Kawarasoba (瓦そば)

Eher durch Zufall landeten wir bei zwei ganz tollen Gastgebern mitten im Nirgendwo in der Präfektur Yamaguchi. Zwar wurde schon in der Airbnbbeschreibung damit geworben, dass es eine lokale Spezialität zu kosten geben könnte, aber dass es gleich eine  kleine Essensparty werden würde hatten wir nicht gewusst. Und dass die Grundlage dieser lokalen Spezialität Nudeln mit Grüntee (茶そば) sind, sorgte schon beim Einkaufen für Vorfreude. Laut Aussage unseres Gastgebers gibt es mittlerweile auch in einigen Restaurants der Region Kawarasoba, aber das sei viel zu teuer für viel zu wenig Kawarasoba. Denn der Name des Gerichts kommt daher, dass die Nudeln auf Dachziegeln (瓦 Kawara) serviert werden. Und auf so einen Dachziegel passt einfach nicht genug.

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Grünteenudeln

Da unsere Unterkunft ziemlich abseits von jeglichen Einkaufsmöglichkeiten gelegen war, ging es auf dem Weg dorthin erst einmal zum Supermarkt. Und während der Monsieur das Oolongchen bei Laune hielt und ich fieberhaft überlegte, was wir wann essen könnten, packte unser Gastgeber freudestrahlend fast alle Kawarasobapackungen, die es gab, in seinen Einkaufswagen. Ich glaub er ließ eine Packung übrig. Auf den ersten Blick sahen die Packungen nach vollständigen DIY Kits aus, aber wie sich herausstellte waren darin nur die Nudeln und die Dipsauce (つゆ Tsuyu) enthalten.

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Soße zum Dippen (Tsuyu)

Für das eigentliche Gericht werden außerdem noch gebratenes Ei (玉子焼き Tamagoyaki) und Schweinefleisch, dass mit Sojasauce und Zucker gebraten wurde, benötigt.

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links Ei, rechts Schweinefleisch

Wenn alles fertig vorbereitet ist, geht es ans Zusammensetzen. Unser Gastgeber hat ein traditionelles japanisches Haus gemietet, welches im Herzen mit einem Ofen ausgestattet ist, der nicht nur das Haus schön wärmt, sondern gleichzeitig auch zum Kochen, bzw. Braten, der Kawarasoba genutzt werden kann. Für ein optimales Ergebnis mit extra viel Platz für extra viel Kawarasoba gibt es sogar eine eigens auf den Ofen angepasste Pfanne! Diese wird zuerst mit ordentlich Öl eingerieben. Dann werden zuerst die Grünteenudeln in die Pfanne gegeben, dann das Ei, dann das Schweinefleisch, dann Frühlingszwiebeln, dann Zitronen, und zum Schluss eine Chilipaste. Auch wenn die Bilder jetzt zum Veranschaulichen der einzelnen Schritte so klein sind, ist es wichtig zu wissen, dass die Pfanne wirklich riesig war (ca. 50cm Durchmesser).

 

Das Ganze brutzelt dann eine gute Weile vor sich hin, bis die Nudeln auf dem Boden der Pfanne anfangen knusprig zu werden. Im Grunde handelt es sich um Schichtbratnudeln.

Wenn es dann ums Essen geht, kaum die Dipsoße ins Spiel. Man nimmt sich eine Zitronenscheibe mit Chilipaste, wirft diese in die Schale mit Tsuyu und versucht so gut wie möglich die Zitrone mit Stäbchen auszupressen. Unser Gastgeber wickelte am Ende des Zermatschens seine Zitronenscheibe auch sehr kunstvoll um die Stäbchen um noch den letzten Tropfen Zitronensaft herauszubekommen. Ich versuchte das zu wiederholen, schaffte das aber nur mit zusätzlichem Einsatz meiner Hände.

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Vorbereiten zum Dippen: Zitrone in Tsuyu ausquetschen

Und jetzt beginnt das richtige Essen: Aus der großen Pfanne nimmt sich jeder eine Portion Nudeln mit den weiteren Zutaten nach Wahl und gibt diese in die Schale mit der Zitronensoße. Dann heißt es: Nudeln wieder herausfischen und schlürfend genießen.

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Kawarasoba dippen und essen

Das war ein Festessen! Nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich waren die Kawarasoba ein Erlebnis. Leicht knusprig angebratene Nudeln, zitronensaure Soße, leichte Schärfe, süßes Fleisch, sehr sehr lecker. Den Tee habe ich bei all den anderen Geschmäckern nun wirklich nicht mehr herausschmecken können, aber das störte mich nicht im geringsten.

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