Mungbohnenkuchen (綠豆糕)

Schon eine ganze Weile wollte ich mal Mungbohnenkuchen machen. Dabei handelt es sich nicht um einen Kuchen per se, sondern eher um eine Süßspeise, die im Chinesischen als 糕 Gao bezeichnet wird und oft einfacherweise mit „Kuchen“ übersetzt wird. Im Grunde ist so ein Gao oft eine ungefüllte Kleinigkeit. Und man kann Gao super aus Mungbohnen machen. Wie mit anderen süßen Bohnengerichten, dauerte es auch beim Mungbohnenkuchen wirklich eine ganze Weile, eh ich mich endlich mal dazu durchringen konnte, zu probieren. Und wie mit anderen süßen Bohnengerichten, war ich auf der Stelle entzückt. Was mich besonders an Mungbohnenkuchen fasziniert hatte war die weiche, doch irgendwie auf der Zunge schmelzende Konsistenz. Bei meiner ersten Mungbohnenpaste, die ich für die Füllung meiner Mooncakes gemacht hatte, fehlte mir genau dieses Schmelzgefühl. Aber als ich irgendwann einmal recherchierte, fand ich dieses Rezpept bei China Sichuan Food.

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Mungbohnen im Ausgangsstadium

Also besorgte ich mir Mungbohnen und legte los. Der Hinweis „it may take really long time to do that“ stellte sich im Verlauf des Projekts als ziemlich wahr heraus. Aber vielleicht hab ich mich auch einfach mal wieder etwas zu höhlenmenschartig verhalten.

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Eingeweichte Mungbohnen

Denn der Part, der dafür sorgte, dass ich irgendwann fluchend deklarierte, dass es Mungbohnenpaste oder Mungbohnenkuchen ab jetzt nur noch zu besonderen Anlässen gibt, war das Schälen der Bohnen nach der Einweichzeit. Da ich mir letzte Woche eine schöne Erkältung zugezogen hatte und deshalb gezwungenermaßen Zuhause war, beschloss ich das Schälen in Angriff zu nehmen. Da mein Gehirn eh nicht zu Höchstleistungen fähig war, kombinierte ich diese eher meditative Tätigkeit mit der Netflixdokumentation Cooked von Michael Pollan.

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Mungbohnen schälen (aka Netflix & Chill)

Auf die Frage, wie lange das Schälen denn jetzt dauert, kann ich antworten: die vier Folgen von Cooked kann man locker schaffen. Und wenn es in der zweiten Folge um Wasser geht und wir eine Köchin sehen, die Zwiebel schneiden als „mindless task“ bezeichnet, dabei aber betont, dass sie das entspannend findet, dann ist das noch ziemlich motivierend, wenn man selbst mit gefühlten 10 geschälten Bohnen dasitzt. Irgendwann, wahrscheinlich so in der Mitte der vierten Folge, hatte ich die Idee, die Bohnen mit Schale unter Wasser aneinanderzureiben. Das schien etwas schneller zu gehen als jede Bohne einzeln zu schnippen, aber dann hatte ich in einer Schüssel geschälte und ungeschälte Bohnen durcheinander und das Aschenputteldilemma à la „die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Tröpfchen“ fing an. Deshalb gab ich bei den letzten ungeschälten Bohnen einfach auf und ließ die Schale dran. Damit meine Paste wenigstens ein bisschen grün wird.

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Geschälte Mungbohnen

Der Rest der Bohnenpaste geht dann relativ schnell (alles ist schnell im Vergleich zum Schälen!).

Mungbohnenkuchen:

200 g Mungbohnen
2 EL Öl (in meinem Fall Rapsöl)
200 g Kokosmilch (kann auch ruhig weniger sein, wie ich später feststellte)
60 g Zucker
1 Prise Salz

  1. Bohnen ca. 24 Stunden in Wasser einweichen.
  2. Bohnen schälen.
  3. Bohnen ca. 30 Minuten weich kochen.
  4. Übriges Wasser abgießen und die Bohnen pürieren.
  5. Pürierte Bohnen zusammen mit allen anderen Zutaten in einen Topf geben und unter Rühren zu einer dicken Paste einköcheln lassen.
  6. Die Masse abkühlen lassen.
  7. Kugeln formen und in die gewünschte Form pressen.
  8. Die Masse kann auch als Füllung für süße Snacks verwendet werden.
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Gekochte Mungbohnen
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Eingekochte Mungbohnenpaste

Da ich das Einkochen von roter Bohnenpaste gewohnt war, dauerte mir auch das EInkochen der mit Kokosmilch verflüssigten Mungbohnenpaste etwas sehr lang. Irgendwie wollte und wollte die Creme nicht so richtig fest werden. Und im Nachhinein bin ich der Meinung, dass das einfach zu viel Kokosmilch war.

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Fertige Mungbohnenkuchen

Aber vom Schmelzgefühl kommen diese Gao mit geschälten Mungbohnen schon eher an das, was ich in Taiwan und China kennengelernt habe, heran. Einziger Kritikpunkt: sie sind mir etwas zu kokoslastig. Nur wollte ich jetzt nicht gleich einen zweiten Versuch starten. Irgendwann vielleicht mal. Mal sehen.

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2 Gedanken zu “Mungbohnenkuchen (綠豆糕)

  1. Als kleinen, ETWAS zeitsparenden Tip: Die Mungbohnen gibt es schon fertig geschält… 😉 und versuche evtl. mal vietnamesische Mungbohnen“kuchen“ – Bánh đậu xanh

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