Kantonesische Mooncakes ohne Eigelb (無鹽蛋黃廣式月餅)

Am Sonntag war Midautumn Festival (中秋節), ein chinesisches Fest, dass zum 15. Tag des 8. Monats nach traditionellem Mondkalender stattfindet und zu diesem es Mondkuchen zu essen gibt. Mondkuchen oder so wie ich es eher gewöhnt bin Mooncake (月餅) gibts in diversen Formen und Geschmackssorten. Mal ist der Teig eher fest und geschmeidig, mal zerbröckelt alles beim ersten Biss, mal ist er aus Klebreis und mal sogar aus Eis. Die Füllung kann süß, herzhaft oder beides auf einmal sein: rote Bohnen, grüne Bohnen, Lotus, Nüsse und Kerne, Schweinefleisch, Curry,….. Und selbst wenn die Füllung süß daherkommt, lauert in der Mitte meist ein salziges Eigelb. Nicht ganz so mein Fall.

Meinen allerersten Mooncake hatte ich vor acht Jahren in Foshan. Damals war ich so dermaßen geflasht von den Dingern, dass ich die regelrecht gesuchtet habe. Das könnte wohl auch meine immense Gewichtszunahme zu der Zeit erklären. Mittlerweile bin ich mir aber über den doch schon ziemlich hohen Nährwert bewusst. Was mich an den kantonesischen Mooncakes schon immer beeindruckt hat, waren die schönen Muster auf der Oberseite der Mooncakes. Meist stand da sogar auf Chinesisch drauf, welche Füllung sich im Inneren verbirgt! Und da ich schon lange mal Lust hatte selbst Mooncakes zu machen, bestellte ich mir für dieses Jahr endlich mal Mooncakeförmchen.

Mooncakeförmchen
Mooncakeförmchen

Da ich bei kantonesischen Mooncakes zwar immer die süße Füllung aber nicht das salzige Eigelb mochte (und ich außerdem nicht so genau wusste, wo ich in Deutschland salziges Eigelb herbekommen sollte), sollten meine Mooncakes nur süß gefüllt werden. Und da sich die Rezepte auf den diversen Seiten, die ich mir anschaute, imer so anhörten, dass auf relativ wenig Teig viel Füllung kommt, bereitete ich lieber etwas mehr Füllung vor. Neben roter-Bohnen-Paste bereitete ich auf die gleiche Art und Weise eine grüne-Bohnen-Paste mit Mungbohnen vor und darüber hinaus noch eine Süßkartoffelfüllung, die im Grunde wie süßer Kartoffelbrei funktioniert: Süßkartoffel mit Schale weich kochen, pellen, zerstampfen oder pürieren, etwas Milch, etwas Butter, etwas Zucker.

oben: Füllungen: grüne Bohnen, rote Bohnen, Süßkartoffel unten: Teig
oben: Füllungen: grüne Bohnen, rote Bohnen, Süßkartoffel
unten: Teig

Jetzt aber zum eigentlichen spannenden Teil: der Teig. Ich suchte auf diversen chinesisch- und englischsprachigen Blogs und alle hatten die gleichen Zutaten: Mehl, Erdnussöl, Zuckersirup und alkalisches Wasser. Letzteres sorgte bei mir für starke Verwirrung. Nicht nur, dass die Übersetzung über Google Translate vom Chinesischen 梘水 ins Englische ’soap water‘ wurde, nein, darüber hinaus landete ich bei meiner Googlerecherche bei einer seltsamen pseudogesundheitlichen Seite nach der anderen, die mir alle verklickern wollten, dass alkalischen Wasser um ein Vielfaches gesünder sei als herkömmliches Wasser und so weiter und so fort. Ich wollte doch einfach nur wissen, was das jetzt genau ist und wo ich das bekommen kann. Laut einigen dieser mysteriösen Gesundheitsseiten kann man alkalisches Wasser wohl selbst herstellen, indem man Zitronenscheiben über Nacht ins Wasser legt. Okay? Sind Zitronen nicht sauer? Und wenn ich saure Sachen ins Wasser legen wird es wie durch Zauberhand alkalisch? Whatever. Hab’s trotzdem so gemacht. Vor allem auch, weil mir ja praktisch nichts anderes übrig blieb. Und normales Wasser zu nehmen kam ja mal überhaupt nicht in Frage…

Den Zuckersirup hatte ich irgendwie auf meiner Einkaufsliste vergessen und so stand ich am Sonntag in der Küche, wollte meinen Teig vorbereiten und war am Verzweifeln. Also wurde es statt Zuckersirup Honig. Immer diese Kompromisse! Weiter ging es mit dem Mehl: auf irgendeiner Seite stand dann plötzlich Hong Kong Flour im Rezept. Also war es mal wieder Zeit nach Mehltypen in den unterschiedlichen Kulturregionen zu suchen. Mittlerweile weiß ich ja, dass all-purpose flour unserem Type 550 entspricht, aber Hong Kong flour hatte ich noch nie gehört. Es stellte sich heraus, dass das wohl ein besonders feines cake flour sein soll. 405 ist mein Freund. Ist das nicht der Wahnsinn, wie ich bei dreiviertel dieser vier simplen Zutaten Kompromisse eingehen musste. Einzig und allein das Erdnussöl hatte ich tatsächlich da.

