Kombucha Runde XYZ: Der wohl letzte seiner Art

Es gab schon lange keinen vollständigen Kombuchabeitrag mehr. Das liegt wahrscheinlich an meiner schwindenden Lust Kombucha zu trinken. Kombucha machen finde ich nach wie vor total spannend, aber soooooo prall sind die Ergebnisse jetzt auch nicht. Vor allem im Winter reizt es mich überhaupt nicht kühlschrankkalte Getränke in mich hineinzuschütten. Trotzdem möchte ich meine Scobys nicht sterben lassen. Gerade nachdem ich im Grunde eine komplett neue Generation von Mutterscobys gezüchtet habe.20151104_Urlaubsernte

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Scobyausbeute nach dreiwöchigem Urlaub

Diese neue Muttergeneration enstand zwar eher durch meine Hektik vor der Reise, sprich Vergessen, den Kombucha aufzufrischen, aber Riesenscobys sind Riesenscobys. Schaut euch die Monster mal an! Teilweise machten die Scobys dreiviertel des Glases aus! Den glattesten und hübschesten der Scobys verschenkte ich an einen Freund, der meinen Kombucha von Anfang an toll fand. Er ist auch der einzige, der sich immer meldet, wenn ich jammere, dass ich meinen Kombucha nicht zu trinken schaffe.

Ein weiterer Punkt, der meine Kombuchaproduktion etwas erschwert ist, dass ich mein Teesortiment einmal so richtig ausgemistet habe und unter anderem auch sämtlich Pröbchen, die ich so nicht mehr trinken werde, entsorgt habe. Der Gedanke an Kombucha kam mir beim Ausmisten natürlich nicht. Genauso wenig achtete ich darauf, welche Teesorten ich bisher schon für Kombucha verwendet hatte. Denn hauptsächlich ging es mir diesmal darum, meinen Scobys frische Nahrung zu verschaffen.

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Links: Xihu Longjing, rechts: Morimoto Fancy Sencha

Deshalb wurde die wohl bisher letzte Kombucharunde in dieser Art mit Xihu Longjing und Morimoto Fancy Sencha bestritten. Denn Grüntees hatten sich bei der Kombuchaherstellung stets als sehr geeignet herausgestellt.

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Nach 11 Tagen

Da mir einmal die Doppelfermentation so schön gelungen war, wollte ich das wieder ausprobieren. Allerdings hatten wir nur Orangensaft im Haus. Na gut, einen Versuch ist es wert. Dachte ich.

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Nach einer Woche Abfüllung: oben Doppelfermentation mit Orangensaft, links Longjing, rechts Sencha

Orangensaft ist nicht wirklich für doppelfermentierten Kombucha geeignet. Denn das Ganze schmeckt dann einfach nur noch nach halbgärigem Orangensaft. Nicht zu empfehlen. Der pure Kombucha dagegen ist wirklich sehr angenehm geworden. Nicht zu süß, nicht zu sauer. Aber trotzdem wird es mir nicht so leicht fallen, die 0,6l alle zu bekommen. Winter ist einfach nicht der richtige Zeitpunkt für Kombucha, finde ich.

Wenn ich jetzt also schreibe, dass das hier der letzte Kombucha seiner Art gewesen ist, was passiert denn jetzt mit den Scobys? Die dürfen weiter rumkombuchen. Nur werde ich statt Trinkkombucha mal versuchen, wie Kombuchaessig so ist. Das heißt, statt 10 Tagen Reifung dürfen die Scobys in ein, zwei Monaten sämtlichen Zucker auffuttern und fleißig den Tee versäuern. Mal sehen, wie das wird.

Alltagstee in Taiwan: Bubbletea, Eistee, Milchtee…

Dass es in Taiwan nicht nur kunstvoll in dazu passend ausgewählter Keramik und aufwendig mit mehreren Aufgüssen zubereiteten Tee gibt, habe ich schon oft erwähnt. Vor allem im Sommer, als ich es mir auf die Fahne schrieb den Ruf des Bubbleteas in Deutschland zu retten. Also machte ich Tapiokabubbles von Hand, kreierte Saftgeleewürfel für einen Touch Lokalität, verarbeitete meinen Kombuchascoby zu Fake-Nata und experimentierte überhaupt viel mit Eistees und Milchtees.

