Wuyi Da Hong Pao 2012 von Die Kunst des Tees

Seit über zwei Wochen habe ich schon keinen neuen Beitrag geschrieben. Dabei trinke ich nach wie vor Tee. Wenn ich dazu komme. Denn zur Zeit ist mein Alltag ziemlich vollgepackt, sodass ich höchstens am Wochenende zu einer gemütlichen Runde Tee mit hübsch den Tisch eindecken und allem pipapo komme. Und dann wollte ich eigentlich zum Abschluss des chinesischen Frühjahrsfestes letzten Sonntag Tee für eine Veranstaltung meiner Chinesischlehrerin machen. Allerdings haben wir uns da wohl nur mäßig gut abgesprochen, sodass es zu einem Missverständnis kam und ich mit meinem Geschirr und meiner Deko da stand und sie mir mitteilte, dass schon jemand anderes Tee mache. Das setzte mir ganz schön zu. Denn nicht nur, dass ich mir wirklich detailliert Gedanken gemacht habe, welchen Tee ich wie präsentiere, sondern auch, dass ich mich total auf die Veranstaltung gefreut hatte, da ich bereits seit drei Jahren für meine Chinesischlehrerin den Teestand auf ihrer Neujahrsfeier gestaltete und es jedes Mal so schön anzusehen war, wie die unterschiedlichsten Leute sich bei mir einfinden und sich an gutem Tee erfreuen. Zu all der Enttäuschung kam auch noch der Fakt, dass ich ursprünglich vorhatte an dem gleichen Tag an einer Veranstaltung von Slow Food teilzunehmen, für die ich sogar schon bezahlt hatte. Extra für die Neujahrsfeier sagte ich ab und stand am Ende völlig aufgelöst komplett leer da. Kein Tee. Kein Grünkohl.

Also ging es zurück nach Hause. Und damit die Deko und die Lust nach leckerem Tee nicht völlig umsonst waren, gab es zur Tröstung erst einmal einen Da Hong Pao. Einen richtig guten Da Hong Pao.

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Trockenes Blatt

Meine ersten Da Hong Pao Begegnungen hatte ich in Taiwan mit meinem Teelehrer, der mir den Da Hong Pao als relativ nahen Verwandten des Tieguanyins vorstellte. Da ich mich dann aber vorrangig mit taiwanesischen Oolongs beschäftigte, kam ich erst nach und nach zu diesem Bekannten aus China zurück. Meinen ersten eigenen Da Hong Pao, den ich mir selbst kaufte, war der von tea-exclusive. Den fand ich auch ganz lecker, nur hat der irgendwie nicht diese Assoziation der Verwandtschaft zu Tieguanyin in mir hervorgerufen.

Um nun etwas mehr über Da Hong Pao zu lernen habe ich mir drei unterschiedliche Da Hong Pao bei Die Kunst des Tees bestellt. Den Anfang macht hier der traditionelle Da Hong Pao, der, ähnlich wie traditioneller Muzha Tieguanyin, nach traditioneller Art stärker geröstet wurde. Und schon beim Öffnen der kleinen Probierpackung strömte mir ein sehr angenehmes Röstaroma entgegen. Da musste ich wirklich sofort an die Holzkohleröstung von Meister Wang in Taipei denken. Schlagartig war auch die ersehnte Ähnlichkeit zu meinem Tieguanyin da. Das riecht doch schon einmal vielversprechend.

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Verwendetes Teegeschirr

Dafür durfte der Da Hong Pao auch sogleich in meine Yixingkanne, in welcher er sich sehr wohlzufühlen schien. Meine beiden Mittrinker waren auf jeden Fall genauso angetan wie ich und erkannten auch ohne eine Bemerkung von mir die Ähnlichkeit zu dem sonst von mir aufgetischten Tieguanyin.

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Aufgüsse 1-6

Von den Aufgüssen gefielen mir die ersten drei am besten, da sie wirklich besonders gut das vielfältige Arome des Da Hong Paos wiederspiegelten. Ab dem vierten Aufguss hätte ich wahrscheinlich die Ziehzeit um einiges verlängern sollen, da meine Aufgüsse von dort an doch etwas lascher waren. Der Da Hong Pao war durchaus noch zu schmecken, aber der Wow-Effekt war schon verebbt.

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Aufgegossenes Blatt

Als ich mir das aufgegossene Blatt dann ansah, stellte ich aber fest, dass sich selbst nach 6 Aufgüssen noch nicht alle Blätter vollkommen geöffnet hatten. Also hätte ich tatsächlich noch etwas großzügiger mit der Zeit umgehen können. Aber wie so oft bei Oolong: so schöne ganze Blätter. Immer wieder faszinierend.

Auf einen Blick:

Wuyi Da Hong Pao #105 (traditionell)
Herkunftsort: Wuyi Geburge, Fujian, China
Erntezeitpunkt: 2012 Herbst
Kultivar: #105
Typ: gerösteter Oolong
Bio-Zertifikat: nein
Preis (€/1oog): 34,25 €

Yiwu Gushu Mini Tuocha 2014 von die Kunst des Tees

Endlich mal wieder eine Teevorstellung auf meinem Blog! Wurde ja auch mal wieder Zeit nach all dem Essen. Vor allem hab ich durch meine Teekurse wieder eine Menge leckeren Tee entdeckt.

