Wan Tans für Hot Pot (餛飩)

In der Weihnachtszeit zu bloggen stellte sich für mich schwerer heraus als ich gedacht hatte. Das hatte vor allem eher banal erscheinende Gründe:

  1. Ich fotografiere meinen Tee und teeverwandte Sachen am liebsten bei Tageslicht auf unserem Wohnzimmertisch. Blöd wenn es nur von 9 bis 15 Uhr so richtig hell ist und ich unter der Woche arbeite. Deswegen bereite ich normalerweise mehrere Beiträge auf einmal am Wochenende vor. Nun sind Wochenenden in der Weihnachtszeit oft mit Treffen von Freunden und Familie gefüllt, sodass ich auch dann weniger das Tageslicht nutzen kann.
  2. Nicht alles, was ich als Blogbeitrag geplant habe, funktioniert auf Anhieb. Zur Zeit fehlt es mir wirklich nicht an Ideen, nur eben an Zeit sie genügend auszufeilen. Teilweise hab ich schon überlegt einen Beitrag zu all den undokumentierten Fails hinter meinem Blog zu veröffentlichen. Aber dann nehm ich mir doch lieber die Zeit meine eigenen Fehler zu analysieren, um letztendlich auch Lösungen präsentieren zu können. Das kann nur ein bisschen dauern.
  3. In der Weihnachtszeit bin ich bei meiner Familie gewesen und habe durch das Fehlen meines Gesamtequipments einfach nicht die Gegebenheiten meine Beiträge wie gewohnt zu schreiben. Außerdem gibt es so viel zu Besprechen! Und zu gucken (ICH BIN TANTE GEWORDEN!!!!!)!

Nach all dem Vorgeplänkel gibt es jetzt aber endlich einen Beitrag, auf den ich mich schon seit meiner Rückkehr nach Bremen gefreut habe: Wan Tans. Mit ein paar Freunden beschlossen wir zu Silvester gemeinsam Hot Pot zu essen. Hot Pot ist im Grunde ein Art Brühfondue, in das alles mögliche an Gemüse, Fisch, Fleisch, usw. geworfen werden kann. Da man das Ganze in einem Topf auf dem Tisch macht, ist das super für mehrere Freunde, da sich durch das ständige Einwerfen weiterer Zutaten das Essen so richtig schön in die Länge ziehen lässt. Ohne, dass man weder verhungert noch platzt. Perfekt für Silvester!

Gut, es war eigentlich die Idee meiner chinesischen Freundin aus Shenzhen. Und irgendwie hat ihr Vorschlag auch ein bisschen mein ursprünglich geplantes Vorhaben, diverse Dim Sums zu machen, durcheinandergebracht. Allerdings konnte ich mich mit der Idee des Hot Pots schnell anfreunden, als ich sie darum bat möglichst viel von Anfang an machen zu dürfen. Denn normalerweise funktioniert chinesischer Hot Pot in Deutschland so: in den Asialaden gehen und dort einfach alles, was gebraucht wird, kaufen. Das reicht von Instantbrühemix über importiertes Gemüse zu tiefgefrorenem hauchdünn geschnittenem Fleisch und tiefgefrorenen Dumplings aller Art. Ich bin dem gegenüber allerdings sehr skeptisch, sodass ich den Anspruch hatte, möglichst frische und regionale, sowie saisonale Zutaten zu verwenden. Damit die Authentizität aber nicht verloren geht, habe ich schon einige Zutaten, die ich weder selbst machen, noch auf dem Markt finden konnte, im Asiamarkt gekauft. Unter anderem Tofuhaut (豆腐皮), eine supertolle Hot Pot Zutat!!

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Wan Tan Hüllen

Jetzt sollte ich aber wirklich langsam mal zu meinen Wan Tans kommen. Seit ich vor zwei Jahren zu Weihnachten eine manuelle Pastamaschine bekommen habe, mache ich ab und zu meine eigenen Nudeln. Allerdings ist das Seltsame, dass in deutschsprachigen Kochbüchern zwar ausführliche Rezepte zu italienischer Pasta aller Art zu finden sind, bei asiatischen Teigwaren allerdings stets auf Fertigprodukte verwiesen wird. Deswegen habe ich mir während des Taiwanurlaubs ein Kochbuch zu Teigwaren (媽媽的味道!幸福百變麵點 von Candy Sun) gekauft, in welchem endlich einmal asiatische Nudelgrundteige vorgestellt werden (und bei europäischen Teigwaren auf Fertigprodukte verwiesen wird!). Und darunter war auch das Rezept für Wan Tans mit unterschiedlichen Füllungen.