Als ich dann jetzt endlich wieder in Taiwan war, durfte das Testtrinken an den vielen Getränkeläden natürlich auch nicht zu kurz kommen. Es hat sich in den letzten 3 Jahren allerdings einiges verändert.

  1. Entweder bin aus den Getränken, die in Taiwan angeboten werden, herausgewachsen oder die Qualität hat etwas abgenommen. So einige der Getränke, die ich bestellte, konnte ich nicht beenden, da sie einfach nicht lecker oder unerträglich süß waren. Und auch wenn man bei fast jedem Getränkeladen den Süßheitsgrad einstellen kann, so unterscheidet sich die Realsüße des Getränks echt von Laden zu Laden. Denkt man beim einen, oh, da hätte ich ja doch ein bisschen Zucker reinmachen können, empfindet man bei gleichem Wert bei einem anderen Laden das Getränk einfach nur elendig süß. Ein weiterer Punkt war die Milch oder in den meisten Fällen von Milchtee das Milchpulver. Da ich an 3,8%-ige Biofrischmilch aus dem Bremer Umland gewöhnt bin, schmeckt mir Milchpulvertee einfach überhaupt gar nicht!

    Drei Getränkeläden nebeneinander
    Drei Getränkeläden nebeneinander
  2. Es gibt noch mehr Getränkeläden. Schon vor 3 Jahren war ich überrascht, dass es praktisch an jeder Ecke einen Getränkeladen gibt. Aber dieses Mal hatte ich das Gefühl, dass jeder Laden vom letzten Mal jeweils links und rechts noch einen Konkurrenzladen dazu bekommen hätte. Und neben den relativ übersichtlichen großen Ketten gibt es jetzt unzählige neue Läden. Meist genau nebeneinander.
  3. Trotz Ladenvielfalt ist das Angebot stets gleich. Man könnte meinen, dass es bei so vielen unterschiedlichen Ketten und Läden eine Wahnsinnsvielfalt an Getränken geben müsste. Ganz im Gegenteil. Rein subjektiv kommt es mir so vor, als wenn ein stiller gemeinsamer Konsens gefunden wurde, der bestimmt, welche Getränke auf jeden Fall angeboten werden müssen. Natürlich gibt es schon noch Läden, die Getränke anbieten, die es sonst kaum gibt, aber das ist doch irgendwie seltener als erwartet der Fall.

    Aufbau eines Bubbletealadens
    Aufbau eines Bubbletealadens
  4. Es gibt vermehrt traditionell taiwanesische Teesorten. Wo es vor drei Jahren oft nur die Auswahl zwischen grün, schwarz, und Oolong gab, gibt es mittlerweile auch vermehrt Tieguanyin, Sijichun (四季春) und Jinxuan zu trinken. Das finde ich zwar generell schon gut, aber ehrlich gesagt, habe ich mich nicht getraut, diese Tees aus einem Plastikbecher in großen Mengen zu trinken.
  5. Die Portionen sind größer geworden. Vor drei Jahren wurde ich stets gefragt, ob ich einen großen (700 ml) oder einen kleinen (500 ml) Becher wolle und war mit der Wahl des großen Bechers eher eine Ausnahme, da die meisten anderen Kunden kleine Becher zu bevorzugen schienen. Jetzt gibt es in manchen Läden ausschließlich große (700 ml) oder sehr große (1000 ml) Becher. Und wenn man nicht explizit sagt, dass man einen kleinen Becher möchte, wird es automatisch ein großer.

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    Beispielkarte eines Getränkeladens
  6. Es gibt endlich ein paar Läden, die wiederauffüllbare Trinkflaschen zum mehrmaligen Gebrauch anbieten und außerdem auf deren Verwendung Rabatte gewähren. Auch wenn ich dieses Angebot, vor allem auch, weil eben nicht alle Läden bei diesem Konzept mitmachen und ich nicht an eine bestimmte Kette gebunden sein wollte, nicht in Anspruch nahm, find ich es super langsam aber sicher gegen die Einwegplastikbecker vorzugehen. Wenn ich mir jetzt im Nachhinein anschaue, wie viel Müll ich allein durch das Trinken solcher Getränke produziert habe, wird mir leicht schlecht.

