Mixiang Hong Cha im Vergleich (蜜香紅茶比較)

Wie schon öfter beschrieben, liegt der Schwerpunkt meines Teelehrers ganz eindeutig auf Muzha Tieguanyin. Aber da er nicht nur in einer Teesorte bewandert ist, beschloss er zu meinem Besuch mir einen Crashkurs in Mixiang Hong Cha (蜜香紅茶, wortwörtlich Honigduftschwarztee) zu geben. Nun habe ich auch schon mehrfach meine Liebe zu chinesischen und taiwanesischen Schwarztee bekundet, sodass ich dem Vergleich der unterschiedlichen Ausführungen dieser einen Schwarzteesorte sehr aufmerksam folgte. Da dieser Vergleich aber nicht unbedingt nacheinander, sondern teilweise auch parallel stattfand oder sogar von gealtertem Tieguanyin unterbrochen wurde, fiel mir das systematische Dokumentieren der Mixiangs schwer. Ja, ich bin mir nicht einmal so richtig sicher, wie viele unterschiedliche Mixiangs ich da eigentlich getrunken habe. Denn von den Proben, die mir mein Teelehrer anschließend mitgab, glaube ich nicht alle in Taipei probiert zu haben. Und einen Tee konnte er mir nicht als Probe mitgeben, weil er nur eine kleine Packung von einem Freund geschenkt bekommen hatte.

Damit jeder Tee noch einzeln mehr Aufmerksamkeit bekommen kann, werde ich noch Einzelartikel zu meiner zweiten Verkostung in Bremen schreiben. Das heißt, dieser Artikel soll einfach nur kurz zeigen, wie unterschiedlich Tees mit dem gleichen Namen sein können.

Da Mao Mixiang Hong Cha
Da Mao Mixiang Hong Cha

Dieser Tee, den ich also nicht hier in Bremen habe, ist der Da Mao Mixiang Hong Cha (大冇蜜香紅茶). Das Besondere an diesem Tee ist, dass er im Vergleich zu den anderen besonders große Blätter hatte. Aber leider weiß ich nicht mehr, woher genau er kam. Möglicherweise aus der näheren Umgebung vom Sonne-Mond-See (日月潭), da dort noch vorrangig Schwarztee in Taiwan produziert wird.

Gerollter Mixiang Hong Cha aus Taichung
Gerollter Mixiang Hong Cha aus Taichung

Die jetzt folgenden Tees habe ich alle als Proben mitbekommen. So richtig, vor allem positiv, konnte ich mich aber nur noch an zwei Tees erinnern. Der erste ist ein gerollter Mixiang aus der Umgebung von Taichung. Da chinesische und taiwanesische Schwarztees so gut wie immer gezwirbelt sind, ist das gerollte Erscheinungsbild etwas irritierend: Ist das wirklich ein Schwarztee und nicht einfach ein ziemlich dunkler Oolong?

Gezwirbelter Mixiang Hong Cha aus Sanxia
Gezwirbelter Mixiang Hong Cha aus Sanxia

Der zweite Tee, an den ich mich noch erinnern kann, ist dieser Mixiang aus Sanxia. Ja, der ist genau von dem Teebauern, der auch den Sanxia Piluochun macht. Für diesen Tee verwendet er allerdings nicht die gleiche Teebaumart wie für seinen Piluochun, sondern Qingxin Oolong (青心烏龍).

Bei den nächsten drei Mixiangs bin ich mir wirklich sehr unsicher, ob ich sie schon getrunken habe. Umso gespannter bin ich sie gezielt zu verkosten. Allerdings gab mir mein Teelehrer auch ein oder zwei „Nieten“ mit: „nicht ganz so guter Mixiang, damit du besser die Unterschiede zwischen gutem und schlechten Mixiang lernst.“

Gezwirbelter Mixiang Hong Cha (rote Packung)
Gezwirbelter Mixiang Hong Cha (rote Packung)
Gezwribelter Mixiang Hong Cha von Arttea
Gezwribelter Mixiang Hong Cha von Arttea
Gezwirbelter Mixiang Hong Cha (goldene Verpackung)
Gezwirbelter Mixiang Hong Cha (goldene Verpackung)

In einen solchen nicht ganz so guten Tee gab mein Teelehrer auch einen Schuss Guihua Blütensirup (桂花). Ich war schokiert! Er süßt seinen Tee? Blütensirup? Im traditionell zubereiteten Schwarztee? Auf meine Empörung hin beschwichtigte er mich, dass er das nur bei nicht so gutem Schwarztee machen würde und dass das bester Blütensirup sei.

