Indischer Chai: Assam vs. Rooibos

Meinen wohl ersten Chaikontakt hatte ich wahrscheinlich mit Beginn meines Studiums irgendwann 2008. Der Chailattewahn war gerade noch am Anfang und ich war voll begeistert als ich im Unibibcafé Pulver mit Milch angerührt bekam und das nach Gewürzen schmeckte. Da das Ganze doch schon gepfefferte Preise hatte (und immer noch hat, was ich überhaupt nicht so ganz nachvollziehen kann), verspürte ich den Drang selbst Chai zu Hause zu machen. Ganz stolz kann ich von mir behaupten NIE Instantpulverchai gekauft zu haben! Stattdessen experimentierte ich mit diversen Teebeutelchais. Ja, ich habe tatsächlich auch mal Teebeutel verwendet. Und mit selbstgemachtem Chaisirup hatte ich es auch mal probiert. Aber das auch nicht allzu lange. Denn irgendwann entdeckte ich mal auf einem How-to-channel auf Youtube das folgende Video zur Herstellung von Chai Latte:

In diesem doch schon ins Alter gekommenen Video wird zwar schon loser Tee verwendet, aber doch schon fertig aromatisierter. Ich recherchierte also im Laufe der Zeit weiter und fing dann langsam an meine eigene Chaimischung mit losem Tee vorzubereiten. Aber irgendwie war das noch nicht das Ende vom Lied.

Dieses Jahr im September war ich dann zusammen mit dem Monsieur zu einer indisch-deutschen Hochzeit eingeladen, auf welcher wir auch ein mit dem Brautpaar befreundetes indisches Pärchen wiedersahen. Dieses Pärchen fuhr dann mit uns zusammen zurück nach Bremen und somit durfte ich endlich aus erster Hand lernen, wie nun indischer Chai gemacht wird. Was die Gewürze angeht, war ich erst einmal überrascht wie wenig unterschiedliche Gewürze da überhaupt reinkamen. In meine Chaimischung hatte ich von Pfeffer über Anissamen so einiges reingehauen. Da seit September aber auch schon einige Zeit vergangen ist und ich mir die Gewürzzutaten nicht aufgeschrieben habe, bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob da Sternanis drin war. Auf jeden Fall Kardamom. Und Zimt. Bei den Nelken bin ich mir zu 70% sicher.

Trockene Gewürze: Zimt, Kardamom, Sternanis, Nelken
Trockene Gewürze: Zimt, Kardamom, Sternanis, Nelken

Unsere Gäste hatten nur den Kardamom etwas aufgebrochen und den Rest so in die Milch gegeben. Ich zermörser das aber alles ein bisschen, damit sich das Aroma so richtig entfaltet.

Gewürze und Tee: links Rooibos, rechts Assam
Gewürze und Tee: links Rooibos, rechts Assam

Neben den trockenen Gewürzen ist frischer Ingwer ein wichtiger Bestandteil. Und Tee natürlich. Als unsere Gäste den Chai zubereiteten waren sie ein bisschen vom Assam überrascht. Der hatte so große Blätter! Ich dagegen war sehr verwundert als ich so kleinen CTC (crash tear curl) Schwarztee von einer anderen indischen Freundin vorgestellt bekam. Da CTC Tee so kleingehackt (oder eben zerrissen) ist, zieht der besonders schnell und wird auch schnell bitter. Deswegen bin ich kein großer Fan von CTC. Aber für Chai scheint der wohl super geeignet zu sein. Da ich aber nur Assam als indischen Schwarztee habe, muss der auch gehen. Das Ganze wird dann eben etwas milder. Für meinen Assammilchteegeschmack aber kein Problem.

Eine weitere Variante ist Rooiboschai. Da ich Chai besonders gern an kalten Winterabenden trinke, von Assam am Abend aber Einschlafprobleme bekomme, bereite ich mir am Abend meist Fakechai mit Rooibos zu. Rooibos ist kein Tee im engeren Sinne, schmeckt mit Milch und Gewürzen aber auch ganz hervorragend. Diese Variante mochte auch meine taiwanesische Mitbewohnerin sehr, sodass ich ihr zu meinem Auslandsjahr in Taiwan tatsächlich meine eigene Rooiboschaimischung mitbrachte.

Alles in heißer Milch aufkochen
Alles in heißer Milch aufkochen

Nun aber zur Zubereitung: Gewürze und Tee werden in heißer Wassermilch (Milch : Wasser = 1:1) aufgekocht und dann für ein paar Minuten ziehen gelassen. Bei meinen selbstständigen Chaigehversuchen gab ich die Milch immer erst am Ende dazu, wie eben auch im Video gezeigt. Allerdings entfalten sich die Aromen der Gewürze um einiges besser, wenn sie in Milch und Wasser aufgekocht werden.

Da ich zwei unterschiedliche Chaivarianten gleichzeitig zubereitete, aber nur einen Topf einsauen wollte, kochte ich zunächst nur die Gewürze in der Wassermilch auf, goss das dann in die mit Tee vorbereiteten Tassen und ließ das für eine Weile ziehen.

Ungesiebter Chai: links Rooibos, rechts Assam
Ungesiebter Chai: links Rooibos, rechts Assam

Damit der Chai aber nicht allzu sehr auskühlt, habe ich dann jede Variante noch einmal einzeln im Topf aufgekocht und dann durch ein Sieb erneut in die Tasse gegossen. Dazu gab es dann noch für jede Tasse einen Klecks Honig. Auch wenn ich meinen Tee grundsätzlich ungesüßt bevorzuge, ist Süßungsmittel irgendeiner Art (Zucker, Honig, Agavendicksaft, etc.) bei Chai wichtig, da sich somit das Aroma noch einmal mehr entfalten kann.

Fertiger Chai: links Rooibos, rechts Assam
Fertiger Chai: links Rooibos, rechts Assam

Im direkten Vergleich sieht der Rooiboschai von der Farbe her schöner aus, aber geschmacklich kann er mit dem Assam nicht mithalten. Das Schwarzteearoma sorgt wirklich für etwas mehr Bämm!. Aber das soll auf keinen Fall heißen, dass der Rooiboschai schlecht ist. Im Gegenteil, für eine koffeinfreie Alternative ist der Rooiboschai super geeignet. Und beide Varianten wärmen ordentlich durch.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s