Als Fazit kann ich also ziehen, dass ich von den Bubbletealäden diesmal schon irgendwie mehr enttäuscht als begeistert war. Das soll allerdings nicht heißen, dass ich Teegetränken mit Saft- oder Milchzugabe und Toppings abgeneigt bin, sondern eher, dass ich wohl noch wählerischer geworden bin. Mit höheren Ansprüchen kommt eben auch mehr Enttäuschung und sehr stark eingeschränkte Auswahl.

Dong Ding Oolong (凍頂烏龍)

Da ich schon eine Weile wieder zuhause bin, hatte ich endlich einmal Zeit mein Teesortiment, sowie sämtliches Teegeschirr einmal durchzugehen, zu säubern und auszusortieren. Jezt verfüge ich über ein simples System: geöffnete Tees sind sofort zugänglich, für noch geschlossene Tees muss ich ins Nebenzimmer. Das soll dafür sorgen, dass ich endlich mal einen Überblick darüber habe, was eigentlich alles angebrochen ist. Und das ist eine Menge! Teilweise wurde die Zahl meiner angebrochenen Tees auch durch den Taiwanurlaub stark erhöht. Denn mein Teelehrer steckte mir Unmengen an „Proben“ zu, wobei so eine Probe schon mal ca. 200g Tee ist. Eine dieser Proben ist auch dieser Dong Ding Oolong.

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Trockenes Blatt

Das Schöne an Dong Ding ist, dass es schon ein sehr typischer Taiwanoolong ist, aber meiner Meinung nach nicht diesen in meinen Augen doch irgendwie aufdringlichen grünen Touch eines Hochgebirgsoolongs aufweist. Dadurch, dass ich regelrecht auf Tieguanyin trainiert bin, komme ich nicht besonders gut an Hochgebirgsoolongs wie z.B. Alishan Gaoshancha (阿里山高山茶) heran. Ein weiterer Fakt, der bei mir für eine Art Boykott von Alishan Gaoshancha gesorgt hat, ist die Umweltzerstörung auf dem Alishan, die durch das Fällen großer, tiefwurzlicher Bäume und das Anpflanzen kleiner Teesträucher, stark gefördert wird. Bei jedem etwas größeren Regen hat die Alishanregion mit starken Erdrutschen zu kämpfen. Auch wenn mein Boykott dieses Tees wahrscheinlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, so versuche ich doch, Alishan Gaoshancha zu umgehen.

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Aufgüsse 1-6

Was hat jetzt aber Dong Ding Oolong mit Alishan Gaoshancha zu tun? Nun ja, Dong Ding Oolong gehört auch zu den Hochgebirgstees. Aber mein Teelehrer meinte auf meine Bedenken hin, dass Dong Ding nicht so schlimme Auswirkungen hätte. Was den Dong Ding allerdings gefährden würde, wäre, ebenso wie beim Tieguanyin, der Trend zur leichteren Fermentation. Angeblich soll es mittlerweile sehr schwer sein, traditionell hergestellten Dong Ding zu finden, was echt schade ist, da Dong Ding Oolong eine der ältesten Oolongsorten Taiwans ist.

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Aufgegossenes Blatt

Da ich diesen Tee aber eher so nebenbei von meinem Teelehrer zugesteckt bekam, fehlen mir sämtliche Informationen! Das ist echt ein bisschen ungünstig, da ich mich generell eher wenig mit Dong Ding auskenne und jetzt auch noch kaum Anhaltspunkte zu diesem ganz konkreten Tee habe.

Vom Aussehen und auch Geschmack her, fand ich den Tee sehr angenehm, wobei ich noch etwas schwanke, ob ich ihn nicht doch ein bisschen zu leicht fermentiert empfand. Oder es war die Röstung, die mir nicht stark genug war. Auf jeden Fall fehlte mir irgendetwas zum Bäm! Aber wenn man sich die aufgegossenen Blätter anschaut, dann ist sofort klar, dass es sich um einen taiwanesischen Oolong handelt, den ich direkt aus Taiwan mitgebracht habe: solche schönen großen ganzen Blätter aus soooo kleinen Kugeln! Wundervoll!

Auf einen Blick:

Dong Ding Oolong
Herkunftsort: Lugu (?), Nantou (?), Taiwan
Erntezeitpunkt: Frühjahr 2015 (?)
Kultivar: ?
Typ: ca. 30-40 % fermentierter Oolong, leicht geröstet
Bio-Zertifikat: k.A.
Preis (€/100g): k.A.