Nata aus Kombuchascoby

Ich bin mal wieder so richtig geflasht! Nicht nur, dass ich mit einem Projekt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte, nein!, es enstand auch noch ein Ergebnis, worauf ich schon mächtig stolz bin: Ich habe (falsches) Nata de Coco selbst gemacht! Und in mittelmäßigem kalten Gyokuro schmeckt das ganz großartig!

Jetzt aber mal der Reihe nach: Wieso bin ich stolz darauf falsches Nata produziert zu haben? Und was ist so toll an mittelmäßigem Gyokuro? Fangen wir mit der zweiten Frage zuerst an. Aus Frust, dass meine Shinchabestellung für mein Shinchaseminar an der VHS Bremen nicht angekommen war, hatte ich in einem lokalen Teeladen in Bremen Gyokuro gekauft. Leider erinnerte mich dieser Tee immer wieder daran, dass er ein purer Frustkauf war, denn er wollte mir einfach nicht gefallen. Ja, er war nicht schlecht, hmmm, jaaa, aber mal ganz ehrlich: das soll ein Gyokuro sein? Da geht mein leicht gedämpfter Shincha eher in die Richtung. Außerdem kam er in einer Papiertüte daher. Das kann ich ja auch gar nicht leiden, weil spätestens nach einem Monat der ganze Tee auch nach Papier schmeckt. Zum Glück konnte ich den Großteil diesen Gyokuros in eine Dose umfüllen, aber ein kleiner Rest verblieb in der Tüte. Und genau diesen Rest verarbeitete ich zu kalten Gyokuro (heiß aufgebrüht und dann abkühlen lassen), der ganz wunderbar zu meinem geplanten Bubbletea mit Nata passen sollte. Nur vollständigkeitshalber habe ich trotzdem mal Blätter und Aufgüsse des Gyokuro dokumentiert. Aber einen extra Beitrag hätte ich zu dem gar nicht schreiben können, weil mir auch sämtliche Angaben fehlen. Statt Erntezeitpunkt, Ort und Kultivar gibt es so schöne aussagekräftige Texte wie „nach überlieferter Tradition produzierter, von Hand gefertigter Schattentee mit viel Substanz und edler Tasse“.

Japan Gyokuro trockenes Blatt
Japan Gyokuro trockenes Blatt
Aufgüsse 1 bis 3
Aufgüsse 1 bis 3
Aufgegossenes Blatt
Aufgegossenes Blatt

Als ich also meinen mittelmäßigen Gyokuro vorbereitete, schwebte mir schon ein Bild für dessen Verwendung vor: Bubbletea mit Nata. Natürlich hat das wieder mit meiner Zeit in Taiwan zu tun. Denn, wie schon vor einiger Zeit mal erwähnt, können im Bubbletea nicht nur Bubbles, sondern auch allerlei anderer Glibberkram rumschwimmen. Und neben den ganz traditionellen Tapiokastärkebubbles liebte ich Nata de Coco. Auf Chinesisch heißt das 椰果 (Yē guǒ, wortwörtlich „Kokosfrucht“). Ich hab mich zwar auch schon in Taiwan gefragt, was das jetzt genau ist, aber da ja „Kokos“ im Wort vor kam, begnügte ich mich mit dem Wissen, dass es Kokosnussgelee ist. Erst vor kurzem, als ich durch meine Fermentationsbibel stöberte, stieß ich erneut auf Nata de Coco, unter der Überschrift „Kombucha Candy: Nata“. Dort wird erklärt, dass Nata de Coco aus den Philippinen stammt und eigentlich durch die Fermentation von Kokosnusswasser gewonnen wird. Allerdings sei es überhaupt kein Problem die Herstellung von Nata auf einen Kombuchascoby zu übertragen. Wie praktisch, dass sich da in meinem „Scobyhotel“ ein ganz wundervoller, gleichmäßig dicker, Scoby gebildet hatte!

Geerneteter Scoby
Geerneteter Scoby

Wie schon Katz‘ Anleitung für den Gingerbug, ist die Anleitung für Kombuchanata auch sehr „detailliert“. Aber das macht gar nichts. Denn wie ich beim Herstellen meines Natas feststellte, brauchte ich gar keine genauen Angaben. Um eine bissere Übersicht zu haben, werde ich den Ablauf hier mal in Stichpunkten wiedergeben:

  1. Einen mind. 1 cm dicken Scoby gut abspülen und in Stückchen schneiden. Aufgrund der gummiartigen Textur ist das gar nicht so einfach.
  2. Die Kombuchastückchen für 10 Minuten in kaltes Wasser legen, Wasser abgießen und je nach Bedarf nochmals in Wasser geben. Katz schlägt ein doppeltes Wasserliegen vor, damit der Kombucha nicht zu sauer schmeckt, aber ich hab das Ganze nur ein Mal im Wasser ziehen  lassen, da ich keine Angst vor Kombuchasäure habe.
  3. Die abgetropften Stückchen in einen Topf geben, mit Wasser bedecken und für 10 min köcheln. Auch hier empfiehlt Katz das Ganze zu wiederholen, ich hab das nicht gemacht.
  4. Die gekochten Stückchen abtropfen lassen und zusammen mit ungefähr der gleichen Menge Zucker im Topf kandieren.
  5. Abkühlen lassen und schon mal naschen.
  6. Für den Bubbletea jetzt einfach das fertige Nata in den kalten Tee geben und genießen.
In Stückchen geschnittener Scoby
In Stückchen geschnittener Scoby
Stückchen in Wasser kochen
Stückchen in Wasser kochen
Fertiges Nata
Fertiges Nata

Und wie ist es denn jetzt so, mein falsches Nata in mittelmäßigem Gyokuro? EINFACH RICHTIG GUT! Ich bin hellauf begeistert. Mein Kombuchanata kommt von der Konsistenz wirklich sehr sehr sehr nah an Nata de Coco ran. Und geschmacklich ist es auch ganz toll. Noch ein bisschen sauer, aber wirklich nicht zu viel. Im kalten, etwas bitteren Tee, kommt gerade dieses süßsäuerliche des Natas ganz hervorragend zur Geltung. Wenn ich also keine Lust auf Kombuchatrinken habe, dann kann ich mir jetzt Kombuchanata machen!

Japan Gyokuro mit Nata
Japan Gyokuro mit Nata
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s