Teig:

450 g Mehl (Type 405)
270 g Zuckersirup (in meinem Fall Honig)
10 g alkalisches Wasser
110 g Erdnussöl

  1. Zuckersirup (oder Honig), alkalisches Wasser und Erdnussöl gut mischen.
  2. Mehl dazu geben und zu einem gleichmäßigen Teig rühren/kneten.
  3. Für mindestens 20 Minuten ruhen lassen.
  4. Füllung auf platt gedrückten Teig geben, zu einer Kugel rollen und in der Form zu einem Mooncake pressen.
  5. Für 5 Minuten bei 175°C backen.
  6. Herausnehmen, 10 Minuten abkühlen lassen und dann mit Eigelbwasser abstreichen.
  7. Weitere 10 Minuten bei 175°C backen.
Ungebackene Mooncakes
Ungebackene Mooncakes
Mooncakes mit Füllung
Mooncakes mit Füllung

Das Pressen der Mooncakes macht echt besonders Spaß, weil sich dann die schönen Muster ergeben. Und nach dem Backen kommen die durch das Eigelb noch etwas schöner zum Ausdruck. So hübsch!

Fertige Mooncakes
Fertige Mooncakes

Für meinen ersten Versuch waren diese Mooncakes schon sehr erfolgreich. Allerdings schmeckte man den Honig sehr stark heraus, was zu einem etwas weihnachtlicheren Geschmacksereignis führte. Und diese Mooncakes sind extrem süß. Für meinen Geschmack viel zu süß. Aber meine Freunde fanden die super. Meine Kuchenfreundin war so begeistert von den Süßkartoffelmooncakes, dass sie einen nach dem anderen verdrückte.

Achso, noch am Rande: Das war viel zu viel zu viel zu viel Füllung. Ich muss mir etwas einfallen lassen, wie ich die verwerten kann….

Es gibt viel zu tun, denn der Urlaub naht

Ich kann es kaum selbst glauben, aber ich habe gerade schlicht und ergreifend kaum Zeit für meinen Blog. Das macht mich schon ein bisschen traurig, da ich vor allem auch gar nicht so richtig weiß, was ich derzeit teeiges berichten soll. Denn mein einziger Teekonsum beschränkt sich in den letzten Tagen auf den morgendlichen Milchtee. Aber das wird sich alles bald bald bald ändern. Denn tatatataaaa ab Anfang Oktober nehme ich mir wohlverdienten Urlaub. Und es geht natürlich in Teegfilde: ein paar Tage Hong Kong und dann ein paar Wochen Taiwan. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten! Und ich sprudel nur so vor Blogbeitragsideen, aber um die alle umzusetzen muss ich ja erst einmal vor Ort sein.

Da ich nach drei Jahren auch endlich mal wieder meinen Teelehrer sehen werde, möchte ich ihm ein Geschenk mitbringen. Es sollte mit Tee zu tun haben und möglichst nicht in Taiwan erhältlich sein. Wie schön, dass es in der Nähe von Bremen die ostfriesische Teekultur gibt! Als ich vor einer ganzen Weile mal im ostfriesischen Teemuseum in Norden war, lernte ich dort auch etwas über das Teegeschirr. Das Porzellan wurde zwar oft in Thüringen hergestellt, aber die traditionelle friesische Rose wurde erst in Ostfriesland von Hand draufgemalt. Und weil ich diese ostfriesische Rose schon damals so wunderschön fand, entschied ich mich für zwei ostfriesische Teetässchen (0,14 l) mit dazu passenden Untertassen.

20150924_Ostfriesentasse3Als ich danach gesucht habe, bin ich seltsamerweise nur bei Büntig Tee fündig geworden. Und leider leider gibt es da auch nicht alle Details zum Hersteller des Geschirrs. Aber schön sind die Tässchen und Tellerchen auf jeden Fall.

Gesamtansicht
Gesamtansicht

Zierlich und leicht zerbrechbar sind sie leider auch. Das lernte ich auf die harte Tour als ich ganz einfach unter warmen Wasser mit einem Schwamm die Ettikettenklebereste entfernen wollte und bei einer der Tassen plötzlich ein Teil der Tassenwand in der Hand hatte. Die neue Tasse ist schon bestellt, aber der Verlust ist trotzdem schmerzhaft. Hoffentlich überstehen die alle ihre Reise nach Taiwan.