Wan Tan Hüllen (餛飩皮):

400 g Weizenmehl 550
3 g Salz
200 g Wasser
Stärke zum Bestreuen (ich hab Tapiokastärke verwendet)

  1. Mehl, Wasser und Salz miteinander vermischen und solange kneten, bis ein glatter, glänzender, sich von der Schüssel lösender Teig entstanden ist.
  2. Etwas ruhen lassen. (Ich hab den Teig so 10 bis 15 Minuten ruhen lassen)
  3. Ausrollen und in Quadrate schneiden. Mit meiner Pastamaschine habe ich den Teig auf die zweitdünnste Dicke ausgerollt und dann per Teigrädchen in Quadrate geschnitten.
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Wan Tan Hüllen

Für die Füllung wollte ich mich eigentlich an das Rezept aus dem Buch halten, aber das ist in Deutschland nicht zu 100% möglich, da es zum Beispiel kein 韭菜 (Jiǔcài) und 高麗菜 (Gāolícài) gibt. Das nächste zu diesen Zutaten sind Schnittlauch und Spitzkohl. Aber auch diese beiden Zutaten konnte ich nicht finden, sodass es Frühlingszwiebeln und Chinakohl wurde.

Füllung:

200 g Hackfleisch (in meinem Fall Rind und Schwein gemischt)
50 g Frühlingszwiebeln
150 g Chinakohl
10 g Würze (im Originalrezept 10 g getrocknete Shrimps, ich hab aber vegetarisches Rou Song (肉鬆) genommen)
1 TL Ingwer
1 TL Reiswein
1 TL Sesamöl
1 TL Sojasauce
2 TL Öl
1/2 TL Salz

  1. Fleisch, Kohl und Zwiebeln so klein es geht hacken und vermischen.
  2. Ingwer sehr fein schneiden oder reiben und zusammen mit den anderen Gewürzen zu der Hackfleischmischung geben.
  3. Je ca. 1/2 bis 1 TL Füllung auf ein Wan Tan Blatt geben und falten.
  4. Im Hot Pot ca. 2-4 Minuten garen. (Es ist schwer eine genaue Zeitangabe zu geben, da wir so mit Essen und Reden beschäftigt waren, dass keiner die Garzeit stoppte)
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Wan Tan Hüllen

Neben den Wan Tans habe ich auch eine Hühnerbrühe als Basis für den Hot Pot und Shrimpbällchen gemacht. Beide Rezepte habe ich von dieser Seite genommen. Außerdem gab es Gemüse vom Bauernladen: Chinakohl, Rettich, Sellerie, Mangold, Kartoffeln (Sorte Laura) und Feldsalat. Auf den ersten Blick mag es sehr seltsam erscheinen Feldsalat in ein Brühfondue zu werfen, aber gegart schmeckt Feldsalat ein bisschen wie mein kantonesisches Lieblingsblattgemüse Choi Sum!

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Wan Tan Hüllen

Als Dipsauce hat meine Shenzhenfreundin Frühlingszwiebeln und Ingwer in Öl angedünstet und das ganze mit Sojasauce abgelöscht. Von dieser Grundmischung konnte sich dann jeder einen Löffel in seine Dipschale geben und dann je nach Geschmack noch mit Reisessig, Sesamöl, noch mehr Sojasauce oder Chilisauce (老乾媽 Laoganma) vermischen.

Insgesamt haben wir zu siebt gute zweienhalb Stunden gehotpottet und hatten dabei eine Menge Spaß. Für Ungeduldige ein paar Tipps: Feldsalat ist binnen Sekunden essbereit; Tofuhaut und Champignons brauchen ca. 1 Minute; Wan Tans, hauchdünnes Rindfleisch und kleine Fleischbällchen brauchen ca. 2-4 Minuten. Am längsten dauern Rettich, Mangold und Kartoffel.

In diesem Sinne: Ein gesundes Neues Jahr!

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