Gui Hua Blütensirup
Gui Hua Blütensirup

Und ja, zugegeben, das war schon irgendwie lecker mit dem Guihua Blütensirup. Ich weiger mich trotzdem Blütensirup in meinen traditionell zubereiteten Tee zu schütten. NIEMALS!

Erzgebirgischer Stollen nach plötzblog

Eigentlich gibt es hier öfters mal Kuchen zum Sonntagsnachmittagstee. Aber in der Adventszeit dachte ich mir, dass ich statt Kuchen einfach mal meinen selbst gebackenen Stollen (oder, da wo ich herkomme auch gängig „meine Stolle“) vorstelle. In meiner Familie gibt es jedes Jahr zu Weihnachten so eine Art unabgesprochenen internen Wettbewerb, wer den besten Stollen bäckt. Teilnehmerinnen sind meist meine Oma, meine Mama, manchmal auch meine Tante und ich. Letztes Jahr konnte ich den inoffiziellen Preis für den besten Familienstollen einfahren. Das mag vor allem an dem von mir verwendeten Rezept liegen. Da ich nun schon seit einiger Zeit Brot backe, ist meine ewige Quelle guter Brotrezepte der Brotblog von Lutz Geißler. Und dort habe ich auch mein diesjähriges Stollenrezept gefunden. Das ist zwar vom letzten Jahr (weil das diesjährige Vollkornstollenrezept erst nach meiner Backaktion gepostet wurde), aber nichtsdestotrotz sehr vielversprechend. Um den vollen Erfolg beim Nachbacken zu erzielen, kaufte ich mir tatsächlich Ciabattemehl (Tipo 0) und erstklassiges Orangeat und Zitronat. Noch nie habe ich in meinem Leben so viel für Orangeat oder Zitronat ausgegeben, aber ebenso war ich noch nie so geflasht von dem Geschmack. Also gelohnt hat sich der Kauf auf jeden Fall.

Tipo 0 Weizenmehl und Orangeat und Zitronat im Weckglas
Tipo 0 Weizenmehl und Orangeat und Zitronat im Weckglas

Wie auch die meisten Brote, muss Stollenbacken gut geplant und vorbereitet werden. Am Vortag des Backtages weichte ich schon die Früchte ein und bereitete die Butter-Gewürz-Mischung vor, für welche ich tatsächlich jede Mandeln einzeln von Hand gerieben habe (inklusive Bittermandeln waren das ganze 205g!!!), da mir erst nach dem Blanchieren der Mandeln einfiel, dass ich ja gar keine elektrische Reibevorrichtung für die Biester besitze. Ja, mein Stollen ist noch ganze Handarbeit! Weil meine Hände dementsprechend wehtaten, gibts vom Mandelreiben natürlich kein Foto.

Trockenfrüchte in Rum und Weißwein
Trockenfrüchte in Rum und Weißwein

Am eigentlich Backtag geht die Vorbereitung dann weiter mit Vorteig und endet nach etwa 3 Stunden mit hübschen Stollchen. Das Rezept ist zwar für 2 je 1000g Stollen ausgelegt, aber ich entschied mich für 4 je 500g Stollen, da die für unseren kleinen Haushalt nicht nur besser portionierbar sind, sondern auch besser als Lagerexperiment funktionieren.

Stollen vorm Backen
Stollen vorm Backen
Frisch aus dem Ofen
Frisch aus dem Ofen

Nach dem Backen sind die Stollen aber noch nicht fertig. Jetzt folgt im 12-Stunden-Rhythmus Buttern, Buttern und Buttern und Zuckern, um sie auch schön haltbar zu machen. Das Eintauchen in Butter, wie es im Rezept vorgeschlagen wird, konnte ich, vor allem aufgrund mangelnder Massen an Butter, nicht umsetzen. Dafür bepinselte ich meine Meisterwerke sehr großzügig.

