2003 Yiwu Wild Arbor von tea-exclusive

Nachdem ich jetzt schon einen sheng und einen shou Pu Erh von meinem Probepaket probiert hatte, traute ich mich diesmal an die zweitälteste Probe heran. Ich trau mich irgendwie noch nicht, den 1960er Yiwu zu öffnen, also wurde es der Yiwu Wild Arbor. Auch der war wieder ein Bing Pu Erh.

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Trockenes Blatt

Das trockene Blatt ist zerstückelter als ich erwartet hatte. Riecht typisch nach Pu Erh.

Verwendetes Teegeschirr
Verwendetes Teegeschirr

Auch wenn ich kurz davor war meinen Tongaiwan zu verwenden, da sheng Pu Erhs so hell sind, entschied ich mich letztendlich doch für meine Presskeramikkanne. Aber beim nächsten Mal wird es wirklich der Gaiwan.

oben: v.l.n.r. 1.-3. Aufguss unten: v.l.n.r. 4.-6. Aufguss
oben: v.l.n.r. 1.-3. Aufguss
unten: v.l.n.r. 4.-6. Aufguss

Jetzt zu dem eigentlich spannenden Teil: der Geschmack. Ja. Das war heute so eine Hassliebe. Die Bittermelone (苦瓜) der Pu Erhs. Bittermelone ist ein Gemüse, welches ich in China und Taiwan kennengelernt habe. Jedes Mal, wenn ich dieses Gemüse auf dem Markt sah, musste ich es kaufen, weil es so eine anziehende Faszination auf mich ausübt: Wie kann ein so hübsches Gemüse (die Bilder auf Wikipedia spiegeln die eigentliche Schönheit gar nicht wider) bittesehr bitter sein? Und wenn schon, so bitter wirds schon nicht sein! Bittermelone ist bitter. Immer. Und auch beim Essen von Bittermelone schwanke ich zwischen „ach, das ist doch gar nicht so schlimm“ und „ich esse dieses Gemüse nie wieder“. Zurück zum Yiwu Wild Arbor: Ich nahm den ersten Schluck von ersten Aufguss nach dem „Wecken der Teeblätter“ und reagiert mit „Bääh“. Dann schluckte ich runter und es machte sich ein sehr angenehmer süßer Geschmack im Mund breit. Ich liebe es, wenn Tees einen schönen Nachgeschmack hinterlassen. Dann kam der zweite Schluck. Wieder „Bääh“ im Mund und dann „Hmmmm“ als der Tee verschwunden war. So ging das bis zum 6. Aufguss. Ab dem 7. fand ich den Tee dann nicht mehr so anstrengend.

Trockenes Blatt
Aufgegossenes Blatt

Ich war echt voll durcheinander von dieser emotionalen Achterbahnfahrt durch diesen Pu Erh. Trinken geht gar nicht, der Nachgeschmack ist aber super, was mach ich da bloß? Ach, egal, ich muss eh weg, also lass uns einfach alle Aufgüsse in eine Flasche gießen und kalt stellen. Vielleicht ist er ja kalt einfacher zu ertragen.

Mischung aller Aufgüsse kalt gestellt
Mischung aller Aufgüsse kalt gestellt

TATSÄCHLICH! Kalt und 9 Aufgüsse zusammengehauen ist der Yiwu Wild Arbor nicht nur erträglich, sondern richtig lecker.

Auf einen Blick:

2003 Yiwu Wild Arbor Pu Erh
Herkunftsort: Xishuangbanna, Yunnan, China
Erntezeitpunkt: 2003
Typ: Sheng
Bio-Zertifikat: nein
Preis (€/100g): 22,47€

Matcha-Erdbeer-Sahne-Rolle

Wenn sich irgendein Tee zum Backen anbietet, dann ist es Matcha! Dieses knallgrüne japanische Teepulver kann eigentlich überall rein, wo andere pulvrige Substanzen drin sind. Allerdings habe ich bei meinen schon zahlreichen Matchabackaktionen feststellen können, dass Matcha die Triebfähigkeit des Teiges zu beeinträchtigen scheint. Das kam vor allem dann vor, wenn ich einfach Mehl durch einen Teil Matcha ersetzt habe. Das durfte ich mir bei diesem Kuchen allerdings nicht erlauben, da es sich um einen Geburtstagskuchen handelte. Also suchte ich nach einem Rezept, dem ich auf jeden Fall vertrauen kann.

Schon vor einiger Zeit, als ich oft auf Blogs zu Bentos und japanischen Speisen im Generellen unterwegs war, habe ich einen ganz zauberhaften Wagashiblog gefunden: Wagashi Maniac. Leider scheint dieser Blog schon seit einer Weile nicht mehr aktualisiert zu werden. Echt schade. Denn da gibt es so viele schöne Rezepte zu Kleinigkeiten speziell zum Tee! Auf jeden Fall habe ich mich da an dem Rezept für die Matchabiskuitrolle mit Ankosahne orientiert. Ich steh zwar auch total auf Anko (und die Freundin, für die der Kuchen war, auch), aber ich hatte „frische Zutaten vom Markt“ versprochen. Und ja, ich weiß, es ist noch nicht ganz Erdbeerzeit, aber ich habe trotzdem eine (etwas teuere) Schale deutsche Erdbeeren gekauft und statt des Ankos in die Sahne gemischt.

