Teeseminar im Nannuoshan: Tieguanyin – Die Königin der Oolong Tees

Als wir letztes Wochenende eigentlich wegen der Berlin Beer Week in der Hauptstadt landeten, war ein Treffen mit der besten Teefreundin natürlich nicht weit her. Und als wir dann in der zweiten Bar saßen und ich genüsslich an meinem zweiten IPA schlürfte und sich doch alles etwas mehr als gedacht drehte, war mit einem Schlag wieder alles klar als meine Freundin sagte: „Im Nannuoshan gibt es morgen ein Teeseminar. Ich glaub das ist zu Tieguanyin.“. Tieguanyin? Da muss ich hin!

Und so saßen wir voller Spannung am Sonntag um 11 Uhr im Nannuoshan und tranken zu neunt 5 verschiedene Tieguanyin. Allesamt aus China, aber sehr unterschiedlich in ihren Charakteren.

Um die Tees auch auf einer guten Basis vergleichen zu können, war die Zubereitungsart für alle Tees sehr ähnlich:

  • 3g Tee
  • auf einen Celadongaiwan mit ca. 100-120 ml Fassungsvermögen
  • mit einer Wassertemperatur von ca. 90-100°C
  • kurzes Waschen der Teeblätter
  • und variablen Ziehzeiten von ca. 30-180 sec (geschätzt, da ich keine Uhr zur Hand hatte und auch finde, dass das genaue Zeitnehmen, vor allem von Gastseite her, dem genüsslichen Teetrinken entgegenwirkt)
  • bei mehrfachen Aufgüssen; mind. 3 max. 6

Allerdings gab es große Schwankungen in der Ziehzeit von Aufguss zu Aufguss und von Tee zu Tee, sodass sich die Aufgussanzahl auch dahingehend veränderte.

Qing Xiang 2017

Der grünste aller verkosteten Tieguanyins machte den Anfang. Ich versuchte so offen es geht, diesem grünen Tieguanyin entgegenzukommen, aber es wollte mir nicht so recht gelingen. Als unser Gastgeber dann auch noch erzählte, nach welchen unreifen Früchten dieser Tee so schmecken sollte, war es leider mit meiner Offenheit komplett vorbei. Warum möchte ich unreifes Obst essen, geschweige denn Tee, der danach schmeckt, trinken? Da sind doch Bauchschmerzen vorprogrammiert, oder? Ich gab mein Bestes, aber dieser Qing Xiang Tieguanyin war überhaupt nicht mein Fall. Liegt aber wahrscheinlich auch an meiner Konditionierung auf stärker fermentierten Tieguanyin.

Meine Notizen zu diesem Tee verraten mir konkret, dass ich alle drei Aufgüsse dieses Tees zu leicht fand. Als ungefähre Ziehzeiten notierte ich 60/30/60. Diese Angaben sind in Sekunden und sollen vor allem aufzeigen, dass der erste Aufguss nach dem Wecken der Teeblätter etwa eine Minute dauerte, während der zweite wesentlich kürzer war. Dennoch waren die Blätter bereits nach dem zweiten Aufguss komplett entfaltet. Nach zwei Aufgüssen ist das für mich ein eher ungewohntes Bild. Beim entfalteten Blatt konnte man auch sehr gut erkennen, dass sämtliche braune (=anoxidierte) Teile des Blattrandes entfernt wurden, um somit ein besonders grünes Ergebnis zu erzielen.

Auf einen Blick:

Tieguanyin T214 Qing Xiang 2017 (清香鐵觀音)

Typ: leicht oxidierter Oolong, moderner TGY
Ernte: Frühjahr 2017
Kultivar: Tieguanyin
Herkunft: Anxi, Fujian, China
Pflückung: von Hand?
Höhe: ?
Röstung: keine
Preis: 7,50 € für 20 g

Chuantong Not Baked 2018

Weiter ging es mit einem traditionellen, also etwas stärker oxidierten, Tieguanyin, der allerdings nicht geröstet wurde. Vom Oxidationsgrad sagte dieser Tee mir auf jeden Fall schon eher zu als der erste, so richtig warm wurde ich mit diesem allerdings auch nicht. Denn geschmacklich war mir der Tee etwas zu unausgewogen. Das kann aber auch an der inkonstanten Aufbrühweise liegen. Als Ziehzeiten notierte ich mir für diesen Tee 60/90/60/90/60. Während der erste Aufguss also gefühlt ähnlich lange war wie beim ersten Tee, zog der zweite Aufguss sehr lange. Dementsprechend bitter war er. Was mich aber beeindruckte war der Tassengeruch des Tees. Selbst nachdem er ausgetrunken war, roch es in der Tasse nach braunem Zucker. Mjam. Den Geschmack im Mund beschrieb ich mit umami ölig. Ich weiß allerdings nicht mehr, wann ich dieses Urteil fällte, wahrscheinlich vor dem alles vernichtenden zweiten Aufguss.