Nach Buttern, Buttern und Zuckern
Nach Buttern, Buttern und Zuckern

Meine vier Stollchen durften dann alle unterschiedlich lang reifen. Das erste Stollchen wurde schon nach einer Woche getestet und für sehr gut befunden. Es scheint nur, dass ich wohl eine feinere Waage benötige, da ich schwer 0,5g oder 1g abwiegen konnte und somit meine Gewürzmischung doch sehr intensiv wurde. Den zweiten Stollen nahm ich letztes Wochenende mit zu meinen Eltern, wo er auch gleich gegen den Stollen meiner Mutter antreten konnte und aufgrund der starken Würzung diesen schnell übertrumpfte. Der dritte Stollen wurde parallel dazu vom Monsieur und meiner Mitbewohnerin angeschnitten und in der darauf folgenden Woche nach und nach vertilgt. Nach dem Anschneiden bequemte sich keiner von uns, den Stollen wieder einzupacken und trotzdem trocknete dieser kaum aus und war selbst bis zum Ende ziemlich saftig.

Aufgeschnittener Stollen
Aufgeschnittener Stollen

Den vierten Stollen gab es schließlich heute zum 2. Advent und im Vergleich zu seinen Vorgängern erschien mir dieser tatsächlich etwas trockener. Während meine Mama darauf schwört ihren Stollen schon Ende Oktober zu backen und mich anschließend per Telefon unter Druck zu setzen, meinte das Rezept, dass 3-6 Tage Lagerung auch total genügen. Und nach diesem kleinen Experiment bin ich beruhigt zu wissen, dass ich auch noch am 4. Advent saftigen Stollen für Weihnachten backen kann, ohne mich unnötig stressen zu müssen.

Der Weg des Tees vs. die Kunst des Tees (茶道與茶藝)

Dieser Beitrag wird im Gegensatz zu den meisten Einträgen hier sehr theoretisch. Denn es geht darum meine Verbindung zu Tee etwas zu klären.

Oft wird das, was ich mit Tee mache, als Teezeremonie bezeichnet. Teilweise ist das durchaus gerechtfertigt, da ich mich tatsächlich an einem Art rituellen Ablauf bei der Teezubereitung halte. Andererseits streube ich mich sehr gegen diese Bezeichnung, da es in meinen Augen unglaublich anmaßend von mir wäre zu behaupten, dass ich nach so kurzer Zeit die vielen Regeln einer bestimmten Teezeremonie beherrschen würde. Was ich bisher beherrsche ist die Fähigkeit, gezielt zu erkunden, welche Bedingungen für welchen Tee geeigneter sind und diese Bedingungen dann so anszuwenden, dass der Tee so gut wie möglich schmeckt.

Das Wichtigste ist der Tee (最重要的就是茶).

Genau diesen Leitsatz zu verinnerlichen, das habe ich in der Zeit mit meinem Teelehrer gelernt. Auf richtige Armbewegungen, die möglichst graziös aussehen sollen, hat mein Lehrer nie Wert gelegt. Darauf, dass ich kein starkes Parfüm trage, nicht stark geschminkt bin und nicht zwischen den Aufgüssen etwas esse, schon. Denn, ganz davon abgesehen, dass ich sowieso eher der natürliche Typ bin, ging es ihm vor allem darum den Tee stets in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu richten. Klar, korrigierte er hier und da schon meine Haltung, aber meist ging es dabei um funktionelle, so gut wie nie ästhetische Aspekte: „Nimm den Arm etwas höher, damit der Tee als längerer Strahl aus der Kanne kommt, da die Tülle so eng ist.“

Das, was mein Teelehrer mir beigebracht hat, ist 茶藝 (cháyì), auf Deutsch Teekunst. Auch der Teeclub der Uni, an der ich mein Austauschjahr verbracht hatte, hatte etwas mit Teekunst zu tun und nannte sich 茶藝社會 (so etwas wie Teekunstgesellschaft). Man kann also sagen, dass ich während meiner Zeit in Taiwan eigentlich fast ausschließlich mit 茶藝 konfrontiert wurde. Erst als ich zurück nach Deutschland kam, stellte ich fest, dass hier oft vom Weg des Tees oder dem Teeweg die Rede ist, selten aber von der Kunst des Tees. Dieser Weg des Tees ist auf Chinesisch 茶道 (chádào). Nun habe ich mich schon sehr lange gefragt, worin genau der Unterschied dieser beiden Bezeichnungen liegt, denn, dass es einen geben muss war ich mir ziemlich sicher, da die Darstellung von Tee so unterschiedlich voneinander sind.