Von der Konsistenz her, war der Biskuit wirklich sehr schön weich. Nur habe ich irgendwie kaum Matcha geschmeckt, obwohl ich 10g in den Teig gegeben habe. Nun gut, das könnte auch mit der Qualität des Matchas zusammen hängen. Für die ersten 4g oder so habe ich zunächst meinen Kochmatcha aufgebraucht (der schon etwas ausgebleicht war und eher ins gelbliche als ins grüne ging), um dann kurz Panik zu schieben, weil ich nicht mehr genug Matcha hatte, um dann meinen Deluxe-Matcha zu opfern. Farblich war es das auf jeden Fall wert.

Aber so schnell wie der Kuchen aufgetischt war, war er auch schon aufgefuttert. Könnte man als Geschmackskriterium nehmen, oder?

Matcha-Erdbeer-Sahne-Rolle
Matcha-Erdbeer-Sahne-Rolle

Hier das von mir leicht modifizierte Rezept:

4 Eier (Eiweiße und Eigelbe getrennt)
70 g Zucker (zu 30g und 40g)
30 ml Öl
60 ml Wasser
20 g Weizenstärke
60 g Weizenmehl Type 405
10 g Matcha
300 g Erdbeeren
200 ml Schlagsahne
(1 Päckchen Sahnesteif)
2 EL Zucker

1. Backofen auf 190°C vorheizen und Backblech mit Backpapier auslegen

2. Eigelbe mit 30 g Zucker schaumig schlagen (sollte hellgelb und etwas dickflüssiger sein), dann Wasser und Öl dazugeben; Mehl, Stärke und Matcha dazusieben und vermischen

3. Eiweiß mit 40 g Zucker steif schlagen, dann die Eiweißmasse in 3 Teilen vorsichtig unter den Teig heben.

4. Auf dem Backblech gleichmäßig verteilen und den Teig bei 190°C für 12-15 Minuten backen (sollte an der Oberfläche leicht goldig sein), Stäbchenprobe machen

5. Den noch warmen Kuchen zusammenrollen und zusammengerollt auskühlen lassen

6. Wenn der Kuchen kalt ist, die Sahne mit den 2 EL Zucker (und dem Sahnesteif) zu Schlagsahne schlagen und gleichmäßig auf dem ausgerollten Teig verteilen

7. Erdbeeren in Stückchen schneiden und auf der Sahne verteilen

8. Kuchen zusammenrollen und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank kühlen

9. In Scheibchen schneiden, mit Erdbeeren dekorieren und essen.

2010 Ma Guo Tou von tea-exclusive

Nachdem ich bei der ersten Verkostung meines ersten Pu Erhs aus der Probierpackung einen sheng Pu Erh probiert hatte, wurde es diesmal ein shou Pu Erh. So einer, der richtig tiefdunkelrot aufgießt! Oh, jaaaa!

Trockenes Blatt
Trockenes Blatt

Schon das trockene Blatt entlockte mir ein Wow! Hier sieht man wirklich ohne Probleme, dass es sich um einen Bing Pu Erh handelt. Zwar ein bisschen zerkrümelt, aber doch irgendwie hübsch.

Verwendetes Teegeschirr
Verwendetes Teegeschirr

Aber was ich an dem Ma Guo Tou eigentlich am tollsten fand, war die sehr beeindruckene tiefdunkelrote Farbe des Aufgusses. Ich könnte stundenlang über die Ästhetik des Aufgusses philosophieren.

oben: v.l.n.r. 1.-4. Aufguss unten: v.l.n.r. 5.-8. Aufguss
oben: v.l.n.r. 1.-4. Aufguss
unten: v.l.n.r. 5.-8. Aufguss

Aber auch geschmacklich fand ich diesen Pu Erh großartig. Ganz weich, samtig und perfekt für einen gemütlichen Teeabend mit guten Freunden. Auch wenn tea-exclusive den Tee als Frühstücks- oder Nachmittagstee kategorisiert (ich find die Fakten von tea-exclusive zu ihren Tees großartig!), ist das für mich ein „je später der Abend, desto besser der Tee“-Tee. Also ich würde den erst den hartgesonnenen Gästen ab 22 Uhr anbieten.

Aufgegossenes Blatt
Aufgegossenes Blatt

Gut, dass nasse Blatt würde jetzt keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, aber das ist bei der Farbe und bei dem Geschmack auch echt kein wirklicher Kritikpunkt.

Auf einen Blick:

2010 Ma Guo Tou Pu Erh
Herkunftsort: Xishuangbanna, Yunnan, China
Erntezeitpunkt: 2010
Typ: Shou
Kultivare: Yunnan Assamica
Bio-Zertifikat: nein
Preis (€/100g): 12,25 €