Wie schon beim Qing Xiang, waren auch bei diesem Tee die Blätter bereits nach dem zweiten Aufguss komplett entfaltet. Diesmal aber waren die Blätter mit all ihren braunen Stellen so belassen worden. Es gab einige Stängel komplett ohne Blätter. Was mir auch auffiel, war die Blattform. Unser Gastgeber versicherte mir, dass es sich um das Tieguanyinkultivar handelte. Möglicherweise gibt es aufgrund der nun schon über hundertjährigen Trennung der Bäume in China und Taiwan Unterschiede. Denn mein Teelehrer erklärte mir, dass man an der rostroten Blattader, den relativ stark gezackten Seiten und dem eher spitzen Zulauf des Blattes schnell erkennen kann, ob es sich um das Tieguanyinkultivar handelt oder nicht. Nun vermisste ich beim ersten, aber auch bei diesem Tee nicht nur die rostrote Blattader, sondern auch die anderen beiden Merkmale.

Auf einen Blick:

Tieguanyin T212 Chuantong 2018 (傳統鐵觀音)

Typ: mittelstark oxidierter Oolong, traditioneller TGY
Ernte: März 2018
Kultivar: Tieguanyin
Herkunft: Anxi, Fujian, China
Pflückung: von Hand?
Höhe: ?
Röstung: keine
Preis: 9,00 € für 20 g

Chuantong Baked 2018

Nun kam es endlich zu einem gerösteten Tieguanyin. Ebenfalls traditionell verarbeitet, wie der Vorgängertee, aber zusätzlich noch über Holzkohle geröstet. Von den drei Tees, die wir bis zu diesem Punkt getrunken haben, eindeutig mein Favorit. Meine Notizen verraten mir noch, dass ich den Tassengeruch super fand. Allerdings steht da auch überröstet? sauer? Denn gerade bei den ersten Aufgüssen war ich mir noch nicht so ganz sicher, ob das was mit uns werden würde. Aber insgesamt lockerte die Teerunde auch bei diesem Tee etwas auf, sodass ich doch etwas mehr genießen konnte. Als Aufgusszeiten notierte ich 60/30/60/?/60. Den vierten Aufguss verpasste ich irgenwie, aber die anderen waren ziemlich konstant.

Auf einen Blick:

Tieguanyin T213 Chuantong Nong Xiang 2018 (傳統濃香鐵觀音)

Typ: mittelstark oxidierter Oolong, traditioneller TGY
Ernte: März 2018
Kultivar: Tieguanyin
Herkunft: Anxi, Fujian, China
Pflückung: von Hand?
Höhe: ?
Röstung: starke (?) Holzkohleröstung
Preis: 9,00 € für 20 g

High Fire Chuantong 1995

Und dann begann das wahre Spektakel. Die gelagerten Tees wurden vorgestellt. Meine Augen funkleten wahrscheinlich nur vor Neugierde. Wir hatten die Wahl zwischen einem High Fire Nong Tieganyin von 1995, einem Low Fire Tieguanyin + Benshan Mix von 1997 und einem Very High Fire Nong Tieguanyin von 2000. Ursprünglich war nur die Rede von einem der gelagerten Tees, aber wir schafften es, unseren Gastgeber zu zwei der drei Tees zu überreden und fingen mit dem 1995 High Fire an.

Der Geruch der trockenen Blätter erinnerte sehr stark an Shou Pu Erh und ich notierte mir dazu torfig, süß und fruchtig. Ein bisschen auch wie Trockenpflaume. Geschmacklich voll auf meiner Wellenlänge und entgegen meiner Erwartung auch super bei heißem Wetter zu genießen. Endlich war ich im Tieguanyinhimmel! Die Ziehzeiten schätzte ich wieder, was mit zunehmenden Gesprächen aber immer schwieriger wurde, auf: 60/90/120/300. Dieser Tee kann auch locker einfach vergessen werden und schmeckt trotzdem nicht bitter. Selbst nach 4 Aufgüssen, mit teilweise sehr langen Ziehzeiten, waren die Blätter noch nicht vollends entfaltet. Insgesamt tranken wir 6 Aufgüsse, aber wahrscheinlich hätten es locker noch mehr sein können.

