben. Nicht schlecht, aber auch nicht weltbewegend. Gut dazu geeignet von Essen begleitet zu werden.

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Teesüßigkeitenkarte

Wir waren zwar schon vor 15 Uhr dort, blieben aber solange im ZeN bis das Schild mit der Teeseite umgedreht wurde. Schon vor dem Umdrehen bestellten wir zum Tee ein Sesam-Salz-Onigiri und einen Houjichapudding. Nach dem Umdrehen kam dann noch ein Taiyaki mit Kürbisfüllung dazu.

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links: Onigiri mit Sesam und Salz, rechts: Houjichapudding

Ich liebe Onigiri über alles und selbst so ein simples kleines Reisdreieck mit Sesam und Salz lässt mir das Herz aufgehen. Gäbe es ein Onigiri-all-you-can-eat wäre ich sofort dabei (dann aber bitte mit unterschiedlichen Geschmäckern). Also, das Onigiri war lecker. Der Houjichapudding auch! Er ist zwar von der Konsistenz sehr anders als Pudding, den man mit deutscher Sozialisation gewohnt ist, aber für mich nicht völlig fremd, da ich Agar-Agar-Pudding schon aus Taiwan kenne. Außerdem teilte mir die nette Bedienung mit, dass noch Sojamilch im Pudding war. In dem Sinne war es sogar ein bisschen wie Dou Hua. Den Houjicha konnte ich leider nicht allzu stark herausschmecken, aber die Karamellsauce war super zum Balancieren der Süße. Denn der Pudding an sich war nicht so süß.

Das Taiyaki mit Kürbisfüllung habe ich zwar nicht so schön abgelichtet bekommen, aber auch das war ziemlich lecker. Wir hatten die Auswahl zwischen Rote-Bohnen-Füllung, Schokofüllung oder Kürbisfüllung. Da ich rote Bohnen oft auch selbst als Füllung für alles mögliche nehme (zuletzt in meinen Eishautmondkuchen) und nicht so der Schokofan bin, musste es Kürbis werden. Die Füllung an sich war nicht süß, sondern schmeckte wirklich so richtig schön nach Kürbis. Aber die Waffelhülle war dafür angenehm gesüßt. Nun bin ich kein Taiyakiexperte, sodass ich nicht weiß, ob der Teig von Taiyaki generell eher knusprig und dünn ist oder doch eher fluffig weich sein sollte. Dieser hier war knusprig und dünn.

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Taiyaki mit Kürbisfüllung

Mit dem Fakt im Hinterkopf, dass ich schon seit Wochen davon redete ins ZeN zu müssen und meine Erwartungen mit jedem verstrichenen Tag stiegen, ist es schon eine Leistung nicht enttäuscht worden zu sein. Zwar wurde ich auch nicht megamäßig geflasht, aber auf jeden Fall sehr zufrieden gestellt.