Auswärts Tee trinken (und auch was essen): MIKU Bremen

Wenn es einen Ort für Essensflashbacks nach Südchina in Bremen gibt, dann das MIKU. Als ich vor fast drei Jahren das erste Mal in dem Restaurant in der Nähe des Bahnhofs gleich neben dem dortigen Asiamarkt war, da war es noch ein Bubbletealaden mit Selbstbedienungssuppentheke (麻辣湯)! Bin ich froh, dass es seit vielleicht zwei Jahren ein Dim Sum Restaurant ist, auch wenn die Suppen eigentlich ganz cool waren. Das erste Mal Dim Sum bei MIKU sorgte sofort dafür, dass ich mich geschmacklich in Foshan (佛山) wiederfinden konnte. Dort hatte ich 2007/2008 an einer Grundschule Englisch unterrichtet und meinen ersten Vorortkontakt nicht nur mit China und dessen Leute und Kultur, sondern vor allem auch mit kantonesischem Essen. Ich LIEBE kantonesisches Essen: viel Seafood, viel Gedämpftes, viel Gemüse, viel Tee.

Wan Tan Nudelsuppe (餛飩麵) und Pu Erh
Wan Tan Nudelsuppe (餛飩麵) und Pu Erh

Bei meinem heutigen Besuch beim MIKU waren wir nur zu zweit, sodass wir nicht ganz so viel bestellt haben (trotzdem aber pappensatt aus dem Restaurant gingen!). Als ersten Gang sozusagen bestellten wir uns Wan Tan Nudelsuppe (餛飩麵). Und das ist so eines der Gerichte, das könnte ich unendlich essen. Wenn man allein ins MIKU gehen sollte (was schon irgendwie traurig wäre, weil man dann ja gar nicht so viel durchprobieren kann), wäre diese Nudelsuppe auf jeden Fall schon gut sättigend. Ansonsten sind mehrere Dim Sums natürlich Pflicht.

Hühnerfüße (風抓)
Hühnerfüße (鳳爪)

Und was beweist die Authentizität eines chinesischen Restaurants in Deutschland nicht besser als Hühnerfüße (鳳爪, wortwörtlich ‚Phönixkrallen‘)? Ja, ich weiß, dass ist jetzt nicht ein Gericht, dass aller Menschen Herz höher schlagen lässt, aber ich find es ganz großartig. Zwar hat es mich in China auch mehrere Anläufe und viel Überwindung und vor allem Verwunderung à la „Was genau soll ich da denn jetzt noch essen???“ gekostet, aber das war es wert! Nun war ich schon lange nicht mehr in China und in Taiwan habe ich Hühnerfüße überhaupt nicht gesehen, sodass ich gerade nur von den Hühnerfüßen im MIKU schwärmen kann: die sind so weich gekocht, da kann man das Fleisch (???) von den Knochen ablutschen. Meist gibts Hühnerfüße in zwei Varianten: kalt in Chili oder warm in Sauce. Ich mag warm in Soße lieber, weil kalt in Chili wirklich wirklich wirklich zäh ist. Meine erste Begegnung damit war in einem Club in Foshan. Als Snack. Zum Bier.

Hühnerfleischbaozi (雞字包)
Hühnerfleischbaozi (雞字包)

Ein weiter Must-Eat-Dim-Sum-Klassiker sind Baozi in irgendeiner Form. So richtig klassisch kantonesisch ist Char Siu Bao (叉燒包), aber wir entschieden uns für mit Hühnchen gefüllte Baozi. Die waren auch lecker. Nur hab ich bei diesen Baozi immer das Gefühl, dass das einfach Tiefkühlware ist.

Hühnerfüße, Rippchen und Tintenfisch in Gemüse
Hühnerfüße, Rippchen und Tintenfisch in Gemüse

Das dritte Dim Sum, was wir hatten, waren in schwarzer Bohnenpaste gedämpfte Rippchen. So richtig schön chinesisch mit Knochen und Knorpeln. Auch das ist etwas, dass ich erst in Foshan kennengerlernt habe: in chinesischem Fleisch sind sehr oft Knochen. Und der Grund ist ziemlich simpel: mit Knochen schmeckts besser. Weil mir meiner Freundin nicht glauben wollte, dass wir auch locker von Dim Sum satt werden können, bestellte sie noch ein Tintenfischgericht dazu. Aber wir waren beide schon so satt, dass wir das kaum anrührten.

Pu Erh
Pu Erh

Jetzt habe ich so viel vom Essen geredet, was ist denn nun mit dem Tee? So chinesisch wie Hühnerfüße und Baozi ist auch der Tee. Die Auswahl ist übersichtlich, aber preislich gesehen unschlagbar: 2 € pro Kanne Tieguanyin, Longjing oder Pu Erh. Zwar wurde uns die Kanne am Ende für zwei Personen zu 4 € berechnet, aber da wir die Logik nicht verstehen wollten, baten wir den Kellner noch einen weiteren Aufguss zu machen. Und auch wenn der anfänglich sehr dünn wirkte, war doch noch eine Menge Geschmack da.

Fazit: Wer doch ziemlich authentisches südchinesisches Essen kennenlernen möchte oder es einfach nur vermisst, dem sei das MIKU sehr ans Herz gelegt. Da der Schwerpunkt hier eindeutig auf Dim Sum liegt, sollte von eher nordchinesischen Gerichten wie Kung Pao Chicken (宮保雞丁) oder Ma Po Tofu (麻婆豆腐) abgesehen werden. Esst mehr Dim Sum!

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