Auf einen Blick:

Tieguanyin Chuantong Nong Xiang 1995 (傳統濃香鐵觀音陳年老茶)

Typ: mittelstark oxidierter gelagerter Oolong, traditioneller TGY, Chen Nian Lao Cha
Ernte: Frühjahr (?) 1995
Kultivar: Tieguanyin
Herkunft: Anxi, Fujian, China
Pflückung: von Hand (?)
Höhe: ?
Röstung: stark über Holzkohle (?)
Preis: 15,00 € für 20 g

Extra High Fire Chuantong 2000

Zum Abschluss gab es mein persönliches Highlight der Verkostung. Einen richtig stark gerösteten Tieguanyin, der nicht nur trocken, sondern auch nass mit fast schwarzen Blättern daherkommt und einfach nur unglaublich süß nach Dattel riecht. Dazu das leicht Herbrauchige. Genau mein Ding. Man merkt auch, wie begeistert ich von diesen Tee war an meinen Notizen. Es gibt keine. Ich war bei diesem Tee nicht mehr in der Lage Teezeiten oder Kritik aufzuschreiben. Alles egal.

Auch mein Monsieur fand diesen Tee besonders lecker, sodass wir davon etwas mitnehmen mussten.

Auf einen Blick:

Tieguanyin Chuantong Nong Xiang 2000 (傳統濃香鐵觀音陳年老茶)

Typ: mittelstark oxidierter gelagerter Oolong, traditioneller TGY, Chen Nian Lao Cha
Ernte: Frühjahr (?) 2000
Kultivar: Tieguanyin
Herkunft: Anxi, Fujian, China
Pflückung: von Hand (?)
Höhe: ?
Röstung: sehr stark über Holzkohle (?)
Preis: 15,00 € für 20 g

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Alles in allem also eine sehr schöne Verkostung, die für meinen Geschmack ein bisschen brauchte, aber dann bei den gelagerten Tees einen sehr leckeren Abschluss fand. Ich bin mir sicher, dass es für mich ein nächstes Mal im Nannuoshan geben wird.

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Auswärts Tee trinken (und auch was essen): Teestübchen im Schnoor

Dass ich vom Teestübchen bisher noch nicht auf meinem Blog berichtet habe ist wirklich eine Schande. Doch die letzten Besuche dort hatte ich entweder meine Kamera vergessen, ein Stillkind zu beglücken oder eine Hochzeitsgesellschaft im Schlepptau. Jetzt aber ist es Zeit eins meiner absoluten Lieblingsrestaurants in Bremen zu würdigen. Denn 1. es ist ein Teestübchen, 2. gibt es da richtig gute regionale Küche und 3. ist es im Schnoor, dem niedlichsten Stadtteil Bremens (der mich immer an die Krämerbrücke in Erfurt erinnert) gelegen.

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Anlass des Besuchs war ein Mittagsdate mit meinem Monsieur. Und kaum hatten wir uns für das Teestübchen entschieden, wusste ich, was ich essen wollte: Kükenragout. Das grenzte dann auch relativ schnell meine Teewahl ein. Die Teekarte ist zwar ziemlich umfangreich, aber da für mich weder aromatisierte, noch Kräuter- bzw. Früchteaufgüsse in Frage kommen, dann doch überschaubar. Oft wähle ich einen Tee der Kategorie „Unsere Edelsten“. Diesmal, passend zum Geflügel/Garnelen-Geschmack, etwas ganz leichtes: der Spring Darjeeling.

Was bei dieser Kategorie besonders auffällt, ist die Anzahl der indischen Tees (10) im Vergleich zu den anderen Herkunftsländern (Sri Lanka 3, Nepal 1, China 1).  Außerdem sind es ausschließlich Schwarztees (allerdings weiß ich jetzt nicht mehr, ob es davor noch eine Seite gab und/oder ob es pro Teekategorie „Unsere Edelsten“ gab).  Das spiegelt eine sehr traditionelle und klassische Teeorientierung wieder, was noch besser zu verstehen ist, wenn man weiß, dass alle Tees von Ronnefeldt sind.