Einer dieser Teekursentdeckungen ist dieser Yiwu Gushu Mini Tuocha. Zwar brauchte ich bei diesem Tee wirklich einige Anläufe, aber mittlerweile bin ich regelrecht vernarrt in ihn. Wie in meinem letzten Pu Erh Beitrag schon angedeutet, sorgte dieser sheng Pu Erh bei mir für eine steile Lernkurve. Nicht nur, dass ich so langsam beginne sheng Pu Erhs zu mit jedem Schluck etwas mehr zu schätzen, sondern auch, dass ich so langsam verstehe, warum mir viele meiner bisher probierten sheng Pu Erhs nicht ganz so geschmeckt haben. Wie ich durch diesen Yiwu Gushu gelernt habe, habe ich wohl das falsche Geschirr, sowie eine falsche Ziehmethode verwendet. Liebe sheng Pu Erhs, es tut mir wirklich aufrichtig Leid! Ich verspreche euch, dass ich euch noch eine zweite Chance geben werde und mein neues Wissen auf jeden Fall zu euren Gunsten einsetzen werde!

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Trockenes Blatt

Aber kommen wir zu meinem neuen Liebling. Dieser Yiwu Gushu kommt in einer schön portionierten Größe und ist schon in seiner Verpackung ausgesprochen hübsch anzusehen. Ausgepackt zeigt der kleine gepresste Ball dann auch stolz sein buntes Blatt und riecht auch schon schön typisch nach Pu Erh: ein bisschen muffig, aber aufgrund seines noch geringen Alters von gerade mal 2 Jahren, doch noch ziemlich frisch.

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Verwendetes Teegeschirr erster Versuch

Bei meinem ersten Versuch verwendete ich für den Yiwu Gushu meine Tonkanne, die ich hauptsächlich für dunkle und gealterte Tees verwende. Mein Grundgedanke dabei war: „Pu Erh ist doch im Grunde gealterter Tee“. Ja. Vom Ansatz her schon irgendwie nachvollziehbar, aber wenn das Blatt doch schon so hell daher kommt, wieso dann eine Tonkanne für dunkle Tees? Gute Frage, dachte ich mir dann, als ich doch ganz schön enttäuscht von diesem so hübsch aussehenden Tee war. Vielleicht kann der arme Tee ja gar nichts dafür. Also schaute ich mal in der Empehlung bei die Kunst des Tees nach. Und siehe da, ich solle einen Porzellangaiwan verwenden. Hätte ich die Betriebsanleitung mal vor Inbetriebnahme gelesen. Naja, no risk no fun.

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Verwendetes Teegeschirr nach einigem Kennenlernen

Für meine Teekursteilnehmer brühte ich den Pu Erh dann tatsächlich im Porzellangaiwan auf und hielt mich dazu auch noch an die ultrakurzen Brühzeiten. Also, ich stopp jetzt nicht die Zeit, aber ich goss schon nach weniger Zeit schnell wieder ab. Denn was mir bei meinem ersten Versuch auch aufgefallen ist: Der Tee ist ja so bitter!

Da ich meinen Teekursteilnehmern um keinen Preis zu bitteren Tee anbieten wollte, war ich sehr vorsichtig mit den Aufgüssen, am Anfang sogar etwas zu zaghaft. Aber siehe da! Ein Traum von Tee entfaltet sich da von Aufguss zu Aufguss und wird zwar stärker, aber nicht mehr bitter!

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Aufgüsse 1 bis 8

Seit dieser Erkenntnis habe ich diesen Tee nun schon munter meiner Mitbewohnerin und auch ein paar Freunden von ihr vorgestellt, da ich einfach so begeistern von ihm bin. Leider war es jedes Mal schon zu dunkel, sodass ich kaum Fotos machen konnte. Aber jetzt, endlich, konnte ich die Schönheit dieses Tees auch ordentlich dokumentieren. Die Aufgüsse 1-4 habe ich mit dem ersten Wasserkochdurchgang gemacht, die Aufgüsse 5-8 mit dem zweiten. Das heißt, ich habe das Wasser jeweils zum Kochen gebracht, einen ultrakurzen Aufguss gemacht und dann das Wasser, so wie es eben noch im Wasserkocher temperiert war, für die weiteren Aufgüsse verwendet. Das ist keine sehr wissenschaftliche Herangehensweise, aber sorgt für sehr unterschiedliche Aufgüsse. Und schmeckt.

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Aufgegossenes Blatt

Einen weiteren großen Pluspunkt sammelt dieser Tee auch mit seiner kontinuierlich schönen Optik. Selbst das aufgegossene Blatt ist beeindruckend: ganze Blätter von sehr beachtlicher Größe!

Auf einen Blick:

Yiwu Gushu Mini (Handmade) Tuocha
Herkunftsort: Yiwu, Yunnan, China
Erntezeitpunkt: 2014
Kultivar: Gushu
Typ: sheng Pu Erh
Bio-Zertifikat: nein
Preis (€/Stück): 2,85 €

Hefebing mit Cashew-Rohrohrzucker-Füllung (腰醬黑糖餅)

Und noch eine Kleinigkeit, die ich als Snack für meine Teilnehmer meines dreiwöchigen Teekurses ausprobiert habe: gebratener Hefeteig mit Cashewcreme-Rohrohrzucker-Füllung. Wie schon die Mantou, Huajuan und Baozi stammt das Rezept wieder aus meinem taiwanesischem Mehlspeisenkochbuch.

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Cashew-Rohrohrzucker-Füllung und Hefeteig
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Hefeteig mit Cashew-Rohrohrzucker-Füllung bestrichen
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Die zusammengerollte Schnecke verschließen und platt drücken
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Plattgedrückte Bing vor dem Braten
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Bing in der Pfanne
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Fertiger Bing