Eine Internetrecherche half mir nur bedingt weite: Auf deutschen Seiten gibt es so gut wie nichts zur Teekunst. Eine Ausnahme ist hier die Vorstellung des Onlineshops die Kunst des Tees. Dort wird geschrieben:

Hinter den Tees von die Kunst des Tees stehen vor allem kleine Teebauern und Teemeister, die ihre Tees komplett von Hand gefertigt haben. Wir haben vielleicht keine Zertifikate wie z.B. Bio oder Fairtrade auf Papier, aber ich kenne fast jede einzelne Person, die mit meinen Tees zu tun hat. Jede Tasse unserer Tees ist der Beweis der Leidenschaft und der Liebe die in ihm stecken.

Ohne, dass ich hier Werbung für diesen Onlineshop machen möchte, ist das das, was ich von meinem Teelehrer gelernt habe. Es ist außerdem das, was ich auch auf meinem Blog versuche zu zeigen, zum Beispiel mit der Vorstellung des Röstmeister Wangs oder des Keramikmeisters Wu: Jede bewusste Entscheidung seinen Tee genau so herzustellen, wie man es sich vorstellt, genau so zu rösten, wie es traditionell verankert ist und Teegeschirr zu verwernden, dass genau so den einzelnen Charakter des Tees hervorhebt, das stellt Tee in den Vordergrund und zeugt davon, dass Tee durchaus als Kunstobjekt betrachtet werden kann.

Was auf den meisten deutschen Teeseiten dagegen sehr oft verbreitet wird, ist die heilende Wirkung von Tee auf Körper und Geist. Ich kann nur aus eigenen Erfahrungen heraus bestätigen, dass Tee und dessen aufmerksame Zubereitung für mich sehr entspannend und möglicherweise sogar präventiv vor Erkältungen und derart schützend sind. Allerdings stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn Tee in die Esoterikecke gedrängt wird. Das ist vor allem so, weil die Aufmerksamkeit vom Tee selbst auf die Teetrinkenden verschoben wird. Plötzlich ist nicht der Tee am wichtigsten, sondern der Mensch. Es geht darum, dass sich der Geist durch konzentrierte Bewegungen beruhigt, dass die Umgebung gezielt wahrgenommen werden soll und dass sich dadurch, mit viel Übung, eine andere Lebensweise ergibt.

Diese Ideen der Zubereitung von Tee in zeremonieller Weise ist wahrscheinlich auch zu großem Teil durch die japanische Teezeremonie geprägt. Da ich mich weder mit japanischer Teezeremonie noch mit japanischen Philosphien bauskenne, kann ich mir hier schlecht ein Urteil erlauben. Was mich allerdings weiterhin an der esoterischen Vermarktung von Tee stört, ist dessen Verbinung mit religiösen Elementen. Nun mag meine Meinung zu diesem Punkt stark dadurch geprägt sein, dass ich mich selbst als Atheist sehe. Allerdings konnte auch mein Teelehrer mich mit seiner Meinung bestärken: Tee ist Tee, Religion ist Religion. Nun kann man natürlich beides, nach persönlichen Vorlieben, miteinander kombinieren. Tee aber automatisch mit religiösen Praktiken, wie zum Beispiel Meditieren, in Verbindung zu bringen empfinde ich als unpassend, da so der Tee lediglich als Mittel zum Zweck dient. Als wäre Tee die Lösung menschlicher Probleme.

Für mich ist Tee ein Genussmittel und ich finde als solches betrachtet verdient Tee nicht nur Aufmerksamkeit, sondern vor allem auch bewussten und verantwortungsvollen Konsum. Damit meine ich nicht, dass Tee ausschließlich in kleinen Mengen getrunken werden darf, sondern vor allem: zu wissen, woher der Tee kommt; zu wertschätzen, wie viel Arbeit in diesem Tee steckt; und zu erkennen, welche Bedürfnisse der Tee aufgrund seines Charakters hat.

Deswegen mache ich keine Teezeremonie, ich mache einfach Tee.