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Ausschnitt aus der Teekarte

Seit ich das erste Mal nach meiner Rückkehr aus Taiwan mir voller Enthusiasmus mehrere Großpackungen Darjeeling bei der Teekampagne bestellt hatte und dermaßen vom Geschmack enttäuscht wurde, habe ich diesem Klassiker oft die kalte Schulter gezeigt. Aber in letzter Zeit schafft es die ein oder andere Darjeelingprobe mich doch eines Besseren zu belehren, sodass ich mich an diesem First Flush Darjeeling versuchte. Mein Monsieur dagegen probiert immer mal wieder in den unterschiedlichsten Cafés die Chais. Allerdings konnte ihn noch keiner so richtig beeindrucken. Oft sind sie ihm zu lasch. Vielleicht hat er sich zu sehr an meinen Chai gewöhnt.

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links Chai, rechts Darjeeling Spring

Mit meinem Tee war ich zufrieden. Es war kein unglaubliches Teeerlebnis, aber gut zubereitet und angenehm zu trinken. Generell finde ich es beim Teestübchen super, dass alle Tees komplett fertig zubereitet serviert werden. Zum Einen heißt das, das man als Gast keinen Einfluss darauf hat, wie stark man seinen Tee gerne hätte, auf der anderen Seite wissen die Teestübchenleute am besten, wie sie ihre Tees zubereiten müssen, damit sie angenehm zu trinken sind. Ich persönlich finde diese Art des Servierens für Tee in der Gastronomie die passendste, wenn man davon ausgehen kann, dass das Personal den Tee gut kennt.

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Bremer Kükenragout

Zum Kükenragout gibt es auch noch eine kleine Geschichte: Vor einigen Jahren haben der Monsieur und ich einen Kochkurs zur Bremer Küche gemacht und neben Pluckte Finken (einen Bohneneintopf mit Apfel und Speck) auch Kükenragout (ein bisschen wie Frikassee auf Surf&Turf-Art: Geflügel mit Krabben/Shrimps/Garnelen, Pilzen und Gemüse in Krebssoße) kennengelernt. Bei genau diesem Kochkurs war zufällig auch die Inhaberin des Teestübchens Teilnehmerin (die ich später auch bei Slow Food wiedertraf), die ganz stolz von dem Kükenragout in ihrem Laden schwärmte. Also mussten wir das natürlich probieren gehen. Und schon beim ersten Mal war ich total begeistert! Generell liebe ich das Essen im Teestübchen! Wer regionale und saisonale Küche schätzt, wird hier auf jeden Fall fündig.

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Skreifilet

Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Gemütlichkeit. Das Teestübchen ist schon relativ eng, aber es bietet Platz auf drei Etagen, die über eine sehr steile Treppe zu erreichen ist. Am liebsten sitze ich im 2. oder 3. Stock, da es dort noch ein bisschen uriger als im Erdgeschoss ist und die Küche nicht so weit entfernt ist.

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Inneneinrichtung 1. OG
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Blick ins Schnoor
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Von außen

Und nach dem zufriedenstellenden Besuch im Teestübchen kann man gemütlich durch die kleinen Gassen des Schnoors schlendern. Sollte ich auch mal wieder machen.

Auf einen Blick:

Teestübchen im Schnoor
Wüstestätte 1
28195 Bremen

So-Do: 10 – 18 Uhr
Fr+Sa: 10 – 22 Uhr

Bewertung: sehr empfehlenswert

Teetour durch Berlin

Nach langer Zeit stand mal wieder Berlin auf dem Plan. Ursprünglich war ein anderes Teeevent geplant, aber da das ausfiel, plante meine liebe Teefreundin eine Teetour durch Berlin für uns. Einen ganzen Samstag. Tee bis zum Umfallen. Es war ein Traum!

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Um gut gestärkt das Teetrinken zu beginnen, starteten wir mit einem Frühstück im Spreegold. Leider war ich zu beschäftigt und hungrig, um Fotos vom Essen zu machen, auch wenn dieses wirklich sehr lecker war. Zu meinem English Breakfast trank ich einen Green Mango Ice Tea, der Monsieur wählte einen Black Lemon Ice Tea, und meine Teefreundin trank den ersten von insgesamt 4 Matcha Latte, die wir an diesem Tag noch bestellen würden. Das Essen war hervorragend, die Tees alle so naja. Die Eistees waren mit Teebeuteln und irgendwie schmeckten alle Tees nicht besonders stark nach Tee. Aber das macht nichts, schließlich war das Spreegold noch nicht offiziell teil unserer Teetour.

