Reunion mit meinem Teelehrer

Es wird endlich wieder etwas teeiger auf meinem Teeblog! Denn nach mehr als drei Jahren habe ich endlich wieder meinen Teelehrer getroffen. Und so wie er so ist, gab es gleich die volle Packung Tee, wobei Fotosessions mit traidtioneller Kleidung natürlich auch dazu gehören.

Gemeinsames Fotoshooting
Gemeinsames Fotoshooting

Sowieso passiert immer ganz viel auf einmal, wenn mein Teelehrer mich unterrichtet. Er macht Tee, zeigt mir nebenbei seine neuen Teekeramikerrungenschaften, schiebt mir zwischendurch getrocknete Longan zu, erzählt mir, dass sein sämtlicher Tieguanyinvorat bis auf den fünf Jahre gelagerten ausverkauft sei und macht mir dann im gleichen Atemzug Platz, damit ich den nächsten Aufguss zubereiten kann. Wenn ich dann Tee mache, kommentiert er meine Haltung, korrigiert, wo es nötig ist, lässt mich an allem riechen, was Tee berührt hat und kann schon beim ersten Tropfen aus der Tülle erkennen, ob ich den Tee lang genug ziehen lassen hab oder nicht. Es ist großartig! Als wäre ich keinen Tag weg gewesen!

Gepflickte Teekanne
Geflickte Teekanne

Was sich schon zum letzten Mal verändert hat ist die Anzahl der Teekannen in seiner Wohnung. Vor drei Jahren hatte er nur relativ wenige Teeutensilien in seiner Wohnung und das meiste in seinem Teehäuschen auf Maokong. Diesmal aber waren die Wandregale voll von den unterschiedlichsten Kannen, Tassen, Ausgießern und anderem Zubehör. Einige besondere Kannen reihte mein Teelehrer vor mir auf: eine geflickte Teekanne, die entlang eines feinen Risses mit Metallklammern zusammengehalten wurden und eine besonders alte Porzellankanne aus der Qingdynastie.

Porzellankanne aus der Qingdynastie
Porzellankanne aus der Qingdynastie

Aber so viel Zeit zum Bewundern der Teekannen hatte ich gar nicht, weil es gleich darauf mit 2010er Tieguanyin los ging.

Tieguanyin vom Winter 2010
Tieguanyin vom Winter 2010

Da ich selbst noch etwas älteren Tieguanyin zu Hause habe, ging ich davon aus, dass der 2010er von meinem Teelehrer sehr ähnlich sein würde. Weit gefehlt. Der gealterte Tieguanyin entsprach überhaupt nicht meiner Geschmacksvorstellung. Und das merkte auch mein Teelehrer. Also erklärte er mir, dass ich einen bestimmten Geschmack im Gedächtnis habe, mich aber erst an den gealterten Tieguanyin gewöhnen müsse. Zu meiner Verteidung: ich fand den Tee keinesfalls schlecht, wirklich nur ungewohnt. Rauchiger als erwartet. Weniger fruchtig als erwartet. Aber genauso stark wie erwartet.

Erster Aufguss
Erster Aufguss

Den ersten Aufguss bereitete mein Teelehrer in einer relativ in einer Yixingkanne zu.

Vergleich des Aufgusses in unterschiedlichen Porzellantassen
Vergleich des Aufgusses in unterschiedlichen Porzellantassen

Auch wenn mein Teelehrer viel erzählt und erklärt und zeigt, so geschieht all das stets vor oder nach dem Teeaufgießen. Während der Tee brüht herrscht Ruhe. Beim Ausschenken auch noch teilweise. Aber sobald allen Gästen serviert wurde, kann weiter gespielt werden. Zum Beispiel mit unterschiedlichen Tassen und deren Wirkung auf die Farbe und den Geschmack des Tees.

Zweiter Aufguss
Zweiter Aufguss

Den zweiten Aufguss bereitete eine weitere Schülerin meines Teelehrers zu. Sie lernt jetzt schon seit drei Jahren mit ihm und nimmt bald an einem Wettbewerb teil, weswegen sie in letzter Zeit fast täglich Tieguanyin zubereiten übt. Ich liebe es auch anderen Meistern und Schülern beim Teezubereiten zuzuschauen, weil jeder irgendwie seinen eigenen Stil hat und es so ganz unterschiedliche schöne Bewegungen gibt. Was ich an dieser Schülerin besonders mag ist ihre Natürlichkeit und auch gewisse Direktheit. Beides finde ich sehr angenehm und passend.

Dritter Aufguss
Dritter Aufguss

Und dann durfte ich den dritten Aufguss zubereiten. Ein bisschen nervös war ich schon. Zwar hab ich mich fleißig weiter mit Tee beschäftigt, aber Tieguanyin habe ich trotzdem nicht so oft zubereitet, wie ich es gern hätte. Es gibt einfach zu viele unterschiedliche Tees! Und vor meinem Teelehrer Tee zuzubereiten ist immer wieder aufregend, wobei ich genau weiß, dass er mich nie rügen würde, sondern stets gut gemeinte Ratschläge geben würde.

Fotoshooting im Teehaus
Fotoshooting im Teehaus

Zum Abschluss ging es am Abend noch auf Maokong, wo ich in traditioneller Kleidung Fotos in seinem Teehaus schießen sollte. Ein bisschen hatte ich gehofft, dass er mich, so wie sonst auch, hierhin dirigiert und mich dahin schickt, um die und die Pose zu machen oder so und so zu tun als ob ich Tee trinke, ausschenke oder rieche. All das geschah nicht, sodass ich mir nur einige Lieblingsorte in seinem Teehaus aussuchte. Ich liebe dieses Teehaus! So viele unterschiedliche Eckchen zum Teemachen! Leider hatten wir nur keine Zeit mehr für Tee auf Maokong. Aber vielleicht beim nächsten Mal.

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