Auswärts Tee trinken (und auch was essen): Café Knigge Bremen

Dass ich mich ganz schön schwer tue, Tee in der Gastronomie zu bestellen, habe ich ja schon zu Beginn dieser Reihe erwähnt. Ebenso, dass die Preise für garnichtmalsotollen Tee in Bremer Kaffeehäusern ziemlich gepfeffert sind. Alles nichts neues, trotzdem irgendwie immer wieder enttäuschend. Da hilft es auch nicht wirklich viel, wenn mir diese Spiegel online Kolumne aus der Seele spricht. Die Arten, Tee zu töten, die der Autor aufzählt (heißes Wasser bereits im Glas, Teebeutel daneben, steht ewig auf der Theke und wird dann lauwarm gebracht; Teebeutel ist von Anfang an drin und wird ebenso ewig auf der Theke stehengelassen; Tee wird in einer überdimensionierten Milchkaffeeschale serviert und kühlt zu schnell ab), habe ich bisher nur teilweise selbst erlebt. Am häufigsten kommt tatsächlich das lauwarme Wasser mit Teebeutel daneben vor. Das Problem ist, dass selbst das Pokern hinsichtlich dieses Fehlers nicht immer erfolgreich ausfällt. Gehe ich davon aus, dass das Wasser eh zu kalt serviert würde, wäre ein Grüntee ganz gut. Wird der Tee allerdings direkt im Glas serviert, ist Grüntee eine sehr heikle Sache, da er durch das Wasser, dass in den meisten Fällen direkt aus dem Kaffeeautomaten kommt, viel zu heiß aufgegossen würde. Außerdem gibt es in den seltensten Fällen guten grünen Tee.

Aber werfen wir doch mal einen Blick auf die Teekarte des Café Knigges: Es gibt 19 Tees zur Auswahl, wovon 11 keine Tees im engeren Sinne sind. Von den verbleibenden 8 Tees sind 3 aromatisiert, bleiben mir also 5 Tees zur Auswahl (Darjeeling, Ceylon, Assam, Weißer Tee, Grüner Tee). Während für die Schwarztees wenigstens eine Herkunftsangabe gegeben wird, weiß ich nichts über den weißen oder grünen Tee. Im Nachhinein ärger ich mich ein bisschen, dass ich nicht den weißen Tee probiert habe. Denn nicht aromatisierten weißen Tee gibt es gar nicht so oft in der Gastronomie. Den Grüntee würde ich bei dieser Auswahl nie bestellen, denn undefinierter Grüntee aus dem Beutel, der auch noch mit „herb“ bezeichnet wird, ist wahrscheinlich eine kleingehackte Mischung der aufgekehrten Reste irgendeinen chinesischen Grüntees. Ok, bleibt noch der Schwarztee (warum hab ich den weißen Tee nicht genommen? Verdammt!). Da mich Darjeeling bisher noch nicht vom Hocker hauen konnte und ich bekennender Assamfan bin, wird es oft ein Assam. Da kann man auch nicht so viel falsch machen. Und immerhin gibts Milch, oder im Fall von Café Knigge Sahne dazu. So stand es zumindest in der Karte.

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Teekarte Café Knigge

Als mein Tee dann kam, gab es keine Sahne und auch jeder Versuch, die Aufmerksamkeit des Kellners zu bekommen, scheiterte, da das Café rappelvoll war. Ok. Zeit, den nächsten Kritikpunkt abzuarbeiten. Das Metallkännchen. An sich wirklich sehr niedlich und hübsch anzusehen, aber erstens super unpraktisch zum Eingießen, da einschließlich Henkel alles teeheiß ist und zweitens für Tee jeder Art einfach ungeeignet. Nun ist es aber nicht das erste Mal, dass ich in Bremen ein Metallkännchen mit Teebeutel bekomme, weswegen ich mich langsam frage, ob das vielleicht eine gewisse Tradition hat. Immerhin kam der Kaffee der Begleitung auch in einem Metallkännchen. Glücklicherweise sah das einen Tick anders aus, woraus ich schließe, dass es auf jeden Fall eine Trennung zwischen Kaffeekännchen und Teekännchen zu geben scheint. Drittens stört mich an dem Kännchen das Preis-Leistungs-Verhältnis. Um zwei mal meine winzige (Kaffee?)Tasse füllen zu können bezahle ich 4,90 €. Hm. Naja.

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Teekännchen

Kommen wir doch mal zum wirklich sehr erfreulichen Teil des Besuchs: die Kuchen und Torten. Als Konditorei hat Café Knigge eine erstaunliche Auswahl an richtig guten Kuchen und Torten. Die sehen nicht nur lecker aus, die sind es auch. Weil ich mich beim Anblick der Riesenvielfalt so schlecht entscheiden konnte und ein bisschen Panik geschoben habe, wurde es letztendlich ein Möhrenkuchen. Während ich so auf meine Bestellung wartete, ärgerte ich mich ein bisschen, dass ich einen so langweiligen Kuchen gewählt hatte, den ich doch auch locker selbst backen könnte. Aber als ich dann den ersten Haps davon nahm, bereute ich meine Entscheidung keineswegs: so einen guten Möhrenkuchen habe ich selbst noch nie hinbekommen. Sehr saftig, nicht zu süß und handwerklich schön ausgeführt. Jetzt mag man sich fragen, was es bei einem Möhrenkuchen handwerkliches so zu bestaunen gäbe: Mein Kuchen war aprikotiert, mit einer dünnen Schicht Marzipan und anschließend Fondant überzogen. Genauso wie mein viel zu süß geratener Möhren-Mokka-Kuchen.

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Karottenkuchen

Das Fazit für mich ist also: Tee trinken in Cafés ist nach wie vor eine heikle Angelegenheit. Es tut mir auch ein bisschen Leid, dass ich meinem Ärger gerade beim Beitrag zu Café Knigge Luft mache, denn ein Einzelfall ist das nicht. Für Kuchen- und Tortenliebhaber spreche ich allerdings eine uneingeschränkte Empfehlung aus. Sehr lecker! Und auch mit vollem Haus geht die Bestellung schnell von statten. Es ist nur etwas schwieriger Sahne oder Milch zum Tee nachzubestellen. Kleiner Geheimtipp: von hinten ins Café schleichen, denn ganz hinten sind die gemütlichsten Sitzecken und das Haus erscheint einem nur noch voll, wenn man zur Riesenkuchentheke nach vorne schlendert.

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