Paper & Tea

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Damit das Oolongchen ein bisschen schlafen konnte, liefen wir vom Spreegold gemütlich zu Paper & Tea. Wer noch ein bisschen Zeit hat, kann auf dem Weg dahin auch noch einen Abstecher ins Tee & Ton machen, oder beim Pan (philippinisches Restaurant) vorbeischauen. Wir kamen auch noch an einer Filiale der Biocompany vorbei, wo ich den Raw Kombucha von ManuTeeFaktur kaufen wollte. Leider, leider war der aber schon alle.

Bei Paper & Tea angekommen, durften wir gleich einen sehr spannenden weißen Tee verkosten: Chikondi Beads aus Malawi. Zum Einen wusste ich bis dahin nicht einmal, dass es afrikanischen weißen Tee gibt, zum Anderen fand ich die zu Kokons gerollten Teeblätter unglaublich faszinierend. Allerdings wollte dieser Tee meine Begeisterung über das Äußere nicht geschmacklich fortführen. Irgendwie kam der nicht so ganz durch. Also, er war auf jeden Fall angenehm und nicht so typisch weißteemuffig, aber so richtig wumms hat es auch nicht gemacht. Ich habe trotzdem hin und her überlegt, ob ich etwas davon mit nach Hause nehmen sollte, da ich nach wie vor die Form der trockenen Teeblätter so schön fand. Als sich das Blatt dann aber auch nach dem dritten Aufguss nicht entrollen wollte, war ich enttäuscht und entschied mich gegen einen Kauf. Überhaupt habe ich noch viel zu viel Tee zu Hause, sodass ich mir als Ziel für die Teetour gesetzt habe: ganz viel Tee trinken, aber nichts mit nach Hause nehmen. Deswegen holte ich mir beim Rausgehen noch eine Matchalimo. Und die musste natürlich gleich probiert werden. Die Zitrone schmeckte ich sofort raus, den Matcha irgendwie ganz wenig. Dabei war die Limo so richtig schön dunkelgrün. Meine Teefreundin fand die Limo super, nur der Monsieur und ich hätten gern noch mehr Matcha geschmeckt. Vielleicht sind unsere Gaumen noch an Japan gewöhnt.

Mamecha

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Vom Paper & Tea ist es nur ein Katzensprung zum Mamecha. Aber wir haben uns auf dem Weg zum Paper & Tea und auch darin so viel Zeit gelassen, dass es schon wieder Mittag war und wir tatsächlich auch Hunger verspürten, als wir das Mamecha betraten. Gut, vorher stöberten wir noch kurz durch den kleinen aber feinen Laden neben dem Restaurant, wo es wirklich allerlei Niedliches aus Japan gibt. Aber auch davon haben wir aus Japan eine Menge mitgebracht. Also, rüber zum Teetrinken und essen. Meine Teefreundin und ich teilten uns eine Kanne Fukamushi (stark gedämpft) Sencha, der sogar mit einer Anleitung für die weiteren Aufgüsse kam. Wirklich sehr schöner Tee. knallegrün und lecker. Ebenso kommt der zweite Matcha Latte des Tages daher. Und auch das Essen, wir hatten japanisches Curry und ein vegetarisches Bento, war super. Pappsatt und sehr zufrieden ging es dann erst einmal auf den Spielplatz gegenüber.

Nannuoshan

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Und dann schlenderten wir gemütlich zum Nannuoshan, ein Teehaus, das wirklich schon lange auf meiner To-Do-Liste stand. Auf dem Weg dahin kamen wir an noch zwei weiteren Teeorten vorbei: 1. dem Chen Che Teehaus, in welches wir nur reinlugten, da wir ja einen straffen Plan hatten, welches aber wirklich ein schönes Ambiente versprach, und 2. der inoffiziellen Botschaft Taiwans, der Bubbletealaden Come Buy. Nur verspürte ich keinerlei Verlangen nach Bubbletea, da ich seit meinem letzten Besuch feststellen musste, dass mein selbstgemachter Bubbletea wirklich um einiges besser schmeckt.

Nachdem wir erst in ein paar andere Höfe lugten und kein Teehaus entdeckten, landetetn wir dann doch in den Heckmann-Höfen, wo ich tatsächlich schon einmal vor fast 10 Jahren während eines Schulausflugs zur Neuen Synagoge, war. Allerdings gab es da das Nannuoshan noch nicht. Und meine Teeliebe steckte noch in Babyschühchen. Auf jeden Fall war das Nannuoshan für mich Liebe auf den ersten Blick: sehr simplistisch eingerichtet mit weißen Teebehältern, die chinesisch beschriftet waren. Und wie ich mich freute, was ich da lesen konnte! Klassiker der chinesischen Teekultur, ergänzt um ein paar Taiwanoolongs und japanische Grüntees. Die Begeisterung ging dann weiter, als die Teekarte zum Vorortgenießen auch die Möglichkeit der Gong-Fu-Zubereitung enthielt. Also bestellten wir einen gelben Tee, den Meng Ding Huang Cha, da ich bisher so selten die Gelegenheit hatte überhaupt gelbe Tees zu trinken, und gongfuten fröhlich auf dem kleinen Bambustischchen vor uns hin. Leider konnte der Tee mich nicht so ganz begeistern und ich ärgerte mich ein bisschen, dass ich nicht einen anderen Tee gewählt hatte. Aber als Ausgleich kaufte ich einige Teeproben (jaja, viel trinken, nichts mitnehmen, ich weiß). Da es als Tagesangebot unter anderem auch einen Matcha Latte gab (der dritte für uns), konnte mein Monsieur nicht wiederstehen. Allerdings war dieser mit Sojamilch und der Sojageschmack doch etwas sehr präsent. All das konnte allerdings nicht meine Freude, ein Stückchen chinesisches Teehaus in Deutschland gefunden zu haben, nehmen. Ich komme auf jeden Fall wieder!

Macha Macha

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Obwohl wir schon nach dem Nannuoshan ordentlich einen im Tee hatten, entschieden wir uns noch einen letzten Abstecher ins Macha Macha zu machen. Das ist zwar etwas abseits der anderen Teeorte gelegen, aber einfach mit der U8 vom Rosenthaler Platz aus zu erreichen, da es ziemlich nah an der U-Bahnhaltestelle Hermannplatz gelegen ist.

Das Wetter war zwar richtig schön, und somit die Außenterrasse bei unserem Eintreffen gut besucht, wir wählten allerdings den geräumigen Tatamiraum weil das die einfachste Lösung mit Kind war. Dachten wir. Denn das Oolongchen entdeckte ganz schnell die Kieselsteine am Fenster und dass die prima in die Schlitze der Lüftungsrinne davor passen. Wir waren also den Rest der Zeit damit beschäftigt, das kleine Sturköpfchen von den Steinen fernzuhalten. Trotzdem schafften wir es so einiges von der Karte zu probieren: Matcha Cheesecake, Matcha Bier, Matcha Latte (der vierte!), Schokoladentrio, Sencha mit Yuzu, und eine Schale Matcha pur. Ich selbst hatte das Schokoladentrio und die Schale Matcha pur. Ich wählte bewusst den teuersten Matcha (8,50 € für eine Schale) und fand den richtig lecker aber nicht megahammerobergeil. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch. Aber die Schokolade (von nazuna) war super! Die Geschmacksrichtungen waren dunkle Schokolade mit Yuzu, Vollmilch mit Sesam und weiße Schokolade mit Matcha. Die Sesamschokolade war etwas langweilig vom Geschmack her, aber die Yuzuschokolade haute mich komplett um, wobei die Matchaschokolade dicht gefolgt einen guten zweiten Platz belegte. Am Matchabier vom Monsieur konnte ich auch nippen, da es sich um alkoholfreies Bier handelte. Das war zwar richtig schön matchagrün, aber geschmacklich siegte eher das alkoholfreie Weizen. Schade. Auch der Cheesecake hatte ein ähnliches Los: supercheesecakig und schön grün, aber geschmacklich war der Matcha irgendwie im Hintergrund. Matcha Latte konnte ich am Ende des Tages eigentlich nicht mehr sehen, wobei ich ja keinen einzigen bestellt hatte, und nahm auch nur des Tests wegen ein Schlückchen. Joah, wieder Sojamilch. Da knabberte ich lieber genüsslich an meiner Schokolade. Minibiss für Minibiss. Und dann mussten wir das Macha Macha leider fluchtartig verlassen weil das Oolongchen einfach müde war und raus wollte. Nach der Teetour auch kein Wunder. Eigentlich waren wir alle ziemlich platt. Und so glücklich! Ich konnte am Abend sogar ohne Probleme einschlafen!

Damit die Tour noch etwas besser nachzuverfolgen ist, habe ich alle Orte, die wir besucht und gestreift haben mal markiert.

Falls jemand noch andere tolle Teeorte in Berlin kennt, immer her damit. Ein nächstes Mal gibt’s bestimmt.